Beiträge von Gymshark
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Du hast Recht, dass die Familie mit 6 Kindern diverse Zusatzausgaben hat, nicht nur Lebensmittel und Kleidung, sondern zusätzlicher Wohnraum, ein größeres Auto, höhere Kosten bei Kultur- und Freizeitangeboten, etc.
Der kontroverseste Punkt ist aber vermutlich, dass du schon irgendwo sagst, dass der Kollege durch seine Entscheidung zu Kindern mit Einschränkungen leben muss. Verantwortung geht immer irgendwo mit Einschränkungen einher. Jemand mit kleinen Kindern kann nicht mehr spontan Party machen, sondern eher geplant nach Organisation eines Babysitters.
Vielleicht hängt aber auch diese Meinungsverschiedenheit zu dem Thema mit der Unklarheit zusammen, inwieweit den Staat die Entscheidung des Individuums für oder gegen Kinder überhaupt angeht. Argumentiert man Richtung Kinder = Privatvergnügen, kann ich verstehen, warum den kinderreichen Kollegen die zusätzlichen vierstelligen Beträge nicht "gegönnt" werden. Argumentiert man wiederum, dass das Gebären und Aufziehen von Kindern wiederum langfristig essentielle gesellschaftliche Aufgaben erfüllt (demographische Aspekte, Finanzierung von Rente/Pension, Sicherstellung von innerer wie äußerer Sicherheit, Bestandssicherung vorhandener Infrastruktur, Immobilien und kultureller Angebote, Sicherstellung systemrelevanter Bereiche wie Bildung, Gesundheits-, Nahrungs-, Energieversorgung), spricht viel dafür, den kinderreichen Kollegen nach angemessener Berücksichtigung der durch Kinder entstehenden Kosten finanziell zumindest nicht schlechter zu stellen als den kinderlosen Single.
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Bleiben wir mal beim Vergleich innerhalb einer Besoldungsgruppe (z.B. A6 ohne Kinder vs. A6 mit Kindern).
Nehmen wir mal an, du hättest Entscheidungsgewalt: Was würdest du dem A6-Bezieher (z.B. Sekretär im mittleren Dienst) mit 6 Kindern gehaltstechnisch zustehen? Dürfte er (m/w/d) sich selbst nach Begleichung aller kindestypischen Ausgaben denselben Lebensstil wie seine kinderlosen Kollegen leisten?
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Ein Single hat womöglich auch jemanden, mit dem er seinen Sold teilt (Haustiere, pflegebedürftige Angehörige, Patenschaften). Aber natürlich, wenn wir einfach mal unterstellen, dass das bei einem Kollegen mit drei kleinen Kindern auch der Fall ist, ist es nur legitim, zu überlegen, ob der Kollege mit Kindern sich denselben Lebenstil leisten können darf wie der Kollege ohne Kinder, oder ob die Enrscheidung für Kinder (die ja auch aus demographischen Gründen wichtig sind) automatisch bedeutet, dass man in Kauf zu nehmen hat, am Ende weniger Geld für sich zur Verfügung zu haben - und das auch noch abgenickt vom Land als Dienstherrn.
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Vor Kurzem gab es eine Reportage zum Thema "Altersarmut". Da wurden diverse Tipps genannt, wie man der Altersarmut vorbeugen könne. Eine konkrete Forderung wurde auch Richtung Politik ausgesprochen, nämlich dass Rentner (in einem bestimmten Rahmen sicher auch auf Pensionäre übertragbar), wenn sie körperlich noch fit genug sind, zu arbeiten, dies ohne Abzüge und Betragsgrenzen tun sollen dürfen. Das finde ich hinsichtlich der vielen von Armut betroffenen Rentner (und vor allem Rentnerinnen) nur fair.
