• Hallo,


    könnt ihr mir vielleicht sagen, ab wann es sinnvoll ist, LRS testen zu lassen? Ich habe nämlich ein Mädchen in der Klasse (1. Sj.), bei der das jetzt getestet und diagnostiziert wurde (ohne das ich was dazu gesagt habe), obwohl der Lese-Lehrgang ja noch gar nicht abgeschlossen ist. Finde das etwas merkwürdig, dass das jetzt schon gemacht wurde. Was meint ihr? Habt ihr schon Erfahrungen diesbezüglich?


    LG PAJ

  • Was ist daran denn so merkwürdig? Wer hat denn das getestet? EIn Psychologe? Die Merkmale der Psychologie haben nämlich etwas mit allgemeinen Dingen zu tun und nichts mit dem Schreiblehrgang an sich. Da sind es dann Sachen wir motorische Störungen, evtl. sogar Gendefekte usw. die dort als Merkmale genommen werden.


    Wenn man es allerdings aus grundschulpädagogischer Sicht betrachtet, dann ist es ja nur eine längeres Verweilen auf frühen Kompetenzstufen und dann scheint es natürlich etwas merkwürdig.

  • LRS wird oft erst später (2. Schj) getestet, weil meist den Lehrern erst dann die Schwäche wirklich auffällt. Vorher ist der Leselehrgang noch im Gange und ich scheue mich, bei jedem Problem (wenn es nicht extrem auffällig ist) sofort zum Test zu schicken. Zunächst fördere ich mit meinen Mitteln weiter und gebe mehr Zeit.
    Bei meinem eigenen Sohn habe ich im ersten Schuljahr den starken Verdacht gehabt , dass er eine Diskalkulie hat und schon Ende des Schuljahres testen lassen. Leider bestätigte sich mein Verdacht. Vorteil war, dass er sofort mit der Lerntherapie starten konnte.
    Vielleicht ist deine Schülerin ja aus anderen Gründen getestet worden (Verdacht auf ADS/ADHS). Teilleistungsschwächen sind leider oft Begleiterscheinungen von Aufmerksamkeitsstörungen. Dann könnte in diesem Zusammenhang die LRS aufgefallen sein.
    Je früher solche Störungen erkannt werden, desto besser.

  • Tootsie, darf ich kurz nachfragen, wo du deinen Sohn hast testen lassen? Ich habe einen Schüler in meiner 1. Klasse, bei dem ich ganz stark davon ausgehe, dass er Dyskalkulie hat - mir wurde aber gesagt, ich solle das selbst testen......

  • @ Chiara: Wir waren in einer Facharztpraxis (Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie). Ein Fachgutachten von einer anerkannten Stelle ist nötig, wenn man (hier in NRW) eine Förderung vom Jugendamt bezahlt bekommen möchte. Mein Sohn hat etwa 2 Jahre lang eine lerntherapeutische Behandlung bezahlt bekommen.

  • Vielen Dank für deine rasche Antwort! Ich muss nochmal nachfragen, ob das bei uns wirklich der Lehrer selbst testen muss, kann mir das gar nicht vorstellen......

  • Zitat

    Original von Tootsie
    Chiara: Ich bin für so eine Testung gar nicht ausgebildet. Da sollen lieber die Fachleute ran. Bin zwar "Alleskönner" aber kein Psychologe.


    Da genau liegt aber der Denkfehler, denn LRS wird nur bei den Psychologen als Krankheit gesehen. Alles andere ist einfach nur ein längeres Verweilen auf den Lernstufen, wenn man es grundschulpädagogisch betrachtet und wenn du dafür als Grundschullehrer nicht ausgebidlet bist, zu sehen auf welcher Stelle ein Kind steht und es dort zu fördenr, dann finde ich dies bedenklich!

  • Zitat

    Original von Susannea


    Da genau liegt aber der Denkfehler, denn LRS wird nur bei den Psychologen als Krankheit gesehen. Alles andere ist einfach nur ein längeres Verweilen auf den Lernstufen, wenn man es grundschulpädagogisch betrachtet und wenn du dafür als Grundschullehrer nicht ausgebidlet bist, zu sehen auf welcher Stelle ein Kind steht und es dort zu fördenr, dann finde ich dies bedenklich!


