Ich weiß nicht, wie das in anderen Bulä geregelt ist, bei uns wird der Schulpsychologe nicht mehr verpflichtend hinzugezogen. Da darf man froh sein, wenns die Eltern mal gemacht haben und einem die Ergebnisse zukommen lassen.
IQ-Testergebnisse sind also nicht zwingender Bestandteil von förderpädagogischen Gutachten. Und ja, wenn die Rate der Förderschulkinder zu hoch ist (dieses Jahr wollen wir mal unter x% kommen liebe KollegInnen), dann werden wir auch angehalten, "anders" zu urteilen. "Gucken se mal, da gibts einen Logopädenbericht. Wir schaun mal, ob der nicht doch eher sprachbehindert ist und integrativ beschult werden kann."
Bei Erziehungshilfe noch viel extremer. Da ruft man seinen Chef an, wie viele Plätze es in Klasse 3 noch gibt und dann wird geguckt, wer von den 150 gemeldeten Kindern am allerwenigsten beschult werden kann, die gewinnen dann die beiden Plätze.
Bei uns läuft es so: Ich melde den Fall an die Sonderpädagogin der Schule. Die meldet das Kind an die sonderpädagogische Beratungslehrkraft, die von Schule zu Schule pilgert und schaut, ob die Fälle schwer genug sind. Wenn die ihr ok gibt, darf ich einen xx-seitigen Bericht schreiben. Der wird an die Beratungslehrkaft weitergereicht und die muss schauen, ob wirklich alle Förderpläne und pipapo ausgefüllt und vorhanden ist und hospitieren, um zu schauen, ob der Fall nun immer noch schwer genug ist. Falls ja, wird der Antrag in der Koordinierungsstelle eingereicht. Das geht auch gegen den Willen der Eltern, aber dann gibt es wohl kaum eine Chance, dass der Antrag positiv entschieden wird. In der Koordinierungsstelle stapeln sich auf den Tischen der dort arbeitenden Sonderpädagogen die Akten. Diese kommen dann nach mehreren Monaten und schauen sich das Kind an. Bei "Sprache" wird das Kind für einen Test rausgenommen, bei "Lernen" ebenfalls, da werden IQ-Tests gemacht, bei ESE kommen sie eine Stunde hospitieren. Dazu gibt es wohl noch ein Elterngespräch. Danach entscheiden sie. Wenn man Glück hat, ist der Antrag bis zum Ende des Schujahres durch. In manchen Schuljahren waren sie so überlastet, dass es dann bis ins Folgeschuljahr hinein dauerte.
Der Schulpsychologe hat da meist gar nichts mit zu tun. Die werden bei uns theoretisch einbezogen, wenn Lerntherapien beantragt werden sollen. Praktisch haben die so viel Arbeit, dass es wohl auch dazu kaum noch kommt.
Das bedeutet: Bei uns sagt keiner "Wir wollen auf xx% kommen." Wir melden die Kinder mit richtig großen Problemen und 2 Externe entscheiden darüber, um Geklüngel auszuschließen und alles objektiv (und streng) zu beurteilen, damit die Zahl der Förderschüler gesenkt werde. (Mit diesen Entscheidungen der Externen haben wir eine zweistellige Prozentzahl - und das, obwohl LE und ESE in Kl. 1/2 nicht existieren in Berlin.) Integrativ beschult werden dann eh fast alle, denn:
Plätze für Kinder mit Sprache und ESE gibt es bei uns an Förderschulen genau Null. Keine. Nix. Nada.
Für "Lernen" gibt es ab Klassenstufe 3 eine Klasse im Bezirk, da landen meist Kinder mit schwerer Lernbehinderung und gleichzeitigen em-soz Problemen.
Für "GE" gibt es eine Klasse ab Klasse 1. Dort bekommen ebenfalls nur die schwersten Fälle einen Platz.