Beiträge von Conni

    Das ist etwas, das wir schon lange bemängeln. Neulich ist meiner Kollegin der Kragen geplatzt, als die Schüler unserer neuen 5. Klasse zwar das kleine 1x1 nicht beherrschten und nicht schriftlich dividieren konnten, aber im NW-Unterricht stolz berichteten, Magnetismus habe man schon in der Grundschule gehabt. (Und das als herzensüberzeugte Physiklehrerin ...)


    Wir merken sehr stark, dass die Kernkompetenzen (Leseverständnis, Rechtschreibung, Grundrechenarten, von der Tafel Abschreiben u.a.) nicht mehr vorhanden sind, dafür konnten unsere Fünftklässler präsentieren wie die Weltmeister! Da hätten sie sogar gestandenen Managern im Meeting etwas vorgemacht.

    ...
    Ich finde das Grundschullehramt sehr anspruchsvoll. Aber die Kernlehrpläne sollten dringend überdacht werden, und auch das Maß an Offenem Unterricht, der ja doch meist nur den Starken nützt.

    Das Problem sind hier wie du schon schreibst nicht unfähigen Grundschullehrer, sondern die Lehrpläne und die Didaktiker:
    Es wird viel Wert auf "denkendes Rechnen" gelegt. Die Kinder sollen keine Rechenschritte auswendig lernen, sondern jeder soll genau verstehen, was er tut, genau den Zahlenraum überblicken und sich am besten Rechenstrategien selber erarbeiten. Wir haben ein Lehrwerk, in dem werden auf 2 Seiten oft 2 bis 3 verschiedene Rechenwege präsentiert. Danach kommt das "geschickte Rechnen". Das ist für alle Kinder, denen Mathe auch nur einen Hauch schwer fällt, eine Totalkatastrophe. Die sind ja froh, wenn sie einen Rechenweg (mechanisch) auswendig können. Und es ist schon eins der "leichteren" Werke.
    "Denkendes Rechnen" betrifft auch das kleine Einmaleins: Man lernt die "Blitzaufgaben" auswendig: mal 1, 2, 5, 10 und die Quadrataufgabe. Also 1x4, 2x4, 4x4, 5x4, 10x4 aus der 4er-Reihe. Den Rest kann man halbschriftlich ausrechnen: 9x4 = 10x4-1x4 = 40 - 4 = 36. 8x4 = 5x4 + 3x4 oder 10x4 - 2x4. Das Problem daran ist, dass das Abrufen der Blitzaufgaben am Anfang lange dauert. Danach kommen die anderen Schritte: Die Herleitungsaufgabe finden (könnten bei mir einige ohne Hilfe gar nicht), die Blitzaufgaben sicher ausrechnen, die Additions- bzw. Subtraktionsaufgabe lösen. Das dauert ewig und da es bei uns extrem viele Kinder mit Rechenproblemen gibt, müssen meine das auswenig lernen, den Kokolores mache ich nicht mit. Leider hilft das nicht flächendeckend. Einigen Eltern und Kindern ist es piepegal. Die Möglichkeiten im Unterricht sind ausgeschöft. Ich bin schon langsamer vorgegangen und habe mehr Möglichkeiten gelassen, um gezielt das 1x1 zu erlernen - um den Preis, dass wir einen Teil des Lehrplans dann nicht schaffen können, denn die Klasse ist leistungsschwach und langsam. Ferner wurde im Nachmittagsbereich von schulischer Seite mit den Kindern in den letzten 13 Monaten regelmäßig geübt. Es können nicht alle das 1x1.

    Dann kommt aber hinzu, dass bei vielen das Gedächtnis sehr schwach ist. Ich habe Kinder, bei denen liegt das Gedächtnis im Bereich, den normalerweise lernbehinderte Kinder haben (teilweise an der unteren Grenze), der Rest der Intelligenzleistungen im Normbereich. Die sind nicht lernbehindert, können sich aber kaum etwas merken. Ich habe einen Schüler, der bis heute die Namen der beiden Fachlehrerinnen nicht weiß. Es gibt Kinder, die nicht wissen, was das Sekretariat ist und wie man hinkommt, obwohl sie täglich vorbeilaufen und wir mehrmals gemeinsam dort waren, weil ich lange Zeit ja noch Hoffnung hatte, dass das nur vorübergehende Desorientierung ist.

