Beiträge von Bolzbold

    Sehr einseitige Sicht der Dinge.

    Auf der anderen Seite sitzt ein Unternehmen, dass einen teuren Bewerbungsprozess durchgeführt hat und jetzt mit einer Arbeitskraft rechnet, welche sich wegen jedem Pups krankmeldet.

    Das ist eine Frage der Erziehung - in Schule wie Elternhaus - und keine Frage des Ausweisens der Fehlzeiten auf einem Zeugnis.
    Es ist argumentativ wenig hilfreich meiner vermeintlich einseitigen Sicht ein Gegenextrem entgegenzustellen.

    Ich sehe das ganz pragmatisch. Das Land hat uns vorgegeben, dass wir keine Fehlzeiten auf Abschlusszeugnissen ausweisen dürfen. Was soll ich deswegen Theater machen? Ich finde das auch nicht gut, aber ich kann aktiv nichts dagegen tun, um einen politischen Willen zu erzeugen, der das Ganze abändert.

    Die SchülerInnen sollen dadurch keinen Nachteil bei ihrem späteren beruflichen Werdegang haben. Das kann man gerne so machen.
    Die Azubis oder StudentInnen werden früher oder später auf die harte Tour lernen, was es bedeutet, wenn man zehn Minuten zu spät kommt und wahlweise eine Abmahnung erhält oder aber zu einer Prüfung nicht mehr zugelassen wird.

    Das ist alles eine Frage der Zeit und sollte uns nicht weiter beschäftigen. Wir können hier keine Gerechtigkeit herstellen.

    Leute, wir hängen uns jetzt hier am Zuspätkommen auf - vorzugsweise das Zuspätkommen im Rahmen des morgendlichen Weges zur Schule. Da sind wir uns glaube ich alle einig - es sei denn es wurde noch nicht von jedem gesagt. Ich habe jetzt hier keinen Beitrag gesehen, der das deutlich relativiert oder gutgeheißen hat.

    Hallo zusammen,
    ich habe einen Versetzungsantrag gestellt. Kürzlich rief mich die Bezirksregierung an, um mir einen Tipp zu geben, welche Schule, zumindest auf dem Papier, Bedarf an meinen Fächer haben könnte. Ich solle doch mal Kontakt mit der SL aufnehmen.

    Dies habe ich telefonisch getan und tatsächlich werden meine Fächer dort gebraucht. Die SL sagte mir, ich solle meine kompletten Bewerbungsunterlagen zusenden (Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, etc.).
    Ist das so die Regel? Ich bin ja schon längst auf Lebenszeit verbeamtet und hätte gedacht, dass man sich persönlich trifft und dann im Gespräch offene Fragen klärt.

    Danke im Voraus für eure Antworten.

    Die Regel ist es nicht, aber das hatten wir in der Tat auch schon an meiner Schule. Es ist nicht so, dass man sich in dem Sinne "bewerben" muss, aber es ist schon hilfreich für eine Schule zu sehen, wen man sich ins Haus holt - zunächst auf dem Papier und dann im persönlichen Gespräch.

    Bei uns fliegen viele Azubis aus ihren Betrieben wegen mangelnder Pünktlichkeit.
    Das Auto fährt zur Baustelle ab, die Maschine kann nicht stillstehen, die Anlage nicht unbewacht bleiben.
    Daher ist es umso wichtiger, es vorzuleben.

    Darum geht es doch gar nicht. Die Übertragung der Unpünktlichkeit auf andere Berufsbereiche mag die Notwendigkeit von Pünktlichkeit unterstreichen, für das System Schule wirft das aber wenig ab - insbesondere wenn wir uns alle im Grunde einig darüber sind, dass Pünktlichkeit durchaus ihre Berechtigung hat.
    Mir geht es um konkrete Situationen vor Ort und nicht um eine Lehrkraft, die es nicht gebacken bekommt, morgens pünktlich zu sein. Dass man dieser Person irgendwann sagen muss, dass das so nicht geht, ist klar. Es geht dann um das wie. Die allermeisten KollegInnen, die ich kennenlernen durfte, hatten da auch ein Unrechtsbewusstsein.

