Ich kenne dein Bundesland nicht und will dir daher auch keinen Rat geben bzgl des Umgangs mit der Schülerin, die so große Fehlzeiten hat. Da gibt es in jedem Bundesland eigene Regelungen. Hier läge es weder im Ermessen des Fachlehrers noch im Ermessen der KL und nur bedingt im Ermessen der SL, denn jede Schule muss ein Absentismuskonzept vorweisen, das darlegt, wie mit Fehlzeiten umgegangen wird. Ziel dabei ist es, SuS in die Schule zu holen und zu regeln, wie damit umgegangen wird, wenn SuS auffallend häufig fehlen. Das wird im Konzept festgelegt, und ein möglicher Ermessensspielraum liegt dann bei der SL.
In deinem BL ist es offensichtlich so, dass jede Lehrkraft einen Verweis im eigenen Ermessen ausstellen kann, wenn gefühlt die Fehlzeiten das hergeben. Für mein Empfinden ist das eine große Verantwortung, die Lehrkräften da gegeben wird!
Ich frage dich deshalb: welches Ziel verfolgst du, wenn du der Schülerin einen Verweis ausstellst? Und inwiefern ist ein Verweis dabei das richtige Mittel, um das Ziel zu erreichen?
Als kleine Anregung: Mein Ziel ist immer, die Kinder in die Schule zu holen. Dort können sie lernen, soziale Kontakte knüpfen, Erfahrungen außerhalb des Elternhauses machen, Beziehungen aufbauen, Schule als sicheren Ort erleben - usw. Wenn ich also merke, ein Kind fehlt sehr häufig, ist mein Ziel also genau das: Die Motivation aufrecht zu erhalten, das Kind in die Schule zu bekommen. Und dann überlege ich mir, was helfen kann, dieses Ziel zu erreichen.
Aus meiner Erfahrung heraus kommen mir dann je nach vermuteter Ursache so Ideen in den Kopf wie: Elterngespräche, Gespräche mit dem Kind, Beziehungsaufbau mit Kind und Eltern, Einbindung der Schulsozialarbeit, pädagogische Konferenzen, pädagogische Maßnahmen, große Gesprächsrunden unter Einbeziehung aller multiprofessioneller Ressourcen, die mir einfallen, Schulbesuchsmahnung, Zwangsgeldandrohung… je nach Level. Einen Verweis habe ich noch nie ausgesprochen deswegen. Aber: anderes BL, andere Sitten.
Und selbstverständlich sind all das Dinge, die ich nicht als meine eigene Entscheidung vor der Klasse äußere,, sondern die Ergebnis von Gesprächen des Teams sind und die dem Kind und/oder den Eltern im terminierten Gespräch mitgeteilt oder erarbeitet werden.
Das nur als Anregung zum Nachdenken für dich, vielleicht kannst du für dich die Fragen mal beantworten.
In jeden Fall möchte ich allgemein noch einmal bemerken: Deine Sicht auf die SuS ist eine ganz andere als meine. Für mich sind die Kinder in meiner Schule meine Lernpartnerinnen und Lernpartner, die nicht immer auf meiner Welle schweben, aber denen ich Angebote mache - zum Lernen und zur Beziehung - und wenn sie die nicht annehmen, hinterfrage ich mich, warum das der Fall ist. Ich berate mich mit meinem Team, ich berate mit den Eltern als den Experten für ihr Kind, ich spreche mit dem Kind, ich ändere eventuell das Angebot, wenn deutlich wird, dass es so nicht passt. Ich bin nämlich die Erwachsene, ich bin der Lernprofi, die pädagogische Fachkraft - das ist mein Job…