Vom Wissenschaftler zum Lehrer

  • Guten Tag,


    mein Name ist Sören, ich habe Biologie auf Diplom studiert, anschließend promoviert und arbeite derzeit in den USA als Wissenschaftler (ich bin 30 Jahre alt).
    Ich habe Top-Noten und hervorragende wissenschaftliche Publikationen, ABER ich überlege, wieder die Universitätsbank zu drücken und Gymnasiallehramt Biologie/Chemie nachzustudieren. Quereinstieg ist in S-H leider nicht möglich (wäre mein Ziel-Land, da meine Freundin in Kiel arbeitet).
    Biologie würde mir komplett anerkannt werden, und auch für Chemie hätte ich schon den halben Bachelor in der Tasche.


    Gründe für meinen Wechselwunsch sind:
    - ich sehne mich nach ein bisschen Konstanz im Leben. Als Wissenschaftler muss man heutzutage eine abenteuerlustige Wanderheuschrecke sein, ich hingegen wünsche mir Haus, Garten & Familie.
    - ich habe ein sehr breites biologisches Wissen, worauf ich auch sehr stolz bin. Die wissenschaftliche Karriere erzwingt es aber, zum "Fachidioten" zu werden, sprich ein absoluter Speziallist in seinem eng gesteckten Themengebiet. Ich möchte mein gesamtes Wissen gerne nutzen.
    - Ich bin irre hilfsbereit, ich erkläre so gerne, dass ich manchmal lieber einen Kollegen in einer Methode einweise, obwohl ich eigentlich selber viel zu viel zu tun habe.
    - Lehrer wäre für mich keine "Not-Wahl". Ich hab schon immer damit geliebäugelt, habe mich aber direkt nach dem Abi garnicht "reif" genug dafür gefühlt.


    Da dies ein sehr sehr großer Schritt für mich wäre, und ich auch einiges "opfern" würde, habe ich ein paar Fragen an euch:


    1. Gibt es hier ähnliche Fälle, eure Erfahrungen zum Umstieg Wissenschaft -> Lehramt interessieren mich sehr. Wissenschaftler und Lehrer sind beide sehr gut um Jammern über ihre Arbeitsbedingungen, was gefällt euch jetzt besser / schlechter?
    2. Wie stehen die Chancen für Biologie/Chemie Lehrer. Hat man als Promovierter bessere oder schlechtere Chancen (kann mir gut vorstellen, dass manche SL da Vorbehalte haben)?
    3. Wird man immer für beide Fächer eingestellt, oder kann es passieren, dass man 100% Chemie unterrichten muss, weil es genug Bio-Lehrer an der Schule gibt?
    4. Wie beurteilt ihr eure Arbeits-Belastung. Ich weiß, dass einiges an Stunden zusammenkommt und man als Lehrer keine 38.5h Woche hat. Aber wie fühlt es sich an? Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Stunde Klassenarbeit-Korrektur mit nem leckerem Tee auf dem Sofa nicht wirklich als volle Arbeitsstunde empfunden wird. Sprich, wie ist das Verhältnis von Arbeitsquantität zu -qualität?
    5. Wie mobil ist man als Lehrer? Ich wünsche mir zwar mehr Konstanz (siehe oben), aber mich würde dennoch interessieren, ob ein Arbeitsplatzwechsel als Lehrer heute etwas völlig normales ist (meine Lehrer waren meist lebenslang an einer Schule).


    Ermuntert mich, warnt mich. Ich freue mich über jede Antwort.


    mfg,
    Sören

    • Offizieller Beitrag

    Wie beurteilt ihr eure Arbeits-Belastung. Ich weiß, dass einiges an Stunden zusammenkommt und man als Lehrer keine 38.5h Woche hat. Aber wie fühlt es sich an? Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Stunde Klassenarbeit-Korrektur mit nem leckerem Tee auf dem Sofa nicht wirklich als volle Arbeitsstunde empfunden wird.


    :lach: :lach:


    Ich kenne Leute, die haben wegen der endl0sen Dauer-Korrekturen den Job geschmissen.


