Lesenswert: Zeitungsartikel " Wutbrief einer Lehrerin"

  • möchte man fragen, ob nicht auch Eltern die Aufgabe haben, ihre Kinder zu erziehen?


    Grundgesetz, Artikel 6, (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.


    "Wacht die Gemeinschaft" - nicht: Ist die Aufgabe des Lehrers und nur des Lehrers. Dieser kann nur mit dem arbeiten, was die Eltern in den Jahren vor der Grundschule fabriziert haben. Und nein, nicht die Lehrerin hat hier ihren Job nicht gemacht (wie es oft in den Leserkommentaren zum Brandbrief der Kollegin proklamiert wird), sondern die Eltern, die die Frechheit besitzen ihre verzogen Blagen zwecks Grunderziehung der Schule zu überlassen.

  • Zitat unter uns :

    Endlich mal wieder ein kuschelpädagogisches Feuerwerk in diesem Forum ! Und genau dieser o.g. Denke etlicher Lehrer in Deutschlands Schulstuben haben wir es zu verdanken, dass es in etlichen Klassen drunter- und drübergeht. Wenn den Schülern eine Veranstaltung/Unterricht mal nicht passt, haben sie das selbstverständlich das Recht, sich derart daneben zu benehmen ? Ich mache mir da ernsthaft Sorgen um die weitere Zukunft unserer Schulen, Schüler,Lehrer und Gesellschaft.


    Disziplin und Benehmen sind nicht interpretier- und verhandelbar ! 8_o_)

    Also, entweder hast du unter uns' Ironie nicht verstanden oder ich habe die Aussage irrtümlicherweise ironisch verstanden.

  • Grundgesetz, Artikel 6, (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.


    "Wacht die Gemeinschaft" - nicht: Ist die Aufgabe des Lehrers und nur des Lehrers. Dieser kann nur mit dem arbeiten, was die Eltern in den Jahren vor der Grundschule fabriziert haben. Und nein, nicht die Lehrerin hat hier ihren Job nicht gemacht (wie es oft in den Leserkommentaren zum Brandbrief der Kollegin proklamiert wird), sondern die Eltern, die die Frechheit besitzen ihre verzogen Blagen zwecks Grunderziehung der Schule zu überlassen.


    Nur leider denken die Eltern immer mehr, dass die Lehrer und vorher die Erzieherinnen im Kindergarten / der Kita ihre Kinder zu erziehen haben.


    @ Elternschreck: Wie Recht du hast. Ich erlebe es ja immer öfter, dass Schüler (auf dem Gymnasium, ja teils auch in der Oberstufe), am Rad drehen, wenn man mal (in Physik) etwas theoretischer wird. Manche Schüler maulen auch, wenn man von ihnen verlangt in Deutsch Klassiker wie Effi Briest oder ähnliches zu lesen. Sie verstehen die Sprache einfach nicht (Aussage einer Schülerin) und verstehen nicht, wozu das gut sein soll. Ja mei, dafür sind sie auf dem Gymnasium und nicht auf der Hauptschule oder der Realschule.


    Ich denke auch immer mehr mit Schrecken an die Zukunft. Ältere Kollegen sagen, dass das Niveau immer mehr sinkt. Was früher eine 5 war, ist heute eine 4. Manche Sachen kann man mit den Schülern heute nicht mehr machen, da sie dafür überhaupt keinen Sinn haben / es einfach nicht kapieren.


    Und wehe man verlangt von manchen Eltern über die Hausaufgaben der Kinder zu wachen oder darüber zu wachen, dass ihre Kinder ihre Schulsachen mitbringen oder darauf zu achten, dass sie die Empfehlungen, denen man ihren Kindern zwecks individueller Förderung gibt, auch annehmen. Dann heißt es nur: Das können wir nicht. Wir sind berufstätig. Und das krasseste, dass man uns sagt, das sei ja schließlich unsere Aufgabe. :autsch:

  • Nur leider denken die Eltern immer mehr, dass die Lehrer und vorher die Erzieherinnen im Kindergarten / der Kita ihre Kinder zu erziehen haben.


    Ja, leider.


    Ältere Kollegen sagen, dass das Niveau immer mehr sinkt.


