HIV / Erbrochenes

  • Hallo!


    Ich würde gerne mal eure Meinung zu einem "unschönen" Thema hören.


    Vor einigen Tagen hat sich ein Kind in meiner Klasse übergeben - soll vorkommen und ist an sich nicht dramatisch! Ich habe das Ganze dann brav mit Küchentüchern weggewischt und bin später noch mal mit einem nassen Lappen über die entsprechende Stelle gegangen.


    Nun habe ich erfahren, dass dieses Kind drogenabhängige Eltern hat , bei denen es aber nicht lebt: Die Oma hat das Sorgerecht.


    Eine Freundin machte mich nun darauf aufmerksam, dass dieses Kind "natürlich" ein erhöhtes Risiko hat, mit HIV infiziert zu sein - was mir deshlab solche Sorgen macht, da ich bei der oben beschriebenen Putzktion keine Handschuhe trug.


    Reagiere ich jetzt übertrieben???


    Eine HIV-Infektion des Kindes ist mir nicht bekannt, allerdings unterrichte ich ja auch erst seit kurzem an der Schule. Auf dem Elternsprechtag informierte mich die Oma zwar über die Drogensucht der Eltern, aber von einer HIV-Infektion sagte sie nichts.


    Wie soll ich jetzt weiter vorgehen? Ich kann doch schlecht einfach die Oma anrufen und mal eben nachfragen.


    Hilfe!


    Sina

  • Hi Sina,


    es gibt wohl nur vier Körperflüssigkeiten, mit denen mensch sich mit HIV anstecken kann: Blut, Samen- und Scheidenflüssigkeit und die Muttermilch. Alle diese Flüssigkeiten müssen in offene Wunden oder auf die Schleimhäute gelangen.


    Von daher schätze ich das Risiko beim Putzen von Erbrochenem absolut gegen Null ein.


    Gruß,
    Holger

  • Hallo!


    Das dachte ich bisher auch, aber: es gibt Ansteckungen durch Kontakt mit Erbrochenem. Es sind Einzelfälle, aber in Erbrochenem kann auch Blut sein (das nicht unbedingt sichtbar sein muss).



    Das Risiko ist sicher gering, da stimme ich dir zu, aber irgendwie bleibt dieser Gedanke in meinem Hinterkopf.


    Liebe Grüße,



    Sina

  • Besser als lange Grübeln:
    Oma anrufen, Situation schildern und nachfragen.


    Edit: Evtl. vorher in der Schulleitung nachfragen, ob AIDS nach Bundesseuchengesetz meldepflichtig wäre und ob der Schule Informationen vorliegen.


    Gruß,
    Remus

    Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen - HEnRy vAn dyKe

    Einmal editiert, zuletzt von Remus Lupin ()

  • Hallo sina,


    sehr wahrscheinlich ist nichts passiert.


    Es kann doch sein, dass die drogenabhängigen Eltern in Sachen HIV verantwortlich umgehen, vielleicht haben sie gar kein HIV. HIV wird z.B. durch HIV-infiziertes Blut in unreinen Spritzen übertragen.


    Für eine absolute Gewissheit würde ich einen HIV-Test machen lassen.


    Femina

  • Das Problem in solchen Fällen ist häufiger Hepatitis B als HIV. Je nach Schultyp wird die Impfung auch empfohlen, z.B. Schule für Geistigbehinderte. Uns wurde das schulintern auch nahe gelegt (SfE)
    Ich würde auch bei der Schulleitung nachfragen, ob etwas bekannt ist. Meldepflichtig ist es meines Wissens nach nicht. Im Zweifelsfall ruf die Oma an und frag sie.
    Ich denke aber nicht, dass du dir wegen HIV große Sorgen machen musst. Selbst wenn es theoretisch möglich wäre - auch du hättest eine offene Wunde haben müssen.
    Für die Zukunft - Handschuhe verwenden, auch beim Versorgen von Wunden. Die Dinger sind nicht teuer. Ebenso sollte Sterilium (Desinfektionsmittel für die Hände) vorhanden sein, erhältlich in der Apotheke und ebenfalls nicht teuer.
    Na ja, und ich würde je nach Schulform bzw Einzugsgebiet eben noch die Hep B Impfung empfehlen.

  • Hallo!