    Nehemen wir mal an du hast 8 Klassen, a 28 Schüler. Macht 224 Schüler. Mal 2 (oft auch drei) Klassenarbeiten im Halbjahr. 448 Arbeiten. Pro Arbeit zwischen 20 Minuten (einfache Abfragen in der Unterstufe) bis 1,5 Stunden (Kursarbeiten zB in Englisch in der Oberstufe mit Positivkorrektur). Nehmen wir mal als großzügiges Mittel 45 Minuten pro Arbeit. Sind 201 Stunden Korrekturen im Halbjahr, im günstigen Falle. 400 im Jahr. Wahrscheinlicher deutlich mehr. Und dann korrigierst du noch Hausaufgaben. Facharbeiten. Vokabeltsts. HÜs. Referatshandouts. Projektarbeiten. ... Rechne mal mit 5-600 Stunden Korrekturen im Jahr. Die kannst du dir auch mit Tee mit Rum nicht mehr schöntrinken...


    Ich für meinen Teil finde das mit Abstand das eintönigste, belastendste und nervigste an meinem Job. Alles andere gefällt mir eigentlich wirklich gut oder ich finde es gar toll - mit Akutstress und unberechenbaren Situationen, mit allem Möglichen, was junge Menschen so an Überraschungen und Eigenheiten mitbringen, mit hoher Entscheidungsfrequenz und mit dem Hochtaktstress bis in den späten Nachmittag hinein komm ich gut klar und damit kann ich gut leben - aber diese Scheißkorrekturen sind meine persönliche Arbeitshölle.


    Bisherige Studen kamen bei Gymnasiallehrern auf eine mittlere Arbeitsbelastung von 55 Stunden in der nicht-unterrichtsfreien Zeit, in den Ferien, wo die Korrekturberge warten, um die 15-20 WSt. Macht im Prinzip zwischen 40-45 Stunden Wochenarbeitszeit.

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

    Einmal editiert, zuletzt von Meike. ()


  • 5. Wie mobil ist man als Lehrer? Ich wünsche mir zwar mehr Konstanz (siehe oben), aber mich würde dennoch interessieren, ob ein Arbeitsplatzwechsel als Lehrer heute etwas völlig normales ist (meine Lehrer waren meist lebenslang an einer Schule).


    Ich selbst strebe gerade den Wechsel an eine andere Schule an. Es wäre meine vierte. Die Wechselgründe waren: eben nicht ein Leben lang an einer Schule bleiben und schauen, was es sonst noch gibt....familiäre Einsichten in bestimmte Notwendigkeiten.
    Es ist möglich, sich auch im Schulwesen zu verändern bzw. zu entwickeln. Die Möglichkeiten sind jedoch begrenzt und abhängig vom Bedarf (Angebot und Nachfrage).



    Um mal auf eine deiner Fragen zu antworten.

  • Zitat

    Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Stunde Klassenarbeit-Korrektur mit nem leckerem Tee auf dem Sofa nicht wirklich als volle Arbeitsstunde empfunden wird.


    Ich kann mir gut vorstellen, dass Du Dich auf einen Shitstorm einstellen solltest ... ;)


    Chemie ist ein Mangelfach. Biologie nicht.
    Welches Lehramt schwebt Dir vor? Sek II oder Sek I? In manchen Bundesländern werden in der Sek I in einigen Schulformen Chemie, Physik und Biologie integriert als "Naturwissenschaften" unterrichtet. Da hättest Du dann wenig Chancen mit quasi nur einem Fach.


    Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Schule ist gewaltig. Du unterrichtest hier Schüler, nicht Fächer. Die wichtigste Frage, die Du Dir beantworten solltest, ist die nach Deiner Beziehung zu Kindern und Jugendlichen. An der Uni unterrichtest Du am Fach interessierte Stundenten. In der Schule unterrichtest Du Schüler, die an allem Möglichen interessiert sind, nur nicht an Schule. Und Du unterrichtest nicht nur, Du erziehst auch in hohem Maße.
    Wenn Du irgendwie kannst, mache ein Praktikum in einer Schule.


    Die Arbeitsbelastung ist vor allem in den ersten Jahren sehr, sehr hoch, weil man alles zum ersten Mal macht. Aber auch später bleibt sie hoch. Die Ferien bringen etwas Entspannung, aber meine sind bisher nie einfach nur Urlaub gewesen. Und ernsthaft: Korrekturen sind NICHT entspannend. In einer Zeitstunde korrigiere ich 2-3 Oberstufenklausuren, wenn ich mich sehr beeile. Bei zwei bis drei Kursen von durchschnittlich 25 Schülern und 4 Klausuren pro Schuljahr kannst Du den Korrekturaufwand mal hochrechnen. Dazu kämen mit Deinen Fächern noch Tests in den Sek I-Klassen.