    Man beachte folgende Aufzählung aus dem Erlass:

    2.2.3 Vergütbare Mehrarbeit liegt insbesondere in folgenden Fällen nicht vor:

    - Teilnahme an Eltern- und Schülersprechtagen,

    - Teilnahme an Konferenzen, Dienstbesprechungen und Prüfungen aller Art (einschließlich der Aufsicht bei Prüfungsarbeiten),

    - Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen,

    - Teilnahme an Schulveranstaltungen im Rahmen der Richtlinien für Schulfahrten,

    - Teilnahme an sonstigen Schulveranstaltungen (z.B. Schulfeste),

    - Teilnahme an Schulsportfesten einschließlich der Mitwirkung als Kampfrichter,

    - Teilnahme und Mitwirkung am Schulgottesdienst,

    - Teilnahme an Veranstaltungen zur Förderung der Betriebsgemeinschaft,

    - Teilnahme und Aufsicht bei Berufsberatungen,

    - Besuch von Schülern während der Betriebspraktika,

    - Erledigung von Verwaltungsarbeit.

    Das Fettgedruckte sorgte an meinen bisherigen Schulen immer für Unruhe, weil das bedeutet, dass ZweitprüferInnen bei mündlichen Kommunikationsprüfungen diese Tätigkeit eigentlich nicht als Mehrarbeit anrechnen dürfen. Solange die PrüferInnen aus den Jahrgangstrams bestehen und man gegenseitig Erst- und ZweitprüferIn ist, meckert da niemand.
    Eine Teilzeitkraft, die als Zweitprüfer eingesetzt ist und über ihr Deputat hinaus anwesend ist, sieht das gleichwohl anders. (Und ich kann sie verstehen, weil sie überproportional zu ihrem Deputat belastet wird.)
    Klausuraufsichten dürfen damit ebenso wenig als Mehrarbeit angerechnet werden.

    Die allermeisten KollegInnen kennen diesen Erlass nicht und wundern sich dann, wenn sie entgegen ihrer Auffassung dann keine Mehrarbeit angerechnet bekommen. Der Verweis auf die Rechtslage belegt zwar, dass wir als SL rechtskonform vorgehen, aber das macht die KollegInnen trotzdem nicht glücklicher.

    Ich finde es faszinierend, wie viele Beispiele hier angeführt werden, um wahlweise die eine oder die andere Linie zu untermauern.

    Letztlich geht es doch um Schulleitungsverhalten, die Frage der Notwendigkeit sowie die Wahrnehmung desselben.

    Die KollegInnenfraktion, die schlunzig ist, wird sich durch den Hinweis auf mehr Pünktlichkeit etc. gegängelt fühlen und möglicherweise renitentes Verhalten zeigen. Die Fraktion, die pünktlich ist, wird ein solches Schulleitungsverhalten wahrscheinlich begrüßen.

    Zuspätkommen wegen Stau, Müllwagen etc. erlebe ich hier sehr, sehr selten. Die systemisch bedingte Unpünktlichkeit aufgrund von Laufwegen, Gesprächen auf dem Gang etc. ist um ein Vielfaches größer. Ersteres kann man in den Griff bekommen und liegt in der Verantwortung der KollegInnen - da würde ich auch früher oder später Gespräche führen. Bei den systemisch bedingten Gründen sehe ich wenig Sinn darin, hier die KollegInnen zu ermahnen, obwohl hier tagtäglich unzählige Minuten an Unterrichtszeit verloren gehen.

    Pünktlichkeit ist aus den genannten Gründen erstrebenswert und notwendig - und Lehrkräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Überspitzt formuliert wird dies aber nicht über Wohl und Wehe des Abendlandes entscheiden.

    Ich finde das absolut okay und sinnvoll. Mir ist nicht ganz klar, wieso hier z.B. zu spät kommen der Kolleginnen und Kollegen so verharmlost wird.

    Verharmlosen oder dramatisieren.
    Ich kenne aus meiner eigenen Erfahrung genug Situationen, in denen ich es nicht geschafft habe, pünktlich zu sein. Dafür gab es klare Gründe. Eine Zurechtweisung hätte daran nichts ändern können. Es wäre dann überspitzt formuliert ein "wenn Du perfekt wärst, würdest Du alles so managen, dass Du pünktlich bist." Damit könnte ich aber nichts anfangen. Ich würde natürlich dann versuchen, häufiger pünktlich zu sein, aber wenn es mal nicht geht, geht es eben nicht.
    Da würde ich mir Augenmaß und nicht absolute Maßstäbe wünschen.

