Beiträge von vanter

    Ich finde es hier echt interessant, wie sehr einige KuK Probleme mit der Herausgabe der Nummer haben. Wie hier einige schon schrieben: Früher stand man ja auch im Telefonbuch. ;)
    Ich hatte damit noch nie Probleme, sondern höchstens mal kuriose Vorkommnisse. ;) Liegt vermutlich daran, dass ich auf ner Kleinstadtschule bin. Nutze aber auch eine Extra-Nummer, nur für Dienstliches und für Bekannte, die mir nicht allzu nahe stehen. Für Familie und engste Freunde hab ich noch ne Geheimnummer.

    Ach ja: Mein letztes kurioses Vorkommnis mit meiner Handynummer ist ungefähr 14 Tage her: Eine Neuntklässlerin schickt mir Sonntag nachts um 1:38 Uhr (!!!) ihre abfotografierte Hausaufgabe per Telegram-App. War glücklicherweise noch wach und hab das dann komplett durchgezogen. Um 1:40 den Empfang bestätigt und mich herzlich bedankt. Gegen 2:30 eine konstruktive, individuelle Rückmeldung verschickt und ihr angekündigt, dass ich in der nächsten halben Stunde eine weitere Aufgabe schicke, da sie ja so flott ist. Um 3 Uhr nachts dann besagte Aufgabe über Whats App geschickt und ihr mitgeteilt, dass ich die gerne bis 7 Uhr beantwortet zurück hätte und mich nochmal herzlich bedankt, dass sie auch so nachtaktiv ist wie ich. Kam natürlich nichts drauf zurück, sondern erst am nächsten Vormittag ein Grinse-Emoticon mit einer Entschuldigung. Da hatte sie ihre Lektion wohl gelernt. ^^

    In Sachsen-Anhalt hört man es auch schon über den Buschfunk trommeln. Morgen Vormittag wird es höchstwahrscheinlich die Info geben, dass ab Montag das Land in die vorgezogenen Osterferien geht. Unfassbar. Aber richtig. Wir haben bereits sechs bestätigte Corona-Fälle, allein bei uns im Landkreis. Zwei davon im Nachbarort.

    Meine üblichen Anreden:
    "Liebe Leute...", "Morgen, ihr Lieben", "Guten Morgen, Truppe!", "Liebe 8a" oder halbironisch "Geschätzte 8a" (dann wissen sie bereits, dass was im Busch ist.) ;) Einige auch halbironisch mit dem Namen der Klassenlehrerin. Beispielsweise: "Guten Morgen, ihr Müllerskinder / Meyeraner / "Schäfchen" (-> Klassenlehrer heißt Schäfer)." Muss man allerdings immer ein bisschen wissen, mit welcher Lerngruppe man das gut machen kann. Immer schön flexibel bleiben.

    Aber ich habe, glaube ich, noch nie ne Klasse mit "Liebe Schülerinnen und Schüler" oder einer Variante davon begrüßt. Das ist mir irgendwie zu platt.

    Also, wenn ich chronisch überlastet bin, dann kann der Job nicht zufrieden machen. Da lügt man sich doch was vor?? Ein Job darf mich nicht überlasten und meine Gesundheit gefährden. Mit solch einem Job kann ich mich nicht zufrieden geben, ausgeschlossen.

    Und wenn wir Lehrer etwas für unser Wohl erreichen wollen, sei es Entlastung, sei es ein besseren Gehalt, dann ist diese Arbeitszeitstudie leider keine gute Argumentationsgrundlage.

    Hier würde ich dich einfach mal bitten, diese Verallgemeinerungen zu unterlassen bzw. für alle Lehrkräfte zu sprechen oder gegenteiligen Stimmen ihre Relevanz abzusprechen. Natürlich kann mich ein Job chronisch überlasten; mein Leben besteht aber zum Einen nicht nur aus dem Job.

    Zum Anderen sind beispielsweise auch junge Eltern chronisch überlastet, haben für nichts mehr Zeit als für den Nachwuchs, müssen nachts alle zwei Stunden raus und Wickeln, Fläschchen geben oder weißichwas. Tagsüber rennen sie im Job herum wie die Zombies und wirken so, als hätten sie vier Tage Wacken hinter sich. Kurioserweise hörst du von diesen Menschen zwar Klagen, aber alle haben ein grenzdebiles freundliches Lächeln auf den Lippen, weil offensichtlich etliche elterliche Endorphine ausgeschüttet werden, wenn der oder die Kleine sie glucksend anlächelt.

