Dienst nach Vorschrift (aber auch das ist schon viel)

  • Hallo,
    mir ist heute nach einer Konferenz sehr deutlich bewusst geworden, wie wenig Motivation und Anteilnahme ich noch für die Prozesse an meiner Schule übrig habe.


    Es wurden Kollegen gesucht, die sich in Teams in besonderen Aufgabenbereichen engagieren sollen. Nichts interessierte mich wirklich. Dennoch spürte ich dieses unangenehme Gefühl der Schuld, im Grunde zu wenig zu tun. Ich vermute, mich mehr einbringen zu müssen, weil es ja dazu gehört (???).


    Die Frage, die ich mir stelle (und die hier natürlich niemand für mich beantworten kann) lautet: liegt es jetzt an mir, bin ich einfach demotiviert, desinteressiert, faul, im falschen Beruf, etc. oder liegt es an den Rahmenbedingungen (z.B. Vollzeitbeschäftigung)?


    Gibt es hier Leute, die ähnliche Erfahrungen mit diesem schleichenden Prozess der inneren Distanzierung an sich beobachtet haben/beobachten?


    Ich möchte gar nicht nach den Ursachen suchen, derer gibt es sicherlich einige. Mich würde interessieren, wie geht ihr mit eurer Motivationslosigkeit um? Lasst ihr euch trotz allem für Extra-Arbeiten breitschlagen? Könnt ihr gelassen die Schultern zucken? Könnt ihr euch evt. gar nicht vorstellen, wie man sich nicht auch in neuen Problembereichen an der Schule einbringen kann?


    Wie seht ihr das? Gehört es für euch zum guten Ton dazu, sich in dieser oder jener Arbeitsgruppe neben der regulären Arbeit noch weiter einzubringen? Seid ihr selbst in Arbeitsgruppen tätig? Wird diese Tätigkeit von der Schulleitung irgendwie honoriert (bei uns hat dies fast immer "ehrenamtlichen" Charakter).


    Über Eindrücke und Rückmeldungen von euch würde ich mich freuen.


    klöni

  • Hallo,
    von "wenig Anteilnahme und Motivation" würde ich bei mir nicht sprechen, merke aber, dass die Kräfte nicht mehr so vorhanden sind wie vor 20 Jahren.


    Da ich die höchste Priorität in meine Gesundheit lege, habe ich die "Sonderengagements" deutlich heruntergefahren und gebrauche im Kollegium öfter das Wort "Nein!".-Man muss sich als Lehrer einen gesunden Egoismus bewahren, wenn man nicht vom "Burn-Out" befallen werden möchte.


    Kurzum : Ich habe die Quantität heruntergefahren, um in den verbleibenden Anteilen die Qualtität zu bewahren. 8)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

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  • "Problem" ist, dass ich noch zur "jüngeren Generation" gehöre, die sich ja doch vermehrt engagieren soll. Bin jetzt gute 5 Jahre dabei. Ist es nicht zu früh für diese Haltung?

  • Zitat

    Original von klöni
    "Problem" ist, dass ich noch zur "jüngeren Generation" gehöre, die sich ja doch vermehrt engagieren soll. Bin jetzt gute 5 Jahre dabei. Ist es nicht zu früh für diese Haltung?


    Nein, das ist es nicht. Ich kenne diesen Zustand und ich finde es sehr gesund "nein" zu sagen! V.a. wenn es immer die gleichen trifft. Schlägt ein Kollege was vor, soll er sich bitteschön erstmal selber beteiligen. Arbeitsgruppe oder Projekt ja, aber nicht andauernd und schön verteilt. Burn out, nein danke. Ich finde es auch unmöglich, dass anscheinden normale Arbeit als zu wenig abgetan wird. Das liegt aber auch an der unterschiedlichen Qualität des Unterrichts der einzelnen Lehrer...


    Gruß
    Anna


    P.S. Auch ein schönes "Phänomen", das hier schon mal angesprochen wurde: Schlechte Lehrer werden erst gar nicht mit Zusatzaufgaben betraut, gute, engagierte schon, weil man es ihnen zutraut. Und was haben diese Lehrer davon? Es gibt ja nicht mal wirklich Karrierechancen...

