Religionsunterricht

  • Als ich an der Sek. I unterrichtet habe, habe ich gern Philosophie unterrichtet. Nun bin ich an der Grundschule und dort wird lediglich eveangelischer Religionsunterricht angeboten. Bei uns an der Schule wird über "Zehn Plagen" oder über den "Elefanten Elmar" gesprochen oder gemeinsam eine Arche gebastelt. Solche Inhalte sind bei uns von der Fachkonferenz sehr klar und unmissverständlich festgelegt. Ich habe versucht, herauszufinden, ob ich das auch "darf", obwohl oder weil ich getauft und konfirmiert bin, aber zur Zeit keine Kirchensteuern bezahle. Meine Recherchen ergaben, dass man als fachfremde Lehrkraft Religionsunterricht erteilen darf, wenn man sich eingehend in das Fach eingearbeitet hat und über die kirchliche Zustimmung verfügt. Wie bekommt man diese Zustimmung? Wen muss man genau fragen, ob er zustimmt? Erlange ich diese Zustimmung automatisch mit der Zahlung von Kirchensteuern? Oder soll man besser keine schlafende Hunde wecken, sondern einfach machen?
    Möglichweise ist das abhängig vom Bundesland und der zuständigen Kirche? Ich arbeite in Schleswig-Holstein und die zuständige Kirche ist die Nordelbische.


    Sport wird bei uns z.B. sehr viel fachfremd unterrichtet und die möglichen körperlichen Gefahren sind in dem Fach doch erheblich größer als in Religion, behaupte ich als nicht-ausgebildete Religionsfachlehrerin. Ich habe aber noch nie gehört, dass jemand von außen zustimmen muss, ob wir Sport unterrichten dürfen.


    Vielen Dank,
    ohlin

  • Bei uns in Ba-Wü ist das so:
    Du darfst Religion nur unterrichten, wenn du das Fach studiert hast und dein Ref gemacht hast oder einen zusätzlichen Kurs bei der Kirche gemacht hast. Diese beiden Wege führen dich automatisch zur Zustimmung (ev. Vocatio, kath. Missio) der Kirche.
    Ich hab damals nach dem Ref die Statistik für die Relikinder ausgefüllt und darauf angegeben, dass ich keine Vocatio habe. Der zuständige Schuldekan hat dann überprüft, ob ich berechtigt bin eine Vocatio zu erhalten und daraufhin wurde sie mir im Rahmen eines Gottesdienstes verliehen.


    Ich weiß nicht, ob dir das helfen konnte. Ansonsten ruf doch mal beim zuständigen Schuldekanat an.

  • Zitat

    Oder soll man besser keine schlafende Hunde wecken, sondern einfach machen?


    So wirds bei mir gerade gehandhabt. Aufgrund unserer Personalsituation darf/soll/muss ich nun in einem ersten Schuljahr fachfremd kath. Religion unterrichten. Die Meinungen der Kollegen, mit denen ich gesprochen hab, waren geteilt. Die einen sahen da keinerlei Probleme drin, die anderen hielten dies gerade an einer kath. Grundschule für bedenklich. Letzten Endes ist es die Entscheidung meiner Schulleiterin, deren Dienstanweisung ich ja zunächst nachkommen muss und als Vertretungskraft bin ich es gewohnt wenig Mitspracherecht beim Stundenplan zu haben (ich unterrichte nach den Ferien nur fachfremd...). Allerdings versuche ich mich noch gegen die Vorbereitung von Gottesdiensten zu wehren (das traue ich mir wirklich nicht zu), aber dem ist sie bisher ausgewichen. An die große Glocke werd ichs generell nicht hängen...


    Edit: Nach ein wenig Herumgoogeln habe ich zwar gefunden, dass es Möglichkeiten gibt die Vocatio/Missio zu beantragen (allerdings immer mit der Bedingung, dass man in der Kirche Mitglied ist). Bei kath. Religion wäre die Anlaufstelle das jeweilige Bistum, für ev. Religion habe ich leider noch nichts gefunden.


    Edit 2: Dann habe ich im Schulrecht für Schleswig-Holstein noch das gefunden, was du oben schon genannt hast:

    Zitat

    §5 Lehrkräfte
    (1) Der Religionsunterricht wird in der Regel von Lehrkräften erteilt, die eine staatliche Lehrbefähigung mit erforderlicher Zustimmung der jeweiligen Kirche bzw. eine vergleichbare kirchliche Lehrbefähigung besitzen.
    (2) Sollte es die Situation der Schule erforderlich machen, kann der Religionsunterricht auch von Geistlichen oder weiteren kirchlichen Lehrkräften sowie von Lehrkräften, die sich in besonderer Weise in das Fach eingearbeitet haben und die kirchliche Zustimmung besitzen, erteilt werden.