    Wer sich im Job, im Hobby oder sonstwie Glücksmomente sichert, der steckt jahrelange Überlastung in einem Teilbereich des Lebens locker weg.
    Nur ein Beispiel zum Stichwort Klausuren: Ich kann mich stundenlang darüber freuen, wenn eine Schülerin, die stets und ständig ne Vier mit sich herumschleppte, plötzlich im Erörterungsaufsatz ne 2 abstaubt. Ich habe dann vielleicht ne Klausur korrigiert und viel Zeit aufgewendet, aber ich kann mich über das Ergebnis freuen und ebenso auf den Folgetag, an dem ich der Schülerin ihr Werk überreiche.

    Solltest du diese Glücksmomente nicht kennen, da der Job dich absolut fertig macht, dann solltest du in dich hineinhorchen: Gibt mir der Job, ein Hobby oder das Privatleben ausreichend positive Kicks, um den Stress zu bewältigen? Oder fließt meine gesamte Energie in einen Lebensbereich, den ich einfach nicht kompensieren kann? Ist die Antwort negativ, sollten individuelle Konsequenzen gezogen und/oder professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

    Die Konsequenz kann aber nicht sein, gestressten aber zufriedenen KuK einzureden, dass sie unzufrieden sind. Das ist auch nochmal eine ganz andere Kategorie, als einfach nur um Beistand, Rat und Verständnis zu bitten. Letzteres ist natürlich absolut legitim.

    Solch eine Aussage können doch nur Lehrer machen: Überlastet, aber zufrieden. Na, herzlichen Glückwunsch!

    Es gibt negativen Stress und es gibt positiven Stress. Ist nichts neues. Ich hab richtig viel zu tun, aber mir macht es Spaß, die Resultate dieser Bemühungen zu sehen. Aussaat und Ernte sind heftig, aber ich hab jeden Tag schöne Augenblicke, die den ganzen Kram rechtfertigen und wo ich abends mit einem guten Gewissen einschlafen kann.
    Insofern schließen sich Überlastung und Zufriedenheit keineswegs aus. Wäre ich ständig unterfordert, hätte ich absolut keine Lust auf den Job.

    Auf meiner letzten Schule hab ich einen meiner Schüler unwissentlich in einem Onlinerollenspiel getroffen. Wir waren über vier Monate zusammen in einer Gilde ( = Spielgemeinschaft), ohne es zu bemerken. Aus Zeitgründen war ich nicht sonderlich aktiv, hatte aber immer mal wieder mit ihm zu tun.
    Eines Tages kam es bei einer Gildenbesprechung im Voicechat zum denkwürdigen Aha-Erlebnis und allgemeiner Heiterkeit. :D
    War aber alles halb so wild, auch wenn sich einige Mit-SuS fortan wunderten, dass der Betreffende seinen Lehrer in den Pausen duzte. ;)

    Eventuell könnte man sich mal zu einem Korrekturworkshop treffen. Wahlweise auch mal eine Klausur gemeinsam erstellen. Ich würde da genau analysieren woran es liegt, dass deine Korrekturzeiten so wahnsinnig lang sind.

    Genau das habe ich weiter oben ja auch schon vorgeschlagen. Auf diese konstruktive Idee ist er aber nicht eingegangen, weil er wohl erstmal Dampf ablassen muss. ;)

    Anstatt dass wir uns alle gegen diese Arbeitsbedingungen zusammenschließen und für uns als Lehrer einstehen, weil die Rahmenbedingungen objektiv nicht stimmen (das gilt aber nicht nur für Korrekturbelastung, sondern für etliche andere Baustellen), wird Kritik an individuellem Zeitmanagement, etc. geübt.

