Beiträge von Gymshark

    Zauberwald : Je später im Leben die Migration erfolgt, desto schwerer ist es, sich auf Sprache, Kultur und gesellschaftliche Normen des Ziellandes vollends einzulassen. Das ist an der Stelle auch nicht wertend gemeint, sondern liegt an unserer menschlichen Sozialisierung und Entwicklung. Je älter ein Mensch wird, desto niedriger fällt die Fähigkeit und die Bereitschaft aus, neue Dinge zu lernen.

    Dazu gibt es einige alltagsnahe Beispiele, bei denen wir uns mit 40 oder 60 Jahren einfach schwerer tun als im Kinder- oder Jugendalter, z.B. das Erlernen einer Sprache oder eines Instruments. Dass es Einzelnen dennoch gelingt, ist erfreulich, bestätigt als Ausnahme aber eher die Regel. Also ja: Gut möglich, dass du als zukünftige Pensionärin noch einmal den Neustart woanders wagst und merkst, dass es genau das Richtige für dich ist. Ich kenne dich dafür zu wenig, um diesbezüglich eine auf dich abgestimmte Diagnose abgeben zu können.

    Jeder sprechende Mensch hat einen Akzent.

    Das stimmt. Ich bezog mich auf einen Akzent, der einer nichtdeutschen Erstsprache entlehnt ist.


    Palim : Ich kenne auch einige Beispiele von sozialem Aufstieg. Ich will auch gar nicht sagen, dass dies nicht möglich sei. Vor wenigen Wochen machte ich die Bekanntschaft mit einem Deutschen mit Spätaussiedlerhintergrund, der u.a. aufgrund eingangs begrenzter sprachlicher Mittel zunächst den Hauptschulabschluss erwarb, in den Folgejahren Berufserfahrung im technischen Bereich sammelte, um daraufhin ein technisches Studium mit Berufsziel Ingenieur erfolgreich abzuschließen. Es sind erfreuliche Beispiele, aber in der Masse leider seltene Ausnahmen, weswegen wir ja auch seit einiger Zeit darüber sprechen, dass sich das Bildungsniveau in Deutschland, auch im internationalen Vergleich, deutlich negativ entwickelt und auch jüngste Studien (z.B. Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft) aufzeigen, dass es insbesondere einen messbaren Unterschied bei Schülern (m/w/d) mit Zuwanderungsgeschichte gibt.

    Ich bin ehrlich: Bei einer Migration nach Klasse 4 bin ich der Meinung, dass es kaum noch möglich ist, Bildungsungerechtigkeit auszugleichen, wenn die Kinder und Jugendlichen nicht bereits aus einem sehr bildungsnahen Elternhaus kommen. Bis zum Alter von 10 Jahren haben Kinder ihre Hauptprägungszeit, weswegen viele Bürger (m/w/d) mit Migrationshintergrund, die zu einem späteren Zeitpunkt migrieren, so zumindest meine Erfahrung, in vielen Fällen ihr Leben lang einen erkennbaren Akzent behalten.

    Die Gesellschaft kann ihre Bürger nicht zu Verantwortung zwingen, diese muss von ihnen selbst aus kommen, obgleich das Umfeld und öffentliche Instititutionen im Idealfall vorleben, warum es sich lohnt, Verantwortung zu übernehmen.

    Palim : Es heißt ja immer, dass es in Deutschland besonders viel Bildungsungerechtigkeit gebe. Eigentlich kann diese nur überwunden werden, wenn alle Kinder, egal ob soziale Benachteiligung, Zweitsprache oder Flucht, am Ende der Geundschulzeit über gesicherte Mindestkompetenzen verfügen, da, wenn es ihnen in dieser Lebensphase nicht gelingen wird, es ihnen vermutlich ein Leben lang nicht gelingen wird. Was einer gesellschaftlichen Kapitulation gleichen würde.

    Valerianus : Es ist am Ende eine Sache der Perspektive. Man könnte aus der Makroperspektive heraus sagen, dass ein hohes Lernniveau wichtig ist, um international konkurrenzfähig zu bleiben und dass die Schüler (m/w/d) schon an den Herausforderungen wachsen. Dieser Ansatz lässt sich aber leichter in Ländern durchsetzen, in denen eine starke Leistungskultur herrscht, z.B. im ostasiatischen Raum. Das ist in Deutschland nicht der Fall.

    Die andere Sichtweise ist weniger auf die Leistungsspitze gerichtet, sondern auf den Querschnitt der Mitte. Kann man durch Streichen eines eher komplexen Themas erreichen, dass ein größerer Teil der Schülerschaft wichtiges Grundlagenwissen gesichert beherrscht statt von allem nur mal "ein bisschen gehört" zu haben?