  • Meine persönlichen Bedenken, die Kinder über große Kästen springen zu lassen und an Tauen klettern zu lassen, sind auch sehr viel größer als ihnen etwas aus der Kinderbibel vorzulesen und sie eine Kopiervorlage ausmalen zu lassen. Das, was dazu an "Sozialem Lernen" in den Religionsstunden gemacht werden kann, mache ich bisher in meinen Deutsch- oder Sachunterrichtsstunden, während Kollegen das eben in Religion machen. Deswegen möchte ich gern die Sportstunden gegen Religionsstunden eintauschen. Besonders in den ersten zwei Schuljahren hat es sich in meinen Durchgängen bewährt auf eine überschaubare Menge an Fachlehrern zu achten, somit möchte ich eben nicht eine Religionslehrerin, eine Musiklehrerin, eine Sportlehrerin und eine Mathelehrerin neben mir als Klassenlehrerin in Klasse 1 und 2 eingesetzt haben.


    Erstmal vielen Dank,
    ohlin

  • Im "Gesetz zu dem Vertrag zwischen dem Land Schleswig-Holstein und den evangelischen Landeskirchen in Schleswig-Holstein"


    findet sich in Artikel 6, Absatz 3 Folgendes:


    Der evangelische Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach an den öffentlichen Schulen. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen. Lehrer, die keiner evangelischen Kirche angehören, dürfen für die Erteilung von evangelischem Religionsunterricht nicht herangezogen werden; Ausnahmen sind im Einvernehmen mit der zuständigen Kirche zulässig.


    Wenn du also nicht in der Kirche bist, darfst du nicht Religion unterrichten (es sei denn, du hast eine Genehmigung der NEK eingeholt), wobei ich denke, die Schulleitung ist verantwortlich, wenn sie dich so einsetzt. Im Übrigen finde ich das mehr als logisch, denn wenn du dich nicht zur Evangelischen Kirche bekennst, welchen Sinn sollte es dann machen, dass du das unterrichtest?

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

  • Im Übrigen finde ich das mehr als logisch, denn wenn du dich nicht zur Evangelischen Kirche bekennst, welchen Sinn sollte es dann machen, dass du das unterrichtest?

    Wieso? Kann man denn außerhalb der Institution "evangelische Kirche" nicht den evangelischen Glauben vertreten? Und muss man seinen "Beitrag" unbedingt in Form von Steuern entrichten, die aus einem Staatsvertrag stammen, der auf sehr fragwürdigen historischen Hintergründen beruht?



    An den TE:
    Die rechtliche Lage ist so wie von kroeti beschrieben. Aber, wo kein Kläger ... und du könntest durch eine Nachfrage tatsächlich "schlafende Hunde" wecken. Solange dein Unterricht nicht grundsätzlich dem evangelischem Glauben widerspricht ... wird man allenfalls der Schulleiterin eine entsprechende Dienstanweisung geben, dass sie dich nicht mehr einsetzen darf.


    Für die Vocatio reicht die Mitgliedschaft und das Steuern zahlen übrigens in der Regel nicht aus. Je nach Landeskirche gibt es Fortbildungen und/oder Prüfungen. Bei meiner Vocation - in einem anderen Bundesland - waren das sehr gute Veranstaltungen, wo ich auch sehr viel Brauchbares für den Unterricht mitgenommen habe.