    Soweit ich weiß, ist HIV nicht meldepflichtig. Wenn etwas bekannt wäre an der Schule, hätte mir die vorherige Klassenlehrerin etwas gesagt - sie hat mich auch sofort darauf hingewiesen, dass die Eltern des Jungen drogenabhängig sind.
    An dem Tag als die Oma ihren Enkel wegen Übelkeit dann von der Schule abgeholt hat, hat sie mir auch nichts gesagt (allerdings wusste sie auch nicht, dass der Boden gewischt werden musste). Ich bin zwar noch nicht ganz beruhigt, aber auch nicht völlig panisch. Nach den Ferien werde ich noch einmal genau bei der Schulleitung nachfragen.
    Die Oma anzusprechen (und besonders jetzt in den Ferien telefonisch) käme mir irgendwie komisch vor -gerade weil es so unwahrscheinlich klingt und vielleicht tatsächlich überreagiert wäre.


    Was die Sache mit der offenen Wunde angeht: meine Hände sind extrem trocken und oft zwischen den Finger etwas offen - tut nicht weh, wäre aber in diesem Fall natürlich eine Gefahrenquelle.


    Von einer Krankenschwester weiß ich mittlerweile auch, dass eigentlich eine Ansteckung unwahrscheinlich ist. Sie sagte, ich solle mir keine Sorgen machen, sogar einen Test hielt sie für unnötig.



    Werde ihn wohl trotzdem machen lassen und bei nächster Gelegenheit meinen Hausarzt mal genauer fragen - auch wegen der Hepatitis B -Sache.



    Über weitere Antworten freue ich mich trotzdem noch


    Sina

  • Ich habe auch keine Fachkenntnisse, aber ich halte eine HIV-Infektion auch für unwahrscheinlich. So lange überleben die Viren ja nicht an der Luft, abgesehen davon, dass sie nicht in Erbrochenem sind, sondern nur in den geschildterten Flüssigkeiten. Was ja auch noch hinzukommt, ist, dass die Magensäure im Erbrochenen ja recht aggressiv ist.
    Ich glaube, ich würde aber in Zukunft bei jedem (!) Kind Handschuhe tragen, wenn ich Erbrochenes weggwische.
    Ich würde in der Tat mich wegen Hepatitis untersuchen und impfen lassen - dies aber auch generell, wer mit vielen in Kontakt kommt, ist auch immer einem höheren Risiko ausgesetzt.

  • Hallo


    Zitat

    Ich würde in der Tat mich wegen Hepatitis untersuchen und impfen lassen - dies aber auch generell, wer mit vielen in Kontakt kommt, ist auch immer einem höheren Risiko ausgesetzt.


    Ich halte einen HIV Test für unnötig - würde mich jedoch schnellstens gegen Hep impfen lassen - die Ansteckungswahrscheinlichkeit ist um ein vielfaches höher als HIV.....außerdem würde ich dir raten, jederzeit Einmalhandschuhe in Griffweite zu haben (mein Tipp: ein Paar Handschuhe passen genau in eine gelbe Ü Ei Verpackung :D )


    mg shopgirl

  • Zitat

    Shopgirl schrieb am 20.03.2005 17:00:
    mein Tipp: ein Paar Handschuhe passen genau in eine gelbe Ü Ei Verpackung :D


    Hallo Shopgirl,


    der war nun wirklich gut. Nachdem ich bei uns die Erste-Hilfe-Kurse geben darf, kommt dauern jemand mit kleineren Verletzungen zu mir gerannt. Und bisher nahmen die Dinger immer unverschämt viel Platz im Pult oder der Tasche weg.


    Gruß,
    Holger

  • Hallo sina,


    bestimmt bleibt ein Restrisiko. Deshalb solltest Du neben medizinischen Aspekten auch folgendes tun:
    Den Vorfall der vorgesetzten Behörde schriftlich melden und für eine Dokumentation sorgen! Sollte das große Unglück doch zuschlagen, ist es für Dich wichtig, dass es ein "Dienstunfall" war. Das hat etliche Konsequenzen für Deine eventuelle Versorgung.
    Ich hoffe natürlich, dass Dir nichts passiert ist, aber ganz ausschließen kann es wohl keiner.
    Ein HIV-Test schlägt meines Wissens frühestens ein halbes Jahr nach einer Ansteckung Alarm.


