Beiträge von chilipaprika

    Aus erneutem Anlass (Lesen, nicht ich selbst) möchte ich gerade meinen Frust abladen.

    Den Satz habe ich so oft im Bezug auf meine Fächer (Korrektur) gehört, im Bezug auf belastete Kolleg*innen, aber auch - und es ärgert mich noch mehr - im Bezug auf andere Berufe, die eben hart oder unangenehm sein können.
    Pflegeleute hätten eben lieber einen Bürojob ergriffen, die Englischlehrerin hätte lieber Sport gewählt, der Bauarbeiter und der Bäcker hätten lieber Einzelhandel lernen sollen.

    Abgesehen davon, dass es oft ziemlich arrogante Sätze von Menschen, die glauben, dass man deren Situation beneidet (Nein, lieber Chemie/Bio-Kollege, ich beneide nicht deinen Alltag fast ohne Korrekturen, ich stelle nur die Ungerechtigkeit der Belastungsverteilungen fest und/oder klage darüber, dass meine Arbeitszeit auf der selben Art und Weise kalkuliert wird), ich bin sicher, der 50jährige rückengeschädtigte Bäcker mag seinen Job, die 60jährige ausgelaugte Krankenschwester auch. Sie wollen nur eine menschlichere Ausgestaltung des Berufs.
    Und: die Jobs braucht man in der Gesellschaft.

    SELBST wenn jetzt alle Chemie und Sport studieren würden: den Deutsch- und Englischlehrer braucht man trotzdem.
    Selbst wenn wir alle im Büro arbeiten würden, die Innenstädte aussterben lassen und bei Amazon bestellen: das Brot macht sich nicht von alleine und Straßen und Häuser müssen auch hergezaubert werden.

    WAS denken also Menschen, wenn sie zu /über einem solchen Menschen "Augen auf bei der Berufswahl!" sagen? Was denkt ihr, wenn ihr es sagt? (also falls ihr es sagt)

    Der Aufstieg die Karriereleiter wird nach oben hin immer steiler, was sicherlich nachvollziehbar ist, wenn man vergleicht, wie viele regulär ausgebildete A13-Lehrer es an einer Sekundarstufenschule gibt, wie sich die Anzahl bereits reduziert, sobald es um Fachbereichsleitungen und insbesondere um Schulleitung geht.

    Noch steiler nach oben wird es dann, wenn man noch die Schulaufsichtsbehörden bzw. final das Kultusministerium hinzunimmt.

    Eine Lehrerin aus meiner eigenen Schulzeit wurde im Laufe der Jahre Schulleiterin und ist inzwischen Leitung eines staatlichen Schulamtes.

    Wie hier in vielen Threads bereits immer mal wieder thematisiert wurde, steigen die meisten Lehrer beim Erklimmen der Karriereleiter irgendwann freiwillig aus, weil man sich natürlich immer weiter vom eigentlichen Unterrichten entfernt und gleichzeitig auch Anforderungen und Verantwortung steigen. Die ganz, ganz hohen Stellen werden zumeist von Gymnasiallehrern (Sek I/II) besetzt, aber es wäre durchaus interessant, zu wissen, wie weit jemand auf einer Sek I-Stelle kommen könnte, wenn derjenige (m/w/d) wirklich primär das Ziel "Karriere" verfolgt und bereit ist, das Maximalmögliche aus seinen formalen Voraussetzungen herauszuholen.

    Ach, hast du deswegen von Grundschule auf weiterführende Schule gewechselt?
    Wenn ich an "meine" Bezirksgregierung denke, ist die Übermacht der Gymleute nicht unbedingt das erste, was mir einfällt. Komischerweise kommen die Dezernent*innen aus ihrem jeweiligen Lehramt, zb. (Krass oder, dass kein Gym-Mensch den Grundschulleuten sagt, wie sich die Welt dreht?)

    Ich vermute, dass Friesin sich auf das jeweilige Objekt bezieht.
    Wer an seinem Arbeitsplatz einen besonders edlen Tischset haben möchte, obwohl die Schule vom Kooperationsunternehmen der beruflichen Orientierung kostenlose geschenkt bekommen hat, wird es sich selbst kaufen. Es gehört nicht zur notwendigen Anschaffung.
    Wenn eine Schule jedem Kollegen einen arbeitsfähigen Laptop / Computer zur Verfügung stellt, kann keine*r vorbei kommen und erklären, dass er stattdessen einen Mac Pro haben möchte.

    Ich finde, es schließt sich nicht aus. Und auch wenn ich ein Fan von Home Office und flexiblen Arbeitszeiten bin, weiß ich, dass es MIR besser gelingt, Arbeit sein zu lassen, wenn ich auch eine zeitliche und räumliche Trennung gestalte. Es ist keine Erwartung an Kolleg*innen, dies wie ich zu machen, ich würde mich aber freuen, wenn meine Schule den passenden Platz anbieten würde.

    und klär im Vorfeld mit der Lehrkraft / den Lehrkräften, wie du angesprochen wirst.
    Komplett anderer Kontext/andere Schulform und passend zum anderen Thread, aber der Praxissemester, der sich in meinem Oberstufenkurs mit "Eyh, ich bin Peter, ihr könnt Du zu mir sagen", den hätte ich am liebsten sofort rausgeworfen. Aber am doofsten fanden das tatsächlich meine SuS ("Eyh, sind wir seine Freunde?").
    Ist in der Grundschule anders, aber es sollte sicher einheitlich sein (wenn die Klassenlehrerin seit 3 Wochen das "Sie" eingeführt hat, oder Nachname statt Vorname).