    Es gibt natürlich auch Probleme in Deutsch, es werden regelmäßig Buchstabenverbindungen und die Wortarten vergessen. Da die meisten noch Schwierigkeiten haben, ganze Sätze zu sprechen, insbesondere Verben einzufügen (Einführung des "Prädikats" ist da sehr lustig), habe ich sogar die Einmaleinsreihen und die Definitionen für Wortarten mit der Klasse im Chor in ganzen Sätzen gesprochen, daneben Buchstaben beim Schreiben mitsprechen lassen. (Wir reden übrigens von einer 3. Klasse. Und ja, es werden welche ans Gymnasium gehen.) Das habe ich so nicht gelernt und es ist komisch, das so umzusetzen. Aber ich weiß nicht weiter. Unsere Sonderpädagogin und die LRS- und Sprachbildungs-Multiplikatorin können mir nicht weiterhelfen. Alle Fortbildungen bauen darauf auf, dass man normal aufnahmefähige Schüler hat, helfen mir konkret also auch nicht.

    Etwa einmal wöchentlich müssen wir wiederholen, woran man ein Schreibheft erkennt. Täglich fragt ein Kind, welches Datum sie in D schreiben sollen (das lange mit Tag und Monat, seit 2 Jahren). Danach fragt dann meist einer, ob hinter der Tageszahl ein Punkt kommt und ob der Wochentag tatsächlich mit g am Ende des Wortes geschrieben wird, der Tafeldienst habe so undeutlich geschrieben.


    Zurück zur Didaktik: Theoretisch sollen die Kinder nun Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge selber erforschen. 24x4 ist das Doppelte von 12x4 oder 24x2. Das haben bei mir z.B. heute 3 geschafft. Eigentlich müsste ich nun mit allen diese Zusammenhänge gemeinsam besprechen und klären. Die Stunde fehlt dann aber wieder an anderen Stellen, denn es sind immer zu viele Themen für zu wenige Mathestunden.
    Dann werden in allen 4 Grundrechenarten die halbschriftlichen Varianten zuerst eingeführt und sollen so lange geübt werden, bis sie sitzen.
    Also: 435 + 283 = 435 + 200 + 80 + 3 = 635 + 80 + 3 = 715 + 3 = 718. Untereinander geschrieben. Sollte irgendwann im Kopf gehen. Wir haben es an unserer Schule abgeschafft, denn damit müssten wir den Mathestoff der 3. Klasse auf mindestens 2 Schuljahre strecken, damit es die meisten halbwegs können. Wir sind froh, wenn sie sich die schriftlichen Verfahren merken können - und benötigen dafür eine Reihe von Monaten Übungszeit.

    Weiter in der Didaktik: "Ideal" ist es ja, wenn jeder selbstständig dort arbeitet, wo er gerade ist und man ab und an zur Mathekonferenz zusammenkommt. Also Beispielsweise rechnen dann in einer typischen Mathestunde der 3. Klasse 2 Kinder bis 10, 2 bis 20, 8 bis 100, 4 üben das 1x1, 5 rechnen bis 1000 und 4 beschäftigen sich mit Knobelaufgaben, weil sie den Stoff schon beherrschen. Mit mir alleine. Ab und zu setzen sich alle zusammen und dann wird besprochen, wie man z.B. halbschriftlich multipliziert. Interessiert in der Gruppe ja quasi nur 13 Kinder, der Rest ist weit entfernt. Ich habe keinen Didaktiker gefunden, der das jemals in der Praxis gezeigt hätte. Das Problem, wenn man mit allen das gleiche macht ist aber, dass eine Reihe von Kindern Lücken ansammelt, weil sie eben die Aufgaben bis 20 oder das 1x1 wieder vergessen haben.

