Vor vielen Jahren habe ich mir direkt nach meinem 1. SE Lehramt GS Bayern einen Termin beim Arbeitsamt geholt, Berufsberatung. Ich dachte, mir stünden alle Wege offen, falls ich etwas anderes machen wollte: sehr gut abgeschlossenes Hochschulstudium, kognitiv stark, die Bildungswelt, Verlage, Unternehmen warteten auf mich. Der Berufsberater hat erst zehn Sekunden laut und demonstrativ gelacht, sich dann dafür entschuldigt (wahrscheinlich wartet man als Berufsberater wochenlang auf solche Momente) und gefragt, was ich im Studium im Bereich Erwachsenenbildung belegt und ob ich Ahnung von NLP hätte. Bei beidem war ich (und bin es bis heute) ein unbeschriebenes Blatt.
Meine Einschätzung: Mit unserem Studienabschluss können wir nichts anderes anfangen. Die Erfahrung im Berufsalltag: Vor der Klasse stehen, Elternarbeit usw. gibt uns, vielleicht, einen kleinen sozialen Soft-Skill-Vorsprung vor Koleopterologen, und wir können überschaubare Projekte organisieren und mit spontanem Chaos umgehen. Das abgeschlossene Referendariat zeigt, dass wir eine begrenzte Dauerstressphase überstanden haben, während wir unbegrenzten Dauerstress offenbar doch nicht so gut vertragen.
Ich sehe, ohne die dort Arbeitenden bashen zu wollen, Möglichkeiten in der kommunalen Verwaltung und als Zusteller, und empfehle die Berufsberatung des Arbeitsamtes (allein um zu erfahren, wie Berufsberater heute reagieren), sowie Isabel Probst.