Ganz unabhängig vom politischen Wissen, das ich nicht habe, meine Beobachtungen als Fragen formuliert:
1. Würdet ihr eher nach New York fliegen, um euch mit einem nur im Inland zugelassenen Impfstoff impfen zu lassen oder eher nach Moskau?
Weder noch. Wäre ein Impfstoff in Deutschland nicht zugelassen, würde ich mir bei den USA denken, dass dieser entweder sowieso zeitnah in Deutschland zugelassen wird (s.Corona-Impfstoffe), weil er die Voraussetzungen erfüllt oder alternativ, dass es gute Gründe (die ich nachlesen würde) gibt, diesen Impfstoff (noch) nicht in Deutschland zuzulassen. Ich hätte an dieser Stelle das Vertrauen in EMA, Stiko und die Regierung, dass die Nichtzulassung sinnvoll und begründet ist (würde ich nachprüfen, wenn sich meine These bestätigt kann ich das respektieren, sonst würde ich vielleicht prüfen, was Frankreich/andere europäischen Staaten oder die Schweiz machen, in die USA fliegen würde ich auf gar keinen Fall für eine Impfung).
Bei Russland würde mich alles, was man über Sputnik inzwischen weiß bzw. auch gerade noch nicht weiß davon abhalten diesem Impfstoff zu vertrauen, wobei natürlich der politische Kontext- Autokratie, nicht Demokratie mit entsprechenden Entscheidungsprozessen auch bei der Impfstoffzulassung- eine zentrale Rolle spielt. Ich habe null Vertrauen in das Regime Putin und würde mir niemals etwas verimpfen lassen, was in Russland, nicht aber der EU zugelassen ist. Auch da gehe ich davon aus, dass die Nicht-Zulassung durch die EMA, bzw. der Umstand, dass keine Sonderzulassung für Deutschland erlassen wurde gute Gründe hat, die ich respektieren kann angesichts all dessen, was man eben öffentlich weiß oder auch nicht weiß über den Impfstoff.
Zitat
2. mit welchem der beiden Staaten sollte Deutschland ein Bündnis eingehen, wenn es zu massiven Konflikten zwischen den USA und Russland kommen sollte?
Mit beiden. Deutschland hat ein vitales Interesse an einer fortbestehenden, wie auch immer gearteten Zusammenarbeit mit den USA. Deutschland teilt sich aber auch einen Kontinent mit Russland, welches keinesfalls unterschätzt werden darf in seiner geopolitischen Bedeutung. Es ist aus unserer Perspektive weise, mit beiden Seiten im Gespräch zu bleiben. Bündnisse (die ja inhaltlich sehr unterschiedlich geartet sein können) bzw. auch Verträge über wirtschaftliche Zusammenarbeit oder auch einfach nur kulturellen Austausch (das sind gerade was die Gespräche mit Russland anbelangt sehr wichtige halb-zivile, halb-politische Gesprächsrunden, die es in der Vergangenheit erlaubt haben den Kontakt nicht völlig zu verlieren bzw. sich punktuell auch immer wieder annähern zu können, wenn auf den offiziellen Kanälen gerade wenig Gesprächsbereitschaft vorhanden war) sind mit beiden Seiten in unserem Interesse, gleich wie sehr sie sich qualitativ/inhaltlich am Ende auch unterscheiden mögen (mit Biden ist eine vertrauensvollere Zusammenarbeit eher möglich, als das bei Trump der Fall war, so dass wieder eine Basis besteht die Beziehungen zu den USA zu intensivieren, ohne aber den Kontakt zu Russland zur Gänze zu verlieren, auch wenn Putin kein Partner ist, dem man vertrauen sollte- eh sei denn dahingehend, dass er seine Interessen prinzipiell mit allen Mitteln zu schützen bereit ist).
Bei einem massiven Konflikt zwischen Russland und den USA käme es letztlich aber auch auf genaue Inhalte und Details an. Würde es um kriegerische Akte gehen und würden die USA die NATO auffordern den Bündnisfall zu erklären wäre Deutschland als NATO-Mitglied dazu verpflichtet den USA beizustehen. In welchem Umfang ich persönlich das dann für angemessen halten würde käme auf den konkreten Fall an und lässt sich für mich nicht rein hypothetisch beantworten. Ein simples schwarz-weiß im Sinne von "USA=gut, Russland=böse" gibt es so aber nicht in mir, dafür ist Politik einerseits zu komplex und anderseits zu spannend für mich, um mich mit derartigen Zuordnungen zu begnügen.