    Das hat, meines Erachtens, nichts damit zu tun, denn die Arbeitsbedingungen sind nunmal nicht überall so und die Rahmenbedingungen auch nicht überall objektiv gleich. Zu unserem Beruf gehört die Korrekturbelastung dazu; das weiß man bereits, bevor man den Dienst antritt. Und auch, dass die Belastung am Gymnasium höher ist. Und in Kernfächern höher als in Sport und Kunst. Insofern ist die Korrekturbelastung etwas höchst individuelles.
    Entweder, weil man im Vorfeld eine korrekturbelastende Fächer- oder Schulformenwahl getroffen hat und/oder sein Zeitmanagement nicht im Griff hat und/oder etwas an der eigenen Schule im Argen liegt.

    So wie du es beschreibst, gibt es ja zwei Punkte, die dich immer wieder auf Trab halten: Erstens die Tatsache, dass du wochentags "nur" deine Stunden unterrichtest und nach deinem wohlverdienten Feierabend nicht noch einmal am heimischen Schreibtisch weiterarbeitest und zweitens, dass es offenbar Vorgaben für dich gibt, die es in dieser Form an anderen Schulen nicht gibt.

    Was soll man dir dann bitte noch empfehlen? Jede/r empfindet die individuelle Belastung anders und die meisten werden gewusst haben, worauf sie sich einlassen. Wir werden für unseren Job gut bis sehr gut bezahlt und haben durch die Ferien und freien Wochenenden (die heutzutage nicht selbstverständlich sind) vergleichsweise gediegene Arbeitszeiten.

    Kurz zum Thema Handys:
    Ich habe es als sehr entlastend empfunden, wenn Gespräche möglichst zeitnah und direkt geführt werden und nicht für tatsächliche oder vermutete Kleinigkeiten (sowohl aus Eltern, wie auch aus Lehrerperspektive) Sprechstunden angeboten werden, bzw. face-to-face Termine vereinbart werden, die im Wesentlichen nach 8 Minuten beendet sind. Ein fünfminütiges Telefonat erspart erfahrungsgemäß viel hin- und hermailen, gespickt mit sämtlichen Tücken der schriftlichen Kommunikation.

    Ich verwende ein Diensthandy (kein Smartphone, so dass Whats App und Telegram schon mal wegfallen) und die SuS und Eltern wissen, dass es werktags zwischen 15 und 19 Uhr eingeschaltet ist und man mir Nachrichten schreiben kann (ja, auch die SuS), wenn Gesprächsbedarf besteht.

    Dann rufe ich zu einem Zeitpunkt meiner (!) Wahl, den ich per Nachricht vorschlage, zurück.
    Das schafft eine gesunde Balance zwischen Erreichbarkeit und notwendiger Distanz.

    Ohne mich jetzt durch alle acht Seiten gekämpft zu haben: Meine zwei Cents zur Sache.
    Ich habe festgestellt, dass der Korrekturaufwand auch stark davon abhängig ist, wie schnell man lesen kann.
    Als ich noch im Studium war, wurden wir in einer Seminargruppe darauf hingewiesen, dass es Leute gibt, die unfassbar schnell lesen (und erfassen) können und wiederum andere, die jeden Satz dreimal lesen müssen, damit er verinnerlicht wird. Letztere sind übrigens nicht schlechter, sondern zumeist auch gründlicher, insofern möchte ich hier keinen verdeckten Vorwurf herausgelesen wissen.

    In meinem Ref ist mir das Ganze erneut aufgefallen: Ich konnte mir mit einer Ref-Kollegin die Korrekturen teilen, da wir beide im Fach Deutsch in Parallelklassen die selbe Arbeit schreiben ließen. Und in der Freistunde schaffte ich sechs Arbeiten, während sie nur zwei schaffte. Daraufhin stutzig geworden, untersuchten wir unsere Ergebnisse. Selbstkritisch wie ich war, ging ich davon aus, dass ich nur oberflächlich und wenig tiefgründig korrigiert hatte, während sie superexakt war. Also tauschten wir jeweils zwei Klassenarbeiten, um die Korrekturen des/der jeweils anderen zu prüfen.

