Ich sehe das komplett anders: in einem Land, in dem jede dritte Frau sexualisierte Gewalt erfahren hat und die Plätze in Frauenhäusern überbelegt sind, ist Vergewaltigung ein Thema, das behandelt werden muss.
Sexuelle Belästigung, Sexueller Missbrauch, Vergewaltigung sind wichtige Themen, aber ich würde dafür plädieren, dass sie in der Hand von besonderen Projekten und damit bei dafür geschulten Fachkräften.
Ich unterrichte Literatur.
Ich finde dieses Werk an sich eh total schwer und anstrengend, rege mich darüber hinaus über die starke Präsenz von Geschichte auf (das nicht zu meinen Fächern gehört, aber gut), fühle mich aber NICHT in der Lage, diese Szenen angemessen zu behandeln. Ich werde es wohl müssen aber das Gefühl, nicht richtig zu unterrichten, finde ich mies.
Kann übrigens sein, dass ich auch noch mehr Probleme projiziere, weil in meinem letzten Deutschkurs ein Schüler saß, der beim zerbrochnen Krug der Meinung war, Eve sei eine Schlampe, weil sie (ich zitiere weiterhin) die Beine breit gemacht habe und also selber schuld. Da führe ich "gerne" die heftige Diskussion dazu, was ihm einfalle (und der Rest des Kurses war auch mit dabei), bei dem Roman habe ich Bauchschmerzen und wenn es die Intention des Ministeriums /Auswahlkommission ist, mähhh, gebt uns Gelder, Personal und Zeit für Projekte zu solchen Themen. Bringt deutlich mehr als in einer Pflichtlektüre.
Wie soll man sich als Lehrkraft darauf vorbereiten? Ist keine rhetorische Frage, ich fühle mich nicht wohl dabei und habe nicht das Gefühl, ich könnte es "genauso" unterrichten, als würde ich über den Kauf des Hauses des jüdischen Nachbars sprechen.