    Alles gute, gemo = Georg Mohr

    Glückliche Kinderaugen machen glücklich !
    "Lehren" = beim Lernen unterstützen + "Erziehen" ist noch wichtiger als "Stoff" vermitteln.

  • Eigentlich sollte ein HIV-Test sofort gemacht werden, um nachzuweisen, dass man zu diesem Zeitpunkt noch nicht HIV-infiziert ist. (Die Antikörper lassen sich erst einige Zeit später nachweisen). Ein weiterer Test sollte nach einigen Wochen (den genauen Zeitpunkt sollte ein Arzt dir mitteilen können) gemacht werden, um zu sehen, ob du dich infiziert hast.
    Melden würde ich den Vorgang auch jemandem (gibts für Lehrer auch eine Berufsgenossenschaft?).


    Aber ich denke auch, dass das HIV-Risiko in solch einem Fall eher gering ist weil die Viren außerhalb von Körperflüssigkeiten nicht sehr stabil sind. Hepatitis könnte eher sein - also für die Zukunft: impfen lassen.

  • Hey Sina,


    deine Sorge kann ich gut verstehen, aber es wird sehr unwahrscheinlich sein, dass du dich infizieren konntest.
    Falls deine Hände keine Wunden hatten und du auch kein Blutkontakt etc. hattest, wird das kein Problem sein.
    Ich würde auch nicht unbedingt einen Test machen, aber du kannst natürlich auf Nummer sicher gehen.
    Hast du denn eine Hepatitis B Impfung, um diesen Fall auszuschließen?


    Nimm´s nicht so schwer!


    Steffi :D

  • Hallo!


    Ich habe mittlerweile mit zwei Ärzten gesprochen. Beide wiesen drauf hin, dass es noch gar keinen Beweis dafür gibt, dass das Kind überhaupt eine Krankheit hat.


    Ebenso hielten beide eine Infizierung mit HIV oder Hepatitis für sehr unwahrscheinlich. Einer der beiden riet mir aber auch zu der Hepatitis-Impfung.


    Ich werde mich wohl in einigen Wochen auf beides testen lassen und dann sofort eine Hep-Impfung machen lassen.


    Ich versuche mir keine Sorgen zu machen, da alle, mit denen ich drüber gesprochen habe, auch meinten, dass die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung äußerst gering / gleich Null sei.


    Besonders schnell hätte ich natürlich Sicherheit, wenn ich die Oma des Kindes ansprechen würde, aber ich weiß absolut nicht wie. Ich kann ja schlecht sagen "Entschuldigung, kleine Frage: Hat ihr Enkelkind sich evtl. bei seinen Eltern mit etwas angesteckt? Oder sind auch die Eltern völlig gesund?"
    Verzwickte Situation. Was würdet ihr machen?


    Liebe Grüße


    Sina

  • Zitat

    sina schrieb am 22.03.2005 18:37:
    Besonders schnell hätte ich natürlich Sicherheit, wenn ich die Oma des Kindes ansprechen würde, aber ich weiß absolut nicht wie. Ich kann ja schlecht sagen "Entschuldigung, kleine Frage: Hat ihr Enkelkind sich evtl. bei seinen Eltern mit etwas angesteckt? Oder sind auch die Eltern völlig gesund?"
    Verzwickte Situation. Was würdet ihr machen?


    Hallo Sina,
    ich würde die Oma schon anrufen und fragen. Denn mir würde das Thema auch trotz aller Unwahrscheinlichkeit keine Ruhe lassen.
    Ich würde ihr sagen, dass es wichtig für die Lehrer der Schule zu wissen ist, ob evtl. eine Krankheit des Kindes vorliegt, um dann in gewissen Situationen für alle Beteiligten angemessen handeln zu können. Die konkrete Situation würde ich auch ansprechen.
    Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass das Kind wirklich infiziert ist und die Schule nicht Bescheid weiß. Denn das wäre doch in erster Linie ein Risiko für die anderen Kinder. Wie oft passiert es, dass sich ein Kind auf dem Schulhof verletzt und blutet und wie schnell können andere Kinder damit in Kontakt kommen...


    Wie gesagt, ich halte es auch für sehr unwahrscheinlich, würde aber auf jeden Fall die Oma kontaktieren.


    Alles Gute und
    LG Lea

    • Offizieller Beitrag

    Wie die anderen und zwei Ärzte dir schon sagten: die Gefahr, sich über Erbrochenes mit HIV zu infizieren tendiert gegen Null!


