Beiträge von Finnegans Wake

    Zerstückelte Pläne, fixe Termine, die teils weit auseinander liegen (Unterricht, Konferenzen...), kaum Möglichkeiten, da spontan was zu schieben, in der Regel Einsatz über das TZ-Maß hinaus... Das sind dann eben Aspekte, die die Arbeit im Lehramt familienunfreundlicher machen. In einem Bürojob mit größeren Homeoffice-Anteilen und mit flexibler Arbeitszeit sind da in den Schulwochen oft mehr Möglichkeiten da, flexibel zu reagieren.

    Auf der anderen Seite sind besonders in den Ferien die Probleme bei der Betreuung der Kinder nicht da. Und mit meinem VZ-Job als Lehrer hatte ich - als die Kinder kleiner waren - doch ziemlich viele Möglichkeiten, sehr vieles mitzumachen am Nachmittag, was in meinem vorherigen Industriejob so nicht möglich gewesen wäre. Damals hatte ich zwar flexible AZ, Minderstunden mussten aber an anderer Stelle rausgearbeitet werden, wodurch andere Tage länger wurden. Als Lehrer kann ich das halt in den Abend schieben und muss es da rausarbeiten.

    Zu dem Aspekt, der manchmal genannt wird, dass in der Wirtschaft auch Überzeit im Vertrag festgeschrieben ist: In meinem damaligen IGM-Tarifvertrag war das für mich als normaler Ingenieur (39h-Woche) nicht der Fall. Da wurde jede Minute aufs Zeitkonto gebucht. Was anderes wäre es gewesen, wenn ich AT gegangen wäre. Das hätte dann aber auch das normale Ingenieursgehalt nach oben deutlich verlassen. Das Argument, dass in der Wirtschaft auch unbezahlte Überstunden mit drin sind und man das auch als LK tun müsste, zieht da nicht, da man da finanziell mit AT vergleicht!

    Wir haben fast nur Teilzeitkräfte. Wie soll das gehen?
    Ich habe durchaus deine Meinung verstanden. Aber es hilft nichts, wenn sie an der Praxis scheitern. Ich kann gerne jeder Teilzeitkraft sagen, dass sie sich einen Ausgleich schaffen soll. Wie das funktionieren soll, ist dann eine andere Frage. Am besten bereitet sie ihren Unterricht dann einfacher schneller vor oder korrigiert schneller. Wie gesagt, auch bei Vollzeitkräften entsteht das Problem.

    Solche Probleme entstehen bei vielen LK, aber im besonderen Maß bei TZ-LK. Wenn eine VZ und eine TZ gleichermaßen eine KL haben, dann bedeutet das an der Stelle aber eine größere Überlastung der TZ-LK. Ich weiß, dass an GSen durch Förderpläne, Elterngespräche, Dokumentationspflichten etc. pp. besonders an Schulen in Brennpunkten eine Überlastung entstanden ist, die die Menschen dort ausbrennt. Schnelleres Korrigieren oder schnelleres Planen von Unterricht ist aber eben keine Lösung, besonders dann, wenn differenziert werden muss etc.

    Das Scheitern in der Praxis sehe ich auch wie du. Der Grund ist struktureller Natur, weil eben die Besetzung mit Personal nicht berücksichtigt, dass eine Entlastung möglich wird. Das ist eben strukturell darauf ausgelegt, dass diese Entlastung nicht stattfinden kann. Die GS-Lehrerin in TZ kann ja nicht nach der Hälfte der Wortzeugnisse aufhören zu schreiben oder nach der Hälfte der Eltern die Zeugnisgespräche beenden etc.

    Eine Arbeitszeiterfassung ist sicherlich eine interessante Sache. Sie wird bei allen Lehrkräften Probleme zeigen. Das hat aber nur begrenzt etwas mit Teilzeit zu tun.

    s.o. Ich weiß um die Belastungssituation auch der VZ-LK. Bei TZ-LK kommt dies aber noch stärker zum Tragen. Und eine AZ-Erfassung würde hoffentlich Lösungen erzwingen oder zumindest die strukturell angelegte Überlastung reduzieren.

    Das Problem bei der Teilzeit ist auch oft nicht die unteilbaren Aufgaben. Das Problem sind Springstunden, Einsatz nicht am Stück, etc.

    Die Probleme bei TZ sind wirklich vielseitig.

    Hier braucht es Mut, um diese "nicht teilbare(n) Aufgaben" teilbar zu machen. Wie gesagt: Wer etwas wirklich will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe dagegen.

    Bei Konferenzen könnte man es so machen, dass Vollzeitkollegen (m/w/d) an jeder Konferenz teilnehmen. Teilzeitkräfte nehmen, je nach Ausmaß der Teilzeit, an jeder 2. bis 3. Konferenz teil. Bei allen verpassten Konferenzen kann man sich entweder das Protokoll durchlesen oder sich von den Vollzeitkollegen (m/w/d) auf den neuesten Stand bringen lassen.

    Man muss nicht an jeder Konferenz teilnehmen. Wenn Kollegen (m/w/d) erkranken und aus dem Grund nicht an Konferenzen teilnehmen können, bricht ja auch nicht das System direkt zusammen.

    Bei Klassenleitungen kommt es auf die Schulform an. Ich weiß, dass an Grundschulen und sonderpädagogischen Förderzentren die Klassenleitung möglichst jeden Tag die Klasse gesehen haben soll. Hier fehlt mir die Erfahrung, was hier praktikable Alternativen wären. Eine Idee von mir wäre eine Art Co-Klassenleitung von zwei Teilzeitkräften. In meinen Bildungsgängen wäre eine Klassenleitung auch möglich, wenn die Lehrkraft die Klasse nur an 2-3 Tagen die Woche sieht, wobei bei uns zumindest in Klasse 5/6 geschaut wird, dass die 3 Tage möglichst nicht unterschritten werden.

