37° Grad Reportage "Immer am Limit" Lehrer und ihr harter Job

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    Original von webe
    Schön, dass du diese Zeit hast. (Keine Ironie!) Ich habe sie an einer niedersächsischen HRS leider nicht. Mit 29 Wochenstunden habe ich gerade mal eine Freistunde pro Woche. Und in der vertrete ich meist. Am Tag habe ich 2 große Pausen (15 und 20 min). in dieser Zeit bin ich froh, wenn ich noch schnell einen Apfel verzehren, einen Schluck Wasser trinken kann, die noch fehlenden Kopien machen (am vorherigen Tag war mal wieder der Kopierer kaputt/überfüllt/kein Papier/Folien mehr da) und schnell ein wichtiges Gespräch mit Kollegen führen kann. Meistens stehen dann da noch 1-5 meiner 5.Klässler mit hochwichtigen Problemen (Der hat mich geschubst, mein Füller ist weg, haben wir morgen die 6. Stunde frei?...) die ich auch schnell mal abfertigen/-schütteln muss. Außerdem gehen 70 min meiner Pausen pro Woche für Aufsicht drauf. Zeit für Schülergespräche bleiben da nicht.


    Gut, das ist dann was anderes. Ich weiss nicht, wieviel Zeit man in Deutschland nebenbei bekommt. Hier sind 10% des Stundenplans als PPA vorgeschrieben. Zusaetzlich bekomm ich als "Anfaengerin" noch weitere 10% dieses Jahr - macht 5 Stunden pro Woche. (Und dabei ist es mir relativ frei gelassen, ob ich kopieren gehe, woanders hospitiere, korrigiere, Unterricht vorbereite, mich mit Kindern rumplage...oder einfach mal nur ne Tasse Tee trinke und die Stille in meinem Raum geniesse). Eine halbe Stunde davon kann ich fuer Vertretung eingesetzt werden...ist aber dieses Jahr noch nicht passiert.
    Kleine Pause dauert 15 Minuten, Mittagspause 60 Minuten. Einmal die Woche hab ich in der kleinen Pause Aufsicht; Mittagspausen werden generell nicht von Lehrpersonal beaufsichtigt.


    Ich hab meine Kids allerdings darauf trainiert nicht waehrend den Stunden auf Klaerung und lange Gespraeche zu bestehen. Wer sich beruhigen muss, setzt sich draussen vor die Tuer in den Gemeinschaftsbereich. Bisher klappt das ganz gut.

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    Original von Dejana
    Gut, das ist dann was anderes. Ich weiss nicht, wieviel Zeit man in Deutschland nebenbei bekommt. Hier sind 10% des Stundenplans als PPA vorgeschrieben. Zusaetzlich bekomm ich als "Anfaengerin" noch weitere 10% dieses Jahr - macht 5 Stunden pro Woche. (Und dabei ist es mir relativ frei gelassen, ob ich kopieren gehe, woanders hospitiere, korrigiere, Unterricht vorbereite, mich mit Kindern rumplage...oder einfach mal nur ne Tasse Tee trinke und die Stille in meinem Raum geniesse)


    Bei uns gibt's keine "Entlastungen" vom Deputat für irgendwelche "pädagogischen" oder "persönlichen" Aufgaben. Die hat der deutsche Lehrer / die deutsche Lehrerin nebenbei zu erledigen. Und ein Anfänger, der damit nicht klar kommt, von dem wird erwartet, dass er Teilzeit arbeitet, bei entsprechend reduziertem Gehalt natürlich.


    Zitat


    Eine halbe Stunde davon kann ich fuer Vertretung eingesetzt werden...ist aber dieses Jahr noch nicht passiert.


    Ich bin mir hier zwar über die Rechtslage nicht ganz im Klaren, aber einige Unterrichtsstunden zur Vertretung bei "unvorhersehbaren" Ereignissen wie Krankheit von Kollegen/Kolleginnen sind pro Woche drin (unbezahlt natürlich).


