"Schüler dort abholen, wo sie stehen"...

  • ... wie ich diesen Satz gehasst habe. Irgendwann war das nur noch inhaltsleeres Blabla in meinem Studium, weil alle damit um sich geschmissen haben (gerne auch im Zusammenhang mit "Veränderter Kindheit"), aber glaube ich niemand wirklich den Hintergrund sehen wollte. Aber egal.


    Worum es mir eigentlich geht: Kann man diese Aussage zu einem "allgemeingültigen pädagogischen Grundtenor" zuordnen oder gibt es tatsächlich jemanden, der dies geprägt hat, dem diese Aussagen zuzuordnen sind.


    Habe in Keck/Sandfuchs Schulüpädagogik geschaut, aber bin nicht wirklich fündig geworden. Würde gerne in meiner Examensarbeit damit argumentieren (Pro Lernspiele im Unterricht in Anknüpfung an den kindlichen Spieltrieb) und weiß nicht so recht wie ich das schreiben bzw. belegen soll.


    LG und Danke
    Schmeili

    • Offizieller Beitrag

    Beim Suchen bei Google ("dort abholen, wo sie stehen") zeigt sich, dass die Wendung nicht nur in Bezug auf Schule genutzt wird. Denke deshalb, dass man es niemanden zuordnen kann.


    Gruß leppy

  • Zitat

    ... wie ich diesen Satz gehasst habe. Irgendwann war das nur noch inhaltsleeres Blabla in meinem Studium, weil alle damit um sich geschmissen haben (gerne auch im Zusammenhang mit "Veränderter Kindheit"), aber glaube ich niemand wirklich den Hintergrund sehen wollte. Aber egal.


    Warum möchtest Du eine Deiner Meinung nach hohle Phrase in Deiner Staatsarbeit zitieren? ?(

  • Ich weiß, dass dieser Satz in H.Meyer: Schulpädagogik I zu finden ist im Rahmen des Aufsatzes über dieerzieherische Dimension von Unterricht. Ob er diesen Satz auch geprägt hat, weiß ich nicht, aber man könnte ihn hieraus zitieren!


    LG, Juliet

    Traue jemandem etwas zu und er wird sich darum bemühen, diesem Vertrauen zu entsprechen. (Don Bosco)

  • Zitat

    Dudelhuhn schrieb am 22.11.2006 17:33:




    Warum möchtest Du eine Deiner Meinung nach hohle Phrase in Deiner Staatsarbeit zitieren? ?(


    Hallo Dudel!
    Du hast mich falsch verstanden. Die Phrase an sich finde ich nicht hohl, sie ist nur (wie vieles) während einiger Uni-Seminare dazu verkommen.
    Im Gegenteil: Ich finde es wichtig, dass man eben genau schaut, was ein Kind kann, was ein Kind mag und dieses als Ansatzpunkte für weiteres Arbeiten nimmt. Genau aus diesem Grund will möchte ich es auch Zitieren.
    Hoffe du verstehst was ich meine.
    LG Schmeili


    Edit: Danke Leppy, manchmal bin ich doof. Habe sämtliche meiner Päd-Bücher durchsucht, bei wiki geschaut aber auf google *düdelüt* Ich sag mal nix ;) Danke, ich schaue dann dort nocheinmal und werde es wohl allgemein formulieren...

  • Zitat

    Schmeili schrieb am 22.11.2006 19:48:



    Hallo Dudel!
    Du hast mich falsch verstanden. Die Phrase an sich finde ich nicht hohl, sie ist nur (wie vieles) während einiger Uni-Seminare dazu verkommen.
    Im Gegenteil: Ich finde es wichtig, dass man eben genau schaut, was ein Kind kann, was ein Kind mag und dieses als Ansatzpunkte für weiteres Arbeiten nimmt. ...


    Und genau das ist das Hohle daran, wenn man nämlich 30 Kinder vor sich sitzen hat und jedes da abholen soll, wo es steht. In der Theorie hört es sich wunderbar an. In der Praxis ist es undurchführbar. Ich weiß wovon ich rede, da wir gerade ein Förderkonzept zur individuellen Förderung der Kinder entwickeln müssen. Ich habe schon überlegt die AB`s zur Korrektur an das KuMi zu schicken, ich kommen jedenfalls nicht mehr nach. Mein Tag hat leider nur 24 Stunden und 5 Stunden Schlaf gönne ich mir nun mal. Die Planung des normalen Unterrichtes bleibt dabei auch auf der Strecke und muss improvisiert werden.


