Unruhe in der Klasse - was hilft wirklich?

  • Hallo, ich habe eine 3. Klasse mit 28 Kindern. Und irgendwie habe ich das Gefühl, es wird von Jahr zu Jahr immer schwieriger. Diese Unruhe? Wie ist das bei euch? Manchmal denke ich, ich bin nicht in der Schule, sondern in einem Indoor Spielplatz. Die Lautstärke ist schon heftig. Und wie viel Zeit immer drauf geht, bis alle mal zuhören oder wir mal gemeinsam was besprechen können. Die Arbeitsphasen sind zu Beginn des Tages noch ganz ok, aber die 3. und 4. Stunde sind schon herausfordernder. Von manchen habe ich gehört, dass sie Achtsamkeit oder Entspannung im Unterricht machen und bisher begeistert sind. Ich hatte aber noch keine Zeit mich damit auseinander zu setzen. Hat jemand von euch Erfahrung mit solchen Übungen? Hilft das wirklich? Und kennt ihr da gute Seiten/Tipps oder Übungen, die wirklich helfen? Oder habt ihr andere Tipps? Bin über den Austausch sehr dankbar. Bozena

  • Bei 28 Kindern dauert es, ja.

    Ansonsten sind wohl klare Grenzen wichtig, die man dann auch einfordern muss, was man deutlich sagen oder mit Zeichen/Symbolen trainieren kann.

    Wir haben zudem eine kleine Bewegungspause zwischendrin, das hilft auch etlichen Kindern.

  • In einigen Berufsschulklassen wird es schlagartig ruhiger, wenn man über den Beamer "Ninja Wurfsterne" googelt. Habe ich gehört.

    Sry, der musste raus. Ich habe keine Ahnung, wie man 28 9jährige auch nur überlebt.

  • Es Bedarf vor allem der eigenen Konzentration, Struktur und Klarheit. Und ich sage das in dem Bewusstsein, dass ich es auch nicht bis zur Vollendung beherrsche, ich finde es sehr anstrengend.

    Man sollte den Unterricht gut vorbereiten, um dann Aufmerksamkeit für die Kinder übrig zu haben. Es ist ein Verhalten, das Lehrkräfte früher erlernt haben, was jetzt in der Ausbildung oft zu kurz kommt: immer wieder den Fokus lenken. Alle Materialien liegen auf Kante. Alle gucken nach vorne. Konsequent nur drannehmen, wer sich meldet.

    In einer Erziehungshilfeschule, an der ich mal war, wurde das Verhalten aller 15 min mit Symbolen und Token ausgewertet. Das war mir zu blöd und das geht auch mit 30 Kindern so nicht. Aber. Es zeigt, dass man das Verhalten der Kinder viel mehr in den Blick nehmen kann und das erwartete Verhalten einüben muss.

    Du solltest es besser nicht voraussetzen, denn der Frust, dass die Hälfte es nicht von alleine hinbekommt, frisst dich sonst auf. Im nächsten Jahrgang geht es ja wieder bei Null los... Es ist Teil unseres Jobs 8)

  • ... Von manchen habe ich gehört, dass sie Achtsamkeit oder Entspannung im Unterricht machen und bisher begeistert sind. Ich hatte aber noch keine Zeit mich damit auseinander zu setzen. Hat jemand von euch Erfahrung mit solchen Übungen? Hilft das wirklich? Und kennt ihr da gute Seiten/Tipps oder Übungen, die wirklich helfen? ...

    Was sagen denn die Begeisterten selbst dazu? Die wirst du ja als erstes gefragt haben.

  • Mein altmodischer Trick bei solchen Klassen: Total konservative Sitzordnung. Alle Zweiertische stehen einzeln; falls es Einzeltische gibt, können besonders unruhige Kinder auch alleine sitzen. Ich mache einen strikten Sitzplan: unruhiges Kind neben ruhiges Kind und Störenfriede möglichst weit auseinander. Gruppenarbeit ist trotzdem möglich, indem sich jeweils zwei Kinder mit ihren Stuhl zu einem anderen Zweiertisch drehen. Für Plakaterstellung etc., wo man mehr Platz braucht, werden halt mal Tische geschoben. Bisher hatte ich für diese Art der Sitzordnung nur positive Rückmeldungen von Eltern, Schulleitung und sogar den Kindern. Gruppentische waren ihnen selbst zu laut. Auch in anderen Klassen, in denen ich unterricht(et)e, korrelierte die Unruhe meist mit der Sitzordnung. Einziger Nachteil: Der Raum sieht weniger romantisch aus. Das ist für mehr Ruhe doch zu verschmerzen!

  • Vielleicht bekommen auch wir gleich ein paar Tipps?

    Mittwoch ist erst morgen, aber bei einem neu-User, der ein derart explizites Frage stellt und schon nach Seiten fragt, bin ich optimistisch, dass bald ein weiterer neu-User kommt, der eine Webseite mit ganz tollen Übungen zur Achtsamkeit und Entspannung verlinken wird.