    Thema Magnetismus: Siehe Lehrplan. Bei uns drin. Verpflichtend. Da kann deine Kollegin viele neue Blusen kaufen oder geplatzte nähen, aber nützen tut es ihr nichts. In der Grundschule werden die Phänomene übrigens eher beobachtet und beschrieben. ("Magnete kleben aneinander". Bitte ein Dutzend Ersatzblusen in den Schrank legen) Die Krönung des Sachunterrichts ist ein Berliner Kinderforschungszentrum. Da werden Experimente zu einem Thema aufgebaut und die Kinder beschäftigen sich irgendwie. Ich war dort zur Fortbildung und es gab keine Informationen, was man an der Station genau tun soll. Auch auf Nachfrage nicht. Einfach mal ausprobieren und selber herausfinden, so lernen Kinder doch auch. Ich war dann mit einer 2. Klasse dort. Nach 30 Minuten haben sich die meisten mit ihrem Frühstück oder Toben beschäftigt, obwohl alle Erwachsenen versucht haben, sie wieder an die Experimente zu bekommen.
    Präsentieren: Pflicht im Lehrplan, bei uns ab Klasse 1/2.

    Ja, beim letzten Satz stimme ich dir zu. Leider bekommen wir gerade einen überarbeiteten Lehrplan. Der wird aus hier geäußerter Sekundarschullehrersicht aber eher noch schlechter als besser - allerdings gilt er bis Klasse 10, haben also alle was von.

    Studier schnell zu Ende und komme nach Berlin! Hier gibt es zentrale "Castings", bei denen sich SL die Bewerber aussuchen. Da Berlin arm an ausgebildeten Grundschulnachwuchslehrkräften, sexy und stellenweise ziemlich tolerant ist, wird sich da sicher jemand finden, der einen ausgebildeten Grundschullehrer auch mit großen Tattoos mit Kusshand nimmt. Kommt ja immer auf die Schule an. Bei uns wärst du für die Kinder total interessant, besonders in Kl. 4 bis 6. Die jüngeren Kollegen sind sehr tolerant (haben teilweise selber - wenige, aber sichtbare - Tattoos). Gerede durch Eltern gäbe es u.U. schon, aber wirklich nur von einigen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob meine SL dich auswählen würde.

    Bei mir haben ganz viele Leute die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Die hielten mich für zu intelligent, zu introvertiert oder zu schüchtern für "Lehrerin / Grundschullehrerin". Den größten Hau weg hatte aus heutiger Sicht ein Erziehungswissenschaften-Prof, der die Studenten anhand einer Hausaufgabe in das Riemannsche Persönlichkeitsmodell einteilte und ihnen dann die Eignung als Lehrer/in zu- oder absprach. Mir absprach, v.a. nicht an der Grundschule, da müsse man Entertainer und Clown und Showmaster in einem sein.

    Nun bin ich ein ziemlicher Dickkopf und trotzdem Grundschullehrerin geworden (über den Umweg des Gymnasiallehramtsstudiums). Und was soll ich sagen? Ich habe gar keine Probleme, vor Kindern zu sprechen. Elternversammlungen sind am Anfang aufregend und mir sagten auch Kolleginnen, dass sie nach 30 Berufsjahren immer noch aufgeregt sind - bei mir hält sich das wirklich sehr in Grenzen. Gesprächsführung kann man lernen, wenn man da unsicher ist (Kurse mit praktischen Übungen). In den ersten Jahren als Lehrerin habe ich auf Elterngesprächen viel geschwiegen. Es war unglaublich spannend, weil die Eltern dann ins Reden kam und ich viel über die häuslichen Verhältnisse, die Weltsicht und die Eltern-Kind-Beziehung erfuhr. Inzwischen bin ich da stringenter und rede mehr, weil das effizienter bzgl. Zeit und Fortschritte der Schüler ist.
    Großartig zum Entertainen und Showmasterspielen komme ich übrigens gar nicht, denn der Mitteilungsdrang der Kinder ist groß und der Lehrplan tut ein Übriges. Das passt schon.

    Letztlich ist der Mensch auch ein anpassungsfähiges Wesen: Man gewöhnt sich in einem gewissen Umfang daran, vor Menschen zu sprechen.