  • Sorgen machen solltest du dir eher, wenn du keine Lust auf Engagement bei den Schülern hast - wenn dein Thread etwa so lauten würde:


    "Ich habe keine Lust mehr, mich im Unterricht anzustrengen.
    Die Probleme der Schüler interessieren mich nicht mehr, ich nehme meine alten Arbeitsblätter, von denen ich zwar weiß, dass sie nicht viel taugen, aber irgendwie will ich grade lieber eine ruhige Kugel schieben. Wer sein Abi verdient, kriegt es letztendlich so, ob ich jetzt ordentlichen Unterricht mache oder nicht."


    Wenn es dir um fehlendes außerunterrichtliches Engagement hinsichtlich des Schulprofils, pädagogischen Arbeitsgruppen, Curricula-Entwicklung, der Verwaltung der Schülerbibliothek usw. geht, finde ich das nicht sonderlich tragisch.
    Klar könnte man Interesse auf diesen Gebieten als begrüßenswert ansehen - aber zu einem guten Lehrer gehört es nicht zwingend dazu - IMHO.

  • Ich glaube, dass man tatsächlich so 3-6 Jahre nach dem Referendariat häufig in so eine Situation kommt - zumindest ging es mir auch so. Ich habe ca. 5 Jahre nach Ende des Referendariats bei mir Burn-out Symptome festgestellt und war blöd (?) genug, mich die folgenden drei Jahre allein damit herum zu schlagen.


    Inzwischen geht es mir wieder recht gut. Erklären kann ich mir das folgendermaßen:


    - das Examen an der Uni empfand ich als recht stressig
    - das Referendariat, insbesondere das letzte halbe Jahr ebenso (der Druck unter den ich mich setzte war riesengroß, man wusste im Prinzip, dass vor der Endexamensnote die "1" stehen muss, sonst war es aus mit der festen Stelle)
    - danach Vollzeitunterricht (doch ein Unterschied zum Referendariat, in dem man über 16 Stunden selten hinaus kam), Unterrichtsvorbereitung sehr zeitaufwändig
    - jedes Jahr Abiturklassen mit einer Menge an Korrekturen oder mündlichen Prüfungen
    - der Eindruck, dass für zusätzliche bzw. unangenehme und belastende Aufgaben immer die "jüngeren" Kollegen herangezogen werden (es passierte mir zweimal, dass ich - obwohl ich einen Geschichtsleistungskurs hatte, noch kurz vor dem Abitur einen Englisch Grundkurs dazu bekam, weil eine Kollegin ausfiel => Arbeitsbelastung mehr als verdoppelt ... dazu laufende Betreuung von Referendaren - teilweise 2-3 im Jahr - und Praktikanten).


    Inwzischen ist der Stress des Examens und Referendariats abgeklungen, an die 24/25 Unterrichtsstunden habe ich mich mehr oder weniger gewöhnt, Vorbereitung wurde weniger, weil man sich nicht mehr alles neu erarbeiten muss, sondern auf schon mal gehaltene Stunden zurück greifen kann.


    Die anderen Belastungen sind noch genau so da, aber ich empfinde sie nicht mehr so stark - Gewöhnung? Arrangement damit? Es erleichtert die Situation auch, dass ich mich nun in das (große) Kollegium gut eingefunden habe, mich austauschen kann, Leute gefunden habe, denen man auch mal im Vertrauen erzählen kann, was einen anko...
    Ich habe auch gelernt, dass manche Dinge eine Frage der Perspektive sind ... Referendare betreuen ist eine zusätzliche Arbeit ... aber ...
    - es zeigt, dass mein Chef mir was zutraut, mir "vertraut", dass er glaubt, ich mache hier gute Arbeit. Ähnliche Rückmeldung habe ich von den Referendaren selbst.
    - es "bereichert" auch meinen Unterricht, weil ich neue Ideen mitnehme.