    Die Idee dahinter ist auch das Bewusstsein für Bildungssprache als transversale Aufgabe zu stärken, nicht unbedingt die Leute für den realen DaF-Unterricht zu qualifizieren.
    Dafür gibt es auch die Zusatzqualifikation.
    Und auch wenn @WillG und ich gerade argumentieren, dass Fremdsprachenlehrkräfte am besten geeignet sind, bin ich sicher, dass wir auch beide die Meinung teilen, dass es nervt, dass neuerdings "jede*r" DaF/DaZ machen darf, der Deutsch als Muttersprache hat und will, als ob wir in unseren Seminaren / unserer Zusatzqualifikation nichts gelernt hätten.


    Spagat zwischen Kritik der Deprofessionalisierung eines Berufsfeldes / eines Faches und übler Lehrermangel, den man beheben soll. Erinnert mich an weitere Felder.

    Mit atemberaubenden 6 LP.

    Damit kann ein Mathe-/Physiklehrer oder ein Englischlehrer natürlich DaZ/DaF unterrichten.

    nee, kann er nicht.
    Es geht und ging hier nicht darum, ob jemand das KANN, sondern wer das am BESTEN kann.

    Der Physiklehrer ist nunmal eher geeignet, Mathe fachfremd zu unterrichten als der Geschichts- oder Biolehrer, der Fremdsprachenlehrer ist besser geeignet als der Deutschlehrer (und sowieso als die Mathelehrer). DaF-Lehrkräfte wären aber natürlich viel besser!

    Als jemand, der selbst Deutsch+Fremdsprache studiert hat und eine Zusatzquali für DaF/DaZ hat:
    DaZ/DaF kann vermutlich ein Fremdsprachenlehrer besser unterrichten als ein Deutschlehrer.

    Warum?


    Weil wir Deutschlehrer*innen zwar Linguistik studieren, aber deskriptiv und im historischen Wandel zb. nicht formativ und didaktisch.

    Wir unterrichten Literatur(analyse, -interpretation, -auseinandersetzung), setzen uns mit verschiedenen Textformen, mit Redemitteln, usw. auseinander aber dabei ist die Grammatik nur ein (allerdings wichtiges, wie ich finde) Mittel unter anderen.

    Wir Fremdsprachenlehrer*innen allerdings lernen Methoden der Wortschatzeinführung, sind damit vertraut, dass Sprachen unterschiedliche Mittel haben, haben gelernt, kontrastiv zu arbeiten und denken nicht (vielleicht wie ein naiver Germanist es tun würde), dass es "nun mal so ist". Wir haben das Handwerkzeug für grammatische Strukturen, auch wenn wir diese erstmal für eine andere Sprache erworben haben.

    Wenn man nicht geduzt werden will, sagt man das. Was bringt es denn, sich darüber im Stillen zu ärgern?

    kann sein.
    Ehrlich gesagt bin ich bisher der Meinung gewesen, dass das Du angeboten wird.
    Wenn ich es nicht schaffe "nein" zu sagen, wenn mir das "angeboten" wird (auch wenn es oft nur rhetorisch ist), dann bin ich selbst schuld und ärgere mich nur über mich selbst oder gar nicht. In einer Bank möchte ich nicht das Ganze gerade rücken. Wie gesagt. Hätte ich alleine auch in der Form gemacht, dass ich klar gemacht hätte, dass ich es nicht will und wäre weggegangen (die ganze Situation war aber mehr als das Du an sich, sondern "eyh, Kumpel, wir machen es alles zusammen". Was leider manchmal halt mitschwingt.)

    Wäre interessant zu wissen: Duzt ihr die Leute bei IKEA, REWE und all diesen Läden, die ihre Kunden ungefragt duzen, zumindest auf ihren Plakaten?

    Ich fühle mich in solchen Läden (also WENN man mich duzt) so schlecht, da bin ich (manchmal wörtlich, sonst immer geistlich) komplett raus. Zum Beispiel in der Bank, da habe ich mich auch gefragt, was das soll. Wäre mein Mann nicht beim Gespräch gewesen, hätte ich auf den Vertrag verzichtet (und rege mich Jahre später noch drüber auf.)

    Ich hatte noch diese Woche eine (Studierenden)Beratung (als Beratende). Ich spreche den Namen der Person leicht unsicher aus und frage nach, ob ich ihn richtig ausspreche (ausländischer Klang). "Kein Problem, Sie können Vorname sagen und duzen"
    Das fand ich einerseits traurig, weil es so eine typische Reaktion ist, zu akzeptieren, dass Menschen den Namen verunstalten (ich habe nie meinen Vornamen angeboten, aber auch darauf verzichtet, meinen Nachnamen zu berichtigen), aber andererseits und das war hier der Punkt: das "Du" wird mir sehr oft von Studierenden angeboten und ich glaube, dass es schon wichtig ist, in gewissen Kontexten Menschen zu zeigen: Sie sind (jetzt) erwachsen, ich nehme Sie ernst. Sie haben Rechte (und Pflichten), Ihre Handlungen haben Konsequenzen.
    Einen hohen Kredit mit einem kumpelhaften Du vergeben, irgendwie... passt es für mich auf Deutsch nicht. (ich kann es nicht mehr hören, dass es auf Englich oder in Dänemark/XY anders sei).

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