Beiträge von Piksieben

    Ach, Leben ist doch immer anstrengend. Ich kann mich erinnern, dass ich es auch schon mal erholsam fand, die Küche ungestört putzen zu können, ohne dass mir ständig Kinder darüberliefen. Oder dass ich mich beim Klausurenkorrigieren entspannt habe, weil ich einmal meine Ruhe hatte. Jetzt finde ich Klausurenkorrigieren anstrengend, weil es so eintönig ist, und ich programmiere lieber ein bisschen, weil mich das so fesselt, dass ich ganz vergesse, dass es anstrengend sein könnte. Unterrichten finde ich, wenn es gut läuft, auch sehr angenehm und sehr viel netter als das Sortieren von Papierkram, worüber ich immer verzweifle. Letztlich ist Angestrengtsein eine Empfindung und nichts, was man objektiv bewerten könnte - einzig Schlafmangel ist natürlich ein echtes Problem, und Termindruck ist auch nicht lustig. Aber ist 3000 m schwimmen anstrengend oder erholsam? Kommt drauf an, wer das macht, wofür, wann, ...

    Wenn Lehrer jammern, sie würden gern morgens länger schlafen - sorry, wenig Verständnis. Dafür gibt es 12 Wochen schulfreie Zeit plus Wochenenden, also wirklich ausreichend Gelegenheit. Ich finde es auch immer nett, wenn Leute am hellichten Tag im Straßencafe sitzen und Bier trinken - aber nur so als Idee. Wenn ich Zeit dafür hätte, mache ich dann doch was anderes. Und es ist sehr viel belastender, nichts zu tun zu haben und sich sorgen zu müssen, als eben beschäftigt zu sein, und noch dazu mit so erfreulichen Tätigkeiten wie Kinderpflege.

    Es ist auch eine Unsitte, anderen Leuten in die Planung reinzureden. Natürlich ist die eigene Lebensplanung immer die beste, sonst würde man es ja anders machen. Ich finde es auch immer lustig, dass man darüber staunt, wie viel Arbeit so ein Haushalt macht. Eigentlich eine völlig verquere Einstellung. Können wir nicht froh sein, wenn die Regale im Laden und später unser Kühlschrank voll sind? Ist es nicht eigentlich ganz schön, seine Räumlichkeiten in Ordnung zu halten? Und wer hat einen denn gezwungen, Kinder zu bekommen, es ist doch bekannt, dass die Arbeit machen und teuer sind?

    Die Zettelchen, die die Schüler da auf dem Foto hochhalten, entsprechen dem, was in den ersten Artikeln des Grundgesetzesfestgeschrieben ist. "Respekt" ist eine Selbstverständlichkeit, wenn man die Würde des Menschen achtet. Vielfalt ergibt sich sofort, wenn man jedem das Recht auf freie Entfaltung zugesteht.

    Wenn man das rot-grün nennt (die Grünen gab es damals noch gar nicht) und es für Indoktrination hält, Schülern solche Werte zu vermitteln, sollte man den Staatsdienst ganz schnell verlassen.

    Über so eine Demo kann man diskutieren, klar. Aber vor Ausländerfeindlichkeit, Homophobie und ähnlichen leider immer noch grassierenden Seuchen unter Jugendlichen einzuknicken geht nicht. Und wenn man das thematisiert, dann ist das politisch, egal, ob im Unterricht oder draußen.

    Damit habe zwar ein logisches Ergebnis erzielt werden können, es weiche aber vom Gewünschten
    ab."

    Was ist das "Gewünschte"? Wir können nur spekulieren. Ganzzahlige Nullstellen?

    Ich wünsche mir, dass die Schüler in Mathe lernen, logisch zu denken und bei Bedarf einen Taschenrechner bedienen zu können. Nicht, dass sie die Vorstellung ausbilden, Mathe sei ein Wunschkonzert.

    Bei uns funktioniert die zentrale Klausurenplanung hervorragend und von daher kann ich deinen Unmut verstehen. Es geht alles, wenn man nur will.

    Aber nach der Reaktion deiner Kollegen zu urteilen ist das halt ein Dauerproblem, man hat es aufgegeben und sitzt es aus. Was soll's. "Vorlieb nehmen ist auch eine Denkbewegung, die man lernen kann" (Wittgenstein).

