Beiträge von Gymshark

    Die Einsparungen durch die Verkürzung der Ausbildungsdauer und Kürzung der Gehälter auf ein immer noch sehr gutes Niveau kann genutzt werden, um die Erweiterung der Kapzitäten, die für die Medizinstudienplätze benötigt werden, zu finanzieren.

    Wenn wir etwas das letzte Jahr gelernt haben, dann ja gerade, dass pauschales "Nein" über viele Jahre uns in diese aktuelle Gesellschaftskrise geführt hat. Wir müssen offen gegenüber Reformen und Streichung gesetzlicher Vorhaben werden und mutig auch mal Dinge hinterfragen, die "halt schon immer so waren".

    Die Kapazität kostet aber viel Geld. Die Länder wollen das nicht ausgeben, also bleibt es wohl erstmal dabei.

    Daher ja mein Vorschlag mit der verkürzten Ausbildung und der Kürzung der Gehälter als Möglichkeit, höhere Kapazitäten zu finanzieren.

    Klar wird das nicht jedem/r gefallen und es wird (laute) Stimmen geben, die konstatieren, dass 8-10.000€ als "normaler" Facharzt (m/w/d) bereits zu wenig seien, aber gleichzeitig werden ja aktuell von allen Seiten Reformen gefordert und diese bedeuten immer für einen Teil der Bevölkerung Opfer - genauso wenn es irgendwann mal tatsächlich zu der viel zitierten Entbürokratisierung kommen sollte.

    Ich denke, es gäbe nicht zwangsläufig schlechtere Ärzte (m/w/d), wenn der NC nicht bei 1,0-1,1, sondern bei 1,5 bis 1,8, bedingt durch höhere Aufnahmezahlen, läge. Und ja, ich weiß, dass es den Medizinertest gibt.

    Eine Gesamtausbildungszeit von 8 Jahren würde nicht nur die anschließende Facharztausbildung kürzen, sondern natürlich auch das Studium. Ich mache mal einen konkreten Vorschlag, der keinen finalen Charakter hat, sondern durchaus auch im Laufe der Diskussion optimiert und überdacht werden kann: 5 Jahre Studium + 3 Jahre Weiterbildung. Hier im Forum sind keine Ärzte (m/w/d), und soweit ich weiß nicht einmal Medizinpädagogen (m/w/d), daher muss und soll es auch gar nicht um Details gehen, welche Vorlesung oder welcher Kurs jetzt wegfallen oder andersweitig verändert werden sollte, aber hältst du es nicht für möglich, dass innerhalb von 5 Jahren das theoretische Knowhow und in der anschließenden 3-jährigen Phase der Assistenz und Weiterbildung die praktischen Fertigkeiten vermittelt und erworben werden können?

    Die Assistenzzeit zähle ich zur Ausbildungszeit dazu, auch wenn du Recht hast, dass in dieser Phase bereits gearbeitet und Geld verdient wird.

    Gäbe es mehr Ärzte (m/w/d), müsste es gar nicht die "Wochenend- und 24-Stunden-Dienste" im derzeitigen Ausmaß geben. Wir sprechen von einer künstlichen Verknappung, denn es gäbe deutlich mehr junge Menschen, die gerne Ärzte (m/w/d) werden würden, würden es die Aufnahmekapazitäten der Hochschulen erlauben.

    Wir können auch statt 11, 12-13 Jahre sagen, das verschärft eher noch das Argument. Es sagt im Übrigen schon viel aus, dass du einen vergleichsweise langen Zeitraum von 8 Jahren (in dieser Zeit kann durchaus einiges an Wissen und Kompetenzen vermittelt werden.) als "Schmalspurstudium" bezeichnest. Hättest du dasselbe konstatiert, wenn die Regelausbildungsdauer 16 Jahre betrüge und die Frage im Raum stünde, ob nicht auch 12,5 Jahre genügen? Es ist ja nicht entscheidend, die Ausbildung möglichst in die Länge zu ziehen (Sicher würde man auch Gründe finden, warum die Ausbildung eine Dauer von 20 Jahren haben sollte - mehr geht immer.), sondern die nach wissenschaftlichen und ökonomischen Kriterien angemessene Länge zu ermitteln.

    Dein letztes Argument, dass Ärzte (m/w/d) sehr lange ausgebildet werden, ehe sie ihre Zielberufsbezeichnung inne haben, spricht ja gerade dafür, dass wir gesellschaftlich überlegen sollten, ob dieser Umstand noch zeitgemäß ist. Das Ganze gipfelt dann in einer durchschnittlichen Ausbildungszeit des Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgs (m/w/d) von circa 17 Jahren.


    Die Medien suggerieren ja auch, dass jeder ohne Begabung InfluencerIn werden kann und im Schlaf eine Menge Kohle scheffeln kann.

