Beiträge von Gymshark

    Seph: Klagen gegen Verwaltungsakte sind die letzten Jahre gestiegen - nicht nur im Bereich Schule, aber Klagen in diesem Bereich kommen natürlich zu der gerichtlichen Belastung hinzu. Die Bearbeitung von Klagen an Verwaltungsgerichten dauert derzeit gerne (deutlich) über ein Jahr - deutlich zu lang. Ein halbes Jahr sollte meiner Meinung nach das absolute Maximum sein - und da müssen wir hin. Aktuell, da hast du Recht, sind Kosten ein Hemmnis zur Einreichung einer Klage. Kann man durchaus kritisch sehen. Und ja, Widerspruchsverfahren sind ein erster Schritt zur Entlastung, aber aktuell bringen sie zur Reduktion der gerichtlichen Belastung noch deutlich zu wenig.

    Das wäre eine Möglichkeit. Bevor eine Klage zur gerichtlichen Bearbeitung zugelassen wird, sollte in einem vorgelagerten Schritt die grundsätzliche Aussicht auf Erfolg einer Klage geprüft werden (Entscheidung durch einen Sachbearbeiter (m/w/d) möglichst noch am selben Tag des Klageeingangs), sodass die Gerichte perspektivisch (deutlich) weniger Klagen bearbeiten müssen und dadurch agiler werden. So wie aktuell geht es auf jeden Fall nicht weiter.

    Wir haben mehrere denkbare ungünstige Konstellationen, die zum Widerspruch führen können.

    Was hier entscheidend ist, das ist zum einen die "Beschwerdefreudigkeit" der Eltern und zum anderen die Frage, ob es objektiv Mängel oder Fehler im Vorgehen der Lehrkraft gibt, die zu einer Notenänderung führen.

    Neben der überbordenden Bürokratie ist die nierigschwellige Möglichkeit zur Klage ein Aspekt, der uns gesamtgesellschaftlich immer mehr lähmt und politisch dringend angegangen werden sollte.

    Mir fällt außerschulische Jugendarbeit ein. Einige Stellen in dem Bereich suchen Sozialpädagogen (m/w/d) oder ähnliche Qualifikation; mit deinen zwei Abschlüssen und der Berufserfahrung könnte der hervorgehobene Teil zutreffen. Käme eine Tätigkeit in einer pädagogischen Einrichtung oder einer Wohngruppe infrage?

    Maylin, du bist ja im berufsbildenden Bereich unterwegs. Es gibt ja ein paar akademische Felder, in denen Assistenzen recht normal und etabliert sind, sei es in der Apotheke, in Kanzleien oder in Arztpraxen. Ich fände es spannend, zu erfahren, ob es diese Assistenzen schon "immer" gab oder ob diese irgendwann eingeführt wurden - und ob dieses Modell auch grundsätzlich auf Schulen übertragbar wäre. Vielleicht wissen da die Kollegen (m/w/d) aus der Wirtschafts- oder Medizinpädagogik mehr über die historischen Anfänge ihrer zugehörigen Ausbildungsberufe.

    Das ist klar. Wenn Lehrkräfte entlastet werden würden (sei es in Bezug auf Verwaltungs- oder pädagogische Tätigkeiten), würden sie im Gegenzug in ihren Kernaufgabenbereichen intensiver als zuvor eingesetzt werden. Aber wäre das denn wirklich schlimm?

    In (m)einer idealen Welt würde der primäre Einsatz von Lehrkräften im Unterrichtsbereich liegen, sprich Unterrichtsvor- und -nachbereitung, Unterricht halten, Leistungsbewertung. Dann kann im Gegenzug auch das Deputat hochgesetzt werden. Außerunterrichtliche pädagogische Arbeit (z.B. Betreuung oder Aufsichten) sollte durch sozialpädgogisches Fachpersonal erfolgen.

    Das würde die Arbeitsqualität erhöhen und personelle Ressourcen passgenauer eingesetzt werden. Wie schon geschrieben wurde: A13 (und höher)-Kräfte sind eigentlich zu teuer für reine Aufsichten. Das ist nur möglich, weil die (inoffizirlle) Argumentation lautet "Naja, wenn sie schon da sind und es keine Arbeitszeiterfassung gibt, können wir die Lehrkräfte auch im Rahmen solcher Aufgaben einsetzen, es kostet uns nichts Zusätzliches und wir müssen kein zusätzliches Personal einstellen.".