    Zitat


    Kleine Pause dauert 15 Minuten, Mittagspause 60 Minuten. Einmal die Woche hab ich in der kleinen Pause Aufsicht; Mittagspausen werden generell nicht von Lehrpersonal beaufsichtigt.


    Pausenzeiten pro Tag: Ca. 60-70 Minuten, davon aber nur zwei längeren Pausen von jeweils 20-30 Minuten. Pro Woche 40-60 Minuten Aufsicht dabei. "Externe" Aufsichten kennen wir nicht, machen alles die Lehrer.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Zitat

    Original von Mikael
    Bei uns gibt's keine "Entlastungen" vom Deputat für irgendwelche "pädagogischen" oder "persönlichen" Aufgaben. Die hat der deutsche Lehrer / die deutsche Lehrerin nebenbei zu erledigen. Und ein Anfänger, der damit nicht klar kommt, von dem wird erwartet, dass er Teilzeit arbeitet, bei entsprechend reduziertem Gehalt natürlich.


    Das sind ja keine "persoenlichen" oder "paedagogischen" Aufgaben. Unterrichtsvorbereitung und Auswertung, Stundenplanung und Pruefungsabnahme gehoeren ganz selbstverstaendlich zum Job dazu. Dafuer hat man die PPA...und die hat jeder. Wenn ich in der Zeit was anderes machen muss/will, dann muss ich mein restliches Zeugs eben daheim oder sonstwo erledigen.
    Und im ersten Jahr muss meine Schule mir die zusaetzlichen 10% geben. Teilzeit ist was anderes...da wuerd ich dann aber auch PPA und die 10% dazu bekommen.
    Auch so unterrichte ich derzeit 20 Stunden (60 Minuten pro Stunde), hab meine Klasse fuer Registration, saemtliche Schulversammlungen und dergleichen. Das sind 5 Stunden die Woche, wo ich se mal abschieben kann. :D Das bedeutet ich bin eh jeden Tag von 8 bis um 6 in der Schule. Und dann komm ich heim und muss immernoch Zeugs machen. Aber das geht wohl den meisten Leuten so. :rolleyes:


    So, zurueck an die Planung fuer Mathe...nur zwei Tage diese Woche. An den andern schreiben sie Tests. :tongue:

  • Habe den thread erst jetzt entdeckt, aber auch die Sendung letzte Woche gesehen.
    Mich hat gestört, wie der UNterricht an Gesamtschulen dargestellt wurde.
    Unsere Gesamtschulen werben immer mit modernen UNterrichtsformen, so dass ich besonders gerne Kinder nach der 4. klasse dorthin abgebe, die selbstständig arbeiten können... zeigte aber nun dieser FIlm nur Frontalunterricht. Mein Mann meinte, die würden bestimmt auch anders arbeiten, mussten das aber fürs Fernsehen so machen, damit die älteren Zuschauer es als UNterricht wiedererkennen :D

  • Zitat

    Original von der PRINZ
    Habe den thread erst jetzt entdeckt, aber auch die Sendung letzte Woche gesehen.
    Mich hat gestört, wie der UNterricht an Gesamtschulen dargestellt wurde.
    Unsere Gesamtschulen werben immer mit modernen UNterrichtsformen, so dass ich besonders gerne Kinder nach der 4. klasse dorthin abgebe, die selbstständig arbeiten können... zeigte aber nun dieser FIlm nur Frontalunterricht. Mein Mann meinte, die würden bestimmt auch anders arbeiten, mussten das aber fürs Fernsehen so machen, damit die älteren Zuschauer es als UNterricht wiedererkennen :D


    Fiel mir auch auf. Nicht nur in dieser Reportage, sondern auch in den meisten anderen, die mir bekannt sind, dominiert Frontalunterricht. Kann sein, dass es an den Redakteuren liegt, vielleicht aber auch an Kollegen, die Angst vor dem manchmal für Außenstehende anarchischen Bild bei schülerzentrierten Verfahren haben ;)
    Ich denke, dass wir methodisch in Deutschland vielfach inzwischen wirklich im internationalen Vergleich gut aufgestellt sind und mit diesen Pfründen auch in der Außendarstellung wuchern sollten.

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

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