Schüler, die seit der 6. Klasse eine zweite Fremdsprache belegen, dürfen diese in NDS ab der 11. Klasse abwählen. In der 11. Klasse müssen sie allerdings im "identischen" Stundenumfang zwei Wahlpflichtfächer wählen. Welche angeboten werden, legt die Schule fest. Eine Abwahl ohne Wahlpflicht ist in 11 nicht möglich. Die Wahlpflichtfächer dürfen keine Inhalte aus dem regulären Fachunterricht vertiefen, sie dürfen keine Inhalte der Qualifikationsphase vorwegnehmen.
Soll so ein "Modell" angeboten werden, dann beschließt dies der Schulvorstand.
Wird es beschlossen, dann werden SuS in möglicherweise MEHR Kursen unterrichtet. Bedeutet, dass die Schule MEHR Stundenbedarf hat. Vermehrte Abordnungen halte ich deshalb für unwahrscheinlich aufgrund dieses Modells. (Zum "Nachrechnen": Vorher gab's vielleicht 1x FR, 1x LA. Die bleiben ja bestehen, denn einige SuS werden die zweite Fremdsprache fortführen. Hinzu kommen zwei Kurse im Wahlpflichtbereich. Macht insgesamt also vier Kurse (statt vorher nur zwei).)
Selbst wenn eine Schule dies nicht ermöglicht, können Schüler so wie in der Vergangenheit auch in der Qualifikationsphase nur eine Fremdsprache fortführen (unter Beachtung der Auflagen, z.B., dass sie in der Sek I bereits die zweite FS ab der 6. Klasse durchgängig belegt hatten und nicht im A-Profil sind).
Das ist also eigentlich nichts Neues. Neu kommen die "Verwerfungen" von G9 hinzu. Im "alten" G9 von vor einigen Jahren begannen SuS in Niedersachsen die zweite Fremdsprache in der 7. Klasse, eine Abwahl war nach der 11. Klasse möglich (also nach 5 Jahren 2. FS). In G8 in NDS wanderte die 2. FS in die 6. Klasse. Im "neuen" G9 ist die 2. FS ab der 6. Klasse verblieben. Das war und ist "doof" für SuS, die aus anderen Bundesländern nach Niedersachsen wechseln (SuS aus Hessen müssen nach dem Umzug z.B. ein Jahr zweite Fremdsprache nachlernen). Jetzt kann die 2. FS ebenfalls (wie im alten G9) wieder nach 5 Jahren abgewählt werden - nur eben am Ende von Klasse 10 statt Klasse 11.
Was bedeutet das für Fremdsprachenlehrkräfte? Eigentlich ändert sich wenig. In G8 haben die SuS am Ende von 10 LA / FR abgewählt. In G9 wählen sie am Ende von 10 LA / FR ab.
Man sollte den SuS deutlich machen, was ein Jahr mehr Fremdsprachenunterricht bedeuten kann: Dass sind Kompetenzen, die man sonst nicht so einfach erwirbt (Latinum zum Beispiel...). In den Wahlpflichtfächern behandelt man wahrscheinlich "unwichtigere" Themen (zumindest eben nichts für's Abitur). Und wenn ich in Geschichte noch zusätzlich etwas weiß über das 15. Jahrhundert in Südamerika (oder was auch immer), dann habe ich dadurch nicht mehr Arbeitsmarktrelevantes vorzuweisen. Ganz wichtig für (schlechtere) SuS zu wissen ist auch, dass sie mit der Abwahl der FS ein Ausgleichsfach verlieren - die Fächer DE, EN, MA, 2. FS können sich nur gegenseitig bei Versetzungsentscheidungen ausgleichen. Fällt eines raus & ich habe 2 Fünfen, kann ich nicht mehr versetzt werden... (da wäre so eine 3- in FR Gold wert...)
Für die SuS, die schon zu viele Jahre (aus welchen Gründen auch immer) eine "sichere" Fünf mit sich herumschleppen, ist die Abwahl durchaus eine Chance. Das sind meiner Beobachtung nach häufig die "Nerds" aus dem C-Profil, die da Überflieger sind, mit den Sprachen aber auf Kriegsfuß stehen. Da führt die Abwahl der 2. FS nicht zum "weichgespülten" Abitur, zumal sich die Vorgaben der Qualifikationsphase nicht ändern.