Beiträge von Tukan

    chilipaprika : Wir haben mehrere Verwaltungsfachkräfte. Sie haben ihre Kernaufgaben, aber ich habe durchaus schon mitbekommen, dass die Schulleitung ihnen zumutbare Aufgaben übertrug, oder dass die Schulleitung meinte, diese Aufgabe habe Priorität und jene habe im Zweifelsfall noch etwas Zeit. Bei uns ist es nicht anders als woanders auch, dass es doch einige Aufgaben gibt, die ausgehend von der fachlichen Kompetenzen bei den Verwaltungsfachkräften gut aufgehoben wären, aber aus der Konvention heraus von den Lehrkollegen (m/w/d) durchgeführt werden. Vielleicht kommen wir aber irgendwann mal dahin, dass die Entscheidungsträger (m/w/d) auf höherer Ebene ermöglichen, diese Verantwortlichkeiten noch einmal von Grund auf neu zu organisieren - das Aufkommen der "multiprofessionellen Teams" vor einigen Jahren wäre eigentlich der richtige Anlass hierzu gewesen.

    Würdest du das bitte näher erläutern, vor allem aus welcher Perspektive du diese Wahrnehmung hast? Hast du gerade dein Lehramtsstudium begonnen? Welche praktischen Erfahrungen hast konkret DU damit?

    Ich möchte chilipaprika zustimmen. Du hast kein Bedarfsfach und keine Erfahrungen in Vertretungsstellen. Wenn du mit OBAS überhaupt eine Chance haben solltest, dann an der Grundschule oder Sek I Schulen im Ruhrgebiet. Und OBAS für die Grundschule ist für alle Beteiligten einfach Mist... Seiteneinstieg in der Sek I/II ist vielleicht auch nicht optimal, aber an Grund- und Förderschulen einfach eine Katastrophe...

    Vielleicht könntest du es noch für Sek I/II an Privatschulen versuchen, die schreiben oft mehr Seiteneinstiegstellen aus, da sie nicht regulär verbeamten...

    Ich bin A14 am BK in NRW und wenn irgendwann mal Düsseldorf auf die Idee kommt "A14 für alle am BK" dann ist das der letzte Tag an dem ich meine Mehraufgaben ausführe. Wer mehr Aufgaben übernimmt MUSS auch mehr entlohnt werden und zwar nicht mir irgendwelchen Entlastungsstunden.

    Aber trotzdem bin ich absolut gegen A13 für alle. Für Lehrer an Grundschulen passt das nicht

    Bitte Satire entsprechend kennzeichnen! Danke!

    Ich stelle mir gerade die Grundschulklasse vor, in der die Kinder flächendeckend den Sprung von 1000 auf 1 Million hinbekommen. Sie müssen die Zahlenraum systematisieren können und verstehen, welche Größenordnungen dahinterstecken. Selbst wenn das stumpfe Abarbeiten von Analogieaufgaben so klappen würde, käme es spätestens beim halbschriftlichen Rechnen von größeren Aufgaben zu Verwirrung...

    Davon abgesehen, arbeiten wir ja nicht immer im Gleichschritt, d.h. starke Kinder durchlaufen die Zahlraumerweiterung schneller und fangen eher mit dem Rechnen an als andere...

    Sie machen ihre bisherige Tätigkeit zu genau denselben Konditionen wie zuvor. Nur fühlt sich das jetzt vlt. anders an, weil andere nicht mehr weniger haben als man selbst. Ich erinnere mich übrigens daran, dass bei der Einführung von "A13 für alle" den Gymnasiallehrkräften oft gerade das vorgehalten wurde, man möge sich nicht beschweren, da sich für einen daran ja nichts ändere ;)

    Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich...

    Das kommt davor. Wir fangen ja in der Regel früher an als ihr. Also: Zahlenraum, Ende September schriftl. Multiplizieren.

    Was? So früh schon? Wann macht ihr denn die Wiederholung des halbschriftlichen Rechnens/Vertiefen von strategische Werkzeugen...? Oder Sachrechnen und Größen? Ich mache schriftliches Multiplizieren schon später und schriftliches Dividieren kommt erst Ende Mai...

    Doch, in NRW ist auch beim neuesten Curriculum in Mathematik die schriftliche Division (natürlich auch mit Rest) verankert, allerdings wird diese erst Ende der 4. Klasse behandelt und muss dementsprechend nicht so gut sitzen wie die anderen algebraischen Verfahren (s. Froschs Beitrag).

    Ich erwarte aber von einer guten Sek I Lehrkraft eigentlich auch, dass selbstverständlich nicht nur die schriftliche Division, sondern auch die anderen schriftl. Normalverfahren wiederholt und vertieft werden. Das machen hier auch die meisten so...

    Das sollte auch keine Kritik am zitierten Text sein sondern ein verzweifelter Hilferuf. Wenn Tukan es auch in fremden Klassen ohne Auszeiten, Nachsitzen und Elterngespräche schafft, für Ruhe zu sorgen, muss es ja theoretisch möglich sein. Mir erscheint es nach der ersten Woche in allerlei Klassen gerade als hoffnungslos.