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Zifferbeurteilungen haben wie alle anderen Beurteilungsformen ihre Vor- und Nachteile. Vorteile sind, dass sie mit geringem Aufwand erstellt werden können, gesellschaftlich etabliert sind und gute Vergleichbarkeit ermöglichen. Wenn ein Schüler im 1. Halbjahr eine 3 im Fach Deutsch hat und im 2. Halbjahr eine 2, weiß er, dass sich seine fachlichen Leistungen verbesserten. Natürlich kann das daran liegen, dass im 1. Halbjahr Grammatik und Rechtschreibung das dominante Thema war und im 2. Halbjahr eine Lektüre behandelt wurde, was womöglich dem Schüler eher liegt. Wenn es um einen ersten Überblick der Leistungen eines Schülers geht, ist in vielen (aber selbstverständlich nicht in allen) Fällen gar nicht so wichtig aus welchen Bestandteilen sich die Note zusammensetzt, eine zusammengefasste Grundtendenz reicht oftmals aus.
Bei einem Punkt muss ich dir aber Recht geben: Freilich machen wir sehr viel gesamtgesellschaftlich, aber auch innerhalb des Bildungssystems aus einer Gewohnheit heraus und nicht einmal unbedingt, weil wir von deren Vorteilen so überzeugt sind. Hätte es nie Ziffernoten in Deutschland gegeben, ich weiß nicht, ob es genug Gründe gäbe, sie im Jahr 2023 doch einzuführen.
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Die Art von Schülern, die einfach keinen Zugang zum Fach zu finden scheinen, gibt es nicht nur in Sport, sondern auch in den Sprachen und vielen MINT-Fächern. Ein kleiner Trost ist da vielleicht, dass eine neue Sportart im Unterricht auch immer eine neue Chance darstellt und wer nicht gut im Schwimmen ist, ist es womöglich in Leichtathletik oder Fußball.
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RosaLaune : Es tut mir echt leid, welche traumatischen Erfahrungen du machen musstest. In deinem Profil steht, dass du als Fach Deutsch hast, ein Hauptfach, mit dem durchaus auch einige Schüler auf Kriegsfuß stehen. Was würdest du da einem Schüler raten, der eine ähnliche Einstellung gegenüber diesem Fach wie du damals gegenüber dem Fach Sport hat? Sollte er es wenigstens versuchen, einen Zugang zu finden, oder tatsächlich so weit gehen, zu kapitulieren?
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Ich sehe in dem Punkt jetzt keine großen Unterschiede zu Sprachen oder den Gesellschaftswissenschaften.
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Absolute Chancengleichheit kann es meiner Meinung nach nicht geben, weil Eltern immer auch einen Erziehungsauftrag haben, den sie unterschiedlich interpretieren, geprägt durch vorhandene monetäre und temporale Ressourcen, eigene Erziehungserfahrungen und -ideale. Dieser Auftrag prägt die Kinder und Jugendlichen ziemlich intensiv und das wirkt natürlich auch noch in die Schulen hinein. Ich wüsste jetzt kein Setting, in dem man gänzlich den Einfluss von Eltern und Umfeld auf Bildungserfolg ausblenden könnte. Ich denke, Chancengleichheit meint da eher, dass jedes Kind überhaupt erst einmal die Chance hat, eine 1 in einem Fach zu bekommen, solange die Leistung stimmt, und dies nicht erst davon abhängt, ob mir als Lehrer die Nase des Kindes passt.
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Die halbschriftliche Multiplikation ist eine Heranführung an die schriftliche Multiplikation. Bei letzterer passiert viel im Kopf, man muss sich Überträge merken bzw. auf stellengerechte Notation achten, was bei der halbschriftlichen Multiplikation in Form des Malkreuzes dadurch abgedämpft wird, dass man die einzelnen Zwischenergebnisse des stellenweisen Multiplizierens (also Einer * Einer, Einer * Zehner, Zehner * Einer, Zehner * Zehner) notiert und die Ergebnisse dann addiert. Ein fitter Rechner braucht das vielleicht nicht, aber ein etwas schwächerer Rechner versteht dadurch eher, warum bei der schriftlichen Multiplikation stellenweise multipliziert wird.