  • Aber das Leben und Vertreten des Glaubens ist doch nicht vom Zahlen der Steuern abhängig. Bei uns unterrichten Kollegen muslimischen Kinder im Religionsunterricht, ohne den Islam selbst zu praktizieren. Auch diese Kinder schneiden die Elmar-Elefanten-Vorlage aus und malen die Karos ebenso so bunt an wie die Kinder, die evangelsich, katholisch oder gar nicht getauft sind. Die Kollegen, die bei uns Sport unterrichten, müssen auch nicht Mitglied in einem örtlichen Sportverein sein. Wer anbietet, es zu unterrichten, unterrichtet es. Aber wie schon geschrieben, sind meine Bedenken im Fall des Sportunterrichts sehr viel größer, da die Gefahren meiner Meinung nach dort sehr viel risikoreicher ausfallen. Im Allgemeinen ist es bei niemandem aus unserem Kollegium so, dass er allein seine studierten Fächer unterrichtet. Wir haben Kollegen, die nur zwei Fächer studiet haben und damit ist die Leitung einer Grundschulklasse nicht so einfach. Nur mit Deutsch und Kunst und dazu einem Stab an Fachlehrern wäre zumindest bei unserem Schülerklientel undenkbar. Fällt bei uns ein Kollege aus wegen Umzug, Versetzung, Pensionierung usw. bekommen wir vom Schulamt nicht zwangsläufig gleichwertigen Ersatz. Fällt eine studierte Sportkraft mit voller Stundenzahl durch Versetzung aus, bekommen wir z.B. drei Kollegen mit je 8 Stunden, die nur Musik und Mathe unterrichten wollen und zu nichts anderem bereit sind. Wünsche kann man als Schule äußern, was die studierten Fächer angeht, aber es heißt vom Schulamt immer, dass es keine Lehrkräfte gibt, die zur Verfügung stehtn und wir deshalb bitte mit dem zufrieden sein mögen, was wir kriegen. Wenn das Schulamt also keine "passenden", benötigen Lehrkräfte einstellt bzw. abordnet, werden die sich ja nicht ins eigene Fleisch schneiden und kontrollieren, wie wir eingesetzt werden, denn für Besserung könnten sie ja gar nicht sorgen.

  • Aber das Leben und Vertreten des Glaubens ist doch nicht vom Zahlen der Steuern abhängig.

    Das sehe ich ja prinzipiell auch so, nur hilft dir das nicht viel weiter. Die großen Landeskirchen sehen das anders und erwarten in den Bereichen, wo rein rechtlich Repräsentanten der Kirchen unterwegs sein sollten, auch eine gewisse Loyalität.

    Bei uns unterrichten Kollegen muslimischen Kinder im Religionsunterricht, ohne den Islam selbst zu praktizieren. Auch diese Kinder schneiden die Elmar-Elefanten-Vorlage aus und malen die Karos ebenso so bunt an wie die Kinder, die evangelsich, katholisch oder gar nicht getauft sind.

    Du musst hier unterscheiden zwischen Lehrkräften und Schülern (!). Auch für den muslimischen Religionsunterricht benötigen Lehrkräfte eine Lehrerlaubnis, welche durch die muslimischen Institutionen erteilt wird. Solange zuständige Lehrkräfte und Schüler bzw. deren Erziehungsberechtigten das erlauben, dürfen Schüler auch am Religionsunterricht anderer Konfessionen teilnehmen. Der Lehrer könnte - aus Glaubensgründen - theoretisch - ablehnen, anders Gläubige zu unterrichten.
    In Deutschland ist ganz klar geregelt, dass der Religionsunterricht von Glaubensvertretern gehalten wird - es ist kein neutraler RU in Form von Religionskunde, sondern geschieht immer aus einem bestimmten Blickwinkel. Dahinter steht die Überzeugung, dass man Religion gar nicht neutral unterrichten kann ... daher macht man es lieber gleich offen und die Repräsentanten sollen authentische Vertreter der jeweiligen Glaubensrichtung sein. Es soll allerdings auch keine Katechese sein oder missionierend.

    Die Kollegen, die bei uns Sport unterrichten, müssen auch nicht Mitglied in einem örtlichen Sportverein sein

    Ich hoffe meine obigen Ausführungen haben etwas erklärt, warum die beiden Fächer da nicht so ganz vergleichbar sind.


    Religion ist übrigens das einzige Fach was im Grundgesetz verankert ist. Es MUSS angeboten werden, freiwillig ist nur für die Schüler, ob sie daran teilnehmen möchten oder lieber in den Ethikunterricht gehen. Es ist das einzige Fach, das nicht - allein - in der Verantwortung des Staates steht. Das hat einen historischen Grund: Die Nazi-zeit hat gezeigt, wie viel Manipulationsmöglichkeiten, Möglichkeiten zur Indoktrination durch die Schule bestehen. Dadurch, dass man den Kirchen die Aufsicht über den RU gab, wollte man verhindern, dass der Staat die alleinige Macht über die schulischen Inhalte hat.


    In der Grundschule kommt es ganz häufig vor, dass Religion fachfremd unterrichtet wird und bei den meisten Inhalten wird es wohl auch kaum eine Rolle spielen, ob da jetzt ein katholischer oder evangelischer Lehrer vor der Klasse sitzt.
    Ob allerdings allein die Taufe und Konfirmation (und der weihnachtliche Kirchgang) dazu ausreicht einen guten Religionsunterricht zu machen, bezweifle ich.
    Insofern verstehe ich, dass die Kirche durch die Vocatio sowas wie "Qualitätsmanagement" zu betreiben versucht.


