Habe auch noch keine wegen des Klimawandels besorgten Schüler erlebt. Eher so das Aufsagen der üblichen talking points, weil es gerade wieder im Lehrplan auftaucht.
Ich schon. Ich hatte letztes Jahr eine Vertretungsstunde in einer Klasse, die ich sonst nicht unterrichte. Mit denen habe ich dann aus aktuellem Anlass etwas zu Klimaprotesten gemacht. Das traf bei dieser speziellen Klasse zufällig einen Nerv, weil in dieser zahlreiche SuS sehr engagiert waren politisch, aber eben auch persönliche Konsequenzen in der privaten Lebensführung gezogen hatten, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern.
Wie seht ihr das Ganze? Wer trägt eurer Meinung nach die Verantwortung für die Klimakrise und welche Schlüsse sollte man im Bezug auf Generationengerechtigkeit daraus ziehen? Welchen Einfluss hat die ganze Debatte auf die Kinder und Jugendlichen? Und vor allem: Wie geht ihr damit im Unterricht um?
Man kann frühere Generationen nicht für ihre Lebensführung der letzten Jahrzehnte bestrafen, die zu dieser Zeit nicht strafbewehrt gewesen wäre. Vielleicht solltest du mit deinen SuS an der Stelle auch ganz banal über Grundsätze eines Rechtsstaates sprechen.
Die Klimakrise ist menschengemacht. Das betrifft aber sowohl frühere, wie auch aktuelle Generationen, inklusive unser aller SuS, die an vielen Stellen, wenn ich mal von mir selbst ausgehe, einen deutlich größeren ökologischen Fußabdruck haben als ich aktuell habe oder jemals hatte.
Pauschal Menschen qua Generationenzugehörigkeit abstrafen zu wollen ist vielleicht ein netter Gimmick, aber letztlich pure Polemik. Das ändert weder etwas an der Vergangenheit, noch an der Gegenwart oder Zukunft. Heutige SuS haben es damit ganz zentral in der Hand, wie sich die Situation weiterentwickelt, denn sie sind diejenigen, die schon in wenigen Jahren wählen werden oder bereits wählen können. Sie können sich schon jetzt politisch engagieren für ihre Interessen. Vor allem aber können sie auch ganz banal durch ihre eigene Lebensführung einen Beitrag dazu leisten, dass es nicht einfach nur immer weiter geht wie bisher, indem sie ihr generelles Konsumverhalten überdenken und klimabewusster gestalten.
Ich weiß nicht genau, was du hören möchtest, wenn du fragst, welche Schlüsse man im Hinblick auf Generationengerechtigkeit ziehen sollte aus der Klimakrise. Die Vergangenheit lässt sich an der Stelle nicht ändern. Heutige und künftige Generationen müssen ökologisch bewusster leben und handeln als vergangene Generationen, um den Klimawandel abfedern zu können. Das lässt sich nachträglich weder ändern noch wiedergutmachen, sondern ist schlicht etwas, mit dem wir alle umgehen müssen, die wir jetzt leben. Wie dieser Umgang sinnvollerweise aussehen sollte- persönlich, wie auch gesamtgesellschaftlich gesehen-, DAS ist meines Erachtens die entscheidende Frage, die es zu beantworten gilt.
In meinem Unterricht gehe ich mit dem Thema so um, wie mit jedem anderen Thema auch, indem ich es kritisch von verschiedenen Seiten beleuchten lasse, kontroverse gesellschaftliche Positionen zu Wort kommen lasse, aber eben auch Werte gemeinsam mit meinen SuS definiere, aus denen sich ein Handlungsleitfaden ableiten lassen könnte in der Frage, um dann zu begründeten Urteilen zu kommen (meiner SuS). Ich spreche aber auch ganz banal und unabhängig von diesem spezifischen Thema wenn es passt Aspekte von Nachhaltigkeit an, was das ganz konkret bedeutet für unser alltägliches Handeln und schaue dann durchaus kritisch mit meinen SuS auf deren Konsumverhalten.
Wie gehst du im Unterricht damit um? Wie reagierst du, wenn deine SuS undifferenziert fordern, man möge vorhergehende Generationen pauschal bestrafen?