Information weiterführende Schule für Viertklässler

  • Folgendes Problem ereilt mich in diesen Tagen: Meine Viertklässler machen sich (zu) viele Gedanken über die im November stattfindenden Beratungsgespräche für die weiterführende Schule. In den Elternhäusern scheint das seit Wochen eines der Hauptgesprächsthemen zu sein und das Dorfsprachrohr verkündet die seltsamsten Äußerungen ... Jedenfalls sind meine Schüler jetzt schon durch den Wind und haben - so viel habe ich in kurzen Gesprächen herausgehört - wenig richtige Vorstellungen von der Vielfalt der Schullandschaft. Natürlich sind es die Eltern, die ihre Kinder unbedingt am Gymnasium sehen wollen, die am lautesten Druck machen. Meine Beruhigungsversuche fruchten irgendwie nicht wirklich und nun überlege ich, ob ich für meine eigentlich immer sehr interessierten und wachen Schüler (die meisten jedenfalls ...) eine Informationsstunde anbiete. Ich denke an eine ganz einfache Grafik für die Tafel mit Erklärungen über die Schulformen o.ä.
    Ganz spontan: Haltet ihr das für sinnvoll oder soll ich den Kindern deutlich sagen, dass das nicht ihr Problem ist, sondern die Verantwortung der Eltern? (Eine Infoveranstaltung für die Eltern findet bei uns nicht mehr statt.)

    Ein Niederrheiner ist einer, der nix weiß und alles erklären kann.
    Hanns Dieter Hüsch

  • Ich halte das für eine gute Idee, wenn du das Gefühl hast, dass es deine Schüler beschäftigt. Dabei sollte aber m.E. auch herausgestellt werden, dass sie jetzt noch nicht ihr ganzes Leben festlegen, sondern dass es darum geht, eine Schule bzw. Schulform zu finden, in der sie sich gut entwickeln können und in der es ihnen gut geht und in der sie nicht zu viel und nicht zu wenig gefordert werden. Außerdem vielleicht auch erklären, dass ein Wechsel auch möglich ist bzw. man auch nach der Realschule z.B. auf das Gymnasium kann bzw. danach an einem der vielen Berufskollegs sowohl einen Schul- als auch einen Berufsabschluss erwerben kann. Z.T. haben die Eltern ja selber eine innere Panik, die sie auf ihre Kinder übertragen. Aber vermeiden lässt sich diese Unruhe wahrscheinlich trotzdem nicht.

  • Ich finde das auch eine gute Idee. Immerhin betrifft es die Kinder doch ganz direkt.


    Abgesehen von den Bildungswegen: Sie interessieren sich wahrscheinlich weniger fürs Gymi als dafür, mit wem sie in einer Klasse sitzen werden im nächsten Jahr. Wenn du in einem kleineren Ort lebst, gibts ja auch nicht so viel Auswahl an Schulen und dann ist vermutlich (?) für die Kids wichtig, ob sie im nächsten Jahr mit dem Bus "ans Robert Schuhmann" fahren oder mit dem Fahrrad in die Fritz-Müller-Gesamtschule.


    Bei uns finden die ersten Bildungsgespräche übrigens im 2. Halbjahr der 3. Klasse statt und du kannst dir vorstellen, was es für aggressive Elternabende bereits am Anfang der 3. Klasse gibt. Schlimm ist das, aber ändern kannst dus wohl nicht, nur versuchen, Ruhe zu verbreiten :)

  • Die Unruhe der Viertklässler ist hier schon normal und beginnt teilweise schon in der zweiten Hälfte des dritten Schuljahrs.


    Wir informieren hier immer die Eltern an einem Elternabend ganz offiziell über die verschiedenen Bildungsgänge der Sekundarstufe 1 und 2, besonders im Hinblich auf die Durchlässigkeit der Schulformen und den entsprechenden Abschlüssen und beruflichen Möglichkeiten. Das muss laut Schulgesetz vor den individuellen Beratungsgesprächen mit den Eltern laufen.


    Den Kindern erkläre ich das auch immer, letztes Jahr anhand einer verkürzten Version mit passenden Schaubildern. Wichtig dabei war mir immer, den Wert aller möglichen Abschlüsse zu betonen und welche Möglichkeiten sich im Leben bieten, auch wenn man nicht das Gymnasium besucht. Das war sehr entlastend für die Kinder und hat spürbar mehr Ruhe in das Klassenklima gebracht. Ich kann das also nur empfehlen.

  • ...Wir informieren hier immer die Eltern an einem Elternabend ganz offiziell über die verschiedenen Bildungsgänge der Sekundarstufe 1 und 2, besonders im Hinblich auf die Durchlässigkeit der Schulformen und den entsprechenden Abschlüssen und beruflichen Möglichkeiten. Das muss laut Schulgesetz vor den individuellen Beratungsgesprächen mit den Eltern laufen.
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    Talida, mich wundert, dass ihr keine solche Infoveranstaltung durchführt. Du bist doch auch in NRW. Bei uns heißt es immer, dass dieser Infoabend Pflicht ist.


    Unabhängig davon finde ich es sehr gut, das auch mit den Kindern zu besprechen.

  • Danke für eure Antworten! Ich plane dann mal eine Infostunde für die Kinder und werde Beispiele von mir bekannten Menschen erzählen, die kein Abi haben und trotzdem glücklich sind bzw. nicht den geraden Weg direkt übers Gymnasium gegangen sind.
    Es ist richtig, dass die Kinder fast ausschließlich aufgrund ihrer Freunde eine Schule auswählen. Im Ort gibt es nicht alle weiterführenden Schulen, so dass viele sowieso mit Bus und Bahn fahren müssen. Das ist für die meisten also kein Kriterium.
    Bzgl. verpflichtende Veranstaltung: Es gibt eine (von der Stadt organisiert), die jedoch von der ausrichtenden Schule als Werbeveranstaltung genutzt wird ... Die Sprecher der anderen Schulformen gehen dort teilweise gar nicht mehr hin. Eine 'Gegenveranstaltung' (organisiert von den umliegenden Grundschulen) hatte in den letzten Jahren zu wenig Resonanz, d.h. die Eltern kamen nicht, so dass sie nicht mehr stattfindet. Wir verteilen also nur die Infoblättchen der Bezirksregierung und müssen umso mehr am Elternsprechtag informieren.

    Ein Niederrheiner ist einer, der nix weiß und alles erklären kann.
    Hanns Dieter Hüsch

  • Ich würde vielleicht sogar auch explizit den Weg Hauptschule/Realschule/Gymnasium -> Berufskolleg aufzeigen, also explizit darauf hinweisen, dass man letztlich viele Wege zum Ziel (das man in dem Alter ja noch nicht sehr realistisch hat) aufzeigen. Ich habe damals gar nicht gewusst, dass es nach der Haupt- und Realschule noch eine andere "aufnehmende" Schulform gibt, ich dachet immer, die gehen direkt (nur) arbeiten :rotwerd:

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