    Ich habe im aktuellen Leistungskurs zwei Dauerbrenner-Themen zu unterrichten: American Dream und Romeo & Juliet. Selbige Themen standen vor 8 Jahren schon einmal auf dem Plan. Was lag also näher als das Material und die Stunden herauszuholen? Tja, der Gedanke war gut gemeint, scheiterte aber in der Praxis. Inhaltlich vertiefende, zeitlose Materialien überfordern die SuS. Und auf Interesse zu hoffen, Interesse an Zusammenhängen, Hintergründen etc. - zu viel verlangt.


    OK, jetzt kommt gleich wieder das Zitat der Vorväter und der Verweis, dass jede Generation über die nachfolgende jammert. Aber nun mal wirklich - was ich seit dem Referendariat an Untergang von Bildung, Anforderungen und Niveau am Gymnasium erlebe ist erschreckend. Gleichermaßen sind das Interesse der SuS, der Leistungswille (auch in den sog. Leistungskursen) und die Konzentrationsfähigkleit.


    Ich will nicht alles auf die neuen Medien schieben. Dafür bin ich seit 20 Jahren selber viel zu technik affin. Aber - wenn ich sehe, wie Facebook und What's App als Dauerbegleider meiner SuS an hoher Frequenz an "Informationen" und vor allem kleinen Häppchen auf die SuS dauerberieseln, dann wundert mich manches nicht mehr. Es kann einen doch nur total rappelig, unkonzentriert und nicht mehr aufnahmefähig für lange Texte, ausführliche Informationen machen, wenn im fast Sekundentakt es blinkt, beept und man überschüttet wird mit Blabbla, das ebenso schnell rückkommentiert werden muss. Was man wissen kann steht zudem ja auch alles bei Wikipedia. Und da reichen ja eigentlich auch die ersten paar einführenden Sätze.


    Es macht mich traurig zu sehen, wie das GYM verkommt. Im Grunde genommen ist das Institut, an welchem ich unterrichte, bereits seit einigen Jahren eine Gesamtschule, kein GYM mehr. Traurig macht es mich, weil veränderte Wahrnehmungsstrukturen, fehl geleitete Erziehung und eine menschenverachtende Bildungspolitik hier ganze Generationen kaputt machen. Und ich arbeite an einem ländlichen GYM, an dem es noch "gold" ist, wie zugezogenen Kollegen berichte. Traurig werde ich auch, weil ich bewusst auf das gymnasiale Lehramt studiert habe. Das, was ich einmal machen wollte, ist nicht mehr möglich. Das Unterrichten macht nur noch selten Freude. Besser werden wird es nicht, wenn ich von Kollegen höre, dass sie in den aktuellen 5. Klassen erst einmal ein halbes Jahr daran arbeiten, dass die Kinder überhaupt vernünftig beschulbar sind. Das geht weit über die Klage des Bartholomaeus Anglicus hinaus.


    Desillusionierte Grüße
    Raket-O-Katz

  • Zitat

    Ich denke auch immer mehr mit Schrecken an die Zukunft. Ältere Kollegen sagen, dass das Niveau immer mehr sinkt. Was früher eine 5 war, ist heute eine 4. Manche Sachen kann man mit den Schülern heute nicht mehr machen, da sie dafür überhaupt keinen Sinn haben / es einfach nicht kapieren.


    Aber andere Sachen könnte man machen, tut man aber nicht. Warum? Jede Generation ist anders - nicht besser, nicht schlechter. Mein Vater durfte in den 60ern zu Hause keine Stones-Platten hören, weil das ja Idioten-Musik war, und weil er sonst anfangen könnte, Möbel zu demolieren. Dass das so folgt, wussten die Erwachsenen ja damals von Konzert-Fotos oder aus dem Fernsehen.