    Ich persönlich glaube nicht, dass du in 5 Jahren auf der Straße stehst, wenn du eine gewisse Flexibilität des Wohnortes mitbringst: Die Pensionierungswelle rollt noch einige Jahre.

    Naja, eigentlich ist ja nicht ganz mein anvisiertes Einsatzgebiet, da hoffe ich eher auf eine Schule im ländlichen Bereich am anderen Ende von Deutschland ;) ...
    Letztendlich weiß man das aber nie vorher und ich bin mir sicher, dass man aus jeder Lerngruppe viel Potential schöpfen kann - unabhängig ob Dorf- oder Brennpunktschule. Vor allem in der Grundschule hat man noch die Chance, auf ein Kind positiv einzuwirken, sodass es motiviert ist, es mal im Leben zu etwas zu bringen, auch wenn es aus eher bescheidenen Verhältnissen kommt. Da sind einem natürlich auch Grenzen gesetzt, aber letztendlich sind es diese "from zero to hero"-Beispiele, die einem am meisten im Gedächtnis bleiben....
    Etc. pp.

    Darum ging es nicht. Es ging darum, dass du dem Threadsteller eine Reihe von guten Ratschlägen gibst. Ich meinte: Komm, los, probier deine Ratschläge aus! Fang an!

    Es ist zwar gut, dass du, Timo, den Schülern nicht hinterher rennst (du würdest dich nur wahnsinnig machen, während deine Schülerschaft sich einen Lockeren macht), aber ich befürchte, dass eine "nach mir die Sintflut"-Einstellung zur nächsten Generation Langzeit-Hartz-IV-Empfänger führen würde. Zunächst einmal würde ich jedes Fehlen ohne trifftigen Grund (Zuckerfest ist Privatvergnügen und hindert einen nicht am Schulbesuch, anders sieht es bei einer ernsthaften Krankheit aus - mit Attest!) mit einer mündlichen 6 für die jeweilige Stunde bonieren. Ein paar kleinere unangekündigte Tests könnten auch Früchte tragen. Wenn das nichts bringt, die Eltern zu von dir vorgeschlagenen Sprechstunden antanzen lassen. Wenn diese sich nicht für die Bildung ihrer Kinder interessieren (und wenn es sich um eine problematische Schülerschaft handelt, sind die Probleme bereits im Elternhaus zu verorten), wird das Jugendamt informiert. Die einzelnen Stationen müssen jedoch recht schnell abgeklappert werden, sodass man die Jugendlichen noch in irgendeiner Form erreicht, bevor sie 18 sind und man dann keinen Einfluss mehr auf sie ausüben kann.
    Ich weiß nicht, welche Baustellen es noch mit der Schülerschaft gibt, aber wenn sie so ist wie ich sie mir vorstelle, könnte ein Großteil einen ernsthaften Weckruf gut vertragen, z.B. Bootcamp, Probeknast oder Besuch bei irgendwelchen Assozialen (Obdachlose, Schwerdrogenabhängige, vlt. auch Prostituierte vom Straßenstrich), um denen mal aufzuzeigen, wo sie landen könnten, wenn sie die Schule nicht ernst nehmen (und vlt. als Gegenprogramm zuletzt der Besuch bei einem Paradebeispiel - einem ehemaligen Problemjugendlichen, der sich nach oben gekämpft hat und jetzt ein gutes Leben führt. Das wirkt für die Schüler zumeist sehr motivierend.).