    Das beschriebene Kind ist bereits auf der Förderschule, der festgestellte Fördebedarf nutzt also in dem Sinne nichts. Wir haben Klassen mit bis zu 18 SuS, natürlich alle mit Förderbedarf. Teilweise mit zwei Förderschwerpunkten was bedeutet, dass sie sich im besten Falle im Autismusspektrum bewegen, im schlechtesten keine Diagnose haben aber derbe ausrasten. Inzwischen sitzen auch immer wieder bis zu 3 Schulbegleiter in einem Raum, die nur rumsitzen dürfen und nicht selten selbst Arbeit generieren. Wir haben keine Therapeuten oder Auszeiträume, kein Snoezelen oder Zweitbesetzung. Und wenn ich grad am Meckern bin: die Dolmetscher wurden auch rigoros gestrichen.


    Ich würde wirklich gerne mal wieder regelrecht Unterricht machen und geradezu Inhalte vermitteln. Mein Tag war entmutigend.

    Ja, es ist möglich. Aber das Geschilderte ist natürlich jetzt nicht jede Situation des Schulalltags ab, sondern sollte einfach ein bisschen einen Einblick geben. Zu "ohne Auszeiten, Nachsitzen, Elterngespräche": Das ist ja alles relativ, Nachsitzen im klassischen Sinn nicht. Aber wenn jemand im Unterricht fünf Minuten Pause macht und dadurch nicht fertig wird, obwohl er es könnte, holt er die halt zu Beginn der Pause nach... Ein Mindestpensum auf seinem Niveau muss jeder schaffen. Auch das ist für die Kinder völlig logisch.

    Und Elterngespräche führe ich auch, aber halt allgemein über Lern- und Leitsungsstand sowie zur "Erziehungsberatung". Ich habe persönlich vielleicht auch etwas das Glück, dass mir das schon in den ersten Praktika/Praxisphasen im Studium zurückgemeldet wurde, dass Konsequenz und "ein Händchen für schwierige Klassen" (Zitat :) ), Stärken meines Unterrichts seien.)

    Ich kenne deine aktuellen Klassen natürlich nicht, wünsche dir aber viel Geduld, Ruhe und Durchsetzungskraft!

    In Bayern variiert das doch aber auch regional sehr stark... In Oberbayern sollen stud. mobile Reserven (Vertretungslehrkräfte im Studium) Klassenleitungen an der Grundschule vertreten usw.

    In NRW ist es doch genauso. Im Ruhrgebiet wird alles Mögliche eingestellt und die Qualität leidet. Dann sollen es die ganzen Grundschullehrkräfte richten, die aus allen möglichen anderen Landesteilen dorthin mehrere Jahre zwangsabgeordnet werden. Das Ganze nennt man dann "freiwillige Abordnung" und verkauft es als tollen Erfolg.

    Dass es Bundesländer gibt, wo es noch schlimmer aussieht (Berichte aus Thüringen mit jedem dritten Lehrer als Quereinsteiger oder auch Berlin und Sachsen-Anhalt mit ähnlichen Zuständen...), möchte ich aber nicht anzweifeln.

    Mache ich in NRW ebenso. Es geht dabei nicht nur um die Kontrolle, sondern auch die Wertschätzung der Anstrengungsbereitschaft und Arbeit der Kinder. Es macht gerade bei Ganztagskindern einen Unterschied, ob sie irgendwie hingeschmiert wird oder offensichtlich sorgsam eigenständig gearbeitet wird. Wenn ich jetzt nur auf "da" oder "nicht da" kontrollieren würde, wäre das nicht sinnvoll.

    Was ich nochmal untermauern möchte: Wer Zweifel am Lehrerberuf hat/unsicher ist, sollte NICHT die Vertretungsstelle zum Ausprobieren nutzen (da bekommst du kein Feedback und musst es schon einigermaßen gut können, um keinen Schaden anzurichten), sondern erstmal zusätzliche freiwillige Praktika an Schulen, die dich interessieren.

    Ich weiß nicht, ob es der richtige Ort zum fragen ist, aber ich mach es einfach mal. Ich studiere momentan im zweiten Semester Lehramt Englisch und Theater auf Staatsexamen (Gymnasium) und überlege abzubrechen. Ich bin für mein Studium umgezogen und die Stadt zieht mich sehr runter (klein, hässlich, nichts los…) , Englisch interessiert mich inhaltlich so gut wie gar nicht, in Theater hat man viel Praxis, was cool ist, aber wenn es dann in Richtung Theorie und Vermittlung geht, gefällt es mir auch nicht und ich bin genervt von dem herumgeschwafel. Alle meine Kommilitonen sind mega überzeugt und ich bin sehr am zweifeln (die ganze Zeit am grübeln und oft traurig). Ich bin mir nicht sicher, ob ich Lehrerin sein will, vor allem nicht für immer. Und da das Studium ganze 5 Jahre dauert (Minimum) fühle ich mich sehr festgefahren. Allerdings sehe ich natürlich auch die Vorteile des Berufs (selbständig kreativ arbeiten, Sicherheit, Gesellschaftsrelevanz, Ferien, Gehalt,…) und hatte mich ja auch irgendwann mal dafür entschieden. Zudem bin ich auch nicht sicher was ich stattdessen machen könnte. Das wechselt gefühlt jeden tag aber im allgemeinen ist es eher was in Richtung Medien, was in Sachen Sicherheit das ganze Gegenteil ist und generell sehr ungewiss. Wenn es nur ein Bachelor wäre würde ich es durchziehen, aber diese 5 Jahre erdrücken mich (ich hatte mich schon über Wechsel und Anrechnungen informiert und das ist nicht wirklich möglich). Wenn ich abbreche, habe ich Angst, dass ich es bereue, aber andersherum auch. Ich bin sehr verzweifelt und ich würde mich über jeden Denkanstoß, Rat oder Idee freuen!