    Verbeamtet bist Du eigentlich nicht mobil. Eine Versetzung ist nicht unter allen Umständen möglich und dauert möglicherweise Jahre.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

    Einmal editiert, zuletzt von Jule13 ()

  • Stimmt.
    Es gibt verbeamtete und angestellte Lehrer. Da gibt es auch noch mal Unterschiede.

  • zu meinem Werdegang, deshalb meld ich mich mal. Ich habe Bio/Chemie LA + Bio Diplom studiert (und abgeschlossen), mich dann zunächst gegen das LA und für die Wissenschaftlich entschieden. Ich habe dann 4 Jahre an einer Promotion gearbeitet, mit Veröffentlichungen und allem was so dazugehört. Obwohl mir die Arbeit viel Spaß gemacht hat, habe ich mich aus teils ähnlichen Gründen, die Dich zum Überlegen bringen, doch fürs Ref entschieden. Letztendlich hab ich meine Promotion nicht beendet, obwohl viel schon geschrieben war, aber nun ja.


    Es ist ein großer Schritt und viel Veränderung. Ich habe an der Uni viel in der Lehre gemacht, das hat mir auch viel Freude gemacht und mir wurde auch immer gesagt, ich sei ideal fürs LA geeignet, ich könne so gut erklären, begeistern etc. Im Ref hab ich mich sehr schwer getan, so richtig toll gelaufen ist es auch nicht. Allerdings hab ich immer nur gehört, dass ich durchaus geeignet sei, ich müsse an diversem arbeiten.


    Ich hab den Schritt aber nicht bereut, wobei ich noch nicht so lange dabei bin. Ein Praktikum würd ich auch auf jeden Fall empfehlen, und da so viel unterrichten wie geht, am Besten unter Anleitung eines Kollegen, der auch schon mal was dazu sagen kann, worauf im Ref Wert gelegt wird.


    Viele behaupten, die Schule sei eine fachliche Herausforderung und man dürfe sie einer wissenschaftlichen Arbeit nicht hintenan stellen. Da ist sicher was dran, aber nur auf eine bestimmte Art. Man ist sehr breit gefordert und auch gefordert auf breiter Front einigermaßen auf dem aktuellen Stand zu sein. Aber man bekommt natürlich nirgends den Tiefgang, den man im eigenen wissenschaftlichen ARbeitsfeld hatte. Und wie schon erklärt wurde, ist es eine andere Art zu lehren. Man muss sich was einfallen lassen, den Stoff überhaupt erst mal interessant für die Schüler zu machen, und man sitzt nicht mit ihnen an einem Tisch und erklärt, wo diese gerade Fragen haben. Und je nach Klassenstufe steht das Pädagogische sehr im Vordergrund. Die naturwissenschaftlichen Fächer sind zum Glück nicht so korrekturintensiv, wobei hier viel Zeit dazu kommt, die man in Sammlungen verbringt, um Versuche vorzubereiten. Ich versuche jetzt mal kurz auf Deine Fragen aus meiner Sicht einzugehen:


    1.Als Lehrer ist man mehr sein eigener "Herr", man kann vieles selbst einteilen. Die Arbeitsbelastung ist im Schnitt, denke ich, an der Schule nicht ganz so hoch, aber auch nicht so viel weniger (wobei es natürlich hier wie in der Wissenschaft alle Extreme gibt). Ein großer Vorteil des Lehrerjobs ist übrigens meines Erachtens, dass man gut auch mit Teilzeit arbeiten kann.


    2.Mit Chemie hat man soweit ich weiß immer noch gute Chancen, Bio ist wenigstens nicht richtig schlecht. Der Dr ist bei der Bewerbung gerade am Gymnasium eher von Vorteil, da die Schulleitung oft viel Wert auf Repräsentation legt (meine Erfahrung). Bei Kollegen und insb. Fachleitern (!) kann er eher schlecht ankommen.


    3.Eingestellt wirst Du schon für beide Fächer, aber es kann durchaus passieren, dass Du zeitweise überwiegend ein Fach unterrichtest. Aber meist wird sich das auch wieder ändern (ich wurde mal bei einer Bewerbung gefragt, ob ich fachfremd M und Ph unterrichten würde, da sie meine Fächer eigentlich nicht bräuchten...)


