sie schrieb mir einen Tag vor der letzten Stunde (war bekannt) eine Mail, [...] und ob sie noch etwas machen könnte
Du hast ihr also nicht per Mail geantwortet, weil du davon ausgingst, ihr das am nächsten Tag mündlich mitteilen zu können.
Sie hätte ja darauf hoffen können, dass du die Mail tatsächlich gelesen hast und sie spontan hättest zu den letzten Stundeninhalten prüfen können. Wenn ich als SuS sowas wünsche, komme ich doch auf jeden Fall zum Unterricht - und davon gehe ich als Lehrkraft aus, dann muss ich nicht per Mail antworten. (Wäre ja noch schöner, wenn hier Schüler oder Eltern Kommunikationswege vorschrieben.)
Dass du auf die Mail nicht innerhalb weniger Stunden geantwortet hast, kann ich gut nachvollziehen. Mir ist es schon mehrfach passiert, dass ich auf kurzfristige Mails ausführlich geantwortet habe. Die Fragenden begegneten mir dann kurz darauf / am nächsten Tag & hatten meine Antwortmail noch nicht gelesen. Also stellen sie ihre Frage noch mal und lassen sich von mir noch einmal ausführlich Antwort geben. Mit Arbeitszeit kann man deutlich effektiver umgehen.
Nachdem sie nicht in der letzten Stunde war, hat sich die Antwort sowieso erübrigt: In welcher nicht vorhanden Stunde wollte die Schülerin denn noch ihre Note verbessern?
Sie wollte laut Mail an dich noch was machen an ihrer Note? In der letzten Stunde? Das ist natürlich ein Angebot, dass du dann allen Schülern machen musst. Das war aber nicht möglich (hättest du ihr und dem Kurs persönlich auch erklärt, aber sie war ja nicht da, also erübrigte sich die Kursansprache).
Es gibt ja vielleicht auch jemanden, der mit seiner 2+ unzufrieden ist und nur knapp an der 1- vorbei ist (und so ein NC in beliebten Fächern kann hart sein). Du hättest also mit identischer Vorlaufzeit allen anderen Schülern im Kurs ebenfalls diese Chance einräumen müssen. Und dann ggf. in 90 Minuten Kurszeit 20 Referate gehört (qualitiv hochwertige wohlgemerkt, denn da waren ja 24 Stunden Vorbereitungszeit) oder Prüfungsgespräche o.ä. geführt (die du sorgfältig vorbereitet hättest, schließlich geht's hier um viel). Wären pro Schüler maximal 4,5 Minuten gewesen - das hätte aber nicht ausgereicht, um ein Semesterergebnis in irgendeiner Weise zu verändern.
Lass dich nicht verrückt machen. Gib der Schulleitung Bescheid, damit sie von dir als erstes von der Sache hören. Falls der Vater sich da meldet (vielleicht auch nur telefonisch), ist deine SL bereits vorbereitet und weiß, wie sie reagieren kann. Wenn das Wissen nicht da ist, muss man als SL ja erst mal ein wenig vorsichter formulieren ("Werde ich mir ansehen / mit dem Kollegen sprechen / die Sachlage klären / wir melden uns dann bei Ihnen wieder / ..."). Da wittert manch ein Elternteil Möglichkeiten, die hinterher dann doch nicht da sind. Umso verbitterteter folgen dann weitere "Nachfragen". Wenn die SL Bescheid weiß, kann sie einen Teil der "Arbeit" gleich an die Eltern zurückgeben (z.B. gleich zum Gespräch bitten, um schriftliche Erläuterung bitten, ...) und auch im Erstgespräch deutlicher Erstaunen / Unglauben formulieren / Hintergrundwissen mit einfließen lassen, das sonst evtl. nicht da gewesen wäre ("Ihre Tochter hat doch eine Attestpflicht - das kommt nicht von ungefähr.")