Beiträge von Gymshark

    Viele Länder Afrikas haben meiner Einschätzung nach keine wirkliche Zukunft.

    Geht es dir hier um wirtschaftliche oder gesellschaftlich/politische Zukunft? Wirtschaftlich kann, wie zuvor von Tobbe erwähnt, Vietnam als positives Beispiel herangezogen werden. Vor 35 Jahren noch eines der ärmsten Länder der Welt, hat es die letzten Jahre extreme Fortschritte gemacht, hatte alleine im letzten Jahr ein Wirtschaftswachstum von 8%. Grundsätzlich können das andere Länder auch - es braucht aber einen konkreten Plan, wie man von A nach B kommt, sowie eine Bevölkerung, die die Sinnhaftigkeit dieses Plans erkennt und bereit ist, ihn mitzugehen.

    Gesellschaftspolitisch ist aus meiner Sicht ein Hauptproblem, dass die Bevölkerung vieler afrikanische Länder keine nationale Identität hat, sondern sich eher innerhalb der einzelnen Völker oder ihrer Familien orientiert. Es kommt immer wieder zu Unruhen aufgrund unterschiedlicher moralischer Vorstellungen oder Verteilungsstreitigkeiten. Aus europäischer Sicht lässt sich nur schwer eine Alternative aufzeigen, da wir aus der Entfernung heraus nur wenig Einblicke haben. Was es in meinen Augen bräuchte, wären charismatische politische Führungspersönlichkeiten, die die Bevölkerung in ihrer Diversität vereinen und zugleich einen Plan aufzeigen, wie es zukünftig allen Menschen des Landes besser gehen könnte.

    Wenn die afrikanischen Staaten selbst keine Idee haben, wie es zukünftig weitergehen soll, könnte die Europäische Union oder die UN vermitteln. Mitunter müssen auch die Europäische Union oder die UN die Initiative zum Gespräch (und damit verbunden auch zum Handeln) suchen. So oder so, Veränderung geht nur, wenn man auch Veränderung zulässt - ein verändertes Afrika kann daher viele Afrikaner (m/w/d) vor Herausforderungen stellen, aber es kann zugleich auch Chancen bedeuten, die es zu greifen gibt, wenn die nationale Politik die Sinnhaftigkeit nur gut genug erklärt. Ein "weiter so" führt jedoch nicht zu Stillstand, sondern bei knappen Ressourcen und (zumindest im Falle Afrikas) steigenden Geburtenraten zu zunehmend größer werdenden Problemen.

    Da will man doch nur weg, oder?

    Die Hemmschwelle, einen Ort, mit dem man ggf. emotional eng verbunden ist, ist bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Manche Menschen sehen Migration gar als Abenteuer, eine Art Tapetenwechsel. Für wieder Andere käme ein solcher Schritt nur infrage, wenn man sie mit Gewalt dazu zwingen würde. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es viele Schattierungen.

    Es gibt Leute, die in sehr schwierigen Lebensbedingungen aufwachsen und dennoch den Ort ihrer Kindheit als ihre Heimat betrachten, mit dem sie trotz aller Herausforderungen schöne Erinnerungen verbinden. Andere können sich davon leichter trennen und den subjektiven Begriff der Heimat zum objektiven Begriff der Herkunft abstrahieren, sich emotional vollkommen distanzieren.

    Und noch ein letzter Punkt: Wenn man noch irgendwie an eine Zukunft der eigenen Heimat glaubt, möchte man womöglich selbst dazu beitragen, das Narrativ möglichst zum Positiven zu beeinflussen, und das gelingt in der Regel vor Ort leichter als aus der Entfernung.

    Es würde schon einmal helfen, wenn die Sozialhilfe, die hier an die Flüchtlinge gezahlt wird, wirklich auch hier ausgegeben werden würde.

    Das lässt sich nicht vermeiden. Selbst wenn die Sozialhilfe nur aus der Bereitstellung von Sachleistungen bestünde, könnten diese Sachleistungen liquidiert werden und der monetäre Gegenwert für andere Zwecke verwendet werden. Im Prinzip unterstreicht das von dir beschriebene Phänomen nur, dass die Grundsicherung zumindest von einem Teil der Empfänger (m/w/d) als hoch genug empfunden wird, dass sie von dieser Grundsicherung noch zusätzliche Personen finanzieren können, was wiederum nachvollziehbar ist, wenn man bedenkt, dass Tobbe bereits dargelegt hat, dass das, was wir unter Existenzsicherung verstehen, in anderen Ländern nicht einmal den Lebensstandard des gesellschaftlichen Mittelstandes in weiten Teilen darstellt.

