Woher kommt die Beliebhteit der Kombination "Deutsch/Geschichte"?

  • Interessant finde ich, dass wir hier sofort Leute haben, die sich wegen des Themas NS sofort anmelden. Hmm. Ein Schelm...

    Wer denn? Du vielleicht? Ja ... ein Schelm ...

  • ...Äquivalente gibt es ja auch in anderen Fächern, z.B. Sexualkunde im Biologie- oder Flüchtlinge im Politikunterricht.

    Hörst du dir selbst zu? Die tolerante Interpretation von Wollsocken deiner Aussage hast du selbst in deinem neuen Kommentar widerlegt.


    Lass es doch bitte einfach dabei bewenden. Du musst nicht jedes Thema für deine rechten Zwecke kapern.

  • @Lehramtsstudent:
    Dann zieh doch endlich mal deinen Kopf aus dem Hintern, lies mal genauer was du von dir gibst, und gib weder ihr noch sonstwem andauernd einen Grund dazu!

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • Da ist entsprechendes Feingefühl seitens der Lehrkraft nötig und das erreicht man am besten, wenn man es weder tabuisiert, noch verharmlost oder emotionalisiert darstellt, sondern so neutral wie möglich an die Sache herangeht und die Schüler dazu anregt, einen eigenen Zugang zu dem Thema zu finden.


    Danke für diese wertvollen Tipps für die tägliche Arbeit von einem Studenten.

  • Wenn man viele der Beiträge so liest, könnte man meinen, dass viele das Fach gewählt haben, weil sie so eine Art "Sendungsbewusstsein" verspüren, indem sie mit den Schülern Zusammenhänge in der Vergangenheit klären und diese in Bezug auf die Gegenwart beleuchten. Ein besonders wichtiger Aspekt scheint der zu sein, was man aus der Vergangenheit des Nazi-Deutschlands lernt.
    Sehe ich das richtig?


    Ich habe kein Geschichtsstudium (hatte aber Archäologie im Hinterkopf als evtl. Studium), bin aber im Fach HSU zumindest mit der Regionalgeschichte beschäftigt, wo man oft ins Mittelalter, die Antike oder in die Steinzeit zurückblickt. Wie Menschen sich entwickelt haben zu dem, was sie heute sind, durch welche Umstände sie sich Kulturtechniken angeeignet haben, wie Religiosität aufgrund von Lebensumständen sich entwickelt und weiterentwickelt hat, was sie erfunden haben um zu überleben, das hat mich schon immer interessiert und interessiert mich immer wieder. Ich bereise Länder und schaue mir historische Stätten und Stellen an, wo Leben stattgefunden hat und bin immer wieder von den damaligen Lebensumständen fasziniert. Die Grausamkeiten von Kriegen und Unglücken nehme ich wahr, blende ich da am liebsten aus und habe historisch lieber den Fokus auf die positiven Seiten. Ich kann da aber leider keinen ethisch - moralischen Hintergrund vorweisen.
    Mein Mann - sehr geschichtsinteressiert - sieht Geschichte eher im Zusammenhang mit Fakten und Zahlen und wie sich alles ineinander logisch gefügt hat. Er weiß alles noch aus der Schule - gibt man ihm ein Stichwort und er erklärt, wie alles gekommen ist - mit zugehörigen Jahreszahl - und warum. Wenn er Lehrer geworden wäre, hätte er mit Sicherheit Geschichte studiert.

  • Wenn man viele der Beiträge so liest, könnte man meinen, dass viele das Fach gewählt haben, weil ... sie mit den Schülern Zusammenhänge in der Vergangenheit klären und diese in Bezug auf die Gegenwart beleuchten. Ein besonders wichtiger Aspekt scheint der zu sein, was man aus der Vergangenheit ... lernt.
    Sehe ich das richtig?


    Hallo Caro07,


    wenn man aus deiner obigen Aussage das mit dem "Sendungsbewusstsein" und "Nazi-Deutschland" ausklammert (ziehe meine Zitation), entspricht sie so ziemlich exakt den offiziellen Vorgaben des Bildungsplans und dem gesunden Menschenverstand.


    Klar erleben wir derzeit einen latenten Rechtsruck (nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Gegenden der Welt) und sicherlich drückt sich das in manchen Einlassungen hier im Thread auch entsprechend aus. Doch als Lehrer/in müssen wir uns hier klar positionieren und das bedeutet nicht mehr, als dass man eine Vielfalt von Perspektiven im Unterricht anbietet/zulässt und den Prozess der Reflexion pädagogisch anleitet/begleitet. Dass das schon für viele Schüler/innen eine Provokation darstellt (da andere Meinungen als die eigene bereits als Angriff auf die eigene Person/Identität empfunden werden), ist ein Problem, dem man sich zwangsläufig stellen muss. Nicht nur als Geschichtslehrer.