    Das ist der didaktische Grund, warum wir in der Grundschule nicht die mathematisch korrekte Schreibweise nutzen. Im natürlichen Zahlenraum ist den Kindern dieser Sachverhalt nicht einfach zu erklären.

    Die Sache ist, dass Didaktisierung natürlich dafür sorgen soll, dass Kinder und Jugendliche einen Sachgegenstand mit ihrem aktuellen Entwicklungsstand bearbeiten können. Diese Vereinfachung darf aber nicht zu einer fachlichen Verfälschung führen.

    Wenn ich mich wirklich komplett rein auf den natürlichen Zahlenraum beschränke, muss ich sagen, dass die Aufgabe "38 : 7" nicht lösbar ist, fachmathematisch ausgedrückt keine Lösungsmenge im natürlichen Raum hat. Dann kann man durchaus Kindern sagen: 35:7 geht, 42:7 geht, 38:7 geht nicht. Den Fitten kann man durchaus schon den Spoiler mitgeben, dass sie in Klasse 6 lernen werden, wie sie doch 38:7 berechnen können.

    Möchte man unbedingt mit Rest arbeiten, muss man die Spielregeln der rationalen Zahlen irgendwo mitnehmen und dann zumindest zum Ergebnis kommen "38 : 7 = 5 + 3:7" und dazu sagen, dass dieses "+3:7" ein ganz kleiner Wert ist, der aber auf jeden Fall auch zum Ergebnis gehört und in Klasse 6 genauer erklärt wird.

    Man kann vielleicht aus der Sache heraus erklären, warum manche Plätzchen oder Murmeln nicht aufgeteilt werden können, aber aus der Mathematiker heraus kann ich mir nicht aussuchen, dass ich manche Zahlenbestandteile teile und andere nicht. Das führt sonst zu Fehlvorstellungen.

    Dann sich im Zweifelsfall lieber auf Aufgaben ohne Rest beschränken, bei denen man auch rein im natürlichen Zahlenraum in keine Bredouille kommt.

    Wer es schafft, eine Lektüre am Abend vor der Prüfung querzulesen, und danach Schlüsselszenen, auch mit Zeilenangaben, argumentativ aufzugreifen, ist gut - dem/der sei dann auch der Minimalaufwand gegönnt. Bei vielen Schülern (m/w/d) würde der Ansatz zu einem sehr globalen Text führen mit diversen Anmerkungen wie "genauer!" oder "Textbeleg!".


    Ansonsten, um noch einmal die Gemüter zu beruhigen: Natürlich hängen wir nicht die Musterlösung an die Tafel und machen ein Schleichdiktat daraus. Dennoch sollten wir nicht paranoid werden und versuchen, eine Festung im Klassenraum zu erstellen und wie im Gefängnis alle Schüler (m/w/d) genau zu filzen, um ja auszuschließen, dass nur irgendwie geschummelt werden kann. Das sind keine Spione (m/w/d) vom russischen Geheimdienst, sondern ganz normale Jugendliche. Es wurde schon immer geschummelt - zu meiner Zeit waren es die Fantaflaschen mit selbstbedrucktem Etikett.

    Ja, es mag jemand mal damit durchkommen, aber es wird sich nicht auf Dauer lohnen. Früher oder später müssen die Jugendlichen doch unter Beweis stellen, was sie wirklich fachlich drauf haben - oder nicht.

    Bei Didaktisierung ist immer die Herausforderung, dass man vereinfacht, sodass es für die Kinder und Jugendlichen erfassbar wird, die Herangehensweise aber dadurch aus fachlicher Sicht nicht zu einem falschen Ergebnis oder einer Fehlvorstellung führt, und da hast du schon Recht, dass Murmeln kein gutes Beispiel für Rechnen mit Resten sind, sondern eher Gegenstände, die man in sinnvolle und gleichgroße Teilmengen aufteilen kann (mit einem Drittel Fußball kann man nicht spielen, aber man kann z.B. den Drittelinhalt einer Saftflasche trinken oder das Drittel eines Plätzchens essen).