    @Tobbe : Um dein Beispiel mit Syrien aufzugreifen, wenn Syrer (m/w/d) erfahren, dass selbst ein anspruchsvoller Job und ein gehobener Bildungsstand (z.B. Lehrkraft oder medizinische Fachkraft) in Syrien nicht mal zu dem Lebensstandard führt, der in Deutschland dem des grundsicherungsfinanzierten Existenzminimums entspricht, entsteht schnell die Frage, ob sie sich überhaupt anstrengen sollen, in Syrien gesellschaftlich aufzusteigen, wenn es am Ende monetär gar nicht wertgeschätzt wird. Es ist unrealistisch, zu erwarten, dass das deutsche Existenzminimum zum syrischen Existenzminimum wird, es wird also in Zukunft auch weiterhin Syrer (m/w/d) geben, die einen niedrigeren Lebensstandard haben als deutsche Grundsicherungsempfänger (m/w/d). Die deutsche Entwicklungshilfe sollte es aber zumindest hinbekommen, dass der Lebensstandard, den Grundsicherungsempfänger (m/w/d) in Deutschland haben, für syrische Leistungsträger (m/w/d) in Syrien möglich wird. Das sollte eines der selbstgesteckten Ziele deutscher Entwicklungshilfe werden.

    Bzgl. der Aussage, dass Migranten (m/w/d) nach Deutschland möchten, weil Grundsicherung immer noch mehr ist als der Lebensstandard, den sie gerade haben: Ein Ansatz der (deutschen) Entwicklungshilfe könnte ja sein, in Zusammenarbeit mit den Partnerländern Anreize zu schaffen, sodass die Menschen durch Bildung und Arbeitsmöglichkeiten in ihren Herkunftsländern sich einen Standard erarbeiten können, der der deutschen Grundsicherung entspricht. Was in Deutschland das Existenzminimum wäre, wäre dort grob kategorisiert Mittelschicht. Es wäre eine Perspektive, auf die sie hinarbeiten könnten und die ihnen aktuell noch fehlt.

    Dazu ergänzend:

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    Steht nicht ein Schüler (m/w/d), der derart oft fehlt, dass solche Überlegungen überhaupt erst relevant werden, nicht eh längst unter (amtsärztlicher) Attestpflicht?

    Es sollte erwähnt werden, dass, obgleich die Population Burundis (weiterhin) stark steigt, die Fertilitätsraten seit Jahrzehnten rückläufig sind. 1990 betrug die Rate noch 7,4, inzwischen liegt sie bei 5,2, Tendenz weiter sinkend. In den letzten zwei Jahren gab es in dem Land ein Wirtschaftswachstum von circa 4%. Auch die literacy rate hat sich zwischen 1990 und 2020 von 37% auf 71% erhöht. Man kann argumentieren, dass die Entwicklung ggf. immer noch zu langsam ist, aber man könnte das Glas auch als "halb voll" bezeichnen und feststellen, dass der Idealzustand vielleicht nicht von heute auf morgen erreichbar ist, dafür ist aber zumindest eine positive Entwicklung erkennbar.

    Stimmt, in der Nähe heißt "ab und zu einspringen und unterstützen".

    Zum letzten Absatz: Meine ideale Vorstellung wäre ja die erweiterte Nachbarschaftshilfe, indem wir als Gesellschaft die Vorteile der demographischen Entwicklung nutzen, sodass z.B. noch vitale Senioren (m/w/d), die mittags zeitliche Kapazitäten haben, dabei helfen, Einkäufe zu erledigen oder auf Kinder aufzupassen, während die Eltern arbeiten. Ach ja, und es dürfen gerne auch ältere Männer anpacken - viel zu oft kriege ich mit, dass die Arbeit an "der Oma" hängenbleibt, dabei kann das Opa bestimmt auch gut, wenn er nur will.

    Wenn die Eltern nicht da sind, kann das aber dann schnell ein reiner Bildschirmnachmittag werden.

    Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit, bedeutet, in vielen Familien ist die Mutter nachmittags zuhause. Laut Deutschem Jugendinstitut wohnen in einem Drittel der Fälle die Großeltern in unmittelbarer Nähe. Es sind also nur wenige Fälle, bei denen nachmittags wirklich gar kein Erwachsener zumindest mal ab und zu nach den Kindern schauen könnte. Ein teures "Vergnügen", das aber in bestimmten sozioökonomischen Kreisen Anwendung findet, ist die Betreuung durch ein Au-Pair. Ich kenne eine (durchaus gutverdienende) Familie, die ein Au-Pair nutzt und zusätzlich unterstützt die (noch berufstätige) Oma noch. Zudem sollten wir nicht vergessen, dass es nicht nur das klassische 9-to-5 gibt. Wenn Eltern früh morgens oder spät abends arbeiten (Stichwort Schichtarbeit), bringt eine Gantagsbetreuung, die effektiv auch "nur" bis zum Nachmittag geht, nur bedingt etwas.

    Das kommt mir doch sehr stark verkürzt vor. Ich kann mir sogar vorstellen, dass es heutzutage weniger Studenten (m/w/d) klassischer "brotloser" Studiengänge wie Philosophie oder freie Kunst gibt als noch vor einigen Jahrzehnten, aber es gibt sie weiterhin - und diese Studenten (m/w/d) setzen andere Schwerpunkte bei der Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft. Dann gibt es abseits der klassischen Karrierestudiengängen auch ein breites Mittelfeld an Studiengängen, bei denen die Studenten (m/w/d) schon ein Interesse an einer zukünftigen Beschäftigung haben, die ihnen einen gewissen Mindestlebensstandard sichert, aber bei denen ihnen definitiv auch wichtig ist, dass ihnen die Auseinandersetzung mit den Inhalten Spaß oder zumindest Sinnhaftigkeit bringt. Dazu würde ich vor allem Studiengänge zählen, die in den zwischenmenschlichen Bereich fallen, aber auch Lehramt mit weniger gefragten Fächern.

