Beiträge von Quittengelee

    ... Ich bin Lehrer geworden, um junge Heranwachsene zu fördern und zu fordern. In den letzten Jahren käme ich kaum noch dazu ( in einem vernünftig vorbereiteten Rahmen) ,wenn ich an allen Konzeptpapieren etc unserer Schule beschäftigt wäre. Verwaltung hier und Verwaltung da.

    Die entscheidene Frage, dich ich mir gestellt habe, mache ich das mit und verliere die Kinder aus dem Blick oder aber ignoriere ich meine SL mit bestem Gewissen und widme mich dem, was wichtig ist: der Bildung und Ausbildung der Heranwachsenden....

    Es fällt mir schwer zu glauben, dass du jeden Abend 3h Unterricht vorbereitest.

    Und welches Konzept hat nicht die Förderung und Forderung der Heranwachsenden zum Ziele?

    Im Ernst, es gehört zu unseren Aufgaben halt mehr als Unterrichten. Aber sich wochenlang in was reinzuknien, wofür andere die höhere Stufe kassieren, dazu hab ich auch keine Lust mehr. Das hat abe überhaupt nichts mit meiner SL zu tun.

    Jetzt hast du mich angehängt. :grimmig: Was genau bedeutet das in leichter Sprache?

    Der Lehrplan: "Die Schülerinnen und Schüler beschreiben Gebete als Kommunikation mit Gott."

    Statt: "Die Schülerinnen und Schüler lernen Gebete als etwas kennen, womit Menschen weltweit in ihrer Religion mit ihrem Gott oder ihren Göttern kommunizieren."

    Es ist und bleibt halt konfessionell gebundener Religionsunterricht. Da kann man noch so vorsichtig formulieren, dass Gebete auswendig gelernt und interpretiert werden sollen, wenn man Kinder "dein Wille Geschehe hier auf Erden" auswendig lernen lässt und gleichzeitig mitliefert, dass dieser Wille existiert und nicht etwa Auslegungssache von willkürich zusammengestellten Zitaten durch machthungige alte Männer ist.

    Das sage ich jetzt mal als jemand, der mit Religion wirklich nichts anfangen kann: diese steht mit Sicherheit nicht im unauflösbaren Widerspruch zur Erziehung zu mündigen, selbstreflektierten Menschen.

    Das tut sie meines Erachtens durchaus. Religion ist politisch, es geht um Macht, die Bibel ist voll mit frauenverachtendem Zeug und das Glaubensbekenntnis kein Gedicht, das man mit den Kindern interpretiert.


    ...Kompetenz lautet explizit auch "deuten das Vaterunser (....)". Gerade hier liegt doch bereits die Aufforderung zur reflektierten Auseinandersetzung, die über dein "unreflektiert wilder Märchen auswendig lernen" deutlich hinausgeht.

    Die zu erwerbende Kompetenz, die die Reflexion unmöglich macht, ist die Voraussetzung von Gott, nichtmal einem Gott, sondern dem Gott.

    Beihilfestelle Sachsen will Ende '26 (dieses Jahrtausends zum Glück) auf eine App umstellen, damit man digital einreichen kann. Doch nicht zu früh gefreut: bis dahin soll man alle Rechnungen per Post nach Bayern schicken, wo sie eine andere Beihilfestelle einscannt, das Papier vernichtet und die Dateien dann nach Dresden schickt :hammer:

    Ich frage mich nun: wäre die Wiedereinführung von Faxgeräten nicht tatsächlich die schnellere Variante gewesen?

    Solange du ...

    Kannst du wenigstens schreiben, dass du die Ansicht problematisch findest? Dich hat auch niemand als Problem bezeichnet.

    Davon abgesehen ist das Gymnasium tatsächlich besonders gut darin gewesen, alle abzuschulen, die irgendwie genervt haben. Das geht nun nicht mehr so leicht, deswegen ist das Thema halt auch auf dem Tisch der Gym-Kolleg*innen angekommen.

    Es gibt Homeschooling für Schulverweigerer via online-Schule und es gibt Schulverweigererprojekte mit hohem Anteil praktischer Arbeit. Man könnte solche Angebote ausbauen, insbesondere für Jugendliche im Alter von 12-15.