    Solche KollegInnen fallen aber mitunter auch bereits negativ im Kollegium auf. Das sind dann nicht unbedingt die kollegialsten Personen und haben entsprechend auch nur begrenzte Sympathien.

    Mal aus Schulleitungssicht:

    Theoretisch könnte ich mich darin verbeißen, Kollegen, die zu spät kommen, zum Gespräch zu holen und sie anzuweisen, pünktlich zu sein und im Vorfeld das Zuspätkommen zu dokumentieren.
    Was ich damit erreichen werde, ist ggf. Zustimmung nach außen, aber in der Regel keine Verhaltensänderung. Es gibt KollegInnen, die das nicht hinbekommen, sei es, weil sie zu verpeilt sind, sei es, weil sie es nicht einsehen. Die wird man nicht ändern.
    Die tatsächlichen Folgen eines solchen Auftretens sind hinsichtlich der Stimmung im Kollegium gravierender als der scheinbare Gewinn durch ein Zurechtweisen des Kollegen oder der Kollegin.

    Ich habe das einmal ganz zu Anfang gemacht, weil eine Kollegin ihre Klausur am Klausurtag nicht vollständig dabei hatte, so dass die Klausur erst eine Stunde später beginnen konnte. Sie hatte den Ruf eines "Schlunz" (rheinisch für wenig organisiert oder verpeilt). Ich habe sie abgefangen und darauf angesprochen. Sie fühlte sich direkt auf den Schlips getreten, was mir sehr deutlich gemacht hat, dass das nicht die richtige Vorgehensweise war. (Da war ich noch nicht ganz in meiner neuen Rolle angekommen.)

    Hätte ich jetzt noch mit der Uhr im Eingangsbereich gestanden und protokolliert, dann hätte ich mir womöglich auch anhören müssen, wieso ich in Situation XYZ zu spät bin. Das kommt vor. Das kann ein Tür und Angel Gespräch gewesen sein, ein Telefonat, sonstige Probleme, die bei mir aufgelaufen sind, ein Toilettenbesuch, wo ich vom letzten Winkel des Gebäudes erst zu den Lehrertoiletten laufen muss, oder was auch immer. Das muss ich im Zweifelsfall auch den KollegInnen zugute halten. Ich kann von den KollegInnen nichts erwarten, was ich nicht auch selbst in demselben Maße hinbekomme.

    Darüber hinaus gibt es subtilere Möglichkeiten, den KollegInnen zu signalisieren, dass sie zu spät sind, ohne dass man sie zum Gespräch bittet.

    Meine Aufgabe als Schulleitung ist es sicherzustellen, dass der Laden läuft. Damit muss ich täglich abwägen, wo und wann ich eingreife und wo und wann ich das nicht mache. Ich beschränke das Eingreifen auf gravierenderes Fehlverhalten von KollegInnen als ein Zuspätkommen von drei Minuten, ich bin dabei stets freundlich, aber deutlich in der Sache.

    Als Schulleitung ist meine Aufgabe gegenüber dem Kollegium, dass man zeigt, dass man auf sein Kollegium achtet. Das bedeutet zum einen, dass man nicht alles durchgehen lässt, aber zum anderen - und das ist viel wichtiger - dass man seine KollegInnen einzeln wahrnimmt und ihnen das Gefühl gibt, dass sie gesehen werden - dienstlich wie menschlich.

    Naja, ohne das Geld zöge 'man' nicht dahin. Aber:

    Was wäre die Alternative?

    Ich meinte: die Leute haben nicht vor, dort zu bleiben um des Geldes Willen, sondern nehmen für die Ausbildung und ein, zwei Dienstjahre den Kaffstatus in Kauf, da scheint die Prämie für viele eine angemessene Entschädigung.

    Wenn es keine andere Alternative gäbe, wäre ich bei Dir. Ich bin davon ausgegangen, dass es Alternativen gibt, womit es für mich keinen Grund gäbe, diese Bedingungen hinzunehmen. Wenn es keine Alternativen gäbe, dann wäre es eine "friss oder stirb" Option, so dass sich dann die Notwendigkeit einer "Buschzulage" gar nicht ergäbe.

    Ich glaube, es geht hier nicht um Meinungen sondern um die Regeln, die hier gelten und angewendet bzw. nicht angewendet werden.