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Ich war wirklich versucht, den Lachsmiley zu nehmen. Alles, was du schreibst, aber das besonders. So arbeiten die meisten meiner Schüler:innen, auch die leistungsstarken.
Sich kurz zu fassen, ist ja durchaus eine Kompetenz - wenn in der Kürze dennoch alle wichtigen Inhalte drin sind. Das fand ich als Schüler immer schwierig, weil ich in den niedrigeren Jahrgängen einfach 1.000 Ideen im Kopf hatte, die ich ALLE mitteilen wollte, und in den höheren Jahrgängen mit analytischeren Aufgaben nicht immer DIE Idee schlechthin hatte und somit versuchte, mich der Idee argumentativ auf verschiedenen Wegen zu nähern.
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Man sollte grundsätzlich verstehen, wie einige mathematische Konzepte funktionieren. Es ist die Vereinfachung des Kopfrechnens und es ist auch die erste Begegnung mit einem einfachen Algorithmus. Wir Mathematiker sind halt faul und wollen vereinfachen

Aber die Frage könnte man natürlich auch auf viele Themen in der weiterführenden Schule anwenden. Warum Prozentrechnung, Bruchrechnen, Differentialrechnung... Kann man alles mit Computer machen oder demnächst mit chatGPT
Bei state's Frage war ich mir nicht sicher, ob es um die innerfachliche oder die Alltagsrelevanz ging.
Im Alltag werden die allermeisten Erwachsenen bei schwierigen/umfangreichen Aufgaben entweder überschlagen oder den Taschenrechner benutzen. Ein paar Wenige, die wirklich Spaß am schriftlichen Rechnen haben, werden die Aufgaben hierüber lösen, aber das dürfte realistisch die Ausnahme sein. Wenn es rein nach Alltagsrelevanz geht, könnte man die allermeisten Schulinhalte streichen, das hast du schon angedeutet. Wirklich relevant für den Alltag sind vermutlich: Kopfrechnen im Bereich bis 100, Überschlagsrechnen, grobe Zahlvorstellungen, Prozentrechnen, einfache Bruchzahlvorstellung, Größenvorstellung + leichte Umrechnen sowie elementares Stochastik-, Statistik- und Geometrievorstellungen. Ich finde es schon gut, wenn die Schüler eine gewisse fachliche Kompetenz mitbringen, die nicht nur auf die Alltagsrelevanz beschränkt ist.
Innerfachlich sind es Algorithmen, um auch mit größere Zahlen ohne Hilfsmittel operieren zu können. Dieser Algorithmus vereinfacht, bei nichtvorhandenem Taschenrechner, wiederum die spätere Arbeit in der Algebra, Geometrie (z.B. Berechnung von Flächen oder Volumina) oder Analysis.
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Was ist das denn für ein seltsamer Diss? Damit sprichst du allen Kollegen dieser Fächer die Kompetenz ab kriteriengeleitet Noten zu vergeben.
Das war so nicht gemeint, sollte es so herüberkommen, entschuldige ich mich an der Stelle.
Es ging um einen Teil der Kollegen, den es so in jedem Fach gibt, mir subjektiv höher in den im Threadtitel genannten Fächern vorkommt.
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Notengebung rein nach Talent sehe ich gerade in den künstlerischen Fächern als problematisch an. Leider ist das zu oft in diesen Fächern der Fall. Im Kern sollte wie in anderen Fächern die Beurteilung der Kenntnis von fachlichen Inhalten und Kompetenzen auf den bekannten Anforderungsniveaus stehen. Dann sehe ich erst einmal keinen Unterschied zwischen Sport, Geschichte oder Chemie.
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Zauberwald: Bei uns haben bis zu 20% der Fünftklässler eine Real- oder schwache Gymnasialempfehlung. Erfahrungsgemäß schaffen es bei uns nur die Wenigsten (auch wieder um die 20%) dann tatsächlich über die 7. Klasse hinaus, wechseln ansonsten in der Regel dann in den Realschulzweig - in seltenen Fällen nach vorangeganger Wiederholung der Jahrgangsstufe im Gymnasialzweig.
