Mir erscheint diese demonstrativ zur Schau getragene Toleranz gegenüber allen möglichen Minderheiten immer etwas selbstgerecht. Unsere Achtung gilt Homosexuellen, weil, "die tun ja niemandem was", aber ein Pädophiler ist der allerletzte Abschaum, obwohl auch er sich diese Neigung nicht ausgesucht hat. Wenn man nur mal einen Bericht von jemand gelesen hat, der pädophile Neigungen hat und dagegen ein Lebtag anzukämpfen hat, müsste man das eigentlich anders sehen. Natürlich müssen Kinder vor Übergriffen geschützt werden, gar keine Frage. Aber die einen Neigungen als "normal" zu begrüßen und die anderen weiterhin als "abartig" zu verteufeln, kommt mir scheinheilig vor. Früher dachten die Menschen eben, dass Homosexualität schadet und abartig sei und man sich dagegen entscheiden könnte, wenn man nur gottesfürchtig genug sei. Nun finden wir uns unglaublich weltoffen, weil wir das nicht mehr so sehen und nun "nur" noch einen Edathy lynchen.
Als hätten wir heute keine Denkverbote mehr. Die haben wir immer noch. Die unterliegen halt Trends wie alles andere. Geschwister, die heiraten, tun auch niemandem was. Trotzdem ist das nach wie vor ein Tabu. Es ist auch kein brauchbares Kriterium für eine "normale" Eigenschaft/Empfindung/Neigung, dass sie niemandem schadet. Eine Menge Dinge sind ebenso schädlich wie normal: Neid, Gier, Aggression ... Andere sind höchst unnormal, aber wir sind dankbar dafür, dass es sie gibt: Die künstlerischen oder wissenschaftlichen Genies zum Beispiel, die uns Freude und/oder Fortschritt bescheren.
Es ist auch sehr häufig, dass Kinder nicht bei ihren Eltern aufwachsen. Aber muss man das jetzt als "normal" akzeptieren? Ich finde es nach wie vor traurig. Und dass es Kindern nicht schadet, wenn sich ihre Eltern streiten und trennen, das ist ja auch nur so eine Mär wie die vom Schreienlassen, das lange empfohlen wurde, weil das "die Lungen stärkt".
Auch hier: Meinungen, die irgendwie nicht passen, werden als schädlich, geschmacklos, unglücklich formuliert ... bezeichnet und vielen Usern gefällt das so. Ist das jetzt Diskussionskultur? Oder ist das die "alternativlos"-Kultur, die immer weiter um sich greift?