    Super, sollen wir jetzt noch die Akademikerberufe aufzählen, die auf Geschäftsreise im Hotel übernachten? Verkauft euch doch nicht so billig.

    Ich schließe mich zwar auch dahingehend an, dass für Lehrkräfte bei Dienstreisen (wozu Klassenfahrten und -ausflüge zählen) ein gewisser Mindeststandard zählen sollte. Gleichzeitig sollte bei Vergleichen mit Akademikerberufen nicht außer Acht gelassen werden, dass (verbeamtete) Lehrkräfte sich keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen müssen - im Gegensatz zu vielen Akademikern (m/w/d) in der Privatwirtschaft angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen. Wir sind dahingehend schon in einer privilegierten Lage, was sich vor allem in Krisen bemerkbar macht, selbst wenn es ausgehend von einer Idealvorstellung hier und da noch Luft nach oben gibt.

    Zu meiner Schulzeit waren wir froh, wenn Unterricht ausfiel und wir früher nach Hause konnten. Dann hatten wir mehr Freizeit und konnten uns früher mit Freunden (m/w/d) treffen. Aktuell (Bildungspolitik ist bekanntlich dynamisch.) geht der politische Trend eher Richtung Ausweitung des Ganztagsangebots, da nicht alle Kinder in Wohnortnähe Großeltern wohnhaft haben, die sie mittags betreuen könnten, und in vielen Familien beide Elternteile berufstätig sind.

    Auch aufgrund des gesunkenen Bildungsniveaus ist die gesamtgesellschaftliche Erwartung, dass in Vertretungssituationen nicht nur Zeit totgeschlagen, sondern Unterricht gemacht wird. Wenn Stunden nur zur Hälfte gezählt werden, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Vertretungsstunden nur halbherzig umgesetzt werden, ein Film gezeigt oder Freiarbeit gemacht wird.

    Ordentliche Vertretungsstunden sind auch voll anzurechnen. Ein gehaltvolles Konzept konnte in der Konferenz erarbeitet werden. Wenn in der nächsten Unterrichtsstunde eine Klassenarbeit geschrieben wird und die Vertretungslehrkraft fachfremd ist, kann man die Schüler (m/w/d) auch mal sich im Rahmen von Freiarbeit für die Klassenarbeit vorbereiten lassen. Ansonsten sollte für isolierte Vertretungsstunden "sinnvoller" Unterricht gemacht werden und für längerfristige Vertretungssituationen sollte eh Unterricht entsprechend der curricularen Vorgaben stattfinden. In isolierten Stunden kann eine Lehrkraft, die die Klasse sonst in einem anderen Fach unterrichtet, hier thematisch fortfahren, bei anderen Konstellationen bietet sich eine allgemeine fachbezogene Wiederholung/Auffrischung (siehe die zuvor genannten Beispiele zu Bruchrechnen oder Lesetechniken) oder Themen, die pädagogisch wichtig sind, aber sonst im Schulalltag zu kurz kommen (Finanzbildung, Medienbildung, Berufsinformation).

    Es gibt viele Möglichkeiten, aber dazu muss die Schulleitung bereit sein, ein etwaiges Konzept mitzutragen.

    Dieser Anteil ist ziemlich normal, besonders für Akademiker. Wenn das zu teuer ist, dann können nun noch ungelernte Personen an Schule arbeiten.