    Nun mach dich mal nicht so verrückt! Die Hep-Impfung ist sicher ne gute Sache, aber Panik wegen HIV musst du wirklich nicht haben!


    Was die Sache mit dem Arbeitsunfall angeht, ist es bei Infektionen eh schwierig. Weis mal nach, dass du dir das in der Schule geholt hast.


    Also: keep cool! Aids hast du dir da ganz sicher nicht geholt!


    Ansonsten finde ich die Ü-Ei-Idee auch gut. Erbrochenes ohne Handschuhe weg zu machen finde ich so oder so eklig.


    LG, Melosine

  • Hallo Sina,


    soweit ich weiß, ist ein HIV-Virus nicht unmittelbar nach der Ansteckung nachweisbar. Ich bilde mir ein, erst drei Monate danach, aber sicher bin ich mir nicht.


    Ich denke aber auch, dass du dich nicht verrückt machen solltest (leicht gesagt, ich weiß). Ruf doch die Oma an. Das, was Lea sagt, klingt auch einleuchtend.

  • Hallo Sina,
    ich hoffe ja auch, dass nichts Schlimmes passiert ist.
    Aber kein bisher gebrachtes Argument würde mich davon abhalten, den Vorgang und Dein Bedenken auf eventuelle Ansteckung jedweder Krankheit auf dem Dienstweg (Schulleitung; mit Empfangsbescheinigung auf Kopie Deines Schreibens) an Deinen Dienstherren zu melden und um "Veranlassung alles Notwendigen" zu bitten. Dort weiß man besser als alle von uns, was angebracht und für die Behörde notwendig ist. Und falls dort was versäumt wird, ist es später deren Schuld. "Fürsorgepflicht !"


    Hab' auch keine Hemmungen, weil Du vielleicht voreilig unvorsichtig ohne Gummihandschuhe gehandelt hast. Nach meiner Meinung war es nicht "grob fahrlässig" und auf jeden Fall im Dienst und sogar eine wahrscheinlich "notwendige Diensthandlung". Wer hätte es sonst tun sollen. ? Für solche Fälle müssten alle Klassenzimmer "von Amts wegen" mit entsprechenden Handschuhen ausgestattet sein. Ähnliches ist weiter denkbar und notwendig.


    Gleichzeitig würde ich ein Protokoll über den Vorfall und mein Tun anfertigen und es von so vielen Zeugen wie möglich, auch allen Kindern, unterschreiben lassen ("So selbst beobachtet: ...).


    Ich hätte bei so gravierenden Ansteckungsbedenken/-ängsten auch keine Hemmungen, zusätzlich die Großmutter anzusprechen - auch wenn es schwer fällt. Die Sorge um Deine Gesundheit sollte Dir viel wichtiger sein als der evtl. Schreck der Großmutter - die ja weiß, was mit den Eltern ist. Selbst dann würde ich noch unsicher bleiben, ob sie mir alles gesagt und richtig eingeschätzt hat. Würde sie das Gespräch verweigern, würde ich ihr ein Einschreiben mit Rückschein senden oder/und den Vorgang dem Gesundheitsamt schriftlich melden. Mündlich spielen alle die Sache gerne herunter, weil sie sonst Arbeit bekommen.
    In der Abwägung der Gewichte der verschiedenen Aspekte würde ich so vorgehen. Es geht schließlich um die eventuelle Ansteckung mit mehreren lebensgefährlichen Krankheiten !
    Ich denke, ich schreibe zurecht hier Klartext und "schmiere Dir keine Beruhigungen um den Mund".
    Niemand hat das Ansteckungsrisiko fundiert völlig ausgeschlossen - und kann es auch gar nicht.


    Viele Grüße mit allen guten Wünschen, gemo = Georg Mohr

    Glückliche Kinderaugen machen glücklich !
    "Lehren" = beim Lernen unterstützen + "Erziehen" ist noch wichtiger als "Stoff" vermitteln.

    Einmal editiert, zuletzt von gemo ()

  • Ich denke, Beruhigungen "um den Mund schmieren" tut hier keiner! Hellseher sind wir alle nicht. Aber ich weiß auch nicht, was ich davon halten soll, wenn du zunehmend davon ausgehst, dass das Kind infektiös ist, weil seine Eltern drogenabhängig sind

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