  • Es mag sein, dass die Kirche gern ein Auge darauf hat, wer den Unterricht erteilt. Nur sind eben die Ansprüche der Kirche mit den Möglichkeiten des Schulamtes und dem Bedarf unserer Schule nicht zur vollsten Zufriedenheit aller zu vereinbaren. Alle Fächer des Kanons müssen unterrichtet werden, das Schulamt kann bei der Anstellung der Lehrkräfte nicht ihre Fächer mit dem Bedarf der Schulen 1 zu 1 abstimmen, so fürchte ich, dass dann wohl die Kirche das Nachsehen hat, denn die Kapizitäten, die Fachleute, sprich Pastoren, zu uns zu schicken, hat Kirche auch nicht mehr. Da die Frau eines Kollegen Patorin bei uns in der Stadt ist, kriegen wir solche Infos aus erster Hand. Durch die vielen neuen Altenheime, die den Pfarrbezirken zugeordnet werden und viel Zeit der Pastoren verschlingen, bleibt wenig Zeit für die Kleinsten der Gesellschaft.
    Dennoch erstmal Danke für den Überblick. Allgemein ist das sichelrich alles richtig, nur eben fraglich, ab wann auch unser Schulkreis und ganz konkret unsere Schule so etwas zu 100& erfüllen kann.

  • Hallo!


    Ich kann nicht für dein Bundesland sprechen, dir nur sagen, dass es bei uns Katholischen in Baden-Württemberg sehr streng zugeht. Aus der Kirche austreten und Religion unterrichten wollen? Das ginge schon einmal gar nicht. Bei uns müssen sich sogar Kollegen, die eine Missio haben und in "wilder Ehe" ( :D ) leben, gut vor dem Schuldekan verstecken.
    Ich habe Religion im Hauptfach studiert und mit sehr gut abgeschnitten. Jetzt bekam ich einen Antrag zugeschickt, was ich alles einreichen muss, um die Missio zu bekommen:
    - meine Taufurkunde
    - Taufurkunden der Kinder (!)
    - Nachweis über kirchliche Heirat (!)
    - beglaubigte Kopien meiner Zeugnisse (einfache Kopien haben nicht gereicht ;) !)


    Eine irrwitzige Forderung: Die Taufurkunden dürfen höchstens 6 Monate als sein :thumbup: . Als ob sich an dem Status "getauft" innerhalbt einer Frist etwas ändern kann...
    Zudem kommt mich nun mein Schuldekan besuchen.
    Ich finde das alles auch nicht wirklich stimmig, denn was würde aus meinem Theologiestudium, wenn ich die Missio nicht bekommen würde? Auch habe ich "Theologie" studiert und nicht "katholische Kirche". Was ich zudem nicht verstehe: Ich werde doch vom STaat bezahlt! Warum darf mich also die katholische Kirche in dieser Art und Weise kontrollieren und mir sogar die Lehrbefähigung entziehen, wenn ich mein Leben nicht nach den - tut mir Leid "vorsintflutlichen" - moralischen Vorstellungen der katholischen Kirche führe? All das stößt mir sauer auf. Trotzdem unterrichte ich das Fach gerne und leidenschaftlich.


    ...übrigens kam es nur zufällig heraus, dass ich noch gar keine Missio habe. Ich dachte, das liefe alles automatisch. Die letzten Jahre habe ich also illegal unterrichtet :D .
    Die Katholischen sind bei dem ganzen Prozedere päpstlicher als der Papst. Die Evangelischen sind da lockerer. Aber das jemand Religion unterrichtet, der aus der Kirche ausgetreten ist, das habe ich selbst bei den evangelischen Kollegen noch nicht gehört. Das wäre in der Praxis auch schwierig. Zumindest bei uns ist die regelmäßige Teilnahme sowohl an Gottesdienstvorbereitungen als auch an Schülergottesdiensten selbstverständlich.


    Liebe Grüße
    Mara

    "Die beste Methode das Gute im Menschen zu wecken ist, ihn so zu behandeln, als wäre er schon gut." (Gustav Radbruch) :troest:

  • Bei uns gibt es lediglich für Freiwillige einen Einschulungsgottesdienst in der naheliegenden Kirche. Weitere Gottesdienste werden für unsere Schüler nicht angeboten auch Veranstaltungen wie Schulgottesdienste o.ä. gibt es bei uns nicht. Wir arbeiten an einem sozialen Brennpunkt mit einem sehr hoen Ausländeranteil. Deswegen ist diese eine Religionsstunde in der Woche ja bei uns auch so wenig nach einer Glaubensrichtung ausgerichtet wie nur irgendwas. Die Zeit wird v.a. genutzt, um am Sozialklima zu arbeiten und ein Miteinander zu schaffen. Das finde ich aber eben für einen Fachlehrer, der für diese eine Stunde in meine Klasse kommt, recht sinnfrei und möchte das gern selber machen.
    Ich habe schon einmal an einer Schule gearbeitet, an der sogar Klassenweihnachtsfeiern sehr biblisch ausgerichtet waren und die Geschichte um die Geburt Jesu von den Kindern als Theaterstück vorgespielt wurde. Das kann ich an meiner jetztigen Schule nicht machen. Die Hälfte meiner Schüler darf keine Gummibärchen essen, weil die Schweinegelatine enthalten, Weihnachten ist ihnen gänzlich unbekannt...da finde ich es nicht schön, sie an einem Dezmebernachmittag Maria und Josef zu miemen. Das geht nciht nur mir so, das halten meine Kollegen nicht anders und so werden die Inhalte des Religionsunterrichts eben auch den aktuellen Bedingungen angepasst wie auch in Mathe und Deutsch und Sachunterricht.
    Im Übrigen zahle ich regelmäßig für die Arbeit, die Kirche vor Ort leistet. Nur gab es mehrere Ereignisse im Rahmen der Kirche, die mich sehr störten, so habe ich mich z.B. sehr daran gestört, dass eine Pastorin während einer Trauerrede das Vater unser einbauen wollte (!!!), es aber nicht auswendig aufsagen konnte (Finde ich nicht so schlimm.), es also ablas, das aber mit so vielen "Verlesern", dass die Trauergemeinde sich schon räusperte. Wenn Kirchens so ausbildet, finde ich das eben nciht mehr akzeptabel udn halte es so, dass ich sobald ich Angebote der Kirche nutze, dafür auch bezahle. Nehme ich an einem Konfirmationsgottesdiesnt teil, der mir gefiel, spende ich gern für die Arbeit der Kirche. Sammelt die Kirche Kleidung für Obdachlose bringe ich denen gern einen Karton vorbei. Als ich kürzlich mit einer Kindergruppe für die Projektwoche im Gemeindehaus gearbeitet habe, habe ich den Menschen, denen wir Arbeit gemacht haben (Küster, Reinigungspersonal, Gemeindebüro) einen Präsentkorb gebracht. Würde ich aber Steuern für die Kirche bezahlen, kämen die nie da an, wo sie meiner Meinung nach gebraucht werden. An meinem Glauben ändert das Zahlen der Steuern nichts, der war nie stärkerund wird auch nicht schwächer mit den Jahren, in denen ich keine Steuern mehr zahle. Aber selbst wenn ich die eine Religionsstunde in meiner Klasse übernehme, sähe ich es nicht als mein Ziel, die Schüler so zu bekehren, dass sie meinen Glauben annehmen.

  • Wir arbeiten an einem sozialen Brennpunkt mit einem sehr hoen Ausländeranteil. Deswegen ist diese eine Religionsstunde in der Woche ja bei uns auch so wenig nach einer Glaubensrichtung ausgerichtet wie nur irgendwas. Die Zeit wird v.a. genutzt, um am Sozialklima zu arbeiten und ein Miteinander zu schaffen.


    Das ist alles wichtig und richtig. Mit Religionsunterricht hat das aber wenig zu tun. Warum wird das dann so gehandhabt? Wenn es an einer Schule ein so hohen Anteil muslimischer/ atheistischer Schüler gibt, dann müsste man einen Ethikunterricht einrichten! Ich frage mich auch, ob solche unsinnige Unterrichtssituationen dadurch zustandekommmen, dass man als Lehrer aber auch jeden Nonsens mitmacht. Damit meine ich nicht, dass es Nonsens ist, "Klassenlehrerstunden" abzuhalten. Dann sollte man das Kind aber auch beim Namen nennen und dem Ganzen nicht den Stempel "Religionsunterricht" aufdrücken. Und die Eltern? Haben sie nichts dagegen, dass ihre Kinder einen Religionsunterricht besuchen, dessen Religion sie gar nicht angehören? Oder hat es sich rumgesprochen, dass das gar kein Religionsunterricht ist?


    Das geht nciht nur mir so, das halten meine Kollegen nicht anders und so werden die Inhalte des Religionsunterrichts eben auch den aktuellen Bedingungen angepasst wie auch in Mathe und Deutsch und Sachunterricht.

    Aber jedes Fach ist doch an die Inhalte gebunden, die sich aus dem Bildungsplan/ Lehrplan ergeben. Nichts anderes gilt für den Religionsunterricht.