    Mit "Sendungsbewusstsein" hat das absolut nichts zu tun. Es geht schlicht darum, demokratische Werte zu vermitteln, da wir glücklicherweise in einer Demokratie leben. Was im Unterricht zur Zeit des Hitler-Regimes vermittelt wurde, wäre wiederum ein interessantes Thema für den Geschichtsunterricht, um den Kontrast zwischen damals und heute problembewusst (nicht sendungsbewusst!) herauszustellen.


    der Buntflieger

  • Es geht schlicht darum, demokratische Werte zu vermitteln, da wir glücklicherweise in einer Demokratie leben.

    In welchem anderen Fach siehst du denn die Demokratieerziehung noch so richtig konkret angesiedelt?
    (Es ist mir klar, dass man das auch z.B. in Deutsch mit der Wahl der richtigen Lektüre machen kann.)


    Ich habe mich einmal im neuen bayerischen Lehrplan fürs Gymnasium umgeschaut, das bestätigt deine Aussagen. (Ich habe mich nie damit beschäftigt, muss ich gestehen.)
    Als ich aufs Gymnasium ging, kann ich mich noch daran erinnern, dass Geschichte irgendwann zweigeteilt war - das eine war so etwas wie Gesellschaftskunde, Politk, Recht... das machte man dann, so weit ich mich erinnern kann, in Modulen - Geschichte war dann ausgesetzt sozusagen. Da hat man sich dann ganz konkret mit verschiedenen Staatsformen beschäftigt und die Werte der Demokratie reflektiert. Ehrlich gesagt, würde ich mir in Bezug auf Demokratieerziehung so ein Fach schon in der Sekundarstufe (wieder) wünschen.
    Schade finde ich, dass dies jetzt anscheinend nur noch über das Fach Geschichte zu laufen scheint - da gehen solche Dinge, die ich im obigen Beitrag schrieb, in meinen Augen unter. Wo kann man Schülern den Gedanken vermitteln, dass wertvolle zeitgeschichtliche Dokumente und Bauwerke - auch die der Antike und noch weiter zurück, die die Anfänge der Menschheit zeigen, erhalten bleiben müssen oder was die Menschheit zu dem gemacht hat, was sie heute ist? Um die Menschen begreifen zu lassen, wie es zu dem kam, was sie heute sind? Finde ich wichtig, für das Identitätsgefühl, was macht z.B. einen Menschen aus, wie hat er gelebt, wo hat er Gemeinschaft erlebt usw. Die ganze Geschichte sagt viel über den Menschen an sich aus. Nur die negativen Sachen herauszupicken, finde ich verkürzt.
    Um keine Missverständnisse zu erzeugen: Mir ist schon klar, dass es wichtig ist, historische Vorgänge zu bewerten im Blick auf das, was darf nie wieder passieren, das soll auch gemacht werden. Im Augenblick scheint der Geschichtsunterricht schwerpunktmäßig nur unter diesem Gesichtspunkt zu laufen, wenn ich unseren Lehrplan so anschaue.

  • Genau - nichts Anderes meinte ich. Wie könnte man denn meinen Beitrag sonst deuten?

    Der Geschichtsunterricht soll ganz bestimmt nicht "neutral nötige Informationen liefern" und die Jugendlichen dann damit alleine lassen! Als Geschichtslehrer vertrete ich nicht nur qua Amt sondern auch ganz persönlich die Werte unserer pluralistischen, freiheitlichen Demokratie. Da bin ich nicht "neutral", da werde ich nicht "neutral" sein und das mache ich auch stets völlig transparent.


    Nele

  • ... Als Geschichtslehrer vertrete ich nicht nur qua Amt sondern auch ganz persönlich die Werte unserer pluralistischen, freiheitlichen Demokratie. Da bin ich nicht "neutral", da werde ich nicht "neutral" sein und das mache ich auch stets völlig transparent.
    Nele


    Ich zitiere mal beispielhaft das Schulgesetz NRW: "Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung. Die Jugend soll erzogen werden im Geist der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen, zur Verantwortung für Tiere und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, in Liebe zu Volk und Heimat, zur Völkergemeinschaft und zur Friedensgesinnung."


    Kann jetzt doof finden, wer will nur dann halt nicht LehrerIn werden.

  • "Ehrfurcht" finde ich doof. Ein fürchterlicher Begriff (egal, wie man ihn deutet), der für mich noch nie Sinn gemacht hat. Und ich bin schon sehr lange, erfolgreich und zufrieden Lehrerin. Und auch Gesetze können sich mit der Zeit ändern. :P L.G. Pia (der bei ihrer Vereidigung auch kein "Gott" helfen musste...)
    Ach ja: Den Rest, nach dem Ehrfurchtdingens, finde ich übrigens voll o.k. Aber was hat "Gott" im Schulgesetz zu suchen?