    Aktuell werden staatliche Einnahmen und Ausgaben medial wieder sehr stark diskutiert und dabei stehen auch die Beamte (m/w/d) im Zentrum der Aufmerksamkeit, sei es die Frage, ob sie von der Entlastungsprämie profitieren sollen oder ob (im Fall von Bundsbeamten (m/w/d)) nach Entscheidung durch das Verfassungsgericht ihre Besoldung erhöht werden soll. Beamte (m/w/d) haben eine überdurchschnittliche Lebenserwartung und treten später ins Berufsleben ein. Fernab von Emotionen und wirklich rein auf Zahlen beschränkt, eine rein theoretische Überlegung, ist aus staatlicher Sicht derjenige Bürger (m/w/d) am günstigsten, der möglichst lange einzahlt und dessen Phase außerhalb der beruflichen Tätigkeit möglichst kurz ist. Das ist natürlich kein sonderlich sozialer Ansatz und so müssen menschliche Bedürfnisse auch berücksichtigt werden und nicht nur eine mechanische Kosten-Leistungs-Rechnung. Dennoch ist die Frage, wo der Punkt erreicht ist, an dem menschliche Bedürfnisse beginnen, das System finanziell zu stark zu belasten - und das könnte wiederum in einem Fall wie dem oben beschriebenen zutreffen.

    Früher war alles anders. Ein befreundeter Lehrer, der jetzt aber schon Ende 80 ist, ging mit 61 ohne Abschläge in den Ruhestand. Also er sagt, er hätte keine Abschläge. Er wäre etwas länger krank gewesen, musste dann zur Amtsärztin, hätte wirres Zeug geredet und sei daraufhin ohne Abschläge pensioniert worden. Wie das nun genau vor fast 30 Jahren ablief, weiß wohl niemand mehr.

    Aus heutiger Sicht überraschend, dass lange Zeit nicht kritisch hinterfragt wurde, ob es sinnvoll ist, dass jemand geschätzte 27 Jahre lang abschlagsfrei Pension aus Steuermitteln erhält. Das, was dieser Lehrer fast 3 Jahrzehnte lang erhält, muss an anderer Stelle erst einmal erwirtschaftet werden. Klar ist, dass bis auf sehr wenige Ausnahmsweisen niemand bis spät ins Alter (durchgehend) arbeiten kann. Dennoch ist es vergleichsweise unwahrscheinlich, dass jemand vergleichsweise früh arbeitsunfähig wird und danach trotzdem noch deutlich über 20 Jahre lebt. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber zumeist deutet ein hohes Lebensalter darauf an, dass die Person auch relativ lange (theoretisch) arbeitsfähig war.

    Vermutlich war der befreundete Lehrer (nur) 40% seines Lebens in einer Art von Beschäftigung tätig und 60% können den Phasen der Erziehung, Bildung und Pension zugeordnet werden, was in diesen Relationen zum Einen selten ist und zum Anderen aus staatlicher Sicht vergleichsweise teuer.

    Es kann nicht für jeden Furz einen Erlass geben.

    Ich würde soweit gehen, zu sagen, dass die zunehmende Bürokratisierung inzwischen das gesamtgesellschaftliche Handeln lähmt. Die Deutschen wünschen mehrheitlich weniger staatliche Vorgaben, die ursprünglich in den meisten Fällen den (nachvollziehbaren) Wunsch nach Rechtssicherheit und -eindeutigkeit zur Wurzel hatten. Ganz ohne Gesetze geht es natürlich nicht, es würde binnen kurzer Zeit Anarchie ausbrechen, aber es wäre sicher eine interessante Überlegung, welche Implikationen sich für Schule ergeben würden, sollte der Wunsch nach Entbürokratisierung irgendwann umgesetzt und viele derzeitige Gesetze ersatzlos gestrichen werden. Dann gäbe es vielleicht nur ein paar grobe Rahmenbedingungen "von oben" und Schulen könnten viel individueller als derzeit entscheiden.

    Mathematik kannst du ohne mathematische Vorkenntnisse studieren.

    Die Aussage finde ich mutig. Klar, theoretisch wird alles noch einmal im Schnelldurchlauf "wiederholt". Wer aber aus der Oberstufe noch grobe Lücken in der Funktionenlehre hat, wird sich schwer tun in Analysis I, da sowohl für die Rechen- als auch für die Beweisaufgaben vorausgesetzt wird, dass man eine gute Vorstellung davon hat, wie eine quadratische, exponentielle, trigonometrische oder Potenzfunktion "funktioniert". Und auch in der linearen Algebra sollte man die zentralen Eigenschaften und Rechenregeln der in der Schule behandelten Zahlenbereiche kennen. Ist dieses Wissen als Fundament lückenhaft, ist es ungleich schwerer, in die abstrakteren Hochschulthemen vorzustoßen.