    Das stimmt, ist aber leider keine neue Entwicklung. Bereits in den 00er-Jahren wurde der Anschein geweckt, jede/r könne wahlweise Topmodel, Superstar oder Fußballer (m/w/d) werden. Dass es nur ein Bruchteil langfristig wirklich schafft, sich karrieretechnisch zu etablieren, fällt gerne unter den Tisch. Ich möchte auch nicht in Abrede stellen, dass Unterhaltung einen gesellschaftlichen Zweck erfüllt und dass hinter diesen Branchen auch einiges (meiner Meinung nach sogar zu viel) an Geld steckt.

    Gleichzeitig muss man aber auch feststellen, dass die Person, die sich entscheidet, Influencer (m/w/d) zu werden, an anderer Stelle in der Berufswelt fehlt, da sich ja keine/r vierteilen kann. Wir können dann nicht über Fachkräftemangel klagen, wenn wir uns als Gesellschaft eine größere Menge an Unterhaltungskünstlern (m/w/d) im weitesten Sinne erlauben.

    Der Abstand zwischen sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung für Geringqualifizierte und Bürgergeld ist in der Tat zu gering; der Ansatz, die Löhne per Gesetz zu erhöhen, dürfte jedoch an der Lohn-Preis-Spirale verfangen. Preise steigen und dadurch wird auch Produktion in Deutschland für Unternehmen unattraktiver, da Lohnkosten in anderen Ländern schlichtweg niedriger sind. Im schlechtesten Fall werden so Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet und das war in den letzten 12 Monaten auch ganz real der Fall.

    Bolzbold

    Ob die Person von den 2.224€ auskömmlich leben kann, ist eine Frage. Eine andere Frage ist, ob so eine Person im Zweifelsfall noch durch die staatliche Wohlfahrt aufstocken kann und so am Ende wesentlich mehr in der Tasche hat als der Bürgergeldempfänger. Zumal dieses Aufstocken für den Staat günstiger wäre, als wenn die Personen voll umfänglich der staatlichen Wohlfahrt zur Last fallen.

    Staatliches Aufstocken bei einer Beschäftigung ist nicht nur günstiger, sondern auch sozialverträglicher im Vergleich zur Person, die zuhause nur Däumchen dreht und wartet, dass der Tag herumgeht. Wie schon zuvor beschrieben: Die Person, die arbeitet, kommt seltener auf die Idee, aus Perspektivlosigkeit oder Langeweile Straftaten zu begehen. Dadurch sind auch die Opportunitätskosten für den Staat geringer.

    plattyplus : Ich gebe dir Recht, dass es Anreize geben muss, dass Geringqualifizierte auch Stellen für Geringqualifizierte annehmen. Ich würde da auch Unterschiede machen zwischen der qualifizierten und erfahrenen Fachkraft, die bedingt durch die aktuelle Wirtschaftskrise ihren Job verlor, und den Personen, die realistisch betrachtet bei allem, was über "einfache Arbeiten" hinausgeht, kognitiv überfordert sind. Wie schon zuvor geschrieben, wenn sie über diese einfachen Arbeiten ihren Lebensunterhalt verdienen können, haben sie eine Aufgabe, die ihrem Leben Struktur und Sinn gibt und damit kommen sie deutlich seltener auf die Idee, Blödsinn zu machen.


    Tom123 : Was die von dir angesprochenen Niedrigstqualifizierten angeht: Hier finde ich ebenfalls die Vermittlung von Basisqualifikationen wichtig. Jede/r kann zwar irgendetwas, aber die Stellen, die so niedrige Anforderungen haben, dass es legitim wäre, die Hälfte von 2€ mit dem Taschenrechner zu berechnen, sind sehr rar - allenfalls noch im geschützten 2. Arbeitsamt. Bei diesen Menschen stimme ich dir zu, dass es Sinn macht, das Maximale an Potential auszuschöpfen.

    Ich schreibe bewusst "bei diesen Menschen", weil ich der Auffassung bin, dass "mehr = mehr" nicht allgemeingültig ist. Überqualifizierung ist im Jahr 2026 leider auch eine traurige Tatsache. Es gibt top ausgebildete Fachkräfte, die aufgrund ihrer Qualifiktionen von Unternehmen als "zu teuer" wahrgenommen werden und dadurch Schwierigkeiten haben, einen Job zu bekommen. In solchen Fällen wäre es sogar kontraproduktiv, eine weitere formale Qualifikation zu erwerben.

