Aber genau das ist es doch, wenn Gymshark von Mitlaufen spricht.
Mangels Personal, Ausstattung, Wissen etc. laufen zu viele Inklusionskinder einfach nur mit statt sinnvoll gefördert zu werden.
„Mitlaufen“ bedeutet für mich, dass man erwartet, dass die Kinder die gleichen Anforderungen erhalten, wie die anderen und man gar nicht auf ihre Bedürfnisse eingeht… oder die Kinder mit einem Mandala zum Ausmalen in die Ecke setzt.
Das ist für mich nicht vorstellbar, da es nicht möglich scheint. Ich kann einem GE-Kind nicht den gleichen Text diktieren und ein KME-Kind (vermutlich) nicht am Barren turnen lassen.
Zwischen „Mitlaufen“ und „nicht genug fördern, da zu wenig Ressourcen für die vielen Anforderungen zur Verfügung stehen“ ist doch eine sehr große Spannbreite.
Ich kann DaZ-Kinder im Unterricht fördern, sodass sie alphabetisiert werden und Deutsch lernen, ABER mit DaZ-Stunden zwischendrin ginge es leichter, besser und schneller. Da würden mir schon 3 Stunden pro Woche in einer Kleingruppe helfen, aber sie sind mal wieder gestrichen. Diese Stunden werden beantragt und genehmigt und dann doch wieder kassiert mit dem ersten längeren Vertretungsfall (nahezu jedes Jahr).
Ich kann Kinder mit LRS individuell fördern, ABER in einer Übungsgruppe würde es besser gelingen. Diese Stunden stehen zwar im Erlass, nicht aber in der Zuteilung der Stunden.
Ich kann Kinder, die Schwierigkeiten beim Lesenlernen haben, innerhalb der Klasse fördern, ABER die Kinder bräuchten täglich eine kurze Übung am Vormittag mit 1:1-Begleitung.
Ich kann Kinder mit Dyskalkulie nicht therapieren, das bedarf viel Zuwendung, die man aber auch in einer Förderschulklasse mit 16 Kindern nicht aufbringen könnte. Einen Förderbedarf Lernen haben diese Kinder aber gar nicht.
Ich kann Kindern mit Förderbedarf Lernen oder Hochbegabung zieldifferentes Material geben und sie fördern oder herausfordern, ABER besser wäre es, wenn für diese Kinder mehr Zeit/Personal wäre, damit man ihre Aufgaben würdigt, ihnen etwas erklärt, die HBG-Kinder herausfordern oder mal im Schnelldurchlauf etwas erläutern kann, Technik begleitet einsetzt.
Alle diese Kinder laufen nicht einfach mit, sie werden gefördert, ABER Inklusion stelle ich mir anders vor.
Und ich sehe auch nicht, dass alle diese Kinder eine andere Schule und eine andere Klasse bräuchten. Eine Klasse für alle DaZ-Kinder oder gesplittet nach Niveau,
- eine Klasse für Kinder mit Schwerpunkt Lernen, die fit in Mathe sind,
- eine Klasse für Kinder mit Schwerpunkt Lernen, die fit in Deutsch sind,
- eine Klasse für Kinder mit Mutismus, die sich dann alle nicht äußern,
- eine Klasse für neurodiverse Kinder oder zwei oder drei, je nach Ausprägung,
- eine Klasse mit Kindern mit Förderbedarf GE oder zwei oder drei, je nach Grad der Beeinträchtigung,
- eine Klasse …
Das gäbe viele Schulen mit vielen Schwerpunkten, die alle spezialisierte Lehrkräfte benötigen. Wer soll das machen? Die Lehrkräfte, die dann an den Regelschulen übrig sind? Also wir? Jede und jeder von uns, der die Kinder anderswo verteilen möchte, meldet sich damit doch freiwillig für diese Aufgabe, oder?
Und wenn diese Kinder alle durch das Land gefahren werden, finden wir in unseren Klassen weitere, die nicht in ein starres Raster passen?
Am Ende ist ein Grund für das Scheitern der Inklusion die stete Überlastung der Lehrkräfte. Viele könnten Inklusion besser umsetzen, wenn sie dafür mehr Zeit und Luft bekämen, weil weit mehr Personal für alles in den Schulen wäre, und wenn man mehr Kraft in unterstützende Systeme stecken würde.