    Die private Wirtschaft hat sich in den letzten 12-18 Monaten, auch befeuert durch die aktuelle konjukturelle Lage, wieder hin zu einem Arbeitgebermarkt entwickelt, sodass junge Leute, wenn sie nicht gerade zu den Top 5% Jahrgangsbesten gehören, eher weniger in der Lage sind, "4-Tage-Woche" oder "70% Home Office" fordern zu können. Bzw. können sie das natürlich, aber dann überlegen sich die Unternehmen gut, ob sie ihre dualen Studienplätze oder Werkstudentenstellen nicht eher Interessenten (m/w/d) mit geringeren Anforderungen geben - die Auswahl ist derzeit groß.

    Naja, es ist eine "Was wäre wenn..."-Fragestellung. Es würde mich sehr überraschen, wenn es tatsächlich eine Studie dazu gibt, wie junge Leute über die Ergreifung des Lehrberufs denken würden, wenn die Sechstagewoche (wieder) ausgeweitet werden würde.

    Es mag Einzelne geben, bei denen das von dir Beschriebene zutreffen mag, aber auf die Masse bezogen glaube ich das nicht. Dafür gibt es zu viele junge Menschen, die sich trotz Warnungen immer wieder für holprige Berufswege entscheiden, weil ihnen die angenommene Sinnstiftung durch Auseinandersetzung mit den zugehörigen Inhalten über alles geht.

    RosaLaune : Da kommt es wohl drauf an, ob die Sechstagewoche nur an einzelnen Schulen wäre oder flächendeckend. Und selbst dann hättest du ja noch einmal gegenüber Beamten (m/w/d) den Vorteil, dass du leichter den Einsatzort wechseln kannst.

    Tom123: Die Aussage erscheint auf mich verwirrend, weil sie den Anschein erweckt als würden junge Leute sich wegen sowas gegen die Aufnahme eines Lehramtsstudiums entscheiden. Wenn sie sich gegen ein Lehramtsstudium entscheiden, dann aufgrund anderer Faktoren. Wenn sie sich für ein Lehramtsstudium entscheiden, werden die Arbeitsbedingungen zu keinem Sinneswandel führen.

    Gerade in Zeiten gestiegener Arbeitslosenzahlen gewinnt der öffentliche Dienst eher noch an Attraktivität als Arbeitgeber und ich wage zu behaupten, dass junge Leute dem Thema "Arbeitsbedingungen" viel weniger Bedeutung für die Berufswahl zuweisen als der subjektiv empfundenen Sinnhaftigkeit in der Auseinandersetzung mit den Arbeitsinhalten, den finanziellen Entwicklungsmöglichkeiten und der Sicherheit des Arbeitsplatzes (in dieser Reihenfolge!).

    Du kannst weder belegen, [...] dass implizit Grammatikstrukturen vermittelt werden.

    Ich würde an der Stelle den Vergleich mit dem Erstspracherwerb anführen. Hierbei entwickeln bereits kleine Kinder ein Bewusstsein über sowas wie Konjunktion, Verbstellung, Flexion und die strukturellen Unterschiede zentraler Satzarten - noch Jahre bevor das im Unterricht fomal behandelt wird. Wenn im Fremdsprachunterricht die formale Einführung der zugrundeliegenden Grammatik aus didaktischen Gründen bewusst nach hinten verschoben wird, verwenden die Schüler (m/w/d) im Anfangsunterricht dennoch bereits, wie auch in der Erstsprache, implizit die entsprechenden Grammatikstrukturen, weil natürlich bereits im Anfangsunterricht zielsprachige Kommunikation stattfindet. Und dieses Wissen wird dann zu einem späteren Zeitpunkt explizit gemacht.

    Die Schüler (m/w/d) bringen aus der Grundschule schon einiges an Wortschatz mit. Wenn ich da aus dem Curriculum für Englisch aus BW zitiere:

    Zitat

    Familie, Körper, Kleidung, Schule, Haus, Essen, Trinken, Einkaufen, Tiere, Freizeit, Wetter, Jahr, Feste, Farben, Zahlen, Datum, Uhrzeit.

    Es würde mich dann doch überraschen, wenn sich daraus kein Vorsprung für die Arbeit in der Sekundarstufe I ableiten lässt.

    Und auch wenn die explizite Behandlung grammatischer Themen erst in der Sekundarstufe I erfolgt: Die Schüler (m/w/d) entwickeln ja zwei Jahre lang bereits ein Bewusstsein über die Struktur englischen Sprache. Sie nutzen in der Zeit bereits implizit elementare grammatische Phänomene, was sicherlich für die spätere Explizitmachung von Vorteil ist und von den Englischlehrkräften der Jahrgangsstufen 5/6 als Ressource genutzt werden sollte.

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