    Manche Dinge nehme ich auch nicht mehr so ernst ... ich habe mehr Übung darin, Schulaufgaben so zu erstellen, dass ich auch besser zu korrigieren sind etc ... ich nehme die "verpflichtenden" Fortbildungen, bei denen man mich dazu zwingen will, mehrere Tage eine Veranstaltung zu besuchen, die meist in der Praxis wenig bringt recht locker usw.


    Dennoch: an einigen Tagen geht es mir immer noch so wie Dir - aber im Vergleich zu vor 3-4 Jahren sind diese Tage deutlich weniger geworden.


    Und wenn's mich grade mal wieder tierisch nervt, denke ich dran, dass ich im Sommer mit meiner Band auf dem größten Bluesfest Deutschlands spielen darf - und daneben sind manche anderen Angelegenheiten dann viel erträglicher ;)
    Will sagen: man muss sich ein Leben neben der Schule schaffen und das auch mit Klauen und Zähnen verteidigen.

  • Ich halte das auch nicht für verwerflich.
    Deine primäre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Schüler mit dem Stoff klar kommen (ja, ja, meinetwegen auch Kompetenzen erwerben) und im Idealfall noch ein paar dabei abfallen, die sich fürs Fach begeistern lassen.
    Nich zu deinen Aufgaben gehört es, die Schulleitung durch jede Menge unbezahlte Arbeit glücklich zu machen.
    Solange du (wenigstens meistens) noch Spass daran hast, morgens in den Klassenraum zu gehen, würde ich mir keine Gedanken über Demotivation, Desinteressiert, Faulheit oder die falsche Berufswahl machen.

  • Das hört sich beruhigend an. Ich habe immer dieses ungute Grundgefühl, nicht genug zu tun bzw. getan zu haben. Geleistete Arbeit wird an meiner Schule eigentlich nur gesehen, wenn sie Öffentlichkeitscharakter hat. Der ganze Rest wird als selbstverständlich erachtet, egal ob teilzeit- oder vollzeitbeschäftigt. Wollte ich Karriere machen, dürfte ich auf gar keinen Fall in Vollzeitbeschäftigung weiter arbeiten.


    Ummon: Diese Einstellung (keine Lust mehr auf die Schüler) kenne ich auch. Jedoch nur für die Klassen, in denen ich mich nicht wohl fühle. Gottseidank gibt es noch viele Klassen und Kurse, in die ich gerne gehe, wo es wirklich gut läuft, viel Sympathie überspringt.

    Zitat

    Klar könnte man Interesse auf diesen Gebieten als begrüßenswert ansehen - aber zu einem guten Lehrer gehört es nicht zwingend dazu


    Puh, yes, das lese ich sehr gerne. Wie oben geschildert, schöpft meine Schulleitung durchaus ihre Mittel aus, Kollegen, die sich nicht außerunterrichtlich engagieren, das Gefühl zu vermitteln, nicht genug zu tun. Z.B. werden die Geburtstagsglückwünsche im Mitteilungsbuch begleitet von Hinweisen der SL, wo sich der entsprechende Kollege engagiert. Fehlt dieses Engagement, erfolgt nur ein Kommentar zum hoffentlich schönen Wetter für die Geburtstagsfeier....

  • ?( Ich glaub, ich fall hier gerade ein wenig aus der Reihe. Ich würde gerne mehr an bestimmten Projekten mitarbeiten, aber bei uns macht das alles das Schulleitungsteam. Beispielsweise hätte ich wirklcih Interesse daran, am Schulprogramm mit zu wirken. Aber irgendwie ist das bei uns mehr oder weniger "unter Verschluss".
    Das meiste läuft bei uns auch vormittags, wenn die Schulleitungsmitglieder eine Frei-/Bürostunde haben. Da ich 29 Stunden unterrichte, kann ich mich da wenig einbringen.