    Tootsie sprach zwischenzeitlich von Dyskalkulie, nicht von LRS. Das nur am Rande.



    Aber um bei LRS zu bleiben:
    Die Testung auf eine LRS ist sehr umfangreich. In Sachsen ist das ein Zusammenspiel aus Schulpsychologen, Beratungslehrer, Klassenlehrer und speziell ausgebildeten Kräften in LRS-Klassen.
    Auf LRS-Online.de heisst es:
    "Zur Feststellung einer LRS werden verschiedene psychodiagnostische Testverfahren eingesetzt. Standardmäßig wird in der LRS-Diagnostik


    ein standardisierter und normierter Rechtschreibtest
    ein standardisierter und normierter Lesetest
    ein Test zur auditiven Merkfähigkeit
    und ein Test zur allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit
    durchgeführt. Je nach Art und Ausmaß der Schwierigkeiten schließen sich evtl. weitere Tests (z.B. zur visuellen und auditiven Differenzierungsfähigkeit, zur Konzentrationsfähigkeit, zur Händigkeit etc.) an."


    So ähnlich läuft es bei uns auch. So engagiert ich sein mag ... manche Dinge überlasse ich lieber Leuten, die sich damit intensiv beschäftigt haben und das erforderlicheTiefenwissen haben, ehe ich mich aus falschem Stolz zu etwas hinreißen lasse, was dem Kind dann vielleicht mehr schadet als nützt.


    Sachsen testet im Laufe des 2. Schuljahres auf LRS und die Kinder durchlaufen dann 2 Jahre lang das 3. Schuljahr in einer Spezialklasse um dann in ihre eigentliche Schule zurück zu kehren.


    Für Dyskalkulie gibt es leider noch keine wirklichen Handlungsleitfäden. Hier muss man als Eltern den Weg über die Diagnose der drohenden Gefahr einer seelischen Behinderung gehen und kann dann eine Unterstützung durch das Jugendamt erhalten, um privat eine spezielle Förderung zu bezahlen.


    LG
    Sunny

  • Es ist viel auf dem Markt, was Geldmacherei ist, denn es gibt überhaupt keine einheitliche Aussage, was LRS/Legasthenie überhaupt ist - wodurch sie behoben werden kann, .... So eine durchstrukturierte Handlungsweise wie es in Sachsen zu geben scheint, gibt es bei uns in NRW leider nicht. Es wird so getan, als ob es mit ein bisschen Zusatzförderung getan ist, ist es aber meist nicht. Ich habe mich fortgebildet, fühle mich dem Thema immer noch nicht gewachsen und bin eher verwirrt, ob der vielen Ansatzpunkte und Förderprogramme....


    So viel ich weiß, kann man eine Legasthenie frühstens Ende der 1. Klasse feststellen, jedoch kann man Risikomerkmale schon früher erfassen (Vorläufer). Zu einer Testung gehört eigentlich auch ein Intelligenztest, denn du musst nachweisen, dass das Kind normal intelligent ist.... Von daher können wir als Grundschullehrer gar nicht diese Testung vornehmen. (Von daher finde ich Susanneas Worte gar nicht heftig). Wir können feststellen, dass ein Kind Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb hat.... Was wir tun können, ist genau zu beobachten, zu schauen, ob es Hinweise auf fehlende Vorläufer gibt und eine Förderung zu organisieren - im Rahmen unserer Möglichkeiten.
    In NRW ist es sehr schwer, eine Therapie bezahlt zu bekommen, man muss nachweisen, dass eine psychische Behinderung droht und dass in der Schule bereits alle möglichen Fördermaßnahmen ausgeschöpft worden sind. Und das wird immer schwerer......



    flip

  • Zitat

    Original von Elaine
    Puh, harte Worte, Susannea!


    Bei uns übernimmt der Schulpyschologische Dienst die Testung.