    Wäre es vlt. eine Alternative, den Bereichsnamen von "Krieg gegen die Ukraine" in "weltweite Kriege und ihre Auswirkungen" umzubennen? Dann könnten die Kriege in Ukraine und Iran (ggf. noch andere Kriegsschauplätze) gleichermaßen betrachtet werden, oft gibt es auch noch Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Kriegsschauplätzen, wie die Konsequenzen hieraus für das Leben in Deutschland bzw. die deutschsprachigen Nachbarländer.

    Bayern und Sachsen schneiden überdurchschnittlich gut in Leistungsvergleichsstudien ab, das stimmt. Ob das an den Lehrplänen liegt, kann ich nicht abschließend beurteilen.

    Dennoch müssen sich beide Punkte nicht widersprechen. Ein weniger detaillierter Lehrplan muss nicht automatisch zu einem niedrigeren Anforderungsniveaus in der Unterrichtspraxis führen.

    Ich nehme öffentlich geäußertes Unbehagen so wahr, dass zumindest nebenrangig entweder eine Lösung für besagtes Unbehagen durch Dritte oder die Positionierung Dritter zu einer selbstgefundenen Lösung für besagtes Unbehagen gewünscht wird.


    Es ist verständlich, dass man sich als Lehrkraft bisweilen eine konkrete Musterlösung statt einer Kollektion loser Konzepte von Staatsseite wünscht. Wobei ich dich so verstehe, dass dich im vorliegenden Fall weniger stört, dass eine konkrete Musterlösung fehlt, als dass eine Musterlösung selbt erarbeitet werden muss und dann im Nachhinein, wenn die Arbeit investiert wurde, die Musterlösung von Staatsseite nachgereicht wird, und damit quasi die zuvor investierte Arbeit abgewertet wird, oder?

    Ich sehe es so: Es wird sich oft über überbordende Bürokratie beklagt. Dann ist es natürlich kontraproduktiv, wenn der Staat viele Vorgaben macht und damit mehr Bürokratie erzeugt. Diese wird eher dann reduziert, wenn der Staat nur grobe Rahmenbedingungen vorgibt und die detailliere Umsetzung den Bürgern (m/w/d), hier den einzelnen Schulen in Form der Lehrkräfte, überlässt. Zudem habe ich meine Zweifel, ob sich akademischer Anspruch und Höhe der Besoldungsgruppe von Lehrkräften rechtfertigen lassen, wenn der Staat bereits konkrete Detailvorgaben macht, die nicht interpretiert werden, sondern 1 zu 1 umgesetzt werden müssen.

    Es ist definitiv aufwendig, ein schulinternes Curriculum zu schreiben, wenn man den Anspruch hat, dass alle Vorgaben abgedeckt werden. In den modernen Fremdsprachen ist das besonders anspruchsvoll, weil durchgehend kommunikative Kompetenzen, Wortschatz und Grammatik und Wissen über den Kulturraum möglichst passend miteinander verflochten werden müssen.

    Arbeitet ihr mit einem Schulbuch? Wenn ja, würde ich es als Grundlage nehmen und schauen, welche Inhalte und welche Methoden aus dem Schulbuch auch im Curriculum enthalten sind. Wenn sie enthalten sind, würde ich sie im Curricula abhaken und ins schulinterne Curriculum so übernehmen wie es im Schulbuch vorgeschlagen wird. Was dann übrig bleibt, sind die Inhalte und Methoden, die zwar curricular gefordert, aber nicht durch das Schulbuch abgedeckt sind. Im Idealfall sind das nicht mehr so viele und die würde ich dann an passenden Stellen im schulinternen Curriculum einfügen.

    Ihr könnt ja überlegen, wie detailliert das schulinterne Curriculum formuliert werden soll; ob es genügt "Ganzschrift" zu schreiben oder ob ein konkretes Werk benannt werden soll. Und ob ihr mit konkreten zeitlichen Vorgaben arbeiten wollt oder es dabei belasst, aufzulisten, was bis zum Ende eines Schuljahres unterrichtet worden sein muss.

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