  • Eben.
    Streich die ersten drei Worte, dann passt das.
    Zumal... ist ein bestimmter gemeint?

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)


  • In welchem anderen Fach siehst du denn die Demokratieerziehung noch so richtig konkret angesiedelt?(Es ist mir klar, dass man das auch z.B. in Deutsch mit der Wahl der richtigen Lektüre machen kann.)


    [...]


    Im Augenblick scheint der Geschichtsunterricht schwerpunktmäßig nur unter diesem Gesichtspunkt zu laufen, wenn ich unseren Lehrplan so anschaue.


    Hallo Caro07,


    die "Demokratieerziehung" (so würde ich das nicht unbedingt ausdrücken, aber das sind wohl Nuancen) findet natürlich nicht fachgebunden statt, sondern ist Teil des staatlichen Lehrauftrags.


    Im für mich gültigen aktuellen Lehrplan ist das Thema Nationalsozialismus ein Thema unter 10 anderen, die zwischen den Klassenstufen 7-9 vorgesehen sind. Dann wird ggf. bzw. zwangsläufig in Klasse 10 im Rahmen der europäischen Integration nochmals darauf Bezug genommen. Ein gesonderter Schwerpunkt ist also dem aktuellen Bildungsplan in BW nicht zu entnehmen. In anderen Bundesländern mag das anders sein.


    der Buntflieger

  • Ach ja: Den Rest, nach dem Ehrfurchtdingens, finde ich übrigens voll o.k. Aber was hat "Gott" im Schulgesetz zu suchen?


    Hallo primarballerina,


    in vielen offiziellen Gesetzestexten ist die Formel mit "Gott" und z.T. das altbackene "Heimat" etc. noch enthalten. Da würde ich mich nicht dran stoßen, zumal heute niemand mehr auf "Gott" schwören muss, das ist immer freiwillig.


    Ich wäre natürlich auch froh darüber, wenn wir eine klarere Trennung von Staat und Kirche in Deutschland hätten, doch auch das hat bestimmte geschichtliche Gründe, die es zu berücksichtigen gilt - dann ergibt das einen gewissen Sinn. Auch das mit dem Religionsunterricht an staatlichen Schulen, was ja eigentlich ein Unding ist - aber halt: völlig anderes Thema.


    der Buntflieger

  • Kann jetzt doof finden, wer will nur dann halt nicht LehrerIn werden.

    Jetzt werde ich doch mal ganz provokant und spitzfindig: Das Ding mit "in Liebe zu Volk und Heimat" kann man wiederum auch ganz anders interpretieren, nicht? :_o_P Überhaupt ist die ganze Diskussion hier gerade sehr von gegenseitigen Fehlinterpretationen geprägt. Ob bewusst oder weil sowas per Internet halt nun mal schnell passiert, das sei mal dahingestellt.

  • Ich finde es etwas gewöhnungsbedürftig, dass hier eine derart negative Stimmung gegenüber Religion und einschlägigen Begriffen wie "Heimat" herrscht. Natürlich kann man eine Meinung hierzu haben, man sollte aber meiner Meinung nach etwas Taktgefühl gegenüber denjenigen Mitusern haben, denen diese Begriffe wichtig sind. Ich denke da alleine an Religionslehrer oder Lehrer an Schulen in kirchlicher Trägerschaft. Diese hört man ja auch nicht sich negativ gegenüber "Ungläubigen" äußernd. Der Religions- und auch der Heimatbezug finden mehrfach im Grundgesetz Verwendung und wie bereits von Buntflieger geschrieben, die Demokratiererziehung (und damit auch die Erziehung nach Werten und Normen des Grundgesetzes) ist ein wichtiger Teil von Schule.

  • Jetzt werde ich doch mal ganz provokant und spitzfindig: Das Ding mit "in Liebe zu Volk und Heimat" kann man wiederum auch ganz anders interpretieren, nicht? :_o_P Überhaupt ist die ganze Diskussion hier gerade sehr von gegenseitigen Fehlinterpretationen geprägt. Ob bewusst oder weil sowas per Internet halt nun mal schnell passiert, das sei mal dahingestellt.

    Hä? so ein Käse. Hier vergleicht jemand die Wertevermittlung in Geschichte in Zshg. mit der NS-Diktatur mit dem Sexualkundeunterricht in Bio und mit der gesellschaftspolitischen Debatte um Flüchtlinge. Da gibt's nix zu interpretieren, das ist ganz offensichtlich daneben.


    Und die "Liebe zu Volk und Heimat" ist eine altmodische Wortwahl, die in Verbindung mit Menschlichkeit, Friedensgesinnung, Demokratieerziehung und Nachhaltigkeit keine gewaltverherrlichende Interpretation zulässt.

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