    Andererseits kann ich es aber auch gut verstehen, wenn man nicht in jeder Arbeitsgruppe dabei sein will. Und ich finde es ist auch dein gutes Recht, mal Nein zu sagen. Meiner Meinung nach sollte eine gute SL schauen, dass sie interessierte Leute anspricht und wenn diese "Ressource" nicht vorhanden ist, die Arbeit gleichmäßig und gerecht verteilen. (z. B. 1/2 Stelle weniger Projektgruppen oder Leute mit Deputatsstunden mehr Projektgruppen)

    • Offizieller Beitrag

    Ich gehöre ja nun zu denen, die X Zusatzjobs in der Schule haben und bei jeder neuen Idee interessiert zuhören, bei vielen auch mitarbeiten.
    Ich habe dazu eine andere Perspektive: ich empfinde es nämlich nicht nur als Zusatzarbeit, sondern als Abwechslung.
    Versteht mich nicht miss: ich bin sehr gerne mit den Schülern zusammen, den Teil der Arbeit mag ich. Aber nach 10 Jahren ist es eben doch mehr oder weniger immer dasselbe von den unterrichtlichen Abläufen her, egal wie abwechlsungreich die Methoden und Arbeitsformen für die Schüler sind (ICH kenne sie alle schon).
    Ohne Zusatzprojekte würde ich den Alltag irgendwann als dröge empfinden und das ist bei mir ein größerer Motivationstöter als alles andere. Wenn ich über den Unterricht hinaus genug Herausforderungen und Abwechslung habe, dann macht es mir auch nicht das geringste aus, das vierzigtausendste Mal "summary" zu üben, einen debating club zu simulieren, eine Szene aus Macbeth umzuschreiben oder...
    Ich liebe Fortbildungen, ich lerne gerne selbst, ich brauche eigentlich ständig Input. Nur Monotonie kotzt mich an. Korrigieren zum Beispiel. :O :tongue:


    Viellet hift es ja im Einzelfall was, mal zu überlegen "Was kann so eine Zusatzaufgabe für MICH tun?" :)

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

  • @ Meike


    Alles schön und gut, aber wie steht es mit deinem Zeitbudget? Nachvollziehbar, wenn du eine halbe Stelle und flinke Helferlein im Haushalt hast, aber bei einer Vollzeitstelle mit deiner Fächerkombination kann ich mir nicht vorstellen, dass du noch "Luft" hast, es sei denn, du erhältst Entlastungsstunden für deine diversen Tätigkeiten.

  • Vaila, du nervst. :evil: Kommst du schon wieder mit diesem leidigen Thema? Meike kann ihren Zeitmangel halt gut wuppen. Das hier ist Klönis Thread und nicht deiner.

  • Hallo klöni.


    ein interessantes Thema, das Du da ansprichst! Ich bin im sechsten Dienstjahr und ertappe mich auch, dass ich bei - meist in Gesamtkonferenzen vor versammelter Mannschaft - getätigten Aufrufen nach Mitarbeit in Arbeitsgruppen, Ausschüssen etc. nicht reagiere. Ehrlich gesagt interessiert mich diese Seite der Arbeit an der Schule nicht. Ich will nicht stundenlang rumsitzten und an der "Implementation von Kerrncurricula" (gern gebrauchte Phrase einer diesbezüglich 400%ig hochmotiviert-engagierten Kollegin) elaborieren. Oder Konzepte zur farblichen Gestaltung der Räume entwickeln oder am Schulprogramm stricken. Mich langweilt das. Ich habe vor einigen Jahren außerschulisch ehrenamtlich gearbeitet und dabei die Monotonie von Vorstandsitzungen, Arbeitsgruppen etc. mehr als genug erfahren.


    Zudem empfinde ich diese Aufgaben doch eher als frustrierend. An meiner Schule gibt es Kollegen, die sehr gerne an den Zusatzaufgaben arbeiten, aber irgendwie wird deren Engagement nicht so wirklich richtig honoriert. Stellen sie die Ergebnisse auf Konferenzen vor, wird garantiert eine Stimme laut, die alles hinterfragt, woraufhin mehrere Leute Einwände haben. Darunter auch solche, die sich selbst engagieren.