    Und es wäre generell mehr praktisches Arbeiten in kleineren Gruppen für viele Jugendliche ein Gewinn auch am Gymnasium. Die Schulpflicht abzuschaffen halte ich trotzdem für keine gute Idee.

    ...

    Schule und Schulunterricht funktioniert für viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Aber nicht für alle und für die, für die es nicht klappt, ist das ein riesiges Problem, denn diesen wird ihr Recht auf Bildung verweigert, weil wir als Gesellschaft den Schulbesuch wichtiger finden als den Erhalt von Bildung, jedenfalls in den Fällen, wo beides nicht deckungsgleich ist. Das halte ich für falsch.

    . ..

    Das sollte SGB VIII regeln

    Jetzt mal ganz böse gesagt: Es ist aber nicht meine Kernaufgabe, Schlupfort für Misshandelte oder Vernachlässigte zu sein. Eben diese können mein Bildungsangebot wahrnehmen, aber irgendwo hört meine Pflicht auch auf. Selbst wenn sich ein betroffener Fall bei mir meldet, nehme ich das zur Kenntnis und leite das an die dafür ausgebildeten Stellen weiter..

    ...was bei "Bildungspflicht" entfiele.

    Und du hast ja nicht nur einen Bildungs- sondern auch einen Erziehungsauftrag. Also selbst wenn ich in Meißen, St. Afra unterrichte, interessiert mich doch mehr an der Arbeit mit Jugendlichen als mein studiertes Fach?

    ...

    Und wir sollten nicht so tun, als würde die Schulpflicht, wie wir sie praktizieren, nicht auch ihre Nachteile haben.

    Was stört dich denn grundsätzlich daran? Ich halte die Schulpflicht für eine wichtige Errungenschaft. Findest du deinen eigenen Output als Lehrkraft so egal, dass du deine Arbeit für beliebig austauschbar hältst? Also als Person vielleicht aber als Aufgabe? Deine SuS sollen doch professionellen Philosophieunterricht insbesondere im Austausch mit anderen genießen dürfen.

    Ich bin auch gegen die Schulpflicht. Eine generelle Vorschulpflicht lehne ich also ab, eine gezielte Vorschulpflicht aber nicht (genauso wie ich im Falle der Abschaffung der Schulpflicht auch einzelne Inpflichtnahmen nicht ablehnen würde, wenn sonst Bildungsziele nicht erreicht werden).

    Echt? Also in Österreich geht das ja wohl. Ich finde es ganz furchtbar und bin froh, dass meine SuS jeden Tag kommen müssen und wenigstens die Schule mitbekommt, wenn sie misshandelt oder vernachlässigt werden.

    Ich bin auch froh, dass meine Kinder in der Schule mit fremden Lehrkräften in Kontakt kommen, auch wenn ich oft genug über unprofessionelle oder gar üble Kreaturen in anderen Kollegien geschimpft und teilweise gekämpft habe. Wir haben wirklich üble Einzelfälle aushalten müssen, lange Geschichte.

    Im Großen und Ganzen bin ich aber heilfroh, dass meine Kinder nicht nur mein Gesülze ertragen müssen, mein Einfluss als Elter ist groß genug.

    Freiheitseingriffe, damit deine Arbeit nicht mehr so anstrengend ist? Finde ich einen fatalen Ansatz.

    Schulpflicht ist auch ein Freiheitseingriff. Also was gegen Vorschulpflicht spricht, erschließt sich mir jetzt so gar nicht.

    Allerdings gibt es das woanders und die SuS schneiden trotzdem nicht besser ab. Also ob das wirklich was bringt, weiß ich nicht.

    Man kann das Stadt/Land Verhältnis und auch den Anteil Migrationshintergrund oder den sozioökonomischen Hintergrund kontrollieren und Bremen und NRW sind immer noch richtig übel was den Bildungserfolg angeht. Hamburg hat sich im letzten Jahrzehnt auf einen guten Weg gemacht und ja, Sachsen und Bayern sind auch unter Kontrolle dieser Variablen immer noch auf einem verdammt erfolgreichen Trip.

    Es hat wirklich nichts mit dem Schulsystem zu tun

    Sondern?

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