Im Hinblick auf das Lesen/Schreiben unterrichte ich fast genauso wie vor 12 Jahren (immer noch an der gleichen Schule), na ja, nun nicht ganz, es hat sich schon einiges verändert.
Seitdem bin ich kontinuierlich damit beschäftigt, meine ABs am Rechner (zu Lese-/Schreibaufgaben, aber auch Mathe, etc) anzupassen,
das Niveau zu senken.
Das AB in seiner ersten Ursprungsform, das damals von allen problemlos bearbeitet werden konnte, ist jetzt nur als qualitative Differenzierung
für 10 % meiner Schüler geeignet.
Was mich irritiert: 12 Jahre sind ja nun keine wahnsinnig lange Zeit (wie es z.B. 40 oder 50 Jahre wären). Wenn man davon ausgeht (und ich denke: man kann es), dass viele Kollegen von Dir sich vor 12 Jahren schon so geäußert hätten wie Du jetzt, und 12 Jahre vorher genauso, dann müsste ja das GS-Niveau vor 24 oder 36 Jahren ungefähr da angesiedelt gewesen sein, wo heute das Gymnasium ist.
Nun habe ich ja das zweifelhafte Vergnügen, auch Grundschüler aus ganz Deutschland unterrichten zu dürfen, und ich habe daher einen ganz guten Vergleich: a) zwischen den Bundesländern, wo zumindest anhand der Bücher kein wesentlicher Unterschied festzustellen ist (in die Lehrpläne habe ich mich aber noch nicht vertieft), und b) zwischen aktuellen GS-Lehrwerken und solchen von anno tobak, wo es deutliche Unterschiede gibt, aber anders als vielleicht vermutet - die heutigen Bücher erscheinen mir nämlich wesentlich anspruchsvoller. Beispiel Mathe: Von Wahrscheinlichkeiten und Zufallsexperimenten habe ich (Grundschule 80 bis 84) am Gymnasium erstmals gehört, mittlerweile scheint das Stoff der 4. Klasse zu sein. In einem 2.-Klass-Mathebuch fand ich kürzlich den Begriff "Ungleichungen" als Kapitelüberschrift. Auch davon habe ich vor dem Gymnasium nichts gewusst (und danach zu wenig, aber das gehört hier nicht hin). Aber vielleicht liegt genau hier auch der Hund begraben - dass die Kinder mit Ungleichungen traktiert werden, bevor sie den Begriff halbwegs verstehen.