    Ferner bin ich der Meinung, dass sich dieser Beruf ohnehin schleichend und hinterrücks in jede Pore hineinfrisst. Nele Abels Posting zum Thema "Burn out" zeigt auf, wie sehr man sich ansntregen muss, um nicht mit Haut und Haaren aufgefressen zu werden. Wieso sollte ich mich dann noch mehr in den Beruf versenken?


    Sicherlich gebe ich Meike völlig recht, wenn sie schreibt, dass irgendwann Monotonie aufkommt. Dagegen kann man sich, wenn es einem wirklich Spaß macht, wie Meike, anderweitig in der Schule engagieren. Ich persönlich suche mir Abwechslung lieber darin, dass ich keine weiteren schulischen Aufgaben übernehme, sondern die Zeit lieber für komplett außerschulisches ehrenamtliches Engagement nutze, wo keiner was von Unterricht, Schülershicksalen etc. wissen will. Vielleich egoistisch, aber mir gibt das ein Stück Lebensqualität zurück.


    Grüße vom
    Raket-O-Katz

  • Ich mache ziemlich viele Zusatzaufgaben, weil ich gerne an der Schule bastle, weil mir der Unterricht nicht reicht (jedenfalls solange es so viele offensichtliche Baustellen gibt, die den Unterricht erschweren), weil ich Ressourcen freihabe - wie auch immer das kommt. (Anrechnungsstunden, kein Hefteinsammeln, Sparen an Übungsaufsätzen, viel Erfahrung und Fachkenntnisse.)


    Aber ich suche mir sehr aus, was ich mache. Kinderkram von Ministerium, Vorschläge der Schulleitung - wenn es so aussieht, als ob es zu nichts führt, dann lasse ich es. Und das geschieht oft. Wenn ich selber etwas machen möchte, dann mache ich das, finde Leute, die das umsetzen. Diese Art des Vorgehens hat Vor- und Nachteile für die Schule. Einerseits profitiert die Schule von solchen Lehrern, andererseits hängt das völlig von derem Gutdünken ab. Wenn ich dem Sekretariat nicht mehr mit den Computern helfen will, dann halt nicht; wenn ich keinen Tanzkurs mehr organisieren will, dann halt nicht. Ist für die Schule nicht ideal. Aber so halte ich das.

    Seit 2004 unter dem gleichen Namen im Forum, weitgehend ohne ad hominem.

  • Hi klöni,


    ich bin ungefähr so lange dabei wie du.


    Nach dem Ref bin ich an meiner Ausbildungsschule geblieben und habe die Situation bezüglich Zusatzaufgaben ein wenig beobachtet. Dabei ist mir sehr bewusst geworden, dass man an meiner Schule sehr dezidiert eingebunden wird und zumindest um eine Zusatzaufgabe nicht herumkommt.


    Um zu verhindern, dass ich in einem unpassenden Moment irgendeine Sache aufgedrückt bekomme, die mich nicht interessiert, habe ich mir damals selbst ein Tätigkeitsfeld gesucht, das die Schule brauchte und dieses kontinuierlich beackert.


    Ich persönlich kann sagen, dass ich von der Schulleitung sehr unterstützt wurde (wobei ich auch nicht auf den Mund gefallen bin wenn es darum geht, Vergünstigungen einzufordern...).


    Mittlerweile haben wir eine ganze Projektgruppe, die in diesem Bereich arbeitet und ich muss sagen, dass es mit den richtigen Leuten großen Spaß macht, gemeinsam etwas zu entwicklen und zu gestalten.


    (Dass ich plane, mittelfristig das Handtuch zu werfen, da mich die marode schulische Infrastruktur, die Graffiti, die kaputte und defekte Hardware, das Sperrmüll-Mobiliar im Lehrerzimmer, die selbst zu bezahlenden Kopien und Arbeitsmaterialien, die tollen Projektvorschläge aus dem Amt für Lehrerbildung mit einer Ausstattung an null Ressourcen ank...., steht auf einem anderen Blatt)