    Es kommt gar nicht gut an, wenn man herumtrompetet, wie viel besser es an der alten Schule war. Ich würde mich an deiner Stelle erst mal flexibel zeigen. Du wirst gewiss noch die Gelegenheit bekommen zu zeigen, dass du es besser kannst.

    Bei dern Prüfungen, die ich für die FHR-Prüfungen anfertige, wird behördlicherseits allergrößten Wert darauf gelegt, dass es keine Folgefehlerproblematik gibt. Das heißt, wenn man eine Nullstelle ausgerechnet hat, kann man auch mit einem falschen Ergebnis weitermachen, und wenn man z. B. eine Funktion finden muss und das nicht schafft, kann man eine Ersatzfunktion benutzen, die angegeben wird. Dann gibt es keine "Thema verfehlt"-5, weil man an einer Stelle nicht weiterkommt.

    Nur ganzzahlige Nullstellen zuzulassen ist nicht notwendig, und ich glaube nicht, dass es im beschriebenen Fall daran gescheitert ist. Ich vermute, es ist eher eine "Weisen Sie nach, dass ... folgt eine Behauptung, die gar nicht stimmt ..."-Aufgabe. Das steht da ein bisschen schwammig ...

    Das ist halt das Handwerk, das wir lernen müssen. Einerseits soll alles korrekt sein. Andererseits das aufgreifen, was von Schülerseite kommt und oft näher an dem dran ist, was sie denken (wobei das ja auch nicht immer richtig ist. Mathe ist manchmal eben auch kontraintuitiv).

    Ja, damit es richtig ist, und es soll unbedingt richtig sein, was an der Tafel steht, klingt es manchmal umständlich. Die Schulbuchautoren stecken viel Grips in diese Merksätze (nehme ich jedenfalls an) - diese zu benutzen ist aus mehreren Gründen nützlich: Sie sind mit mehr Bedacht formuliert als man das im Unterricht eben mal machen kann. Die Schüler können sie nachlesen und haben einen Grund, ihr Mathebuch mal aufzuschlagen. Und denke auch an Eltern oder ältere Geschwister, die mal helfen wollen: Nichts ist unerfreulicher als erst mal herumsuchen zu müssen, was gemacht wurde. Wenn man da das Buch aufschlagen kann und vertraute Dinge findet, erleichtert das die Sache ungemein.

    Bei mir steht immer viel Text an der Tafel, zum Teil spontan formuliert, zum Teil zu Hause. Es ist mir wichtig, rüberzubringen, dass man seine Antworten begründen muss, dass man auch mathematische Dinge sehr gut mit Worten erklären kann und dass alles fachsprachlich korrekt ist. Das ist mitunter mühsam, aber es ist einfach fürchterlich, wenn man in Arbeiten so zusammengestückelte Rechnungen sieht, bei denen nur mit viel Wohlwollen ein richtiger Gedankengang herauszulesen ist. Also muss ich auch immer wieder vormachen, wie es richtig geht. Auch wenn man eine Weile diskutiert/experimentiert: Die Ergebnisse müssen nachher ordentlich formuliert sein.

    Das klappt auch nach Jahren der Erfahrung mal gut, mal weniger gut.


    "Ich versichere, dass ich den Lehrprobenentwurf in allen Teilen selbständig gefertigt und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt habe."

    Dieser Passus hat in Bayern unter allen Lehrprobenentwürfen zu stehen.

    In NRW auch. Trotzdem darf man sich vorher über sein Thema unterhalten und sich auch Quellentipps holen, wieso nicht? Hier wird kein vollständiger Unterrichtsentwurf stehen, keine Analyse der Lerngruppe, kein vorformuliertes Arbeitsblatt. Vielleicht ein Link zu Stellen im Koran, die da was hergeben ... Ich kann leider nichts beisteuern, finde es aber ein interessantes und aktuelles Thema.

    Ich finde nicht, dass es schwieriger ist, als die hunderttausend anderen potentiell brenzligen Themen, die einem als Lehrer so begegnen... Islam, Isamismus, christlicher Fundamentalismus, amerikanische Außenpolitik, Hartz 4, Missbrauch, Frauenrechte, psychische Erkrankungen, Selbstmord, Tod, Flucht...

    Lehrer, die Literatur unterrichten (da kommt alles davon mal irgendwann/wie vor) oder Sprachen, oder PoWi oder Ethik oder... müssn immer mit Themen umgehen, die den einen oder anderen persönlich betreffen/betroffen machen/angehen. Das kriegt man hin, wenn man einigermaßen sensibel mit seinen Schülern umgehen kann.