    Für den sozialen Frieden wird es in Zukunft wichtig sein, niedrigqualifizierte Personen "beschäftigt" zu halten. Das gibt ihnen einen Sinn im Leben und verhindert, dass sie aus Perspektivlosigkeit destruktives Verhalten zeigen. Daher ist es essentiell, dass die Beschäftigungsquote vor allem in dieser Bevölkerungsgruppe hoch bleibt, sei es durch Tätigkeiten in der freien Wirtschaft oder, sollte die Anzahl nicht deckend sein, durch staatlich organisierte Aufgaben.

    Ich weiß nicht, ob es korrekt ist, zu konstatieren, dass wir kein Land für Billiglohnarbeiten seien.

    Zu den angesprochenen Berufsgruppen "Ingenieure, Ärzte, Facharbeiter": Wie schon zuvor beschrieben haben wir einige Bereiche, in denen wir derzeit mehr ausbilden als Stellen zur Verfügung stehen. Das sind solche Stellen, bei denen bereits früh gewarnt wird, man solle räumlich flexibel sein und möglichst schon im Studium Praktika absolvieren und Zusatzqualifikationen erwerben. Aktuell leisten wir uns einige solcher akademischer Felder und nehmen dadurch bewusst in Kauf, dass diese Personen später nicht in Bereichen arbeiten, in denen Mangel herrscht. Einer der Gründe dafür, um auch mal etwas Selbstkritisches zu schreiben, ist auch, dass es uns zu wenig gelingt, junge Menschen nachhaltig für MINT-Fächer zu begeistern, sodass sich viele eher Richtung Geisteswissenschaften orientieren, wo der Arbeitsmarkt jedoch ziemlich gesättigt ist. Arzt (m/w/d) ist unter jungen Menschen ein sehr beliebter Beruf, aber wir bilden seit langer Zeit aufgrund hoher Studienplatzkosten zu wenig aus. Die Anzahl an Studienplätzen könnte ausgeweitet werden durch Finanzierung in Form einer Verkürzung der Ausbildung zum Facharzt (m/w/d) von aktuell durchschnittlich 11 auf 8 Jahre (Eine lange Ausbildungszeit bedeutet nicht automatisch, dass die Arbeitsqualität höher ausfällt.) und Reduktion des Gehalts eines Arztes (m/w/d), ohne Chefarztposition o.ä., auf circa 6.000€ statt aktuell circa 8.000€, was in meinen Augen für eine Position ohne Führungsverantwortung immer noch ein sehr gutes Gehalt wäre.

    Es gibt auch einfach viele Personen ohne Beschäftigung, die nicht die Qualifikation haben die offenen Stellen zu besetzen...

    Die meisten offenen Stellen gibt es im Niedrigqualifikationsbereich. Das sind Stellen, die teilweise sogar keine formale Qualifikation, sondern höchstens ein "Learning on the job" erfordern.

    Deutschland hat kein Qualifikationsproblem.

    Nebenbei: Ein Problem ist auch, dass eher bildungsferne Familien viele Kinder bekommen und andere weniger. Dadurch steigt auch der Anteil der Kinder mit Defiziten.

    Das stimmt und lässt sich statistisch belegen (Quelle). Gesamtgesellschaftlich ist dieser Umstand natürlich ernüchternd und sollte Anlass sein, zu überlegen, wie Bildung so gestaltet werden kann, dass das demographisch-ökonomische Paradoxon überwunden werden kann und die investierten Ressourcen nicht mehr in einzelnen Sackgassen endet, sondern zu nachhaltigem Nutzen auf Makroebene führt und bestehende systemische Schwächen endgültig überwunden werden können, statt dass diese sich in Dauerschleife wiederholen oder, wie von dir angedeutet, ausweiten.

    Kinderzuschläge ja aber begrenzen. Vielleicht 100-200 € pro Kind. Und wenn ich 7 Kinder haben möchte, muss ich mir überlegen, ob ich das finanzieren kann.

    Falscher Ansatz - die Entwicklung der Geburtenrate ist eindeutig negativ (Quelle). Das Argument sollte nicht "Kinder bekommen, wenn ich es finanzieren kann" sein, sondern "Kinder bekommen und der Staat muss die Grundlagen schaffen, dass ich es finanzieren kann". Der Staat ist in der Bringschuld, weil der langfristige Erhalt der öffentlichen Infrastruktur und Leistungen unmittelbar hieran geknüpft ist.

    Glaube ich persönlich nicht. In den aktuellen Zeiten, so zumindest meine Vermutung, nehmen die Leute sogar eher Gehaltseinbußen hin, wenn im Gegenzug der Arbeitsplatz wenigstens einigermaßen sicher ist. Die aktuelle junge Generation ist weniger risikoaffin als früher und daher gewinnt auch der öffentliche Dienst als Arbeitgeber unter jungen Leuten an Beliebtheit.

    Wie soll dieser Beruf eigentlich attraktiv bleiben, wenn sogar Lehrer am eigenen Ast sägen?

