Fachfrage Deutsch - Satzgefüge

  • Hallo liebe Fories!


    Auch wenn man als Deutschlehrer ja immer den Ruf weg hat, die Deutsche Sprache im Schlaf zu beherrschen, so stehe ich mit der lieben Grammatik hin und wieder doch auf dem Kriegsfuß.


    Es geht um die Bestimmung von Nebensätzen. Mein schlaues Buch erzählt mir, dass man Gliedätze nach der Art der Verknüpfung mit dem Hauptsatz und/ oder (?) nach den Satzteilen, die sie vertreten (Inhalt) unterscheidet.


    Den Winter verbringe ich, wo es warm ist.


    Nach o.g. Unterscheidung wäre nach der Art der Verknüpfung "wo" dieser Nebensatz ein Relativsatz.
    Aber wenn ich nach dem Inhalt unterscheide, dann wäre dieser Nebensatz ein Adverbialsatz (Lokalsatz).


    Bedeutet das, dass ich mich für eine Art der Einteilung entscheiden muss? Im Schulbuch wird nach Information eingeteilt. Oder stehe ich gerade völlig auf dem Schlauch?


    Danke für Eure Hilfe!
    sini

    Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild sein, wenn es nicht anders geht, ein abschreckendes. (A. Einstein)


    Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin und niemand ging, um einmal nach zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge! (H. Pestalozzi)


    Im ganzen ist man kummervoll und weiß nicht, was man sagen soll. (W. Busch)

    2 Mal editiert, zuletzt von sinfini ()

  • "wo" ist in der Tat kein Relativpronomen, der Satz, nachdem du fragst, Sinfini, ist eine Lokaladverbiale.
    Relativpronomen sind z.B. "der, die, das" im Sinne von "Der Bruder, der...", "die Schwester, die..." , "das Buch, das" oder "welcher, welche", alles, was das vorangegangene Subjekt näher bestimmt.

    "Ein Mann, der noch keinen Fehler begangen hat, hat noch nie etwas getan."
    Sir Robert Baden-Powell, Earl of Gilwell

  • Zitat

    Original von Hermine
    "wo" ist in der Tat kein Relativpronomen, der Satz, nachdem du fragst, Sinfini, ist eine Lokaladverbiale.
    Relativpronomen sind z.B. "der, die, das" im Sinne von "Der Bruder, der...", "die Schwester, die..." , "das Buch, das" oder "welcher, welche", alles, was das vorangegangene Subjekt näher bestimmt.


    ... oder jedes beliebige andere Satzteil

  • Danke für Eure Antworten!


    Ich glaube ich weiß jetzt, wo mein Denkfehler liegt. In folgendem Satz:


    Wir werden nach Italien fahren, wo es viel zu besichtigen gibt.


    ... ist "wo" nämlich doch ein Relativpronomen, weil es sich auf Italien bezieht. In dem Satz aus dem oberen Posting bezieht sich das "wo" nicht auf ein Wort aus dem Hauptsatz.


    Himmel, also manchmal weiß ich nicht, ob ich ein Brett vorm Kopf habe, oder ob es wirklich so verwirrend ist.


    Gruß
    sini

    Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild sein, wenn es nicht anders geht, ein abschreckendes. (A. Einstein)


    Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin und niemand ging, um einmal nach zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge! (H. Pestalozzi)


    Im ganzen ist man kummervoll und weiß nicht, was man sagen soll. (W. Busch)

  • NEIN !!!!


    "wo" ist niemals, never ever, ein Relativpronomen !!!!!


    (auch wenn in unserer Gegend es nur zu häufig heißt: die, wo blond ist, hat...)


    Dein Beispielsatz ist übrigens ganz genau derselbe Fall wie das erste Besipiel ;)

  • Hm, dann verstehe ich es nicht...und mein Duden (Deutsch - Basiswissen) auch nicht. Da steht das nämlich genau so drin...ich habe mich immer nur gefragt, wo der Unterschied zwischen den beiden Sätzen ist. Und ich dachte, ich hätte ihn jetzt gefunden :weissnicht:

    Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild sein, wenn es nicht anders geht, ein abschreckendes. (A. Einstein)


    Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin und niemand ging, um einmal nach zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge! (H. Pestalozzi)


    Im ganzen ist man kummervoll und weiß nicht, was man sagen soll. (W. Busch)

  • Hallo,


    also der Reihe nach:


    (1.) Man kann Nebensätze auf verschiedene Weisen einteilen, die systematisch (!) nicht kompatibel sind. Zu nennen sind nicht nur die Art der Verknüpfung und der Inhalt, sondern auch ein eventueller Satzgliedstatus im übergeordneten Satz.


    Zwischen den verschiedenen Klassifikationsarten kann man m. E. nicht "springen", sie stehen unverbunden nebeneinander. Dies fällt aber nicht auf, da sich die Klassifikationssysteme in der Regel nicht überschneiden. So kann man einen Relativsatz schlecht "inhaltlich" klassifizieren.


    (2.) Je nach Grammatik wird "wo" durchaus als einleitendes Wort für einen Relativsatz akzeptiert, als "Relativadverb" bzw. "Relativpartikel". Dies auch hier:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Relativsatz#Einleitung

  • Hallo,


    in Schulbüchern für Deutsch als Fremdsprache wird ebenfalls erklärt, welche Relativsätze mit 'wo' einzuleiten sind. Meine Deutschkollegen haben dabei auch von Relativpronomen gesprochen.


    Viele Grüße
    DFU

  • "Wo" kann meines Erachtens nur im Dialekt wie eine ungewöhnliche Art von Relativpronomen gebraucht werden: "Der Mann, wo das Auto gestohlen hat, ist da lang gelaufen!"


    Unter uns hat Recht - "wo" ist ein Einleitewort für einen Relativsatz; von der Wortart her ist es eine Art Adverb. Ein Relativpronomen kann es nicht sein, denn Pronomina sind flektierbar, weil sie verschiedene Satzteilfunktionen übernehmen können. "Wo" kann dagegen im Standarddeutsch immer nur eine Lokaladverbiale sein, wie Hermine schon gesagt hat.


    Die Struktur des Ursprungssatzes "Den Winter verbringe ich, wo es warm ist" ist deshalb verwirrend, weil sie elliptisch ist und das Einleitewort für den Relativsatz sich auf die Auslassung bezieht. Erweitern wir:


    "Den Winter verbringe ich [an einem Ort], wo es warm ist."


    Jetzt kann man das Relativadverb "wo" auch durch ein Präposition+Relativpronomen ersetzen und die Sache passt auch wieder in das "Basiswissen Deutsch" :)


    "Den Winter verbringe ich [an einem Ort], [an dem] es warm ist."


    Nele

    Einmal editiert, zuletzt von neleabels ()

Werbung