    Meike, Darla schrieb ausdrücklich, sie ist Anfängerin. "Einigermaßen sensibler Umgang" finde ich jetzt als Handlungsanleitung nicht sehr hilfreich. Das kann alles oder nichts bedeuten. Immerzu sensibel sein kann einen auch kaputt machen. Und dass es bei hundert anderen Themen auch schwierig wird, ist auch nicht so ermutigend.

    Ich habe leider nirgendwo gelernt, wie man mit diesen brenzligen Themen umgeht. Zu meinen Fächern gehört es nicht, solche Diskussionen zu leiten. Ehrlich gesagt gerate ich manchmal schon etwas aus der Fassung, wenn ich den fürchterlich naiven Umgang der Schüler mit facebook & Co erlebe und ihre Gleichgültigkeit gegenüber Überwachung, auch Computerviren etc. (in meinem Unterricht diskutieren wird halt in der Regel nicht über Islamismus, und darüber bin ich froh, denn ich hätte dazu nichts beizusteuern als meine persönliche Meinung, und das finde ich ein bisschen wenig). Auf das Fachbezogene kann ich fachlich reagieren, aber auf all die anderen Themen?

    Ich hatte aber mal einen Schüler, der war offensichtlich homophob. Der wollte echt mit mir diskutieren, aber der ließ sich natürlich von nichts überzeugen. Deshalb, ernstgemeinte Frage, was hätte ich tun sollen - ein paar Bildchen zeigen reicht da wohl kaum?!

    Sehr interessante Links, danke!

    Ich möchte anmerken, dass ich dieses "ich verstehe, was du fühlst, aber ich bin bestimmt kein Rassist" nachvollziehbar blöd finde. Ich bin sicher, dass in mir, wie in anderen Leuten auch, Vorbehalte und Kleingeistigkeit steckt, und es ist ein ständiger Prozess, sich selbst gegenüber kritisch zu sein und daran zu arbeiten, eigene Voreingenommenheit zu erkennen und zu bekämpfen.

    Allerdings weiß ich als Frau, die Fächer studiert hat, die überwiegend von Männern studiert werden, sehr gut, wie sich doofe Sprüche anfühlen.

    "Ihr habt ein Programm geschrieben? Läuft das denn?" (eigentlich sind wir Hausfrauen, die Programme haben unsere Männer geschrieben)
    "Was - Mathe? Interessiert dich doch gar nicht! Nimm doch Literatur. Aber doch bestimmt auf Lehramt?" (nein, auf Diplom, ich wusste nicht, dass das für Frauen verboten ist)

    Die tun vielleicht nicht körperlich weh. Das sind aber immer wieder Spitzen, die das Selbstbewusstsein schmälern, und sie verbrauchen Energie, die man besser verwenden könnte.

    "Findest du WIRKLICH, dass Frauen an der Uni immer noch benachteiligt werden?"

    Gerade die letzte Frage zeigt: Manche Sachen verstehen viele Männer offenbar nicht, und viele Verhaltensweisen stecken sehr tief drin. Der Aufruhr um #Aufschrei hat mir gezeigt, wie wenig sich seitdem geändert hat, im Gegenteil, im Vergleich zu der Zeit vor 25 Jahren scheint es eher schlimmer geworden zu sein.

    Ich will die Diskussion nicht kapern und auch nichts relativieren. Ich will nur sagen: Voreingenommenheit muss man bei sich selbst erst einmal wahrnehmen. Wenn man bei sich feststellt, dass man eine Frau eher mit Eigenschaften wie "schlank, hübsch, lustig" und einen Mann mit "hat echt Ahnung" beschreibt, dann hat man schon eine Brille mit zweierlei Wahrnehmungen auf. Und viele Leute merken das gar nicht.

    [Diese Jugendsprache ist oft auch unreflektiert. Ich erinnere mich an "meinen Jugendslang". Ein stehender Begriff war: "Da arbeitet man bis zur Vergasung." Das war witzig gemeint. Verstanden war es von uns so, dass man arbeitet, bis man sich selbst auflöst. Erst später ist mir die brutale Konnotation zur und implementierte Verharmlosung der Judenvernichtung im Dritten Reich bewusst geworden.