    4.Für mich sind auch die Korrekturen das Nervige. Unterricht vorbereiten macht oft eher Spaß, wenn man nicht allzu sehr unter Zeitdruck steht, das Unterrichten selbst macht meist auch Spaß.


    5.Wenn man verbeamtet ist, ist man nicht soo flexibel, denk ich, angestellt ist man ja sehr oft befristet, also zwangsläufig flexibel (meist mehr, als man will). Wie gut das mit Wechseln aber klappt, kann ich nicht sagen.


    Vielleicht konnte ich Dir ja etwas weiterhelfen, falls Du noch Fragen hast, meld Dich. Ich wünsche Dir viel Glück bei der Entscheidung!


    LG, Mollekopp

  • Je nach Fächerkombination und Vertrag (verbeamtet/angestellt) ist es sogar einfacher das Bundesland zu wechseln, als sich innerhalb eines Landes versetzen zu lassen. Wobei Kinder und Frau (nicht Freundin!) in der Regel als ausreichend für einen Ortswechsel angesehen werden. Ansonsten kann es viele Jahre dauern, bis man einem Wechsel statt gibt - sofern du als Beamter fest an einer Schule arbeitest und du keine "Sozialpunkte" hast. Einfach mal beschließen, dass du in 2 Jahren in der lieblichen Gegend am anderen Ende der Stadt arbeitest geht nicht, es sei denn eine Privatschule möchte dich (da kann man in einigen Ländern auch seine Verbeamtung behalten).


    Andererseits gibt es durch Schulreformen und demographisch bedingt in Zukunft wohl einige Schulschließungen und -zusammenlegungen. Da sind dann doch (un-)freiwillige Versetzungen möglich.



    Ein Tipp der mir geholfen hat: mach unbedingt vorher ein Praktikum von mindestens einer Woche Dauer mit Eigenunterricht.


    Ein persönlicher Tipp: informiere dich über Berufsschulen in S-H. Dort könnten die Einstellungschancen besser sein als für das Gymnasium, auch wenn die emotional erfüllende Arbeit mit den Kleinen entfällt. Sofern du ein reguläres Staatsexamen ablegst konkurrierst du zudem erstmal auf dem freien Lehrermarkt und es gibt sicher mehr Konkurrenz um Stellen in Kiel als auf irgendeiner Insel.

  • Oh, das ging ja schnell.
    Vielen Dank jetzt schonmal für die vielen Antworten.


    meike: Ich glaube dir, dass Korrekturen das nervigste sind. Vielleicht habe ich mich doof ausgedrückt. Nervige Aufgaben gibt es in jedem Job. Auch ich sitze des öfteren stundenlang vor einer Excel-Tabelle. Ich meinte nur, wenn ich mir aussuchen könnte, ob ich eine ungeliebte Arbeit im Büro oder im Home-Office mache, würde ich wohl das Home-Office wählen. Ich finde, einer Stunde Arbeit in einem Umfeld, in dem man sich wohl fühlt, fühlt sich eben nicht ganz wie eine Stunde an. Der Korrekturaufwand wäre mit Bio/Chemie ja auch wahrscheinlich deutlich geringer als z.B. in den Sprachen.


    Jule13: Einen Shitstorm wollte ich eigentlich nicht auslösen (siehe meine Antwort an Meike). Vielen Dank für deine Einsichten. Meine Einstellung zu Kindern, das ist eine gute Frage. Ich mag Kinder, hab aber noch nie vor 30 gestanden und unterrichtet. Ich habe aber schon einen Platz zum hospitieren für 3 Wochen, sobald ich im Juni aus den USA wiederkomme.


    @MarlenH: Danke, ich gehe mal davon aus, dass du dann nicht verbeamtet bist?


    @mollekopp- Vielen Dank, das sind ein paar für mich sehr wichtige Eindrücke. Ein Praktikum mache ich auf jeden Fall, bevor ich mich entscheide (nen Platz hab ich schon).


    Nettmensch: Das Problem ist, meine Freundin ist auch Wissenschaftlerin (einer von uns sollte nen "sichereren" Job machen denke ich). D.h. ich müsste dann in einer größeren Stadt unterkommen, wo es für uns beide Arbeit gibt. Ich selbst wäre auch gerne für "irgendeine Insel" zu haben.