    Also schreib bitte nicht nur, dass man das genauso machen müsste, sondern versuche auch kritisch zu durchleuchten, wie man etwas Undürchführbares durchführen soll.

    Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient.

  • Muss man denn diesen Satz so verstehen, dass ich auf jedes einzelne Kind eingehen soll? Für mich habe ich ihn eher so ausgelegt, dass ich bei meiner Unterrichtsgestaltung darauf achte, welchen Wissens- und Erfahrungsstand die Klasse denn generell hat, also altersbedingt, durch Vorwissen, durch Weltwissen etc.
    Natürlich habe ich in der Sek I/II auch nicht so die Bandbreite wie Lehrer an anderen Schularten...
    Gruß,
    Eliah

  • "...wenn man nämlich 30 Kinder vor sich sitzen hat und jedes da abholen soll, wo es steht..."
    dann merkt man, dass sowas mit traditioneller Arbeitsweise, dem unterricht für alle gleichzeitig und gleich schnell nicht geht.
    also muss man schauen, ob der umgang mit lernen auch anders möglich ist.

  • Zitat

    robischon schrieb am 25.11.2006 10:25:
    "...wenn man nämlich 30 Kinder vor sich sitzen hat und jedes da abholen soll, wo es steht..."
    dann merkt man, dass sowas mit traditioneller Arbeitsweise, dem unterricht für alle gleichzeitig und gleich schnell nicht geht.
    also muss man schauen, ob der umgang mit lernen auch anders möglich ist.


    Oder man geht einige Schritte zurück zu diesem Wissensstand, der dem "unwissenstem Schüler" entspricht und "holt diesen dort ab, wo er steht."


    Den anderen erklärt man, dass es nicht schadet, das bereits Gelernte ruhig nochmals zu wiederholen und das Verständis aufzubringen, dass jeder Mensch sich vom anderen unterscheidet, nicht nur durch das Aussehen.


    Wir müssen das in jedem Hauptschulkurs so machen, weil manche unserer Spezialisten schon seit der 7.Klasse nicht mehr in der (Haupt-)Schule waren und andere dafür in ihrer 10.Klasse (Realschule) erst "abstürzten" wegen Drogen usw. Somit ist unterschiedlichster Wissensstand garantiert.


    Es gibt noch einen anderen Aspekt dieses Satzes, Schmeili:
    Wenn ich in eine Klasse komme, die aufgewühlt aus der Pause kommt, weil dort irgendwas passierte, muss ich sie "aus der Pause abholen" und schnellstmöglich beruhigen, weil sonst das Unterrichtsziel nicht erreichbar ist.

  • Zitat

    row-k schrieb am 25.11.2006 13:10:
    Oder man geht einige Schritte zurück zu diesem Wissensstand, der dem "unwissenstem Schüler" entspricht und "holt diesen dort ab, wo er steht."


    Den anderen erklärt man, dass es nicht schadet, das bereits Gelernte ruhig nochmals zu wiederholen und das Verständis aufzubringen, dass jeder Mensch sich vom anderen unterscheidet, nicht nur durch das Aussehen.


    Wir müssen das in jedem Hauptschulkurs so machen, weil manche unserer Spezialisten schon seit der 7.Klasse nicht mehr in der (Haupt-)Schule waren und andere dafür in ihrer 10.Klasse (Realschule) erst "abstürzten" wegen Drogen usw. Somit ist unterschiedlichster Wissensstand garantiert.


    Ganz tolle Idee, da stehen Schüler auch voll drauf. Alles wegen so nem blöden Idioten (Schülermeinung!!!!!!!!!) der nie da war zu wiederholen. Ganz großes Kino was dann in den Klassen abgeht.
    Also ich kann nur sagen, da würden meine Schüler aber so was von über Tische und Bänke gehen.
    Ich hätte einen dabei, der nur noch mit dem Spuckerohr hantieren würde, ein Mädel würd anfangenn Briefe durch die komplette klasse zu schicken. Ein anderer würde schlafen und zwei würden sich nach 10 minuten die Köppe einschlagen!
    Aber hey, wiederholen ist gut, dann kann auch FranzPeter endlich mitkommen. Na da will ich in meiner Klasse nicht FranzPeter sein, echt nicht!