    Liebe Grüße
    Mara

    "Die beste Methode das Gute im Menschen zu wecken ist, ihn so zu behandeln, als wäre er schon gut." (Gustav Radbruch) :troest:

  • Die Eltern? Nee, da heißt es nur "Aishe kein Schwein, Aishe kein Gummibärchen", alles andere ist denen egal. Fragst du ein Kind, warum es kein Gummibärchen essen darf, kann es dir darauf nicht antworten.


    Dann sind wir wohl mit usneren Lehrplänen gut bedient, die lassen nämlich einen Spielraum zu. Wenn es da heißt, dass man die Eigenschaften eines Tieres genauer vermitteln muss, kann man aussuchen, ob man sich mit dem Chinchilla bechäftigt, weil Franco seinen kleinen "Ferdi" gern mal mitbringen möchte oder lieber mit dem Pferd, weil Charlottas Mutter uns gern auf ihren Reiterhof einladen möchte oder mit dem Hund, weil auf dem benachbarten Spielplatz gerade ein Kind von einem Hund gebissen wurde.


    Ob es insgesamt eher norddeutsch ist, das christliche Leben inkl. der Gottesdienstbesuche nicht allzu hoch zu hängen? Oder ist es hier ganz speziell nur so, dass Religon gerade als Grundschulfach nicht so hoch anerkannt ist, weil das Schulsystem überhaupt für usnere Elternschaft so andersartig und bürokratischist, dass sie es nicht verstehen und andere wiederum nur zusehen, dass ihr Kind schnell rechnen und richtig schreiben kann?
    Das einzige, was bei uns einen recht hohen Wert hat, ist die Vorbereitung auf dei Erstkommunion. Da sind die katholsichen Familien sehr hinterher, aber das passiert ja auch in ihrer Gemeinde und nicht bei uns. Davon haben wir aber in einem fünfzügigen Jahrgang weniger als 10 Kinder.


    Natürlich könnte man über die Reformation der Stundentafel nachdenken. Aber ich fürchte, es gibt sehr viel größere Baustellen als die Bezeichnun geines Grundschulfaches, so dass das ganz unten auf der To-do-Liste steht. Aber man wird ja sehen, was ein evtl. Regierungswechsel in S-H bringt. Vielleicht wird der Relgionsunterricht ja komplett abgeschafft. Dann könnte man auch den Aufwand, den die Kriche zur Kontrolle und Üebrprüfung der Religionslehrer betreibt ja dafür ausgeben, das Personal in Schule aufzustocken, so dass es qualifizierte Kräfte gibt, die den Part zwischen Eltern und Lehrern übernehmen, so dass Unterricht wieder gut möglich ist, weil man als Lehrkraft nicht mehr durchs Gebäude und über die Höfe laufen muss, um alle Kinder zum Unterricht zusammen zu sammeln, die es nicht als nötig ansehen, von allein nach dem Pausenklingeln in den Unterricht zu kommen. Die Vorstellung finde ich gar nicht so blöde, aber es bleibt wohl eine Wunschvorstellung und weiterhin sitzen muslimische Kinder dabei, wenn die christlichen Kinder Elmar den Elefanten ausmalen. ;)


    Dennoch vielen Dank für eure Erfahrungsberichte,
    ohlin

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Ich kann nicht für dein Bundesland sprechen, dir nur sagen, dass es bei uns Katholischen in Baden-Württemberg sehr streng zugeht. Aus der Kirche austreten und Religion unterrichten wollen? Das ginge schon einmal gar nicht. Bei uns müssen sich sogar Kollegen, die eine Missio haben und in "wilder Ehe" ( :D ) leben, gut vor dem Schuldekan verstecken.
    Ich habe Religion im Hauptfach studiert und mit sehr gut abgeschnitten. Jetzt bekam ich einen Antrag zugeschickt, was ich alles einreichen muss, um die Missio zu bekommen:
    - meine Taufurkunde
    - Taufurkunden der Kinder (!)
    - Nachweis über kirchliche Heirat (!)
    - beglaubigte Kopien meiner Zeugnisse (einfache Kopien haben nicht gereicht ;) !)



    Das kenne ich von evangelischer Seite genauso.
    auch im privaten Bereich:
    Die Urkunden, die ich als Katholikin einreichen musste, um bei einem evangelischen Kind zweite Tauspatin zu werden, haben mich einige Gänge zum Pfarramt gekostet. Umgekehrt war das nie ein Problem.
    Und eine Pastorin aus B-W darf bei uns keine Pfarraufgaben übernehmen, weil sie der "falschen" evangelischen Landeskirche angehört.
    Probleme gab es auch bei der Frau eines Kollegen. Er war katholisch und unterrichtete Reli, sie war evangelische Pfarrerin. Ein No go für die Landeskirche.


