Nach der WM: Deutschlandbild in anderen Ländern?

  • Hallo!


    Heute geht ja die WM zu Ende und ich finde, dass es wirklich vier tolle Wochen waren (und das, obwohl ich nun wirklich nicht der allergrößte Fußball-Fan bin...). Unserem Land hat diese Zeit auf jeden Fall richtig gut getan, finde ich. Endlich lächeln oder lachen die Menschen wieder mehr und es hat sich ja auch ein Gemeinschaftsgefühl / Nationalstolz entwickelt. Hoffentlich bleibt das so!


    Weiß jemand von euch, wie das Ausland unser Land während der WM wahrgenommen hat? Vielleicht hat ja jemand Freunde und Bekannte in anderen Ländern, die darüber berichtet haben? Es gab/gibt ja immer viele Vorurteile (die wir ja häufig auch anderen Ländern gegenüber haben) und mich würde interessieren, inwieweit z.B. damit aufgeräumt wurde, inwieweit das Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" verwirklicht wurde etc.


    Würde mich wirklich sehr interessieren, also, wer was weiß, soll bitte hier posten!


    Einen schönen sonnigen Finalsonntag noch!

  • Meine Schwester arbeitet in den Niederlanden und schickte mir vor ein paar Tagen die (von ihr gefertigte) Übersetzung eines niederländischen Artikels zu. Er heißt "Stolz auf Deutschland?":



    "Trotz des Ausscheidens im Halbfinale ist die Fußball-Weltmeisterschaft ein wahres Volksfest geworden. Ein Land, dass so lange mit der Vergangenheit gerungen hat, hat diesen Sommer entdeckt, dass es sich nicht mehr vor sich selbst schämen muss. Was dort in Deutschland passiert, ist feite eine Art „Pim Fortuyn Moment“. Von einem Tag auf den anderen erkannt man, dass man nicht automatisch ein Neo-Nazi ist, wenn man stolz auf Deutschland ist. Darum feierten die Deutschen kräftig, schwenkten sie stolz ihre Fahne und jubelten dem Team zu.



    Zu Beginn der Weltmeisterschaft brachte ein Niederländischer Betrieb einen orangenen Nazi-Helm auf den Markt. Nichts ist in den Niederlanden so symbolisch für den zweiten Weltkrieg, wie genau dieser Helm. Ein Helm, mit dem man übrigens in Deutschland in kein Stadion reinkommt, weil solche Symbole von Deutschlands Kriegsvergangenheit dort verboten sind. Geschmacklose Scherze wie dieser verraten uns oft über den Urheber mehr, als über denjenigen, gegen wen er sich richten soll, und jeder weiß, dass „Deutsche Hassen“ in den Niederlanden lange Zeit ein Volkssport Nummer 1 war.



    Der Nazihelm ist bezeichnend für die Feigheit von bestimmten Niederländern, die sich trauen, Deutsche zu beleidigen, aber harmloses Zusammenleben nichts. Das ist einfach, weil wir allzu gut wissen, dass wir die Deutschen nicht zu fürchten haben. Dieser Helm zeigt uns außerdem, wie welche verschiedene Weisen die Vergangenheit verarbeitet wurde. Oder eigentlich nicht verarbeitet wurde. Warum gibt es in diesem Land Menschen, die es als nötig empfinden, den Deutschen während einer für sie so festlichen Periode ihre schreckliche Vergangenheit aufzuzeigen? Immerhin, es waren die Deutschen, die sich wie keine anderen mit der Vergangenheit beschäftigt haben. Dies war wirklich nicht selbstverständlich. Während die Niederländer sich nach dem Krieg auf die Brust geklopft haben, hatten die Deutschen keine andere Wahl, als sich ihrer Schuld zu bekennen und das Ruder umzudrehen. Das haben sie dann auch gemacht und das Resultat scheint da zu sein. Europäer können sich keine besseren Nachbarn wünschen als dieses neue Deutschland, und das nicht nur aus ökonomischen Gesichtspunkten. Wer in Deutschland zu besuch ist, trifft ein freundliches und gastfreundliches Volk.



    Weil Deutschland sich mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt hat, haben Deutsche viel weniger Bedarf, Israelis mit Nazis zu vergleichen, wie Bewohner von anderen Ländern wie z.B. Frankreich, die Niederlande und Belgien. Alles Länder, in denen man sich – oft zu unrecht – eine heroische Rolle während des zweiten Weltkriegs zu geschrieben hat, und wo Schuldgefühle noch nicht verarbeitet sind.



    Wer ein Blick auf die Webseite der Amerikanischen Anti-Defamation League, und um genau zu sein, auf die „Global Anti-Semitismus“ Seite wirft, merkt, dass Deutschland dort der große Außenseiter ist. In einer Studie der ADL über Antisemitismus in Europa, liegt Deutschland konsequent auf einem niedrigen Niveau. Die einzige Ausnahme ist, dass 50% der Deutschen finden, dass Juden viel zuviel über den Holocaust sprechen. An sich ist das begreiflich. Die Schlussfolgerung ist jedoch, dass in Deutschland nicht oder kaum Sprache ist von Antisemitismus, und auch das kann einmal gesagt werden.



    Ich hätte gerne einen Deutschen Sieg bei der Weltmeisterschaft gesehen. Von Fußball verstehe ich nicht viel, aber das vereinigte, friedliche Deutschland verdient nach 61 Jahren sehr wohl ein Fest seines selbst."




    (Original Artikel aus der Zeitung "Het vrije Volk", eine parteiunabhängige Zeitung: http://www.hetvrijevolk.com/in…&titel=Trots_op_Duitsland )

  • Das ist ja ein toller Artikel, AK! Hoffentlich war es keine Einzelmeinung ...
    Gruß venti :)

  • Ich hab zwar keine tollen Links aber im MOment laufen ganz viele Reortagen im Fernsehen über die Wm mit Interviews von Passanten (viele Ausländer). Und alle haben gesagt, dass sie ein total falsches Bild von den Deustchen hatten. Die meisten dachten wohl, wir wären verbissen und unfreudnlich und könnten nicht feiern und nach der WM haben viele dieses Bild nicht mehr. Sie haben berichten, dass sie hier sehr gut aufgenommen wurden, dass alle freudlich waren und vor allem sehr gastfreundlich. Ein Deutscher muss wohl seinen kompletten Garten zum Campen zur Verfügung gestell haben und hat die Gäste da mit Essen und Trinken versogt.....natürlich fiel auch das Wort NAtionalstolz und viele meinten, dass sie es gut finden, dass die Deutschen endlich auch Flagge zeigen können und wieder stolz auf ihr Land sind. Natürlich gab es auch einige ITALIENISCHE Ausnahmen, die meinsten, wir können damit nicht umgehen und wären schlechte VErlieren, würden alle zusammenschlagen und beschimpfen aber diese Aussage hab ich dezent ignoriert...... ;)

    2 teach is
    +2 touch lives
    =4 ever

    Einmal editiert, zuletzt von Engelchen ()

  • Den Link finde ich jetzt wirklich interessant, Lelaina, danke! Habe den halben Nachmittag davor verbracht *schäm* - gut, dass Ferien sind.


    Viele Grüße, Juliet


    P.S. Auch hier ein nettes Weblog (besonders durch die Begeisterung des Autors über jede Art von Wurst :D


    http://timesonline.typepad.com…cup_football/2006/07/more

    Traue jemandem etwas zu und er wird sich darum bemühen, diesem Vertrauen zu entsprechen. (Don Bosco)

    Einmal editiert, zuletzt von Juliet ()

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