    Das Klagen über die "heutige Jugend" ist doch so alt wie die Menschheit selbst. Da muss ich an Hattie denken: "How do we make teachers see learning through the eyes of the students and not through what they think they do". Und das bedeutet ja nicht, dass man alles bejubeln solle, was die "heutige Schülergeneration" treibt. Das Problem ist doch, dass (leider) viele Schüler nicht so sind, wie wir sie manchmal gerne hätten. Und je älter man wird, umso lauter wird das Klagen darüber. Eine langjährige Freundin pflegte zu sagen: "Schule könnte sooo schön - ohne Schüler." Der Lehrerberuf ändert sich, ob man das will oder nicht. Die Frage, die man sich stellen muss, wie geht man selbst damit um - und wie geht die Politik damit um, wobei von dieser Seite nicht die Unterstützung zu erwarten ist, die nötig wäre, um auf die zunehmenden sozialen Probleme angemessen einzugehen. Dazu sind Politik und Banken viel zu eng miteinander verflochten. Geld wäre genug da.


    P.S.
    Effi Briest fand ich - nicht nur ich - schon Anfang der 90er vor dem Abitur eine Zumutung für uns Schüler. Was das Gymnasium damals geschafft hatte, war, dass ich viele Jahre lang mit "Literatur" abgeschlossen hatte . Sollte das das Ziel sein? Na, Hauptsache der Lehrplan war geschafft.

  • Zitat

    Aber andere Sachen könnte man machen, tut man aber nicht. Warum?


    Sicherlich könntem an andere Sachen machen. Aber kann es sein, dass Gymnasiasten heutzutage auch in der Oberstufe teilweise keine Bruchrechnung, keinen Dreisatz, keine Prozentrechnung etc mehr können? Dass Gymnasiasten selbst in der 8. Klasse oder höher keine ordentliche Rechtschreibung mehr können? Wenn sie sich mit einem mit Rechtschreibfehlern gespickten Anschreiben irgendwo bewerben, wird ihre Bewerbung gleich aussortiert. Wenn sie beim Einstellungstest nicht beantworten können, wer denn nun eigentlich die Bundeskanzlerin wählt oder wer der 1. Bundeskanzler war oder einfachste mathematische Aufgaben (dazu zähle ich durchaus z.B. die Prozentrechnung), der wird gar nicht erst eingestellt.
    Kann es sein, dass Gymnasiasten heutzutage bestimmte Fremdwörter nicht mehr kennen oder einige einen einfachen Schulbuchtext nicht mehr fehlerfrei lesen können? [Und ich spreche nicht von Fünftklässlern, sondern durchaus von Schülern, die dieses oder nächstes Schuljahr ihre Reifeprüfung ablegen möchten].


    Das Gymnasium soll die Schüler auf ein Studium vorbereiten (oder meinetwegen auch auf eine Ausbildung). Aber offiziell attestiert das Abizeugnis die allgemeine Hochschulreife. Dann muss man auch mal Sachen machen, die einen nicht so brennend interessieren, die vielleicht langweilig sind.


    Auch unsere heutige Arbeitswelt wird immer komplexer, sodass man in der Lage sein muss, gewisse mathematische, technische oder sonstige Strukturen zu durchblicken. Und hierfür sind u.a. mathematische, naturwissenschaftliche Kenntnisse notwendig.


    Auch für eine gewisse Allgmeinbildung kann es nicht schaden in Englisch oder Deutsch gewisse Klassiker zu lesen.


    Sobald sie in manchen Fächern längere Texte lesen müssen (Deutsch, Englisch, Pädagogik, Geschichte etc) fangen sie doch schon an zu stöhnen (da kann ich Raket-O-Kratz nur Recht geben).


    Kulturelle Dinge während Klassenfahrten interessieren die Schüler heutzutage nicht mehr, leider ...


    Gleichzeitig aber erleben wir eine Noteninflation, die mangeldende Kenntnisse zu kaschieren versucht. In der Oberstufe reichen 40% bereits aus, um eine 4- zu bekommen, 45%, um eine glatte 4 zu bekommen. Es gibt Lehrer, die - nur um keine Nachprüfung machen zu müssen oder dem "armen Kind" eine Nichtversetzung nicht zumuten möchten oder im Falle einer 4- oder einer 5 auf dem Zeugnis eine Lern- und Förderempfehlung schreiben müssten - dem Schüler eine 4 auf dem Zeugnis "schenken".


    Gewisse Fördermaßnahmen interessieren manche Schüler überhaupt nicht. Kann es das sein? Wir erleben es doch in den Vertiefungskursen (Oberstufe !). Manche Schüler haben null Bock darauf und zeigen das auch ganz deutlich. Da sie keine Noten dafür bekommen, haben wir kaum Handhabe gegen ein solches Verhalten.