    Deinen Beispielsachbezug verstehe ich, mit Perspektive auf Übergänge innerhalb der Schulkarriere könnte das dann aber zu Fehlvorstellungen bei der Erweiterung zu den rationalen Zahlen führen. Korrekt wäre es nur, wenn man analog zu einem Kinderriegel die Restplätzchen in je 7 gleichgroße Teile teilt und jedes Kind drei Teile bekommt, um zu unterstreichen, dass jedes Kind nicht nur die 5 Plätzchen bekommt, sondern noch "ein bisschen" (denn auch wichtig: Es sind dann nicht 8 Plätzchen, sondern 5 + "ein bisschen".) dazu. Die 3 Plätzchen fallen nicht unter den Tisch und gehören in Teilen noch zum Ergebnis dazu.

    Das kann ja nur auffallen, wenn jemand bei dem Vorhaben erwischt wurde. Dazu schrieb ich bereits letztens, dass wir im Leben keinen Missbrauch 100% verhindern können, aber wenn ein missbräuchliches Verhalten festgestellt wird, muss dann auch konsequent reagiert werden, sodass für den/die Beteiligte/n und alle direkt oder indirekt Involvierten die Botschaft gesendet wird, dass es sich nicht lohnt, weil die Konsequenzen schlichtweg schlimmer ausfallen als der potentielle Vorteil, den man sich erhofft.

    Auch das wird im Gymnasium in Klasse 5 oder 6 unterrichtet unnötig in der Grundschule.

    Man kommt um Kommadarstellungen bei Themen wie Längen- oder Masseangaben herum, wenn z.B. statt "3,2 m" "3 m 2 dm" geschrieben wird. Hast du eine Idee, wie die Kommaschreibweise bei Notendurchschnitten umgangen werden kann? Das ist das erste Beispiel, das mir einfiel, bei dem Grundschulkinder mit "Kommazahlen" im Rahmen des Notenspiegels nach Rückgabe einer Klassenarbeit Berührungspunkte haben.

    Klar sollte es schuleinheitlich festgelegt werden. Macht es für alle einfacher.

    Zumindest in meinen Schulformen/Jahrgangsstufen können die Schüler (m/w/d) damit umgehen, dass sie etwas bei Herrn X dürfen, bei Frau Y aber nicht. Sie kennen es auch "von zuhause" so: Bei den Eltern gelten andere Regeln als bei den Großeltern und innerhalb der Eltern setzt Mama oft noch einmal andere Schwerpunkte als Papa.

    Es macht Sinn, das Rechnen mit "Kommazahlen" in der Primarstufe auf das Mindeste zu beschränken, da die Einführung der rationalen Zahlen erst in Klasse 5/6 erfolgt. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass "Kommazahlen" einfach Teil des Alltags auch von Grundschulkindern sind, weswegen ich mir schwer vorstellen kann, wie man das Thema 4 Jahre lang ausklammern könnte (z.B. Darstellung von Durchschnitten bei Klassenarbeiten).

    Vielleicht eine unpopuläre Meinung, aber ich denke, es würde ausreichen, wenn die schriftliche Division als mathematischer Algorithmus auf den gymnasialen Lehrgang, Klasse 5, zum Ausklang der Behandlung des Zahlenraums der natürlichen Zahlen beschränkt wird, und in der Grundschule die Grundvorstellungen und das Kopfrechnen zur Division stärker in den Fokus gestellt werden.

    Wenn alles "von oben" vorgeschrieben wäre, also der pädagogische Entscheidungsrahmen einzelner Lehrkräfte auf das Minimalste reduziert wäre, müssten Lehrkräfte nicht nach A13 bezahlt werden, sondern es wäre ein dreijähriger Ausbildungsberuf, der am Ende mit A7 bezahlt werden würde. Wir sind doch in der Lage, für unsere Klassen eigene Entscheidungen treffen zu können, ohne dass alles zwangsläufig vereinheitlicht werden muss.

    Ich freue mich gerade über so'n Boomer-Ding: Ein Freund hat mir heute seine Vinylschätze mit Musik (fast) aller Sparten überlassen und die ergänzen meine eigene Sammlung prima. Der Plattenspieler dudelt jetzt schon eine Weile... und bei einigen LPs wird mir warm ums Herz und überhaupt! Nostalgie pur...

    Vinylplatten sind seit locker 10 Jahren kein "Boomer-Ding" mehr, sondern begehrte Sammlerstücke, auch unter jungen Menschen. Die Verkäufe nehmen jedes Jahr kontinuierlich zu und sind inzwischen wieder auf dem Stand der 90er Jahre. Jeder einigermaßen bekannte Musiker (m/w/d) veröffentlicht sein neues Album inzwischen auch im Vinylformat und als Beispiel verkaufte Taylor Swifts aktuelles Album bei Verkaufsstart im Oktober diesen Jahres so viele Vinyleinheiten wie kein Album zuvor.

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