    Grüße, Sunny!

    Tschacka!


    <img src="http://img113.imageshack.us/img113/6624/zwanzigklein7xb.jpg">

    Einmal editiert, zuletzt von Sunrise1408 ()

  • Zitat

    Sunrise1408 schrieb am 25.11.2006 13:31:
    ...Also ich kann nur sagen, da würden meine Schüler aber so was von über Tische und Bänke gehen...


    Tja, das mag sein.


    Vielleicht hattest Du es überlesen oder anders verstanden, dass wir das ZU ANFANG jedes Kurses so machen. Allerdings hatte ich auch das "Zu-Anfang" hier nicht geschrieben. Entschuldige bitte!

  • Zitat

    row-k schrieb am 25.11.2006 13:10


    Es gibt noch einen anderen Aspekt dieses Satzes, Schmeili:
    Wenn ich in eine Klasse komme, die aufgewühlt aus der Pause kommt, weil dort irgendwas passierte, muss ich sie "aus der Pause abholen" und schnellstmöglich beruhigen, weil sonst das Unterrichtsziel nicht erreichbar ist.


    Du hast Recht Row-k, ähnlich sehe ich es auch.
    Wie ich schon in meinem Ausgangsposting geschrieben habe, geht es mir eher um den methodischen ASpekt der auch in diesem Satz steckt. (Lernen in Spielen).


    Die ganze andere Diskussion die hier entstanden ist: Nunja, natürlich ist es sehr schwierig jedem einzelnen Kind gerecht zu werden, aber manchmal hilft es ja schon wenn man es versucht.
    Wie sagte doch ein Werbespot: Nichts ist unmöglich. Und wenn es unmöglich erscheint, muss man überlegen, wie man es möglich machen kann (Stichwort: Sytemveränderungen).

    LG Schmeili

  • Zitat

    Schmeili schrieb am 25.11.2006 13:52:
    ...
    Wie ich schon in meinem Ausgangsposting geschrieben habe, geht es mir eher um den methodischen ASpekt der auch in diesem Satz steckt. (Lernen in Spielen)...


    Was das betrifft, muss ich mal für robischon "Werbung machen" und hoffe, dass das nicht als verboten aufgefasst wird. Rolfs Webseiten sind diesbezüglich sehr interessant, denn er knüpft bei kindlichen Neigungen an, holt also auch ab.

  • danke für die werbung, row-k.
    allerdings geht es bei meinem umgang mit dem lernen (s0 sag ich konsequent statt unterricht) wirklich nicht um abholen.
    ich bin wirklich dafür, kinder, jugendliche und junge erwachsene auf eigenen füßen gehen zu lassen.
    beim selbstorganisierten kooperativen lernen gibt es nicht solche gegenwehr wie bei dem fremdorganisierten gelenkten gleichzeitigen unterricht für eine gruppe die angeblich auf gleichem entwicklungsstand ist.

  • was dir auf jeden fall helfen kann, ist das konzept von reinhard kutzer "mathematik entdecken und verstehen". er geht davon aus, dass man ein kind nach einer lernstandsdiagnose "dort abholt, wo es im hinblick auf ein vorgegebenes lernziel" steht.


    es handelt sich hier keineswegs um eine phrase, sondern um das, was man möglichst gut hinbekommen sollte im unterricht: an vorkenntnisse anknüpfen, keine lernschritte verlangen, zu denen die vorraussetzungen nicht vorhanden sind, eventuell mit informeller diagnostik herausfinden, welche gegebenheiten da sind. was bringt es mir, wenn ich das kind im zahlenraum bis 100 rechnen lasse, aber merke es hat überhaupt keine grundkenntnisse über den aufbau des dezimalen stellensystems! klar, ist es schwierig bei einer großen gruppe, aber ich empfinde es als unseren auftrag einen genaueren blick auf die ausgangslage zu kriegen und damit vor allem zu verstehen, warum was nicht geht und nicht zu entschuldigen mit "der kann das eh nicht".

    Wen Du nicht mit Wissen beeindrucken kannst, den verwirre mit Schwachsinn!!

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