    Das war kein Jugendslang, auch nicht eurer. Der Ausdruck ist viel älter, schau mal hier. Ich kann mich selbst erinnern, diesen Ausdruck erstmals von der Mutter einer Freundin gehört zu haben.

    Es mag gedankenloses Nachplappern sein, aber dazu gehörte zuerst mal das gedankenlose Vorplappern.

    Vielen Dank für deine Beiträge, Powerflower! Die Links sind sehr interessant, die "Leidmedien" bringen die Sache gut auf den Punkt und bei Peter Radtke lese ich, dass es halt nicht so einfach ist.

    Das ist es wirklich nicht. Ich erlebte bei einer Veranstaltung, dass ein blinder Mann darum bat, zur Toilette geführt zu werden. Da stand einer auf und sagte: "Klar. Sagen Sie mir, was ich tun soll. Ich habe noch nie einen Blinden geführt." Ich habe diese erfrischende, unverkrampfte Offenheit bewundert und gedacht, dass ich in lauter Unsicherheit darüber, was ich sagen und tun soll, in Krampf erstarre und dass damit niemandem geholfen ist. Es ist sicher wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, was und wie man redet und - speziell als Journalist - schreibt, und einige Beispiele bei den "Leidmedien" sind mir auch schon oft aufgefallen (speziell dieses "er bewältigt sein Schicksal heldenhaft, obwohl ..." verursacht mir immer Widerwillen).

    Diese Sprachregelungen sind Ausdruck eines Prozesses, man kann sie nicht verordnen. Einige Ausdrücke setzen sich durch, andere nicht. Es ist nicht gelungen, die Kalorien durch Joule zu ersetzen, und auch das Binnen - I will eigentlich keiner mehr haben. Gemäß "Euphemismuskarussell" ist es nur eine Frage der Zeit, bis "Inklusion" auch zum Schimpfwort verkommt und ersetzt werden muss.

    Die Jugendlichen haben feine Antennen und ihre Sprache bringt manches zum Ausdruck. Sie lassen sich von Tabus nicht abschrecken. Natürlich bleiben wir mit ihnen im Gespräch und machen sie aufmerksam, wenn sie gedankenlos vor sich hin plappern und -schimpfen und ihre Sprache kränkend und diskriminierend ist. Aber unser Einfluss ist beschränkt. Die Jugendlichen untereinander haben ihren eigenen Sprachcode, und der Klang, den ein Wort für sie hat, ist ein anderer als das, was ich da heraushöre. Es ist ein bisschen wie eine Fremdsprache. Man muss da erst richtig eintauchen, bis man begreift, wie bestimmte Ausdrücke gemeint sind. Bei der Jugendsprache ist das nicht so einfach, weil die Vokabeln größtenteils die unsrigen sind, und sich doch etwas anderes dahinter verbergen kann (nicht muss).

    In meiner Gegenwart reden die Jugendlichen in der Regel "zivilisiert", aber meine Tochter zum Beispiel reagiert ziemlich grantig, wenn man diese Jugendlichenausdrücke, die man eben doch ab und zu aufschnappt, mal selbst benutzt. Das ist peinlich!

    Gerade in Schulen ist man in Deutschland mit der Barrierefreiheit noch nicht sehr weit. Bei uns ist ein gebrochener Fuß schon ein Problem, weil einige Räume tatsächlich nur über Treppen zu erreichen sind. Irgendwie wird es sich hoffentlich weiterentwickeln. Vielleicht reden Jugendliche nicht immer so, wie wir das wünschen. Aber ich bin trotzdem sicher, dass sie trotzdem an dieser Entwicklung mitarbeiten werden. "Das ist ja behindert!" ist ein gräßlicher Ausruf, aber - und das war auch mein Ansinnen bei meinem Ausgangsposting - es könnte so etwas heißen wie "Das ist absurd, muss sofort geändert werden, ist menschenunwürdig, ..." Und wir hören nur den Tabubruch und das politisch Unkorrekte.

    Und jetzt im Moment, wo ich dies schreibe, verunsichert es mich auch schon wieder. Verstehst du das?

    Gegen einen Blumenstrauß oder ein T-Shirt im Wert von 20 Euro hätte auch ein böswilliger Kollege sicher nichts unternommen. Aber 200 Euro sind schon eine andere Hausnummer - das ist immerhin das Zwanzigfache vom Erlaubten. Die Regelung, die dem leisesten Verdacht der Bestechlichkeit vorbeugen soll, finde ich absolut richtig. Von daher finde ich diese Aufregung entlarvend.