Meines Wissens sind die Bildungsstandards der Grundschule Ende Klasse 4 solche, die jeder Schüler (also auch solche mit Hauptschulempfehlung) mit Note 4 oder besser erreicht haben sollte, oder? Ist es über mehrere Jahrgänge hinweg der Fall, dass ein nennenswerter Anteil der Fünftklässler mit diesen Inhalten nichts anfangen kann, würde ich da durchaus ein Schnittstellenproblem vermuten.
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Idealerweise sollten alle Schüler die Kompetenzen Stand Ende Klasse 4 beim Übergang in die weiterführende Schule erreicht haben. "Idealerweise", weil du ja schon anklingen hast lassen, dass das nicht immer der Fall ist. Kurzfristig kann man natürlich, da hast du Recht, nur mit den vorhandenen Ressourcen arbeiten und muss Gas geben, nicht nur den regulären, sondern auch den fehlenden Stoff nachzuholen bzw. zu vermitteln. Das klingt in der Theorie einfach, ich sehe aber ein, dass die Umsetzung dessen herausfordernd ist - kenne ich selbst, wenn abgebende Kollegen aus welchen Gründen auch immer den Vorjahresstoff nicht ganz durchbekommen haben. Langfristig geht es nicht ohne Kommunikation mit den abgegebenen Grundschulen, um Schnittstellenprobleme zu benennen und Lösungen hierfür zu finden. Da kommt es aber auch wieder so auf den Einzelfall an, dass man da an der Stelle gar keinen Fahrplan, der für alle Fälle passt, geben kann. So wie ich dich einschätze, weißt du das alles aber bereits und setzt es sicher auch teilweise auch so um.
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Dass 32 durch 8 teilbar ist, sollten Schüler am Ende der Grundschule automatisiert haben. Ich finde es schwierig, einen sinnvollen Anschluss im Rahmen des Mathematikunterrichts in der Sek I zu ermöglichen, wenn wir selbst hier an der Stelle keinen Konsens erreichen.
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Ich bin immer skeptisch, wenn ich lese: 'Es sollen neue Stellen für [Erzieher/Lehrer/Sozialarbeiter/Polizisten] geschaffen werden.'. Gibt es nicht in diesen Bereichen bereits Vollbeschäftigung? Wo sollen also diese in dem Fall 60 Sozialarbeiter kommen? Sind das die, die jahrelang extra auf diese Chance gewartet haben? Ich sehe aktuell die besten Chancen, die Kapazitäten von Studiengängen mit geringer Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt stark einzuschränken und die Interessanten für solche Studiengänge (In Lüneburg gibt es einen Studiengang namens "Studium Individuale", der zum Großteil einfach aus Wahlkursen aus dem gesamten Studienangebot der Hochschule besteht. Können wir uns sowas in Zeiten des Fachkräftemangels wirklich "leisten" als Gesellschaft?) auf u.a. die Jobs in den eckigen Klammern oben verstärkt aufmerksam zu machen. Ob damit die Probleme an vielen Schulen gelöst werden, weiß ich nicht, aber es klingt zumindest in sich logischer als einfach mal irgendwelche Stelle zu verkünden - auf dass die Bewerber aus dem Nichts heraus einem die Bude einrennen...
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Ich würde sagen, dass das Lernen von Algorithmen ein integraler Bestandteil des Mathematikunterrichts ist und ein erster Schritt im Verstehen mathematischer Prozesse ist. Es sollte idealerweise hier nicht enden, wobei das Durchdringen und Reflektieren der Prozesse durchaus anspruchsvoll ist und aufgrund von Alter oder kognitiven Grenzen nicht von jedem Schüler gänzlich erbracht werden kann. Für manche Schüler ist bei der erfolgreichen Anwendung eines zuvor gelernten Algorithmus durchaus bereits die Grenze für ihn Möglichen erreicht.
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