    Ja da schreibst du viele sinnvolle Sachen. Das Problem ist aber, dass die TZ-Kräfte, die ich kenne (insbesondere an GSen) weder bei den Konferenzen, noch bei der Klassenleitung, bei Elterngesprächen, bei Klassenfahrten, bei Sommerfesten, Projektwochen etc. pp. eine Entlastung für ihre strukturell bedingte Mehrarbeit über ihr TZ-Maß hinaus bekommen.

    Aber wenn es Aufgaben gibt, die unteilbar sind, ist das halt schwierig möglich. Das habe ich ja in meinem Post geschrieben. Das ist bei Vollzeit das gleiche Problem. Wenn Du in Teilzeit einen großen Deutsch-Abi-Kurs hast, wirst Du um die Mehrarbeit nicht rumkommen. Das gleiche als Klassenlehrkraft in der Grundschule.
    Natürlich soll und kann man in Maßen Ausgleich schaffen. Aber das geht halt nicht zu 100%. Genauso ist auch bei Vollzeitkräften. Das ist am Ende halt typisch für unseren Beruf.

    Da die Klassenleitung eine nicht teilbare Aufgabe ist, muss durch die Schule ein Ausgleich geschaffen werden. Das ist keine Frage von "typisch für den Beruf". Ich wiederhole: Für TZ-Kräfte MUSS für nicht teilbare Aufgaben ein Ausgleich geschaffen werden.

    Und da erhoffe ich mir besonders für die TZ-Kräfte, dass eine AZ-Erfassung ihnen endlich eine adäquate Entlastung bringen wird. Dieses Problem wird ja bewusst ignoriert.

    Die Frage ist, was das TZ-Maß ist. Es ja auch bei den Vollzeitkräften nicht klar. Wenn Termine über die Woche verteilt liegen, was ist das angemessene Maß?

    Ich bezog mich auf klar benannte nicht teilbare Aufgaben wie bspw. Konferenzen, Klassenleitungen etc.

    Und den Begriff des TZ-Maßes bezog ich auf den Anteil der TZ zu VZ, der das Maß bildet, entsprechend bei den nicht teilbaren Aufgaben Entlastung zu schaffen.

    Letztlich kann man gemeinsam vieles erreichen und gute Kompromisse finden. Aber als Teilzeitlehrkraft muss man auch wissen, dass Teilzeit in unserem Bereich nur schwierig umzusetzen ist und sich oft nicht so lohnt.

    Aber weil es schwer umzusetzen ist, ist das dennoch kein Grund, TZ-Kräfte über ihr TZ-Maß hinaus arbeiten zu lassen.

    ... und genauso MUSS für Konferenzen und alles, was nicht teilbare Aufgaben sind, ein Ausgleich geschaffen werden für die überhälftige Belastung. Und während dann auf der einen Seite gerne mit der Dienstpflicht gewunken wird, wird die Pflicht zur adäquaten Entlastung für die Mehrbelastung auf der anderen Seite nicht umgesetzt. Das ist ein sehr selektiver Umgang mit "Pflichten".

    Wieso sollte es schwierig sein? Das halten immer nur die Vollzeitkräfte für schwierig, weil sie ihre Vorteile nicht abgeben möchten.

    Grundsätzlich schwierig ist TZ ja eigentlich nicht, es wird TZ-Kräften aber eben schwer gemacht, indem wenig Verständnis aufgebracht wird dafür, dass halbes Geld eben auch nur halbe Arbeit bedeutet (bedeuten sollte). Und das nehme ich sowohl bei KuK als auch bei SLen wahr. Mit Mehrarbeit für TZler/innen wird sehr großzügig umgegangen bspw. dass in übermäßigem Umfang die Teilnahme an schulischen Terminen eingefordert wird oder dass Klassenleitungen und ähnliches weder als entlastungswürdig noch als -nötig gesehen werden.

    Noch eine Ergänzung aus meiner Ref-Erfahrung: Unsere Seminare waren immer deutlich länger als das, was wir mal bei einem Stellenverfahren mitgemacht haben. Da waren wir - und die Bewerber(!) - in einem krassen Zeitdruck, da wir nicht einen halben Tag lang, sondern viel kürzer für das Seminar Zeit hatten. Das erschien uns aus Ref-Sicht schon krass anders zu sein als sonst.

    Das Teilzeitproblem ist eben, dass die nicht teilbaren Aufgaben nicht entlastet werden. In TZ wird mehr gearbeitet, als der TZ-Anteil vorsieht. Da macht sich "das System" einen schlanken Fuß, was eigentlich nur mit einer AZ-Erfassung gelöst werden könnte. (Für mich als VZ unnötig, weil es über's Jahr passt.)

    Was ich als familienfreundlich empfunden habe: Durch den flexiblen Teil der AZ konnte ich immer sehr viele Nachmittagstermine der Kinder wahrnehmen. Und die Ferienzeiten mit den Kindern sind extrem wichtig.

    Schau doch einfach mal in dem Seminar auf die HP und suche nach Dokumenten, die die Arbeit da beschreiben. Das orientiert dich sicher auch in Bezug auf die Art, wie ausgebildet wird. Daraus kannst du schlussfolgern, wie du da arbeiten könntest/solltest und wie du das Seminar planen solltest.

    Frag auch mal Refis aus dem Seminar - wenn möglich - was da die Arbeitsweise ist. Hättest du mich dazu während meines Refs gefragt, hätte ich dir die damalige Seminargestaltung genau beschreiben können.

Werbung