  • Bozena Ich habe da keine Tipps. Vielleicht meldet sich aber hier noch jemand, der solche Übungen nutzt.

    Trotzdem würde ich die Personen, von denen du weißt, dass sie so etwas erfolgreich einsetzen, direkt ansprechen.

    LG DFU

  • Eine Kollegin hat das mit den Achtsamkeitsübungen ausprobiert, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Andere nutzen auch so Entspannungsmusik im Hintergrund beim Arbeiten (finde ich persönlich aber sehr ablenkend und einzelne Kinder sicher auch).

    Für mich in der Klasse hilft am meisten

    • Klare Sitzordnung (kein Churermodell, keine Gruppentische, stattdessen U oder frontal, Einzeltische für Kinder mit Aufmerksamkeitsschwierigkeiten oder "Unruheherde")
    • Klangsignal (1x bimmeln = zu laut, 2x bimmeln = Arme verbrezeln und zu mir schauen)
    • klare Lehrersprache (Du setzt dich jetzt hin. Du schaust nach vorne. Wir besprechen die HA erst, wenn jedes Kind zu mir schaut...) und Vorbereitung (ich habe alles, was ich brauche für den Tag, auf meinem Pult nach Stunden sortiert liegen (zumindest meistens)
    • Konsequenz (zum Beispiel: Aufstellen zum Sport: "Du stehst jetzt leise auf. Schiebe deinen Stuhl ran und stelle dich leise im Gang auf." (Wer den Stuhl nicht ranschiebt oder rennt, muss zurückgehen. / Wer mehrfach auf dem Flur redet oder sogar schreit, geht in eine andere Klasse statt zum Sport.)

    Bislang habe ich so in jeder Klasse gut unterrichten können, auch in "fremden". Tatsächlich ist den Kindern das übrigens auch sehr wichtig und sie erwarten Struktur und Ruhe von ihren Lehrkräften. Einige Kinder kommen in jeder Klasse immer zu mir und sagen, sie hätten gern Fach X bei mir, weil es dann beim Arbeiten so schön leise sei... ^^

  • Achtsamkeitsrituale helfen nur, wenn man selbst damit etwas anfangen kann. Ich arbeite immer wieder mit Meditationen und Yoga. Es funktioniert, allerdings nutze ich das auch für mich privat in diversen Situationen. Kinder spüren, wenn man es nur halbherzig macht. Du musst dich also zuerst selbst mit dir auseinandersetzen. Grosse Klangschalen können auch beruhigend wirken.

    Ansonsten gibt es verschiedenen Elemente wie Lärmampel, Anreizsysteme... bei mir konnte die Klasse auch schon Herzen sammeln, wenn etwas gut lief. Am Ende gab es dann ein Spiel oder ein Lied.

    Gäbe es die Möglichkeit zwischendrin Bewegungsspiele oder Lieder einzubauen?

  • Für mich in der Klasse hilft am meisten

    • Klare Sitzordnung (kein Churermodell, keine Gruppentische, stattdessen U oder frontal, Einzeltische für Kinder mit Aufmerksamkeitsschwierigkeiten oder "Unruheherde")
    • Klangsignal (1x bimmeln = zu laut, 2x bimmeln = Arme verbrezeln und zu mir schauen)
    • klare Lehrersprache (Du setzt dich jetzt hin. Du schaust nach vorne. Wir besprechen die HA erst, wenn jedes Kind zu mir schaut...) und Vorbereitung (ich habe alles, was ich brauche für den Tag, auf meinem Pult nach Stunden sortiert liegen (zumindest meistens)
    • Konsequenz (zum Beispiel: Aufstellen zum Sport: "Du stehst jetzt leise auf. Schiebe deinen Stuhl ran und stelle dich leise im Gang auf." (Wer den Stuhl nicht ranschiebt oder rennt, muss zurückgehen. / Wer mehrfach auf dem Flur redet oder sogar schreit, geht in eine andere Klasse statt zum Sport.)

    Unterschreibe ich alles (außer Klangsignal, aber da bin ich auch an der falschen Schulform). Gerade der Punkt mit der Sitzordnung ist wichtig. Eine offene Sitzordnung ist schön, aber benachteiligt schwache Schüler sehr stark. Klare Sitzordnung hilft, Struktur in die Klasse zu bringen, Verbindlichkeit zu schaffen und auf Einzelfälle einzugehen.

  • Sehe ich genauso. Und mache ich auch genauso.

    Frontale Sitzordnung (U-Form).
    Ganz viele klare Strukturen, Feste Regeln.
    Rituale nach und nach einüben.
    Zu jedem Heft gibt es klare Regelungen wo es hingehört, es gibt einen Platz für die Federtasche, klare Regeln für das Frühstück etc.

    Im Endeffekt ganz konservativer Unterricht. Ein wenig Preußische Armee. Wenn es dann läuft, kann man nach und nach zu offenere Formen übergehen. Gruppentische, offene Unterrichtsformen etc.

    Genauso mache ich es auch Fachlehrer. Am Anfang ganz "streng", ganz klare Strukturen und auf das Einhalten der Regeln achten....

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