  • Zitat

    Aber kann es sein, dass Gymnasiasten heutzutage auch in der Oberstufe teilweise keine Bruchrechnung, keinen Dreisatz, keine Prozentrechnung etc mehr können? usw.


    Flipper79, nur für mein Verständnis: Das sind doch Themen aus der Sekundarstufe. Wieso schleppt ihr dann so viele Schüler mit bis zum Abitur und beklagt euch dann über die Schüler? Spätestens die ersten PISA-Ergebnisse haben doch gezeigt, dass in jeder drei weiterführenden Schularten, Schüler aus allen(!) Schularten sitzen. Beispielsweise erreichen die schwächsten Gymnasialschüler gerade einmal das Niveau der besten Hauptschüler. Da frage ich mich, ob die Probleme nicht teilweise hausgemacht sind. Auch das absinkende Notenniveau bzw. die prozentuale Notenverteilung, wie du beschrieben hast, könnt ihr doch nicht den Schülern ankreiden, wenn doch die Lehrer dafür zuständig sind. Irgendwie beißt sich da die Katze in den eigenen Schwanz.

  • Sobald sie in manchen Fächern längere Texte lesen müssen (Deutsch, Englisch, Pädagogik, Geschichte etc) fangen sie doch schon an zu stöhnen (da kann ich Raket-O-Kratz nur Recht geben).


    Aus diesem Grund sind in den "netten" Abi-Boxen literarische Langtexte wohl auch nur noch angerissen. Die derzeit moderne Methodik für alles erst einmal Tabellen / Listen ausfüllen zu lassen und dann den SuS aufzuforden mit dem Nachbarn drüber zu reden wird garantiert bei egal welchem Literarischen Werk den SuS die Freude am Lesen vermiesen.


    Und weil ich schon dabei bin: Vielleicht kennt jemand noch diesen Text, der Unterricht über ein paar Jahrzehnte hinweg beschreibt und der mit dem Teil "Gesamtschule" endet, wo es in der Aufgabenstellung heißt: "Unterstreiche das Wort Kartoffel im Text und diskutiere mit deinem Nachbarn darüber". SO kommt mir das vor, was derzeit an zumindest meiner Schule als guter, schülerorientierter Unterricht angepriesen wird. (Natürlich von den so motivierten Rollkoffer ziehenden Damen, die vor lauter Verständnis alles daran setzen auch jeden Schüler mitzunehmen.)


    WIr durften in der Schule der 80er Jahre auch die bewährten Klassiker "genießen". Allerdings war a) zumindest der Mehrheit meines Jahrgangs klar, dass das zur gymnasialen Allgemeinbildung gehört und b) die Deutschlehreschaft mehrheitlich in der Lage auch mittels gekonntem Frontalunterricht Sinnzusammenhänge darzustellen, die Literaturverständnis erzeugten. Das geht mit Listen und dem "Expertengespräch" mit dem ebenso ungebildeten Nachbarn im Klassenraum nicht.

  • Flipper79, nur für mein Verständnis: Das sind doch Themen aus der Sekundarstufe. Wieso schleppt ihr dann so viele Schüler mit bis zum Abitur und beklagt euch dann über die Schüler? Spätestens die ersten PISA-Ergebnisse haben doch gezeigt, dass in jeder drei weiterführenden Schularten, Schüler aus allen(!) Schularten sitzen. Beispielsweise erreichen die schwächsten Gymnasialschüler gerade einmal das Niveau der besten Hauptschüler. Da frage ich mich, ob die Probleme nicht teilweise hausgemacht sind. Auch das absinkende Notenniveau bzw. die prozentuale Notenverteilung, wie du beschrieben hast, könnt ihr doch nicht den Schülern ankreiden, wenn doch die Lehrer dafür zuständig sind. Irgendwie beißt sich da die Katze in den eigenen Schwanz.

