Beiträge von Finnegans Wake

    Das trifft es natürlich. Problem ist natürlich, dass es oft auch die Entlastung einfach nicht gibt. Das hatten wir ja schon. Man bräuchte einfach eine Menge X an zusätzlichen Entlastungsstunden im System.

    Und da sind wir bei dem Grundproblem: Viele Schulen - insbesondere GSen und diese in Brennpunkten - sind strukturell überlastet. Und diese strukturelle Überlastung wirkt sich dann bei TZ noch einmal besonders aus. Eine KL in einer Brennpunkt-GS ist ein übler Haufen Arbeit. Eine volle KL ist da schon überlastet. Besonders dann aber auch die TZ-Kraft, die eigentlich nur für eine halbe KL bezahlt wird (nicht teilbare Aufgabe, für die Entlastung stattfinden müsste, aber in der Regel nicht stattfindet). Und an der Stelle wäre eine Berechnung: KL entspricht 2 Schulstunden Aufwand in der Woche und wird dementsprechend relativ zur Reduktion des Deputats der TZ-Kraft genutzt.

    Und da sind wir schon wieder beim Problem: Die Ressourcen sind nicht da. Und die Dienstherren machen sich einen schlanken Fuß, weil sie so tun, als könnte das vor Ort geregelt werden.

    Und da könnte eine AZ-Erfassung ansetzen, die die KMK wie der Teufel das Weihwasser meidet.

    Und sind wir mal ehrlich, oft liegt es auch einfach daran, was es für eine Persönlichkeit die Lehrkraft ist. Ich habe eine Person, wo ich oder die SL schon immer sagen, dass sie nicht die dritte Springstunde oder den nächsten Ganztag machen soll sondern auch mal an sich denken muss. Auf der anderen Seite ist jemand ausgeflippt, weil die Person an einem Tag vierzehntägig zwei Freistunde hatte. Ansonsten allerdings keine Springstunden.

    Ich schreibe aber nicht von anekdotischen schrägen Vorstellungen sondern von einem systemischen Problem.

    Je nachdem wie kompromissbereit die Mehrheit im Kollegium ist, desto einfach wird es. Das hat natürlich auch was mit Kommunikation zu tun, um diese Kompromissbereitschaft zu schaffen.

    Kommunikation bedeutet aber auch, dass im Vorfeld die SL sich des Problems der nicht teilbaren Aufgaben bewusst wird und dann auf dieser Basis Lösungen sucht. Und da sehe ich mit meiner anekdotischen Evidenz (im deutlich zweistelligen Bereich GS-LK in TZ, die ich kenne):

    * TZ-Konzepte gibt es an deren Schulen nicht.

    * Umgang mit Konferenzen: Du hast Dienstpflicht (was ja prinzipiell richtig ist.) Aber: Entlastung gibt es nicht.

    * Zusatzaufgaben: Du bist TZ, da hast du doch Zeit. Die VZ-KuK sind am Limit.

    * Projektwoche? Machst du voll. Mehrarbeit? Nein, kannst du nicht abrechnen. Das ist Dienstpflicht. Entlastung? Ach nee.

    etc. pp.

    Das ist aber auch ein wenig absolut, oder?

    Wenn das Land mit besonderer Familienfreundlichkeit wirbt und dabei auch TZ hervorhebt (und das hatte mein BL vor einigen Jahren getan, als ich das da mal gelesen hatte), dann ist das durchaus ein bisschen heuchlerisch. Und ich hatte einschränkend geschrieben "ein bisschen heuchlerisch". Da erkenne ich jetzt nicht die Absolutheit, die du meiner Aussage unterschieben willst.

    Für Vollzeitkräfte ist er ein besonders familienfreundlicher Arbeitgeber.

    Das schrieb ich ja, dass es für VZ-Kräfte ein relativ familienfreundlicher Arbeitgeber ist.

    Und bei Teilzeitkräften würde ich sagen, dass es Licht und Schatten gibt.

    Und ich sehe da den ganz großen Schatten, dass TZ-Kräfte eben sehr häufig deutlich über ihren TZ-Anteil heraus arbeiten müssen. (Aber das hatten wir ja schon mehrfach durchgekaut.) Und besonders die zerstückelte AZ mit Unterricht am Vormittag und Konferenzen am Nachmittag etc. macht es auch eher schattiger.