  • Ich finde, einer Stunde Arbeit in einem Umfeld, in dem man sich wohl fühlt, fühlt sich eben nicht ganz wie eine Stunde an. Der Korrekturaufwand wäre mit Bio/Chemie ja auch wahrscheinlich deutlich geringer als z.B. in den Sprachen.


    Gerade im häuslichen Umfeld, in dem du ständig mögliche sinnhafte Tätigkeiten vor Augen hast, grenzt es an Folter 15 Mal denselben Schmu gelesen zu haben und genau zu wissen, dass man denselben Schmu noch 15-fach vor sich liegen hat. Zeit dehnt sich dadurch ins Unermessliche und Prokrastination wird zum neuen Hobby - eventuell zur Manie.

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

  • Gerade im häuslichen Umfeld, in dem du ständig mögliche sinnhafte Tätigkeiten vor Augen hast, grenzt es an Folter 15 Mal denselben Schmu gelesen zu haben und genau zu wissen, dass man denselben Schmu noch 15-fach vor sich liegen hat. Zeit dehnt sich dadurch ins Unermessliche und Prokrastination wird zum neuen Hobby - eventuell zur Manie.

    Danke für den Input. Da sieht man's mal wieder. Als Außenstehender hat man oft falsche Einschätzungen zum Lehrerberuf. Ich hätte nicht gedacht, dass Korrigieren so furchtbar ist.
    Ich musste regelmäßig Bio-Klausuren unserer Studenten korrigieren, und in ca. jeder fünften war ein solcher "Kracher" (in Form von gewollter oder ungewollter Komik), dass ich es eigentlich nicht so schlimm fand. Aber gut, wenn das zur Routine wird sieht's anscheinend anders aus.


    Ich hätte noch eine Frage, auch wenn die hier wohl keiner so richtig wird beantworten kann (vielleicht ja die Quereinsteiger):


    Ich habe mein Diplom und meine Doktorarbeit jeweils mit 1,0 abgeschlossen. Kann ich davon ausgehen, dass ich dann bei Anerkennung meiner Abschlüsse diese Noten für das Fach Biologie bekomme?
    Ich habe gelesen, dass Noten bei der Stellenvergabe im Lehramt eine große Rolle spielen (in der Wissenschaft sind diese wirklich sekundär, solange die Publikationen stimmen). Da wäre ne 1,0 in Bio ja schon ein ordentlicher Bonus (zumal es mit Bachelor/Master, wo jetzt jede Klausur zählt, ja sicherlich schwieriger geworden ist, ne 1,0 zu bekommen).


    Vielen Dank für alle Antworten. Ich freue mich schon auf mein Praktikum und hoffe wirklich sehr, dass mir das gefällt. Wenn es mich nicht vollkommen überzeugt, dann lass ich es bleiben.

    • Offizieller Beitrag

    meike: Ich glaube dir, dass Korrekturen das nervigste sind. Vielleicht habe ich mich doof ausgedrückt. Nervige Aufgaben gibt es in jedem Job. Auch ich sitze des öfteren stundenlang vor einer Excel-Tabelle. Ich meinte nur, wenn ich mir aussuchen könnte, ob ich eine ungeliebte Arbeit im Büro oder im Home-Office mache, würde ich wohl das Home-Office wählen. Ich finde, einer Stunde Arbeit in einem Umfeld, in dem man sich wohl fühlt, fühlt sich eben nicht ganz wie eine Stunde an. Der Korrekturaufwand wäre mit Bio/Chemie ja auch wahrscheinlich deutlich geringer als z.B. in den Sprachen.


    Also, wenn du die Schule nicht als ein Umfeld sehen kannst, wo du dich wohl fühlst und das häusliche Sofa päferierst, würd ich's gleich lassen..

  • Mit dem Umfeld geb ich Dir recht. Meike hat sicher in gewisser Weise recht, man sollte sich auch in der Schule wohl fühlen. Ich genieße es aber schon, dass ich einen Teil meiner Arbeit eben zuhause machen kann, und da ist es völlig egal, wann ich das mache. Bei mir ist das im Wesentlichen (momentan) abends, wenn die Kinder im Bett sind. Andersrum führt das aber auch zu dem, was mich momentan am meisten an dem Job stört. Geht vielleicht nicht jedem so, aber ich hab da ein Problem. Ich bin nie wirklich fertig, es gibt eigentlich immer was, was man eigentlich noch tun müsste (noch was (besser) vorbereiten, korrigieren, was für die Projektwoche planen etc) und somit hab ich eigentlich auch immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal nichts für die Schule oder sonst wirklich wichtiges mache. Aber ich hoffe, das bekomme ich noch in den Griff.