    Viele Grüße


    Maria

    Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr. Marie Curie

  • Ich kann mich vielen Vorschreibern hier anschließen. Ich bin seit 7 Jahren in der Schule und die Motivation noch etwas zu tun tendiert gegen Null.
    Oftmals ist sie im Minusbereich.
    Hier noch eine Gruppe, da eine FK, dort den Keller räumen, dann die NAchmittagsfeiern, die Lesenächte, die ja angeboten werden sollen.
    Wenn etwas ist, ich nehme mich raus. Aber nicht nur ich, die anderen auch. So sieht es dann auch meist aus - keiner meldet sich.
    Stadt schreibt Wettbewerb aus: Wer macht mit?
    Stadtwerke schreiben Wettbewerb aus? - Wer engagiert sich?
    Bürgerverein lädt ein zu Pipapo....?- Wer hat Lust?
    Delfin steht wieder an - Wer übernimmt das?
    Wir verbringen zwei Nachmittage mit den neuen Erstklässlern zum Reinschnuppern - jeder hat Anwesenheits- und Aktivheitspflicht.
    Kirche sucht für xy ein neues Logo - Welche Klasse organisiert das?


    Ich hab Kind, bin alleinerziehend und gesundheitlich angeschlagen, bin in einer Seelenklempnerbehandlung.... wat denn noch? Es geht einfach nicht. Und sobald ich mal wieder ein "Fest feiern" höre, da gehen mir die Fußnägel hoch.
    Leider.
    Vor einigen Jahren war ich so engagiert, das glaub ich heute selbst kaum noch. Woher kam die ganze Energie??

  • Meike sprach :


    Zitat

    Aber nach 10 Jahren ist es eben doch mehr oder weniger immer dasselbe von den unterrichtlichen Abläufen her, egal wie abwechlsungreich die Methoden und Arbeitsformen für die Schüler sind (ICH kenne sie alle schon).


    Wie unterschiedlich man die Dinge empfinden kann !


    Auch nach ca. 20 Jahren empfinde ich, trotz gleicher Abläufe und Methodik, meinen (Musik) Unterricht immer wieder faszinierend und auch für die Schüler fesselnd.


    Vielleicht liegt es daran, dass die Musik etwas mit lebendig schwingenden Seelen zu tun.


    Jedes Lied, dass wir neu erarbeiten, jede Klaviersonate (Diese Woche ist die 1. Sonate f-moll von Beethoven dran), die ich den Schülern vorspiele etc. sind geistige Erlebnisse für mich und die Kinder, die sich befreiend von jeder Schulbanalität abheben.


    Den großen Komponisten Beethoven beispielsweise habe ich im Unterricht zig mal behandelt und trotzdem entdecke ich zusammen mit den Schülern immer wieder neue Dimensionen in der Person und den Werken dieses genialen Meisters.


    Ich denke, wer ein Fach, das die ganze Persönlichkeit des Menschen (Lehrers) einfordert, unterrichtet, wird den Musikunterricht niemals als Routine empfinden.


    Da ich aber mit meinen Kräften haushalten möchte und weiterhin der Musik dienen will (Nebenbei unterrichte ich wenige Stunden Geschichte und Erdkunde, was durchaus manchmal bereichernd ist), habe ich mich von den Gremien, die sich mit "weltlichen" Dingen beschäftigen,
    bewusst zurückgezogen, weil sie meiner Persönlichkeitsstruktur nicht entgegenkommen.


    Es ist daher legitim, dass sich Lehrer von sogenannten "Pflichtfallen" befreien, um nicht vom Burnout-Syndrom befallen zu werden.

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

    2 Mal editiert, zuletzt von Elternschreck ()

  • Zitat

    Original von Powerflower
    Vaila, du nervst. :evil: Kommst du schon wieder mit diesem leidigen Thema? Meike kann ihren Zeitmangel halt gut wuppen. Das hier ist Klönis Thread und nicht deiner.


    Nun regt euch ab. Ich bin in derselben Lage wie Vaila, auch in NRW mit voller Stelle und ich weiß, wovon sie redet. Meikes Lage ist ein bisschen anders, sie hat keine Unter- und Mittelstufen (soweit ich das bisher mitgekriegt habe, richtig?), in Hessen geht in den Schulen einiges ein bisschen anders vor sich, und da kann man nichts direkt vergleichen und deshalb brauchen wir hier auch echt nicht aufeinander rumzuhacken.