    Zerstückelte Pläne, fixe Termine, die teils weit auseinander liegen (Unterricht, Konferenzen...), kaum Möglichkeiten, da spontan was zu schieben, in der Regel Einsatz über das TZ-Maß hinaus... Das sind dann eben Aspekte, die die Arbeit im Lehramt familienunfreundlicher machen. In einem Bürojob mit größeren Homeoffice-Anteilen und mit flexibler Arbeitszeit sind da in den Schulwochen oft mehr Möglichkeiten da, flexibel zu reagieren.

    Auf der anderen Seite sind besonders in den Ferien die Probleme bei der Betreuung der Kinder nicht da. Und mit meinem VZ-Job als Lehrer hatte ich - als die Kinder kleiner waren - doch ziemlich viele Möglichkeiten, sehr vieles mitzumachen am Nachmittag, was in meinem vorherigen Industriejob so nicht möglich gewesen wäre. Damals hatte ich zwar flexible AZ, Minderstunden mussten aber an anderer Stelle rausgearbeitet werden, wodurch andere Tage länger wurden. Als Lehrer kann ich das halt in den Abend schieben und muss es da rausarbeiten.

    Zu dem Aspekt, der manchmal genannt wird, dass in der Wirtschaft auch Überzeit im Vertrag festgeschrieben ist: In meinem damaligen IGM-Tarifvertrag war das für mich als normaler Ingenieur (39h-Woche) nicht der Fall. Da wurde jede Minute aufs Zeitkonto gebucht. Was anderes wäre es gewesen, wenn ich AT gegangen wäre. Das hätte dann aber auch das normale Ingenieursgehalt nach oben deutlich verlassen. Das Argument, dass in der Wirtschaft auch unbezahlte Überstunden mit drin sind und man das auch als LK tun müsste, zieht da nicht, da man da finanziell mit AT vergleicht!

    Wir haben fast nur Teilzeitkräfte. Wie soll das gehen?
    Ich habe durchaus deine Meinung verstanden. Aber es hilft nichts, wenn sie an der Praxis scheitern. Ich kann gerne jeder Teilzeitkraft sagen, dass sie sich einen Ausgleich schaffen soll. Wie das funktionieren soll, ist dann eine andere Frage. Am besten bereitet sie ihren Unterricht dann einfacher schneller vor oder korrigiert schneller. Wie gesagt, auch bei Vollzeitkräften entsteht das Problem.

    Solche Probleme entstehen bei vielen LK, aber im besonderen Maß bei TZ-LK. Wenn eine VZ und eine TZ gleichermaßen eine KL haben, dann bedeutet das an der Stelle aber eine größere Überlastung der TZ-LK. Ich weiß, dass an GSen durch Förderpläne, Elterngespräche, Dokumentationspflichten etc. pp. besonders an Schulen in Brennpunkten eine Überlastung entstanden ist, die die Menschen dort ausbrennt. Schnelleres Korrigieren oder schnelleres Planen von Unterricht ist aber eben keine Lösung, besonders dann, wenn differenziert werden muss etc.

    Das Scheitern in der Praxis sehe ich auch wie du. Der Grund ist struktureller Natur, weil eben die Besetzung mit Personal nicht berücksichtigt, dass eine Entlastung möglich wird. Das ist eben strukturell darauf ausgelegt, dass diese Entlastung nicht stattfinden kann. Die GS-Lehrerin in TZ kann ja nicht nach der Hälfte der Wortzeugnisse aufhören zu schreiben oder nach der Hälfte der Eltern die Zeugnisgespräche beenden etc.

    Eine Arbeitszeiterfassung ist sicherlich eine interessante Sache. Sie wird bei allen Lehrkräften Probleme zeigen. Das hat aber nur begrenzt etwas mit Teilzeit zu tun.

    s.o. Ich weiß um die Belastungssituation auch der VZ-LK. Bei TZ-LK kommt dies aber noch stärker zum Tragen. Und eine AZ-Erfassung würde hoffentlich Lösungen erzwingen oder zumindest die strukturell angelegte Überlastung reduzieren.

    Das Problem bei der Teilzeit ist auch oft nicht die unteilbaren Aufgaben. Das Problem sind Springstunden, Einsatz nicht am Stück, etc.

    Die Probleme bei TZ sind wirklich vielseitig.

    Hier braucht es Mut, um diese "nicht teilbare(n) Aufgaben" teilbar zu machen. Wie gesagt: Wer etwas wirklich will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe dagegen.