    Ich finde es super, dass Du ein Praktikum machst, das wird Dir sicherlich viel helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Da kannst Du viele Erfahrungen machen und hast auch die Gelegenheit (nutze sie!) mit den Kollegen über ihren Alltag zu sprechen. Sicherlich gibt es auch Referendare an der Schule, mit denen Du mal reden kannst.


    Ich würde schon davon ausgehen, dass Deine Noten so übernommen werden, was sollen sie denn auch sonst für welche nehmen...


  • 3. Wird man immer für beide Fächer eingestellt, oder kann es passieren, dass man 100% Chemie unterrichten muss, weil es genug Bio-Lehrer an der Schule gibt?


    Eingestellt wirst du immer für beide Fächer (wobei die Ausschreibungen dann "1. Fach Biologie, 2. Fach beliebig" heißen können). Ob du beide Fächer unterrichtest, kommt auf die Auslastung der Schule an. Es gibt Schulen, an denen es sehr viele Biolehrer gibt aber kaum Chemielehrer, umgekehrt aber auch. Ich unterrichte seit 2 Jahren kein Französisch, sondern nur Mathe, weil Mathe bei uns absolut unterbesetzt ist.


    À+

  • Quereinstieg ist in S-H leider nicht möglich (wäre mein Ziel-Land, da meine Freundin in Kiel arbeitet).

    http://www.schleswig-holstein.…Stellenangebote_node.html


    Viel ist da nicht, aber eine Stelle in Bad-Segeberg für Chemie habe ich gefunden. Möglich ist der Quereinstieg mit Referendariat durchaus. Man kann auch die Gymnasien direkt ansprechen, ob sie Bedarf haben. Wenn du hier in S-H bist, kannst du dich ja einfach mal ans Telefon hängen. Der Bedarf für Chemie ist größer als der für Bio. Auch wird hier schon vermehrt NaWi (Bio, Physik, Chemie) unterrichtet, aber die Studiengänge sind weiterhin getrennt.


    Mach möglichst auch ein Praktikum an einer Gemeinschaftsschule, denn es ist durchaus wahrscheinlich später an einer solchen zu landen. Außerdem kann es bei der derzeitigen Politik bei uns sein, dass in einigen Jahren das Gymnasium der Gemeinschaftsschule sehr ähnlich sein wird.


    Viel Erfolg bei der (für dich) richtigen Entscheidung!


    :prost: Heute war der letzte Schultag bei uns, Lehrer/in zu sein ist momentan sooo schön (trotz drei Korrektur-Klassensätzen)

  • Viel ist da nicht, aber eine Stelle in Bad-Segeberg für Chemie habe ich gefunden. Möglich ist der Quereinstieg mit Referendariat durchaus.


    ...


    Mach möglichst auch ein Praktikum an einer Gemeinschaftsschule...

    Danke für's Suchen. Ja, mit Biologie würd ich mir den Quereinstieg zutrauen (und mir Chemie als Zweitfach dann draufschaffen). Mit Chemie als erstem Fach ins kalte Wasser zu springen, ich weiß nicht, ob ich das packen würde. Wenn ich was mache, dann möchte ich das richtig gut machen, und in Chemie würde mir da wohl einiges fehlen (Frontalunterricht als reine Wissensvermittlung ginge, aber spannende Laborversuche, da müsste ich noch viel lernen). In Bio hingegen hab ich jetzt schon den ganzen Kopf voll, wie ich lehrreichen und interessanten Unterricht gestalten würde, wenn man mich denn ließe ;)


    Danke zum Tipp zur Gemeinschaftsschule. Mein Praktikum ist an einem normalen Gymnasium. Ich war froh, dass mich überhaupt eine Schule aufgenommen hat (9 von 10 haben mir nicht einmal geantwortet).


    Ich hab im Übrigen meinen Zivildienst in der Behindertenbetreuung in einer Realschule gemacht. So ganz unbedarft bin ich also doch nicht im Kontakt mit pubertären Jugendlichen.

