Könnte man nicht auch gemeinsam reflektieren und zusammenarbeiten und sich gleichzeitig eine (Teil)schuld eingestehen? Wieso scheint die Schuldfrage hier so komplett tabu zu sein?
Der Begriff der „Schuld“ ist, wie von Schmidt angesprochen schlicht nicht zielführend, da dieser außer Acht lässt, dass es um Verantwortungsübernahme einerseits geht, andererseits aber auch um ein verändertes Verhalten das aus dieser Verantwortungsübernahme resultiert, damit dann eben tatsächlich etwas Konstruktives entstehen kann und nicht nur destruktiv der „schwarze Peter“ weitergeschoben wird an vorhergehende Generationen.
Letzteres ist natürlich sehr bequem, weil man dann selbst nichts dafür kann, ein armes Opfer ist der Entscheidungen, die lange vor einem selbst getroffen wurden und man genau genommen nicht nur nichts für die aktuelle Lage kann, sondern diese auch nicht zu ändern vermag. Man kann sich also fast schon schicksalhaft ergeben und einfach noch wilder aasen als frühere Generationen, weil es jetzt sowieso nicht mehr darauf ankommt.
Überspitze ich das an dieser Stelle einseitig? Natürlich! Genau wie du, wenn du einen Schuldbegriff einführst, ohne diesen selbst auch nur ansatzweise kritisch zu reflektieren. Dennoch gibt es genau diese Haltung durchaus auch unter jüngeren Menschen, genauso, wie es diejenigen gibt, die Veränderungen nicht nur von anderen einfordern, sondern auch selbst leisten in ihrem alltäglichen Konsumverhalten.
Beide Haltungen bzw. Vorgehensweisen bestehen generationenübergreifend. Lösungsansätze, also eine konstruktive Vorgehensweise, müssen ebenfalls generationenübergeifend stattfinden, womit wir wieder zum Ausgangspunkt dieses Beitrags zurückkommen: Um etwas zu ändern müssen wir alle unser Konsumverhalten verändern. Wir alle müssen Verantwortung übernehmen, statt uns billig damit zu begnügen den schwarzen Peter anderen zuschieben zu wollen, die dann auch nichts machen, weil sie das total unfair und doof finden.
Klingt nach Kindergartenniveau? Ja, das ist es auch, genau wie die unreflektierte Einführung eines Schuldbegriffs oder das undifferenzierte an den Pranger stellen ganzer Generationen. Tatsächlich etwas zu ändern im Heute, Hier und Jetzt ist dagegen alles andere als ein Kinderspiel. Vielleicht ist es deshalb so viel attraktiver sich im eigenen Handeln an einem solchen zu orientieren.