    Für die Bereiche, die dich außerhalb der Schule interessieren, hast du mit Englisch/Theater sicher ein ganz interessantes Profil. Da du anscheinend ohnehin noch keinen Plan B hast, würde ich dir zumindest, bis du Näheres im Kopf hast, raten, das Studium durchzuziehen, dann im Anschluss nicht (direkt) ins Referendariat zu gehen, sondern dich auf andere Stellen zu bewerben in Bereichen, die dich interessieren (Verlage/Marketing usw.).

    Wenn du irgendwann dann doch merkst, dass es dich in die Schule zieht, kannst du immer noch schauen, ob du das Referendariat packst.

    Quittengelee Einen minimalen Akzent muss man nicht "in den Griff" bekommen. Im Übrigen ist die korrekte, akzentarme Aussprache auch Ziel der univ. Fremdsprachenausbildung. Wenn deine Annahme so absolut zutreffen würde, könnte man sagen, man könnte sich Aussprachekurse sparen. Das Dokument, das du verlinkst, ist eher kritisch verfasst, da gibt es wie erwähnt andere Studien und Artikel mit anderem Tenor. Aber selbst dort wird ja zumindest angeführt, dass der manchmal geringere Effekt als erhofft mit der Qualität des Unterrichts/der Lehrkraft zusammenhängen kann/dürfte.

    aber ich habe den Eindruck, dass du das Fach als solches aus persönlichen Gründen für relevanter hältst als es in der objektiv betrachteten Frage ist

    Nein. Englisch ist ein relevantes Fach. Ebenso wie Mathematik, Deutsch, Sport usw.

    Aus Interesse:

    1. In welche Entgeltgruppe wurdest du denn dann eingruppiert? Verbeamtet wirst du nicht?
    2. Welche Fächer und Schulform wurden dir denn dann anerkannt?


    Herzlichen Glückwunsch!

    Vielleicht ist das auch ein Teil des Problems..

    Tukan schrieb auch

    ich ergänze: ... und diese auch ihren Auftrag gut verstehen (also diejenigen, die dann denken "ich hatte es im Abi, es reicht, die Uniseminare und der Auslandsaufenthalt nerven", aussortiert werden), dann wäre es tatsächlich sehr gut.

    Wenn das Land sich damit begnügt, Menschen, die 30 Jahre nach dem Abitur gezwungen worden sind, schnell einen 2-Wochen-Kurs zu machen, einzusetzen (also noch: teilweise, aber an einigen kleinen Grundschulen ist es womöglich flächendeckend der Fall), dann wird es nicht besser.

    Genau so ist es. Eine gute Englischlehrkraft hat nur einen minimalen Akzent und einen etwas geringeren Wortschatz als ein Muttersprachler. Das ist auch vollkommen normal und kein Problem, das sich auf den Lernerfolg auswirkt, wenn ich z.B. "Winterschlaf" mal googlen muss, bricht mir das keinen Zacken aus der Krone.

    Das Wichtigste an deinem Post habe ich mal fett markiert. Der obere Teil ist für mich und die Kolleginnen, die ich kenne (sind wie erwähnt im Grundschulbereich nicht so viele mit dem Fach) eigentlich selbstverständlich. Kennst du da tatsächlich Gegenbeispiele?

    Zitat

    einen messbaren Lernvorsprung haben sie aber später nicht

    Das kommt immer darauf an, was man misst. Die grammatikalischen Kompetenzen kann ich auch in der Sek I gut nachholen, die Phonologie ist jedoch dann nachgewiesenermaßen viel schwieriger, sodass ein näherungsweise muttersprachliches Niveau dann kaum noch erreichbar ist. Man spricht inzwischen davon, dass der optimale Aussprachbeherrschungszeitraum bis etwa 7 Jahre geht. Auch die Critical period hypothesis geht davon aus, dass die Grundschule der ideale Zeitraum für Fremdsprachenlernen ist. Auf jeden Fall ist guter Englischunterricht meiner Meinung nach unverzichtbar und es müssten viel mehr Englischlehrer ausgebildet werden. Gäbe es so viele studierte Englischlehrer/innen wie Sachunterrichts- oder Religionslehrerinnen, würden sich die Effekte endlich auch noch mehr flächendeckend einstellen, denke ich...

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