    Nein, das sind keine harten Worte, sondenr eine Staatsexamenshausarbeit über LRS, was schon alleine in der Definiton große Unterschiede zur Legasthenie macht. Und auch bei LRS muss dann noch festgelegt werden, ob man damit die Lese-Rechtschreib-Schwäche oder die Lese-Rechtschreib-Störung meint.


    Erst dann kann man damit überhaupt arbeiten und Psychologen setzen diese Begriffe alle gleich, Grundschulpädagogen differenzieren.


    SunnyGS: Bei Dyskalkulie und Rechenschwäsche, Rechsenstörung ist es genau das gleiche, da hat aus grundschulpädagogischer Sicht ein Psychologe erst einmal nichts zu suchen, denn eine Störung, Schwäche ist keine Krankheit

  • Zitat

    Original von koritsi
    Ist ja bewundernswert, dass du so viel über dieses Thama weißt.
    Trotzdem sind wir Grundschullehrer keine Wunderwuzzis und wir können auch kein Allround-Experten sein.


    Du sollst und musst auch keine Experte sein. Es gibt diverse einfache Tests zu dem Thema LRS oder Rechenstörung, die nicht immer ideal sind, aber heflen um zu sehen, was zu fördenr ist bzw. wo die Probleme liegen. Die sollte genauso jeder Lehrer mit seinen "Risikokindern" durchführen können, wie auch jeder vor- und nach jedem Thema Lernstandsanalysen machen können sollte. Das die Zeit in der Praxis nicht reicht, weiß ich. Aber für solche "Risikokinder" findet man die Zeit für einen 30-45 Minuten-Test und dazu müssen wir keien Experten sein, denn es gibt vorgefertigte Tests und Interpretationen.

  • Zitat

    Original von koritsi
    Aber das weißt du, als Expertin, wir leider noch nicht.
    Mach uns doch die Freude und poste hier nützlich Tiipps/Links, dann haben wir alle was davon!


    Hier einige Sache dazu:


    LRS:
    http://bildungsserver.berlin-b…g.de/lrs_materialien.html


    Rechenstörung:
    http://bildungsserver.berlin-b…/pdf/rechenstoerungen.pdf
    http://bildungsserver.berlin-b…ion_rechenstoerungen.html


    Ich persönlich würde mit dem Test aus dem ersten Link für Rechenstörung ab Seite 43 arbeiten, dort ist ja schon klar vorgegeben, was zu welchem Problem gehört.

  • Susannea, ich habe mich in mehreren Fortbildungen mit beiden Themen auseinandergesetzt und festgestellt, dass es einerseits die schulische Sichtweise gibt (Verfasser der Untersuchungen, Fachliteratur ... kommen aus dem schulischen Umfeld) und dann die der außerschulischen Förderung. Die Art der Förderung ist z.T. ziemlich konträr und ebenso die Ursachenforschung.


    Von daher gibt es auch so eine große Unsicherheit unter Kollegen. Was wir machen können, ist uns natürlich ausgiebig zu informieren und Tests, die zu händeln sind, auch einzusetzen.


    Probleme, die aufgrund einer "Schwäche" sich ergeben, können wir sicherlich durch eine Förderung mildern, doch glaube ich nicht, dass wir eine echte Legasthenie/Dyskalkulie in Schule bearbeiten können - da braucht es Einzelunterricht, den wir nicht leisten können. Auch ist es wichtig, frühzeitig zu fördern - damit sich best. Dinge nicht festigen. Dies würde ich unter "methodische Probleme" ablegen. Gerade , wenn ich zu Beginn meiner Berufstätigkeit bin, und wie nun in NRW Deutsch fachfremd unterrichten muss, kann ich vieles gar nicht wissen. ... und habe zu viele Baustellen, so dass LRS/Dyskalkulie bestimmt eine der nachrangigen Baustellen sein wird. Als ich 1987 das Studium begonnen habe, kamen sowohl Legasthenie wie auch Dyskalkulie nicht im Studium vor- was geschichtsbedingt war. ....


    flippi

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