    Was kam heraus? Unsere Benotungen waren identisch; wir fanden auch nicht unbedingt viele Fehler, die die/der andere übersehen hatte. Fazit: Meine Korrekturen waren qualitativ nicht schlechter als ihre. Der einzige Unterschied lag darin, dass ich offenbar doppelt so schnell lesen konnte. Seither verspottete sie das halbironisch als Lehrer-Superheldenkraft und meinte, dass ich glücklich sein solle, in einem solch korrekturintensiven Fach über so eine Superkraft zu verfügen. ;)

    Vorschlag: Hast du evtl. eine Kollegin oder eine befreundete (Fach)lehrkraft für Geo, mit der du mal so ein Korrekturwettrennen veranstalten kannst? Womöglich liegt deine exorbitante Korrekturenzeit einfach an so etwas Banalem wie dem Lesetempo. Solltest du in jedem Fall mal checken.

    Sollte es so sein: Die Klassenarbeiten ökonomischer gestalten. Du hast doch (außerhalb des Abis) die letztliche Entscheidungshoheit über Struktur und Inhalt der Arbeiten, oder nicht? Und selbst wenn es in der Oberstufe stärker reglementiert sein sollte, dann nimm dir die Freiheit doch in der Sek 1 und gleich das dahingehend aus.

    Letzter Gedanke: Schulformwechsel. Ich führe ein pädagogisch anspruchsvolleres Berufsleben, nachdem ich vom Gymnasium auf die Sek 1 gewechselt bin. Was die Korrekturen betrifft, ist mein Berufsleben aber deutlich entspannter geworden, nachdem der Abi-Stress wegfiel. Bei uns in Sachsen-Anhalt werden die Lehrkräfte in Sek I und II gleichwertig entlohnt, so dass dies auch finanziell kein Nachteil ist. Sollte das in deinem Bundesland ebenso sein und es wirklich an etwas so Banalem wie deinem Lesetempo liegen, dann denke eher darüber nach die Schulform zu wechseln, als deinen Beruf.

    Zumindest meinen einen Mentor habe ich auch zunehmend als Belastung im Unterricht empfunden, was an der Art der Rückmeldung lag. Das hat immer in wahnsinnig unguter und ungesunder Weise meinen persönlichen Perfektionismus- von dem ich gerade versuche mich etwas frei zu schwimmen, da ich diesen als so belastend empfinde- angetriggert, weil dieser Mentor seinen persönlichen Perfektionismus ungefiltert auf mich übertragen hat

    Ein Problem, das mir aus meinem noch nicht allzu weit zurückliegenden Ref ebenfalls bekannt ist. Meine größte Sorge über den Verlauf des Ref waren nicht die zu erwartenden Noten, sondern die Erwartungen der überengagierten und übermotivierten Mentoren, die Woche für Woche zufrieden gestellt werden mussten. Einer meiner (stets freundlichen, hilfsbereiten und - wie gesagt - super engagierten) Mentoren saß zuletzt 4 Stunden hinten drin, sogar noch in der Woche vor der Prüfung. ;) Ich wurde so kleinschrittig betreut, dass dies in der ersten Zeit nach dem Ref eher abträglich war, da man zuvor keinen eigenen Stil entwickeln konnte.
    Diese Art von übertriebener Betreuung durch "Helikopter-Mentoren" war fürs eigene Selbstbewusstsein nicht sehr zuträglich, da ich ständig das Gefühl vermittelt bekam, als Hündchen an der Leine zu laufen.

    Um auf die Eingangsfrage zu antworten: Man braucht einen Ausgleich, neben dem Ref.

    Irgendeine Hobbyaktivität, in der man sattelfest und kompetent ist, um das eigene Kompetenzerleben zu stärken. Durch ständiges Hinterfragen, Analysieren, Überreflektieren überzieht man sich während des Refs willentlich und wissentlich mit einer Selbstzweifel-Sauce, in der auch das komplette berufliche Umfeld (Mentoren, Fachleiter, SL, Mit-LiVs) kräftig mitrührt. Vor der Klasse sind aber Haltung, Selbstbewusstsein, Schlagfertigkeit, Selbstvertrauen und Fachkompetenz, bzw. Begeisterung für das Fach gefragt. Dieses Selbstvertrauen kann eigentlich nur außerhalb der Extremsituation Ref aufgebaut werden, sonst übersteht man die Zeit nicht.

    Geholfen hat unserem Seminar auch ein guter Tipp von der Fachleiterin: Niemals den Fehler machen und 100% geben, dafür konstant 80%. Ein Ref ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

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