    Manchmal schwer verständlich....

  • Manchmal schwer verständlich....

    (off topic!)


    Nicht nur manchmal...
    ...ich zumindest wundere mich schon lange nicht mehr darüber, dass vor allem gebildete Menschen aus der Kirche austreten. Manche Vorgehensweise lässt sich mit dem gesunden Menschenverstand wirklich schwer nachvollziehen. Dabei gibt es so viele Menschen, die eine religiöse Heimat suchen. Vor 2 Wochen nahm ich an einer Veranstaltung für Eltern von Erstkommunioneltern teil. Thema: Religiöse Erziehung. Es gab sage und schreibe 800 Anmeldungen und das in einem relativ kleinen Kreis. Die Kirchen jedoch, sind auch bei uns leer...


    Liebe Grüße
    Mara

    "Die beste Methode das Gute im Menschen zu wecken ist, ihn so zu behandeln, als wäre er schon gut." (Gustav Radbruch) :troest:

  • "Deswegen ist diese eine Religionsstunde in der Woche ja bei uns auch so wenig nach einer Glaubensrichtung ausgerichtet wie nur irgendwas. Die Zeit wird v.a. genutzt, um am Sozialklima zu arbeiten und ein Miteinander zu schaffen."


    Ich denke, dass das dann kein Religionsunterricht ist, sondern Sozialkund oder Ethik, was dann auch bedenkenlos jeder unterrichten kann, ohne dass sich irgendeine Kirche oder ein religionspädagogisches Amt (die für den Reli-Unterricht zuständig sind und den Schulämtern auf den Füßen stehen,d ass eben Religion in den zugewiesenen Relistunden von den zugewiesenen Relikollegen unterrichtet wird und nichts anderes) aufregt.
    Den asugebildeten und mit Begeisterung unterrichtenden Relilehrern gegenüber finde ich es nur fair, ihr Fach auch als Reli-Unterricht zu lassen. Klar ist es dumm, wenn es dafür an einzelnen Schulen keine Lehrer gibt. Dann müsste es für mein Verständnis ausfallen. Schwimmunterricht fällt ja auch aus, wenn es keine Lehrerin mit nem Rettungsschwimmer gibt.
    Wenn Schule und Kirche nicht mehr genügend Lehrer finden, die mit Missio oder Vocatio im Sinne der kath. oder ev. Kirche deren Glaubensinhalte und -erfahrungen unterrichten, dann findet der Unterricht nicht statt. Traurig wäre das, aber so fände ich es logisch.

  • @Prinz: ich sehe das so wie du. Ich habe ein harte Studium und Referendariat hinter mir (das Niveau das verlangt wird, ist wesentlich höher als in den anderen Fächern - zumindest in Ludwigsburg und Heilbronn) und unterrichte Religion sehr gerne! Schade finde ich es immer, wenn Kollegen meinen, dass man eine zweite Klasse übernehmen könne, denn es ist nur Reli.
    Ist aber keine Religionslehrkraft da, dann findet eben kein Reli- , sondern ein Ethikunterricht statt. Und im Fall manchen Schulen wäre das doch auch sinnvoll, wenn der die Zahl der nicht-christlichen Kinder höher ist als die der christlichen Kinder.

  • Bei uns an der Schule wird Religon nicht wirklich oft ausgebildet, dewegen ist mir noch nie jemand aufgefallen, der unsere Anwärter kontrolliert, aber nicht zur Schule oder zum Ausbildungssemianr gehört. Ebenso wenig werden aber die Kollegen kontrolliert, die ohne ein Religionsstudium Religionsunterricht erteilen. Wir haben sogar Kolleginnen, die Mitglied in Freikirchen und anderen "alternativne Glaubensgemeinschaften" sind und Religionsunterricht erteilen. Darum denke ich, dass man mit Fragen an "offizieller Stelle" nur schlafende Hunde wecken würde und Schule höchstens durcheinander bringt, aber in keinsterweise verbessern wird. Da kämpfen wir speziell an anderen Fronten wie z.B. Sozialarbeiterstunden. Vielleicht aber können sich solche Lehrer-Kontrollen nur Länder leisten, in denen es für Bildung noch Geld gibt. In Schleswig-Holstein wird im Bildungssektor drastisch gekürzt und immer wieder neu überlegt, wo man noch an Personal und Ausstattung von Schulen sparen kann. In südlicheren Regionen mag das anders aussehen, da gibt es offenbar noch volle Bildungstöpfe so dass Schulen und Lehrkräfte kontrolliert werden können.