    1. 6en motivieren viele Schüler im Berliner Brennpunkt nicht wirklich.
    2. Unangekündigte Tests führen in derartigen Schulen zu schlechten Noten, zu Frust, zu der Empfindung, dass der Lehrer "unfair" sei und stören damit die Beziehung Lehrer - Klasse erheblich. Die einzige Schiene, an der man aber eine Chance hat, an die Schüler heranzukommen, ist über die Beziehung. Mit schlechten Noten und unangekündigten Tests macht man sich das, was man aufgebaut hat, wieder kaputt.
    3. Eltern antanzen lassen bringt da auch nicht wesentlich. Nicht bei denen, die an einer ISS ohne gymnasiale Oberschule landen. Entweder die Eltern leben in ihren religiösen Kontexten und können sich mit dem von dir empfohlenen Wertesystem nicht identifizieren oder sie haben keinen Einfluss mehr auf die Jugendlichen (teilweise Kinder, habe ich ja schon an der Grundschule das Problem).
    4. Die Jugendämter Berlins sind überlastet. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, aber es werden nur noch die absolut nötigsten Fälle aufgegriffen.
    5. Es gibt keine Bootcamps, Probeknäste und ähnliches für 24 von 25 Schülern, die die Schule schwänzen. Das sind Einzelaktivitäten fürs Fernsehen.
    6. Obdachlose, Drogenabhängige und Prostituierte sind nicht unbedingt für alle schockierend.


    Ich wünsche dir, dass du schon bald eine Stelle an einer großstädtischen Brennpunktschule der Kategorie II bekommst. Du wirst übrigens mit deinen Vorhaben dringend in Berlin gebraucht, Berlin sucht Lehrer! Bitte bewerbe dich sofort.


    Deine Einstellung gegenüber religiösen Feiertagen sendet meiner Einschätzung nach genau die falschen Signale an entsprechende Klientel. Es hat einen Grund, warum die (christlichen) Feiertage so gelegt wurden wie sie sind und diese gelten in Deutschland für alle Schüler. Wenn Familien darüber hinaus noch irgendwelche Feste feiern wollen, können sie das gerne tun, insofern sie kein Hindernis für den geregelten Schulbesuch der Kinder darstellen.

    Falsch. Rechtliche Grundlagen geben Schülern aller großen Religionen zusätzliche Feiertage, siehe AV Schulpflicht, Punkt 2 (2). In anderen Bundesländern gibt es analoge Vorschriften. Diese für alle Unterrichtenden verbindlich, egal ob regulär ausgebildet oder Quereinsteiger. Bei uns wurde das Schulrecht im Referendariat ausführlich behandelt.

    Von meiner 10 war heute einer da ... der Rest hatte Zuckerfest oder war so abwesend.
    Das Lustige ist, dass dieser einer Schüler zum ersten mal seit ~1,5 Monaten wieder an der Schule war und dann nach der 1. Stunde still und heimlich verschwunden ist.

    Ansonsten hatte ich heute noch eine Vertretung mit 3 SuS und eine Doppelstunde Chemie die wir mit dem Kurs von einem Kollegen zusammengelegt haben und so insgesamt auf 2 anwesende Schüler & zwei anwesende Chemielehrer gekommen sind...
    Experimentelles Arbeiten mit gutem Betreuungsschlüssel, das loben wir uns.

    :staun: :staun: :staun:
    Und für den Rest schreibt ihr jetzt Schulversäumnisanzeigen?