    Auch dass die Schüler schon ihren Abschluss in der Tasche haben, spielt keine Rolle. Es ist doch bekannt, wie so etwas ausarten kann, bei Kindergeburtstagen war man früher auch glücklich, wenn man Schokoladenessen gespielt hat - heute ist es ein Event und einer übertrumpft den anderen. Da ist es schon richtig, einer "Belohnungskultur" von Anfang an einen Riegel vorschiebt. Das ist der Sinn von solchen Regelungen. Und die Lehrerin hätte die kennen müssen.

    Autofahrer oder Mann sind aber keine negativ konnotierten Begriffe und beschreiben keine im Allgemein als unerwünscht geltende Eigenschaften.

    Ich weiß schon, dass das der Grund ist. Das ist es ja gerade. Man macht bei einigen Personengruppen irrsinnige Sprachverrenkungen und gerade das ist im Grunde genommen diskriminierend. Wenn ich es irgendwie unfein finde, ältere und alte Menschen auch so zu nennen (und nicht "Senioren", "Best Ager", "55+"), dann heißt das ja wohl, dass Altsein etwas Unerwünschtes ist.

    Nur weil sich hier ein "Neusprech" breit macht, muss man das nicht als hinnehmbare Ausdrucksweise akzeptieren. Meine Schüler trauen sich in meiner Gegenwart nicht, auf diese Art zu reden, weil sie wissen, wie ich darauf reagiere. :sauer:

    Absolut nachvollziehbar, geht mir ja auch so. Trotzdem glaube ich, wir machen da völlig künstliche Unterscheidungen und haben eine manchmal doch recht verkrampfte Haltung zu dem, was "politisch korrekt" ist und was nicht, und darüber bin ich ins Grübeln geraten. Warum zucken wir bei "behindert" mehr zusammen als bei "bescheuert"? "Neusprech" finde ich vom Prinzip her nichts Schlimmes, die Sprache wandelt sich nun mal.

    "Schwul" war auch mal ein Schimpfwort. Und eine Menge von Fäkalausdrücken gehören mittlerweile beinahe zum guten Ton. Eine umgekehrte Karriere machte z. B. die Bezeichnung "Neger", bei der sich noch meine Mutter wirklich nichts weiter gedacht hat. Oder "Kindergärtnerin". Oder "Putzfrau", wie oben beschrieben.

    Das mit der Reduzierung, Firelilly, da gebe ich dir Recht: Albern. Dann würde man ja mit jeder Eigenschaft einen Menschen auf diese reduzieren.

    Und das ist ja auch immer nur bei ganz bestimmten Eigenschaften kritisch. Dass niemand, wirklich niemand nur "Autofahrer" ist und sich deshalb über Schnee ärgern muss, scheinen die Wettermenschen immer zu vergessen, und die Autofahrer scheint es nicht zu stören, derart reduziert zu werden. Steige ich aus dem Auto, bin ich dann "Person weiblicher Geschlechtszugehörigkeit mit Fahrhintergrund und Kind" und darf mich dann auch endlich freuen, wenn die Welt weiß ist?

    Ihr kennt bestimmt den Ausruf "Wie behindert ist das denn?!" Ich hörte das heute früh mehrfach bei einem recht bekannten Youtuber und das hat mich eigentlich aufgeregt.

    Als ich dann unter der Dusche stand, dachte ich, dass "bescheuert" ja eigentlich auch "behindert" heißt. Nur eben: geistig behindert. Aber wenn man von Bekloppten und Bescheuerten redet wie Wischmeyer in der Heute-Show, findet da niemand was dabei. Von behinderten Menschen zu reden ist allerdings nicht mehr politisch korrekt, da muss es "Menschen mit Behinderungen" heißen. Hm.

    Klingt vielleicht für die Jugendlichen von heute das Wort "behindert" so wie für mich das Wort "bescheuert" - derb, aber nicht beleidigend (nicht, wenn man es allgemein benutzt: "Das ist ...") und ich habe einen Bedeutungswandel verpasst?

    Das hat mich jetzt ernsthaft beschäftigt. Gibt ja noch viele solche Wörter: Beknackt, behämmert ... Was meint ihr?

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