  • Zitat

    "Deswegen ist diese eine Religionsstunde in der Woche ja bei uns auch so wenig nach einer Glaubensrichtung ausgerichtet wie nur irgendwas. Die Zeit wird v.a. genutzt, um am Sozialklima zu arbeiten und ein Miteinander zu schaffen."



    Ich habe Mathe nicht studiert. Ich unterrichte es trotzdem in Klasse 1 und 2. Was wir machen? Wir lernen aktuell gerade was Minus bedeutet, nämlich, dass etwas weniger wird. Und wir erarbeiten den Hunderterraum. Nicht immer fühle ich mich total sicher in dem, was ich mache bzw WIE ich es mache. Ich frage dann bei Fachkollegen nach. Ich glaube, ich mag lieber Lesen als Rechnen. Und meine Klasse ist in Deutsch schwächer als in Mathe. Viele Kinder meiner Klasse mögen übrigens Sport und Kunst. Deshalb komme ich aber NICHT auf die Idee, in den Mathestunden Deutsch zu unterrichten (weil ICH es lieber mag) oder Sport und Kunst (WEil die meisten Kinder es lieber mögen). Es gibt ja schließlich einen LEhrplan, in dem steht, dass die Kinder am Ende der Klasse 1 im Zahlenraum bis 20 rechnen können sollen und die Kinder der 2. Klasse bis 100 rechnen können sollen und das Einmaleins begriffen haben sollen.
    Noch einmal: Religion ist ordentliches Lehrfach!!! Auch im LAnd Schleswig-Holstein!!


    Und:


    Zitat

    ich sehe das so wie du. Ich habe ein harte Studium und Referendariat hinter mir (das Niveau das verlangt wird, ist wesentlich höher als in den anderen Fächern - zumindest in Ludwigsburg und Heilbronn) und unterrichte Religion sehr gerne!




    Das kann ich unterschreiben. Die Ausbildung ist in meinem Kreis in S-H nicht anders gewesen.




    Dennoch weiß ich, dass man einzelnen Kollegen, die aufgefordert werden Religion fachfremd zu unterrichten, nicht unbedingt den Schwarzen Peter zuschieben kann, denn es sind oftmals die Schulleitungen, die das Fach nicht ernstnehmen...

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

  • Und ich verurteile meine Kollgen trotzdem nicht, wenn sie in ihrem Religionsunterricht Mumien basteln und ins Völkerkunde Museum gehen und auch dort Bastelangebote für Gruppen nutzen und ebenso wenig für das Ausmalen von Elefantenvorlagen unsw. Und dass sie nicht alle Steuern an die Kirche entrichten, verurteile ich eben so wenig. ennoch war es mir ein Anliegen zu erfahren, ob man sich da ebenso wie im Sportunterricht als Kollege ohne Trampolinschein usw. auf illegalem Terrain bewegt. Insgesamt bin ich davon überzeugt, dass die verbindlichen Themen mit Bedacht in unseren Fachkonferenzen festgelegt werden, aber auch immer vor dem Hintergrund, was wir mit unserem Schülerklientel erreichen können. Es nützt niemandem, eine sehr lange Liste zu erstellen, die max. zur Häfte abgearbeitet werden kann. So gilt bei uns eben "Weniger ist mehr" und davon ist das Fach Religion nicht ausgenommen. Um die Zahlraumerweiterung der einzelnen Jahrgangsstufen kommen wir allerdings in Mathe nicht herum, nur muss man auch da bereit sein, zu akzeptieren, dass nicht jedes Kind, das unsere Schule verklässt, sicher im Raum bis zu einer Million rechnen kann, so wie eben auch nicht alle Kinder erfolgreich das Gymnasium besuchen können. Auch wenn wir Themenlisten für die einzelnen Klassen habem, sind die zum Glück überwiegend so, dass man auch etwas machen kann, was im aktuellen, konkreten Fall besser passt als das, was in der Liste steht. In manchen Fällen sind dort nämlich nur große Oberthemen verzeichnet, die man dann individuell ausgestalten kann. Somit kann die Kollegin ihre Mumienbastelei in Religion ebenso unterbringen wie die andere ihre Elefantengeschichte und die nächste das Vorlesen einer Jesusgeschichte. Dass es einen Unterschied gibt, in welchem Maß Inhalte des Unterrichts die Kinder erreichen und bei ihnen hängenbleiben, versteht sich von selbst.

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