    Mir geht es gerade genauso. In diesem Jahr noch viel schlimmer als in all den Jahren davor.
    Woran das liegt?
    Ich habe mit meiner Energie in diesem Schuljahr viel schlechter hausgehalten als in den vergangenen Jahren. Ich habe mich sehr für Schulentwicklung eingesetzt. Ich habe immer wieder Kollegen geholfen und gegeben und wenig bekommen, d.h. ich musste mein eigenes Zeug zusätzlich machen. (Die Folge ist, dass die Kollegen davon ausgehen, dass man dann auch jederzeit springt und alles weiß und hilft und sie rettet. Habe mich heute sehr unbeliebt gemacht deshalb.) Ich bin schnell wieder arbeiten gegangen, wenn ich krank war mit der Begründung "Ich kann jetzt nicht krank sein, ich muss noch..." Ich bin krank arbeiten gegangen. Und ich habe eine schwierige Klasse. Hinzu kommt, dass meine Arbeit von Seiten der Schulleitung nicht gesehen wird.
    Was ich dir raten kann:
    - Halte mit deinen Kräften besser haus im Laufe des Schuljahres.
    - Kuriere Krankheiten aus. Es dankt dir keiner, wenn du 4 Wochen vor Schuljahresende zusammenbrichst. (Ich meine nicht "krank feiern", sondern eben auskurieren, nicht halb krank wieder arbeiten gehen.)
    - Wenn dich jemand anmacht für Dinge, für die du nichts kannst: "Das liegt leider nicht in meiner Verantwortung. Da ist wohl was schiefgelaufen." - Sag das ruhig so und versuche es nicht persönlich zu nehmen.
    - Schokolade hebt den Serotoninspiegel im Gehirn, das ist unser Glückshormon. Wahlweise Kakao oder Schokoladeneis.
    - Sport, um die Kalorien wieder abzutrainieren (ich bevorzuge bei schönem Wetter die frische Luft und die Sonne).
    - Insgesamt etwas weniger einplanen zum Schuljahresende: Keine groß vorbereiteten kooperativen Lernmethoden, kein Stationslernen, keine individualisierten Wochenpläne. "Nehmt euch euer Arbeitsheft und schaut, welche Seiten noch frei sind bis S. 78. Sucht euch eine aus, die ihr selbstständig lösen könnt! Ihr dürft auch mit einem Partner zusammenarbeiten - denkt aber bitte an die Murmellautstärke." tut es auch - und die Kinder freuen sich da teilweise drüber.
    - Sei gnädiger mit dir selber und werfe dir nicht so viel vor.
    - Denke dran, dass es anderen auch so geht und manche auch deshalb nicht mehr herzlich und warm rüberkommen und vielleicht auch mal motzen.

    Noch zur allgemeinen Aufklärung: "ISS ohne gymnasiale Oberstufe" = Sekundarschule, die zum Ablegen eines berufsbildenden Abschlusses oder des MSA qualifizieren sollte. Theoretisch sitzen da Real- und Hauptschüler, da die Hauptschule abgeschafft wurde in Berlin.
    Praktisch ist es so, dass die meisten Schüler versuchen, an eine ISS mit gymnasialer Oberstufe zu kommen und in ISS viele Schüler lernen, die früher an der Hauptschule gewesen wären (nur in größeren Klassen als früher). So ist es zumindest in unserem Bezirk und in der Schule einer befreundeten Kollegin.

    Mia und ihre Mutter sind zusammen 45 Jahre alt. Mias Mutter ist 4 mal so alt wie Mia. Wie alt ist Mia, wie alt ist ihre Mutter?

    Das habe ich bisher nur durch Ausprobieren gelöst.

    Ausprobieren ist wie schon gesagt eine gute Strategie.
    Alterantiv:
    Schreibe links "Mama" und male 4 kleine Mias drunter. Schreibe rechts "Mia" und male eine Mia drunter. Zähle die Mias zusammen (5). Rechne 45:5 = 9. Mia = 9; Mama = 4 mal Mia = 36 (Das können bei mir im Brennpunkt je nach Tagesform 3 bis 5 meiner Drittklässler.)

    Solche Aufgaben haben die schon seit Beginn der 2. Klasse. Strategien haben die dazu keine gelernt, es gibt jedenfalls kein Arbeitsblatt o.ä. dazu. Aber meine Tochter kennt diese Aufgaben. Sie denkt nach und dann schreibt sie die Lösungen hin. Keine Ahnung, was ihre Gedanken dabei sind.Für die, die den Test nicht kennen. Das ist in etwa so eine Aufgabe: Ein Bauer hat Pferde und Hühner. 16 Beine stehen im Hof, schreibe alle Möglichkeiten auf, was und wie viele Tiere zu den Beinen gehören könnten.


    Die Aufgabe war völlig neu. Ich glaube nicht, dass die Kinder gemalt haben :) Aber wie geht man vor? Was für Lösungsmöglichkeiten hat ein 7-(7-jähriges Kind, um diese Aufgabe zu lösen?

    Also: In anderen Klassen (insbesondere im Süden) werden solche Aufgaben früher gemacht. Meine Klasse ist gegenüber euch im Durchschnitt etwa 1 Jahr zurück, schätze ich (mit riesiger Spannbreite).