  • Berlin hat aktuell und noch mindestens die kommenden 3-4 Jahre Lehrermangel. Sofern es dir darauf ankommt, in einer großen Stadt zu sein, damit deine Freundin eine Chance hat vor Ort Arbeit zu finden könntest du zum Referendariat dorthin und hast mit Chemie gute Chancen auch eine Stelle an einem Gymnasium oder einer der "besseren" Berufsschulen zu bekommen.


    Berlin verbeamtet aber neu eingestellte Lehrer seit ein paar Jahren nicht mehr, falls es dir darauf ankommt.

  • Berlin verbeamtet aber neu eingestellte Lehrer seit ein paar Jahren nicht mehr, falls es dir darauf ankommt.

    Ist man als angestellter Lehrer denn ganz normal kündbar? Und wenn ja, wird das auch umgesetzt oder ist man praktisch auch ohne Beamtenstatus unkündbar? (manchmal gibt es ja so ungeschriebene Gesetze)
    Denn als Lehrer den Job wegen Stellenabbau zu verlieren, fände ich schon ganz schön hart. Denn mal ehrlich, auf dem freien Arbeitsmarkt gibt es als Lehrer ja nicht viel zu holen.

  • Naja, was noch so kommt, weiß man ja nie... Momentan ist es wohl schon so, dass man als Angestellter mit unbefristetem (!) Vertrag davon ausgehen kann, dass man bleiben kann. Hier werden Lehrer allerdings immer noch verbeamtet und die Angestellten haben meist nur zeitlich befristete Verträge (bis auf die, die zu alt für die Verbeamtung sind). Wichtig zu wissen ist aber, dass Du bei exakt gleicher ARbeit als Angestellter einige Hunderter weniger im Monat bekommst als als Beamter - auch nicht zu vernachlässigen. ;)

  • Naja, was noch so kommt, weiß man ja nie... Momentan ist es wohl schon so, dass man als Angestellter mit unbefristetem (!) Vertrag davon ausgehen kann, dass man bleiben kann. Hier werden Lehrer allerdings immer noch verbeamtet und die Angestellten haben meist nur zeitlich befristete Verträge (bis auf die, die zu alt für die Verbeamtung sind). Wichtig zu wissen ist aber, dass Du bei exakt gleicher ARbeit als Angestellter einige Hunderter weniger im Monat bekommst als als Beamter - auch nicht zu vernachlässigen. ;)

    Mich würde wikrlich mal interessieren, woher das immer wieder kommt. Guckt ihr euch den Auszahlungsbetrag an? Also bei uns an der Schule haben zwei Beamte um die 40 Jahre mit VZ nach Abzug ihrer PKV ungefähr das gleiche raus wie eine Angestellte mit VZ im Netto ...
    Zur Frage mit der Kündbarkeit, es gibt bei uns einige Angestellte und ich hab es noch nie erlebt oder gehört, dass ein Angestellter gekündigt worden wäre. Eher müssen alle Beamten für drei Jahre auf 75% gehen, damit eben keine Stellen abgebaut werden müssen ... Das hatten wir hier in Brb vor einigen Jahren.

  • Mich würde wikrlich mal interessieren, woher das immer wieder kommt. Guckt ihr euch den Auszahlungsbetrag an? Also bei uns an der Schule haben zwei Beamte um die 40 Jahre mit VZ nach Abzug ihrer PKV ungefähr das gleiche raus wie eine Angestellte mit VZ im Netto ...
    Zur Frage mit der Kündbarkeit, es gibt bei uns einige Angestellte und ich hab es noch nie erlebt oder gehört, dass ein Angestellter gekündigt worden wäre. Eher müssen alle Beamten für drei Jahre auf 75% gehen, damit eben keine Stellen abgebaut werden müssen ... Das hatten wir hier in Brb vor einigen Jahren.

    Woher das kommt? Von meiner Gehaltsabrechnung! Als ich angefangen habe, war alles sehr kurzfristig und ich wurde zunächst für ein paar Wochen angestellt, bis die Verbeamtung durch war. Es hat sich nichts geändert, keine STeuerklasse etc. und die Differenz war schon riesig. l Dass man die PKV abziehen muss ist natürlich richtig, aber da war trotzdem einiges an Differenz! Ich muss jetzt weg, aber ich kuck mal, dass ich die Zahlen raussuche.

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