    Jede Unterrichtsstunde, die über das normale Deputat hinaus unterrichtet wird, ist eigentlich Mehrarbeit (- abzüglich der Stunden, die aus verschiedensten Gründen ggf. ausgefallen sind.)

    Dazu zählen dann auch zusätzliche KL-Stunden. Methodentage werden bei uns voll angerechnet (erneut abzüglich der ausgefallenen Stunden).

    Was ich hier für problematisch erachte, ist der Personaleinsatz im Allgemeinen. Es wird für die Nicht-KL-KollegInnen eine Anwesenheitspflicht ohne Unterrichtsverpflichtung angeordnet, wobei es augenscheinlich keine konkreten Tätigkeiten gibt, die in dieser zeit erledigt werden sollen.

    Die Anwesenheit kann durch die SL gemäß §13 Abs. 3 ADO angeordnet werden. Wenn keine Situation besteht, in der "bei Bedarf im Rahmen des Zumutbaren [die KollegInnen] mit anderen schulischen Aufgaben betraut werden [können]" (Zitat ADO), halte ich diese Vorgehensweise für nicht zulässig und darüber hinaus für strategisch und führungstechnisch mehr als ungünstig. Das kommt ein bisschen wie "Bossing" rüber und sollte meines Erachtens über den Lehrerrat einer Klärung unterzogen werden.

    Gleichwohl gilt immer: Jede Schulleitung geht so weit, wie das Kollegium sie lässt.

    Ich verstehe nicht, was daran problematisch ist. Wenn ich zusage, dass gegen eine Zulage ich bereit bin, im ländlichen Raum zu unterrichten, weil ich mir ausgerechnet habe, dass ich mir mir ser Zulage ein Auto leisten kann, dass ich dort dann vermutlich brauche, oder eine Zweitwohnung, weil ich dann eine Fernbeziehung führe, oder oder oder, dann kann ich daran nichts Problematisches sehen.

    Genau das, was Du schreibst, ist problematisch. Aber tatsächlich aus anderer Perspektive. Wer macht das denn bitteschön so wie von Dir beschrieben? Wenn es all diese Dinge braucht, um in der Pampa zu unterrichten, dann würde ich trotz des Geldes darauf verzichten. Ich verkaufe Lebenszeit und -qualität, die in keinem Verhältnis zu den paar Kröten steht, die ich dafür erhalte.

    Der Korrekturaufwand zwischen Sprache/Gesellschaftswissenschaften und Mathematik/Naturwissenschaften ist definitiv nicht vergleichbar. Die entsprechenden Arbeitszeitstudien (PhV, etc.) kommen da auch zu vergleichbaren Schlüssen. Ich habe mit Mathematik jedes Jahr ca. einen Korrekturaufwand von 160 Stunden (10' pro Klausur/Klassenarbeit gerechnet, 2' pro Test). Welcher Kollege mit Sprachen schafft denn diese Zeiten? Ich hab letztes Jahr die Mathe LK Klausuren im Abitur in derselben Zeit korrigiert, in der ich Geschichte EF (9 Schreiber) geschafft habe. :P

    Wenn Du das halbwegs (!) gewissenhaft machst, brauchst Du für eine durchschnittliche Klausur in der Q-Phase in Englisch um die 30 Minuten. Die 9er in Englisch schaffe ich mit freiem Schreibteil auch in unter 10 Minuten. Da stecken aber 21 Jahre Berufserfahrung hinter.

    Problematisch finde ich Aussagen wie "das Geld habe ich bereits eingeplant." Da frage ich mich, wie das die LehramtsanwärterInnen in den Jahrzehnten zuvor hinbekommen haben?

    Auf der anderen Seite: Kurzfristige oder als solche wahrgenommene Änderungen in den Bedingungen führen natürlich zu Frustration. Die mittelfristigen Reaktionen werden nicht auf sich warten lassen.

    Das Gesamtklima in den entsprechenden Regionen dürfte für nicht stramm rechtskonservative LehramtsanwärterInnen darüber hinaus wenig erfreulich sein, wenn das Diskussionsniveau über schulische Leistungen oder das Sozialverhalten ähnlich geartet ist wie man es über politische und soziale Themen über verschiedene mediale Kanäle mitbekommt.

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