    Naja im Abitur wird durch das Schulministerium diese Prozentgrenze festgelegt und wir sollen die Schüler schon in der Oberstufe an dieses Bewertungsschema heran führen. Insofern haben wir da leider keinen Einflusss darauf. Das Niveau von zentral gestellte Klausuren nimmt auch ab. Ich kann nur von den Mathe- und Physikklausuren im Abiturbereich und bei der zentralen Prüung am Ende der Einführungsphase sprechen: DIe Schüler bekommen bereits für leichte Sachen viele Punkte (vom Ministerium so vorgegeben), sodass selbst schwach Schüler locker eine 4- / 4 erreichen können. Als die Abiklausur in Mathe 2013 mal nicht so war, wie die Schüler erwartet haben (aber bei uns im Kollegenkreis alle sagten, die Aufgaben seien nicht zu schwer gewesen), beklagen sich die Schüler direkt ...


    Manche Lehrer schmeißen leider mit Noten nur so um sich (Gründe habe ich oben aufgezählt). Manchmal wird man auch von der Schulleitung / den Klassenlehrern / Kollegen dazu gedrängt dem Schüler doch noch eine 4 auf dem Zeugnis zu geben, damit er versetzt wird / er seinen Schulabschluss bekommt.


    Dieses führt dann zu den o.g. Problemen. Hinzu kommt, dass durch G 8 die Übungsphasen fehlen und der Stoff nicht mehr so vertieft werden kann, wie es sinnvoll wäre. Resultat: In der Oberstufe tun sich Lücken auf. Hinzu kommt, dass laut Schulministerium durch Fördermaßnahmen die Versetzung der Regelfall sein soll.


    Grundschullehrer können in NRW zwar Empfehlungen abgeben, aber letzlich entscheiden die Eltern - und das nicht immer zum Wohle der Kinder. So kommt es, dass schwache Kinder bei uns in den fünften Klassen sitzen und weiter durchgeschleust werden.

  • Ich bin in der Erwachsenenbildung und unterrichte im Schnitt Schüler Anfang bis Mitte 20. Ich muss sagen, da ist schon eine gewisse pädagogische Arbeit zu leisten, vor allem im ersten Semester. (Es kann durchaus vorkommen, dass Studierende Pizza mampfend deutlich zu spät in den Unterricht kommen, weil sie erst noch in der Cafeteria waren.) Kann man mit umgehen, muss man mit umgehen, ist aber lästig.


    Mal sehen, wie das so in 10 Jahren wird. :)


    Nele

  • Ich habe zu der Frage, ob Schüler immer dümmer/fauler/ungebildeter etc. werden, (noch) keine Meinung, da ich noch nicht lange genug im Schuldienst bin.
    Ich kenne die Klagen der (insbesondere älteren) Kollegen jedoch auch. Zudem muss ich feststellen, dass die v.a. die Schüler der Oberstufe tatsächlich recht lesefaul sind. Und dabei geht es nicht nur um HA, sondern auch im Texte, die im Unterricht gelesen werden.
    Wenn es stimmt, dass Schüler weniger leisten können als noch vor 10, 20, 30 Jahren, was sind denn die Gründe?
    Im Allgemeinen werden Menschen immer intelligenter. Das zeigt der sog. Flynn-Effekt, wenn ich mich recht erinnere.
    Unterricht müsste eigentlich qualitativ auch immer höherwertiger werden, denn die Anforderungen an Lehrer steigen, z.B. bzgl. Methodenwechsel, Binnendifferenzierung, Umsetzung konstruktivistischer Lerntheorien etc.
    Woran liegt es denn dann?? Ich meine die Frage wirklich ernst und erhoffe mir ernstgemeinte Antworten.

  • Gleichzeitig aber erleben wir eine Noteninflation, die mangeldende Kenntnisse zu kaschieren versucht. In der Oberstufe reichen 40% bereits aus, um eine 4- zu bekommen, 45%, um eine glatte 4 zu bekommen. Es gibt Lehrer, die - nur um keine Nachprüfung machen zu müssen oder dem "armen Kind" eine Nichtversetzung nicht zumuten möchten oder im Falle einer 4- oder einer 5 auf dem Zeugnis eine Lern- und Förderempfehlung schreiben müssten - dem Schüler eine 4 auf dem Zeugnis "schenken".