    Zum Thema: ich musste erst Nein sagen lernen. Das war das Einzige, was dazu geführt hat, dass ich aus einem üblen Burnout wieder herauskam. Ein Arzt hat mir gesagt: "Als nächstes müssen Sie lernen, bei dem Nein zu bleiben und sich das nicht von anderen wieder ausreden zu lassen." Das habe ich mir notgedrungen hinter die Löffel geschrieben. Seitdem geht's wieder aufwärts.


    Ja, ich mach noch eine Sache zusätzlich: Fachvorsitz mit einem Kollegen zusammen, und zwar gern und mit Hauptgewicht auf guter Kommunikation der Kollegen. Das bedeutet mir was, und da knie ich mich zeitweise richtig rein - aber nur zeitweise, und die Zeit bestimme ich.


    Mein Motto - wenns für den Unterricht, die Schüler direkt und für die Kollegen persönlich ist, knie ich mich rein.
    Für die Schule? Für den Aktenordner? Für die Bürokratie? Für die Außendarstellung? Ne bedankt.
    Gruß,


    putzi

    "I think it would be a great idea." (Mohandas Karamchand Gandhi when asked what he thought of western civilization)

    Einmal editiert, zuletzt von putzmunter ()

  • Zitat

    Original von putzmunter


    Mein Motto - wenns für den Unterricht, die Schüler direkt und für die Kollegen persönlich ist, knie ich mich rein. Für die Schule? Für den Aktenordner? Für die Bürokratie? Für die Außendarstellung? Ne bedankt.i


    Unterschreibe ich sofort! :) Edit: Ist aber leider bei uns zu 99% für die Akten, deshalb, s. Beitrag oben.


    Gruß
    Raket-O-Katz

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von Vaila
    @ Meike


    Alles schön und gut, aber wie steht es mit deinem Zeitbudget? Nachvollziehbar, wenn du eine halbe Stelle und flinke Helferlein im Haushalt hast, aber bei einer Vollzeitstelle mit deiner Fächerkombination kann ich mir nicht vorstellen, dass du noch "Luft" hast, es sei denn, du erhältst Entlastungsstunden für deine diversen Tätigkeiten.


    Nö, volle Stelle, Haushalt 50%, die anderen 50% mein Mann, 2 Stunden Entlastung (für PR und Beratung), die aber den Arbeitsumfang nicht annähernd decken. Und da ich nur Oberstufe habe (hatte allerdings auch lange Mittelstufe plus Klassenleitung plus Tutorium), brauch ich ja zu den Klausuren und zum Abi nix zu sagen...
    Wie gesagt, ich habe da halt mein eigenes Empfinden - es gibt Zusatzarbeiten, die ich als ätzend empfinde (Administration etc), aber alles Inhaltliche, Pädagogische, Kreative , Planerische oder Weiterbildende etc kann man ja auch als Bereicherung umdefinieren. Hat man mehr davon.


    Zustazarbeiten für die Tonne - irgfendwelche vom KuMist vorgeschlagenen sinnlosen Schreibereien - empfinde ich auch als Witz und somit als Belastung - das hat aber mit Motivation nix zu tun, sondern mit einem gesunden Empfinden für Sinn und Unsinn. Ich bin Lehrerin, keine Sauhirtin, die selbige durch Dörfer treibt um sie zwei Jahre später zu schlachten.
    Im Prinzip halte ich es da wie Herr Rau. Wenn es geht. Was in Hessen nicht immer der Fall ist.


    Und Zeitmanagement - bzw das Aushalten von zeitlosen Phasen ohne Zusammenbruch - habe ich gelernt als ich parallel das Studium und eine kleine Firma gewuppt habe.
    Ich finde, mein Berufsleben ist noch zu lang um jetzt schon nur das Negative zu sehen - noch 25 motivationslose Jahre? Das fände ich ganz schrecklich. Dann würde ich über einen Ausstieg nachdenken.

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