    Es hilft eine ehrliche Analyse, warum sich junge Leute gegen den Lehrkräfteberuf entscheiden. Wenn jemand sagt "Ich könnte das ja nicht." oder "Lehrkraft heutzutage? Bloß nicht!", dann macht es Sinn, nachzufragen, warum die Person zu dieser Position kommt. Denn dann kann im nächsten Schritt überlegt werden, ob die Rahmenbedingungen des Berufes angepasst werden sollten.

    Ich wage zu behaupten: Wenn sich junge Leute gegen diesen Beruf entscheiden, liegt es in den allerallerwenigsten Gründen am Geld.

    Die Entscheidung der KMK gilt zwar bundesweit, die curriculare Umsetzung ist aber Landessache. Derzeit stellen fünf verschiedene Parteien die jeweiligen Kultusminister (m/w) der Länder. Bei dieser parteipolitischen Heterogenität kann ich mir vorstellen, dass sich Teile der Minister (m/w) vorbehalten, mit dieser Übertragung zu warten oder sie am Ende sogar komplett auszusitzen, um nach Niedersachsen ein weiteres negatives mediales Echo zu vermeiden.

    Zum anekdotischen Video mit den Kartoffeln: Ich denke, hier ist einfach bildungspolitisch unklar, was wir gesamtgesellschaftlich wollen. Themen streichen geht nicht - das hat man bei der schriftlichen Division in dem einen Bundesland (War es Niedersachsen?) gesehen und zeitgleich fand ja auch die Debatte um den Einsatz vereinfachter Lektüren an einzelnen Schulen in Berlin statt. Das kommt bei der Bevölkerung ganz schlecht an. Hinzu kommt, dass die deutsche Performance in Bildungsvergleichsstudien allerhöchstens mäßig war, wodurch sich die implizite Forderung ergibt, dass zukünftig das Niveau wieder hochgeschraubt werden muss.

    Gleichzeitig ist einfach die Realität so, dass in leistungsheterogenen Lerngruppen nicht einfach durch die Themen durchgehetzt werden kann, nur weil es das Curriculum gefordert - und die Welt sonst zusammenbricht, wenn man ein Thema weglässt. Dann wurden zwar die Themen offiziell behandelt, aber was, wenn davon schlichtweg bei zu wenig Schülern (m/w/d) etwas Substantielles hängen bleibt?

    Man will viel, mitunter auch, dass,Kinder Videos über Kartoffeln drehen können, aber was ist, wenn sich diese theoretischen Vorstellungen nicht widerspruchsfrei in die Unterrichtsrealität umsetzen lassen?

    Übergänge im Laufe der Bildungskarriere sind immer etwas Besonderes, sowohl für die betroffenen Schüler (m/w/d) als auch die jeweiligen Lehrkräfte. Es gilt, trotz heterogener Voraussetzungen (Das ist jedoch nichts Neues - auch in Klasse 1 hatten die Schüler (m/w/d) bereits unterschiedliche Voraussetzungen.) eine gemeinsame Basis zu schaffen, von der ausgehend ihr dann den anstehenden Stoff erarbeitet.

    Gerade in Mathematik ist das eigentlich ganz angenehm, weil zu Beginn der Klasse 5 noch einmal die zentralen Eigenschaften des natürlichen Zahlenraums sowie von Figuren und Körpern wiederholt und systematisiert werden. Für die Einen ist das eine Auffrischung, Andere erhalten noch einmal die Gelegenheit, ggf. vorhandene Lücken zu schließen.

    Die Schüler (m/w/d) müssen zwar erst noch im neuen System der weiterführenden Schule "ankommen", das ist aber bei den Meisten nach spätestens 4 Wochen der Fall. Da du den gymnasialen Bildungsgang besonders hervorhebst: Ich kenne es so, dass der Anspruch ganz am Anfang über alle Schulformen weitestgehend gleich ist, dieser aber nach kurzer Zeit im gymnasialen Bildungsgang anzieht, die Themen schneller bearbeitet und einen stärkeren Schwerpunkt auf Aufgaben im Anforderungsbereich III setzt. Schüler (m/w/d), die eine grundsätzliche gymnasiale Eignung haben, gewöhnen sich daran. Menschen sind in der Lage, an ihren Herausforderungen zu wachsen. Wenn Schüler (m/w/d) merken, dass das Niveau auf Dauer für sie zu hoch ist, ist das nicht schlimm. Aus meiner Erfahrung heraus wechseln nach Klasse 5 circa 10% der Schüler (m/w/d) die Schulform. Lieber so, als sich über die Sek-I hinweg zu quälen. Der Anteil an Schülern (m/w/d) im gymnasialen Bildungsgang ausgehend von der Gesamtjahrgangsstärke ist eh zu hoch.

Werbung