Bei den Balten hat der Schmarrn mit dem russischen Brudervolk offensichtlich nicht gezogen.
Und dass die USA der Retter der Welt sind, glaubt in Deutschland spätestens seit dem Irakkrieg keiner mehr. Ich mag mich da an Sprüche vom alten Europa und so erinnern.
Bei den Polen auch nicht. Ich habe von 1982 bis 1987 fast jedes Jahr an einem Austausch mit Jugendlichen aus Gdingen bei Danzig teilgenommen (traf einmal sogar Lech Walesa, sah den Widerstand vor Ort, hatte danach noch viele Jahre Kontakt zu einigen).
Ja klar, Reflex, davon rede ich ja. Guck z.B. in die verlinkte Umfrage, es ist nicht nur meine Wahrnehmung. Es macht halt einen Unterschied, ob du von Kindesbeinen an hörst, dass die Sowjetunion dein Brudervolk ist und der Westen ein imperialistisches Arschloch oder ob die Erzählungen sind, dass russische Kriegsgefangenschaft die schrecklichste ist, es in Russland flächendeckend nicht mal WC und Wasserhähne gibt und die USA der Befreier mit den Rosinenbombern ist.
Ich denke, für die heute 40plus-Generation sind die 80er prägender (für meine Oma hast du sicher recht, ich ergänze Vergewaltigungen vor allem durch russische Soldaten (deshalb wurde bereits 1945 Ostdeutschland verlassen, im Westen gab es Schulspeisung und Care-Pakete), aber schon meine Mutter wurde von der Zeit danach mehr geprägt) . Kalter Krieg, Pershing 2, Cruise Missile, Herbst 1983 (auch wenn man manches erst später erfuhr, Tschernobyl, in Polen Solidarnosc sind für meine Generation wichtiger. Besonders prägend sind Ereignisse aus Kindheit und Jugend (und deshalb mache ich mir auch Sorgen um die heute Jungen).
Deshalb denken auch viele unterschiedlich (egal ob West oder Ost). Hat man sich im bestehenden System eingerichtet oder kämpfte aktiv dagegen?
Deshalb reagieren nicht alle Brudervölker bzw. einzelne Personen aus West und Ost gleich. 17. Juni 1953 ist für die meisten zu weit weg, Solidarnosc für Polen präsenter.