    Ich stecke nicht drin, ich kenne den Unterricht der Lehrerin nicht, nicht deine Tochter etc.
    Es muss nicht immer ein Arbeitsblatt geben. Manches macht man mündlich (Tafel) oder handelnd mit Material.
    Für Eltern und Kinder ist es besser, wenn es ein Arbeitsblatt, eine Seite im Buch oder eine Zeichnung im Rechenheft gibt. Leider sieht das nicht jeder Kollege so.
    Schrankaufgabe: Malen. 3 große Vierecke = Zimmer, Schränke nach und nach aufteilen. Besser: je einen Schrank (mit einer anderen Farbe) ins 2. und 3. Zimmer malen. Den Rest gleichmäßig aufteilen.
    Schafaufgabe in Klasse 2: Gemein. Kann man durch Malen nicht wirklich lösen.
    100 - 20 (2. Weide) = 80
    80 - 20 (3. Weide) = 60
    60 auf 3 Weiden verteilen. (20 + 20 + 20 = 60).
    Dann 20 + 20 für die 2. und 3. Weide rechnen.
    Es sind sehr viele Schritte und man verliert schnell den Überblick.

    Habe den Test jetzt gesehen und finde ihn wie Orang-Utan-Klaus zu schwer. Ich kann mich den wesentlichen Kritikpunkten anschließen - besonders, wenn die Strategien nicht geübt wurden.
    Das eigentliche Problem ist aber das Verhältnis Eltern - Lehrerin bzw. Schüler - Lehrerin, das hat Schantalle gut auf den Punkt gebracht. Bekommen die Kinder in der 3. keine neuen Klassenlehrer?

    Rest per Mail.

    Wenn Strategien zu Sachaufgaben nicht besprochen werden, was soll da angewendet oder auch transferiert werden?


    Die Strategie zur Lösung einer Aufgabe (16 Beine in einem Stall, nur Pferde und Hühner anwesend. Aber wie viele? ) wird glaube ich erstmals in Klasse 4 behandelt.
    Afb III hin oder her.
    Ich würde so eine Aufgabe nicht ohne Vorbereitung in eine Arbeit setzen!

    Du sprichst einen wichtigen Punkt an: Man muss wissen, was behandelt wurde. Ich gehe beim Lesen davon aus, dass bestimmte Grundlagen behandelt wurden und Sachaufgaben an sich geübt. Verschiedene Strategien werden (nach unserem RLP) jahrgangsübergreifend behandelt, d.h. wir hatten die von dir genannte Aufgabe (Hühner, Pferde, Beine) jetzt im Material der 3. Klasse.
    Ich würde die o.g. Schafe-Aufgabe in meinem Einzugsgebiet nicht in meiner jetzigen Klasse (3.) stellen, weil ich wüsste, dass einige Kinder dann einen Projekttag zum Thema "Male 100 Schafe auf 3 Weiden" einlegen würden - und notfalls eben eine Projektwoche. Dafür hätten auch alle Schafe genug Gras und hübsche Augen.
    Eine leichtere Variante davon (8 Schränke, 3 Zimmer, im 2. und 3. Zimmer ist je 1 Schrank mehr als im ersten) fände ich jedoch angemessen - wenn ich vorher "skizzieren und ausprobieren" als eine Lösungsmöglichkeit für Sachaufgaben eingeführt und geübt habe. Wenn die Aufgabe an sich neuartig ist: Transfer, wenn eine ähnliche Aufgabe vorher geübt wurde: Anwenden. Und dazu muss man sagen, dass das Einzugsgebiet sehr schwach ist, wenn ich manchmal Tests aus anderen Gebieten sehe, würden da bei mir nur genehmigungspflichtige Arbeiten herauskommen.

    :lach: "Guten Tag, wer sind Sie? hätten Sie Lust und Zeit den Schulleiter zu machen bis zur Rente? Sie brauchen nur *hier* zu unterschreiben!"

    Nächste Woche Sommerfest: Station 7 (nur für Lehrer und Lehrerinnen): "Können Sie blind unterschreiben? Gewinnen Sie noch heute eine schöne Überraschung!" (Benötigte Materialien: 1 Tisch, 2 Stühle, einige Verträge, Kugelschreiber, Schlafbrille)

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