    In Niedersachsen gibt es eine Vorschrift, die besagt, dass Arbeiten, in denen 30% oder mehr (Oberstufe 50% oder mehr) der Schüler eine nicht ausreichende Note bekommen (Oberstufe 04 Punkte oder weniger), nicht gewertet werden dürfen. Es sei denn der Schulleiter genehmigt die Arbeit und die Elternvertreter werden informiert, d.h. der Lehrer darf sich vor beiden und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf dem nächsten Elternabend rechtfertigen ("Tribunal"). Wird die Arbeit noch einmal geschrieben (was natürlich auch die Schüler "bestraft", die eine gute Note geschrieben haben...), bedeutet das doppelte Arbeit für den Lehrer (Neukonzeption der Arbeit und Korrektur). Klar, dass das eine "Noteninflation" impliziert.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Wenn es stimmt, dass Schüler weniger leisten können als noch vor 10, 20, 30 Jahren, was sind denn die Gründe?

    Ich kann es nicht sagen, habe aber einige Vermutungen:


    - Die Eltern möchten immer häufiger dass ihr Kind - auch entgegen den Empfehlungen der Grundschullehrer - das Gymnasium besucht, da man ja "nur mit dem Abitur etwas anfangen kann". Wenn es nicht so läuft, sind sie beratungsresistent. Manche wiederholen dann bis zum Abitur mehrere Jahrgänge oder werden aufgrund von zu vielen Defiziten irgendwann ausgeschult.
    - Schüler halten es für eine Selbstverständlichkeit, dass sie in der Oberstufe sitzen. Mit dem Arbeitsverhalten, das einige Schüler an den Tag legen, wären sie bei jeder Ausbildung schon längst rausgeflogen. Wir machen hingegen oft die Beobachtung, dass Schüler, die von der Realschule zu uns wechseln, wirklich wollen und fleißig sind.
    - Kollegen sagen auch, dass -bedingt durch G 8 - die Schüler für manche Dinge - wenn sie durchgenommen werden, viel zu jung sind (hier fehlen die kognitiven Grundlagen / das Abstraktionsvermögen. Piaget unterstützt in gewissem Maße diese These)
    - Zu große Klassen? Zu wenige Lehrkräfte? Unterrichtskürzungen?

  • - Schüler halten es für eine Selbstverständlichkeit, dass sie in der Oberstufe sitzen. Mit dem Arbeitsverhalten, das einige Schüler an den Tag legen, wären sie bei jeder Ausbildung schon längst rausgeflogen.


    Ja, das nervt mich auch extrem. Man sollte die Schulpflicht auf 10 Jahre begrenzen, damit die Schule solchen Kandidaten "kündigen" kann.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Zitat

    Naja im Abitur wird durch das Schulministerium diese Prozentgrenze festgelegt und wir sollen die Schüler schon in der Oberstufe an dieses Bewertungsschema heran führen.


    Verstehe - danke für deine Antwort!

  • Zitat

    Ich habe zu der Frage, ob Schüler immer dümmer/fauler/ungebildeter etc. werden, (noch) keine Meinung, da ich noch nicht lange genug im Schuldienst bin.


    Es liegt an vielem. Insbesondere liegt es auch daran, wer sich (nicht) fortpflanzt.


    Dabei ist es völlig irrelevant, ob man genetisch argumentiert oder nicht. Auch bestimmte familiale, kulturelle oder sozioökonomische Hintergründe erzeugen bestimmte Effekte.


    Dabei scheint das Interessante am Hamburger Fall allerdings zu sein, dass hier Kinder aus "besseren" Verhältnissen betroffen sind.

  • Zitat c.p.moritz :


    Nun gut, dann sei der geehrte unter uns damit wieder rehabilitiert, wenn er es wirklich ironisch gemeint hat ! Aber beunruhigt bleibe ich trotzdem, weil die von mir kritisierte Denke bei etlichen Pädagogen durchaus existiert. 8_o_)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

  • Zitat c.p.moritz :


    Nun gut, dann sei der geehrte unter uns damit wieder rehabilitiert, wenn er es wirklich ironisch gemeint hat ! Aber beunruhigt bleibe ich trotzdem, weil die von mir kritisierte Denke bei etlichen Pädagogen durchaus existiert. 8_o_)

    Das Zitat stammt nicht von mir, auch wenn es inhaltlich mit meinem Post übereinstimmt.

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