    Bei Konferenzen könnte man es so machen, dass Vollzeitkollegen (m/w/d) an jeder Konferenz teilnehmen. Teilzeitkräfte nehmen, je nach Ausmaß der Teilzeit, an jeder 2. bis 3. Konferenz teil. Bei allen verpassten Konferenzen kann man sich entweder das Protokoll durchlesen oder sich von den Vollzeitkollegen (m/w/d) auf den neuesten Stand bringen lassen.

    Man muss nicht an jeder Konferenz teilnehmen. Wenn Kollegen (m/w/d) erkranken und aus dem Grund nicht an Konferenzen teilnehmen können, bricht ja auch nicht das System direkt zusammen.

    Bei Klassenleitungen kommt es auf die Schulform an. Ich weiß, dass an Grundschulen und sonderpädagogischen Förderzentren die Klassenleitung möglichst jeden Tag die Klasse gesehen haben soll. Hier fehlt mir die Erfahrung, was hier praktikable Alternativen wären. Eine Idee von mir wäre eine Art Co-Klassenleitung von zwei Teilzeitkräften. In meinen Bildungsgängen wäre eine Klassenleitung auch möglich, wenn die Lehrkraft die Klasse nur an 2-3 Tagen die Woche sieht, wobei bei uns zumindest in Klasse 5/6 geschaut wird, dass die 3 Tage möglichst nicht unterschritten werden.

    Ja da schreibst du viele sinnvolle Sachen. Das Problem ist aber, dass die TZ-Kräfte, die ich kenne (insbesondere an GSen) weder bei den Konferenzen, noch bei der Klassenleitung, bei Elterngesprächen, bei Klassenfahrten, bei Sommerfesten, Projektwochen etc. pp. eine Entlastung für ihre strukturell bedingte Mehrarbeit über ihr TZ-Maß hinaus bekommen.

    Aber wenn es Aufgaben gibt, die unteilbar sind, ist das halt schwierig möglich. Das habe ich ja in meinem Post geschrieben. Das ist bei Vollzeit das gleiche Problem. Wenn Du in Teilzeit einen großen Deutsch-Abi-Kurs hast, wirst Du um die Mehrarbeit nicht rumkommen. Das gleiche als Klassenlehrkraft in der Grundschule.
    Natürlich soll und kann man in Maßen Ausgleich schaffen. Aber das geht halt nicht zu 100%. Genauso ist auch bei Vollzeitkräften. Das ist am Ende halt typisch für unseren Beruf.

    Da die Klassenleitung eine nicht teilbare Aufgabe ist, muss durch die Schule ein Ausgleich geschaffen werden. Das ist keine Frage von "typisch für den Beruf". Ich wiederhole: Für TZ-Kräfte MUSS für nicht teilbare Aufgaben ein Ausgleich geschaffen werden.

    Und da erhoffe ich mir besonders für die TZ-Kräfte, dass eine AZ-Erfassung ihnen endlich eine adäquate Entlastung bringen wird. Dieses Problem wird ja bewusst ignoriert.

    Die Frage ist, was das TZ-Maß ist. Es ja auch bei den Vollzeitkräften nicht klar. Wenn Termine über die Woche verteilt liegen, was ist das angemessene Maß?

    Ich bezog mich auf klar benannte nicht teilbare Aufgaben wie bspw. Konferenzen, Klassenleitungen etc.

    Und den Begriff des TZ-Maßes bezog ich auf den Anteil der TZ zu VZ, der das Maß bildet, entsprechend bei den nicht teilbaren Aufgaben Entlastung zu schaffen.

    Letztlich kann man gemeinsam vieles erreichen und gute Kompromisse finden. Aber als Teilzeitlehrkraft muss man auch wissen, dass Teilzeit in unserem Bereich nur schwierig umzusetzen ist und sich oft nicht so lohnt.

    Aber weil es schwer umzusetzen ist, ist das dennoch kein Grund, TZ-Kräfte über ihr TZ-Maß hinaus arbeiten zu lassen.

    ... und genauso MUSS für Konferenzen und alles, was nicht teilbare Aufgaben sind, ein Ausgleich geschaffen werden für die überhälftige Belastung. Und während dann auf der einen Seite gerne mit der Dienstpflicht gewunken wird, wird die Pflicht zur adäquaten Entlastung für die Mehrbelastung auf der anderen Seite nicht umgesetzt. Das ist ein sehr selektiver Umgang mit "Pflichten".

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