TV Tipp: "Zwischen den Stühlen"

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    • Ich schaue mir das jetzt mal zum ersten Mal an.

      15:00 Ach du gute Güte, anscheinend kommen Fachleiter und Ausbildungslehrer unvermittelt in den Unterricht. Warum bitteschön mitten in das Unterrichtsgeschehen? Warum muss der Ausbildungslehrer im Unterricht den Fachleiter über die pädagogische Gemengelage informieren? Geht das nicht vorher, außerhalb des Klassenraums?

      20:00 "Feedback? Mein Arbeitstag ist auch noch nicht zu Ende." Arschloch. Was meinst du, was dein Feedback ist? das ist Arbeit, Ausbildung, deine Dienstpflicht! Auch, wenn du ganz normal nur Lehrer bist.

      21:00 Mein Gott, die arme Referndarin. :( Ich erlebe das so oft, dass Menschen in der Lehrerausbildung beschädigt werden, das tut mir persönlich menschlich so Leid... Hoffentlich schaffe ich es, meinen Referendaren bei meinem Feedback einen anderen Eindruck zu vermitteln als "Fünf, hoffe ich nicht, ich weiß es nicht"... :(

      22:30 Benontungen ohne selber die Lerngruppe unterrichtet zu haben. Immer so eine Sache. Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Kann man das so als Ausbildungsmaterial verwenden? Mhhm. Kommt drauf an.

      24:20 Ich bin so froh, in der Erwachsenenbildung zu arbeiten. Ich habe einfach kene Lust, heulende Kinder zu verarbeiten...

      25:50 Die Referndarin hat so Recht. Der Zwang zur Benotung ist grauenvoll. "Sklaven von Zahlen" - Sie hat einach Recht. Ich hasse das, obwohl ich schon über 15 Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel habe. Immer noch glaube ich, dass ich ohne Benotungspflicht genau so gut arbeiten könnte.

      27:00 Tausend Fehlerkategorien in einem Satz. Ja, ist normal, passiert immer wieder. Die Frage ist, wie geht man damit um? Wie berät man seinen Lerner, dass das nächste mal weniger Verstöße gegen den Standard der Sprache und der Rhetorik geschehen? Das ist das Entscheidende, nicht die Zahl der numerischen Verstöße...

      28:44 Über Bewertungsbeschwerden: "Die Schule hat eine Tabelle. Ich hätte das anders bewertet." Nicht tun. Entweder ich bewerte selber, dann stehe ich dazu. Oder ich bewerte nach der Maßgabe der Schule, dann vertrete ich die dem Schüler gegenüber und zweifele die nicht öffentlich an (Fakositzungen sind was anderes.) Alles andere geht nicht.

      32:00 Die Bildungsgeschichte des Referendars. Jupp. Das ist der Normalfall für uns im zweiten Bildungsweg- Die "Versager" versuchen es bei uns und haben sehr oft Erfolg...

      39:05 "Der beste Motivator ist Erfolg" - sehr richtig, auch die Gegenfrage "woher kommt der?" Das ist einer der Knackpunkte beim Unterrichten.

      41:16 Elterngespräch - der arme Referendar, der ist völlig auf hoher See... Das tut einem körperlich weh, das zu beobachten. Naja, wie man Beratungsgespräche führt, ist Erfahrungssache. Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, wie man das jemandem theoretisch beibringen will. Vielleicht Hospitation bei erfahrenen Kollegen?

      51:00 Die Realität des Problems der "Lehrerpersönlichkeit". Ich muss schon eingestehen, dass bei mir das Klischee "armes Mäuschen" einige Male emporgeploppt ist, wenn es um diese Referendarin ging. Der Begriff "Lehrerpersönlichkeit" ist kaum zu greifen und kann auch nicht wirklich strukturiert beigebracht werden. Fakt ist allerdings, dass der Lehrerberuf eine Tätigkeit mit Führungsverantwortung über Gruppen mit Menschen ist. Es gibt Menschen, die das von ihrer Persönlichkeitsstruktur her gut können, andere können es weniger oder gar nicht. Que faire? Allerdings liegt bei der Referendarin auch ein Missverständnis vor: Autorität haben ist nicht autoritär sein und Führung ist nicht per se unmenschlich. (Kann es aber sehr schnell sein.)

      52:41 Interessante Fensterkonstruktion. Hab ich so noch nie gesehen!

      53:00 Mein Gott, was bin ich froh, in der Erwachsenenbildung zu sein... Aber sehr interessant, wie hier die Impulssetzungen durch die Referendarin laufen. Ihr lautes "Hey!" hat bei den Schülern wahrscheinlich nicht funktioniert, weil es als Lehreräußerung nicht angekommen ist, denn es war von der Stimmlage und von der Wortwahl nicht von einem Schüler-"Hey" zu unterscheiden. Was macht man? Vielleicht mehr mit der Körperposition arbeiten, weg vom Lehrertisch, bei Impulssetzungen auch konkret körperlich in der Nähe sein? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Bewegung durch den Raum in allen Aspekten des Lehrerhandelns sehr wichtig ist.

      50:00 Burnout und ausgelaugt, obwohl noch frisch im Referendariat. Das ist wirklich ein Problem, dass man eigentlich erst nach dem Referendariat lernt, dass der Lehrerberuf und seine Ansprüche sehr wenig mit dem zu tun haben, was man im Referendariat lernt - und dass man überhaupt erst nach dem Referendariat mit dem Lernen beginnt, wie man als Lehrer sein Arbeitsleben so gestaltet, dass man jahrelang durchhalten kann. Und manche lernen das leider nie. Oder falsch; es gibt leider viel zu viele verhärtete Zyniker, die ihre Schüler verachten.
    • ...also im Bereich "Filmanalyse" erreicht der Kandidat @Meerschwein Nele bei mir... na, sagen wir mal 13 Punkte. Da geht noch was, aber nicht mehr allzu viel nach oben, und die Herausarbeitung verschiedener Aspekte ist sehr gut gelungen, insbesondere möchte ich den Punkt "51.00" hervorheben, das trifft den Kern absolut.

      ;)
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
      Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Miss Jones ()

    • Meerschwein Nele schrieb:

      51:00 Die Realität des Problems der "Lehrerpersönlichkeit". Ich muss schon eingestehen, dass bei mir das Klischee "armes Mäuschen" einige Male emporgeploppt ist, wenn es um diese Referendarin ging. Der Begriff "Lehrerpersönlichkeit" ist kaum zu greifen und kann auch nicht wirklich strukturiert beigebracht werden. Fakt ist allerdings, dass der Lehrerberuf eine Tätigkeit mit Führungsverantwortung über Gruppen mit Menschen ist. Es gibt Menschen, die das von ihrer Persönlichkeitsstruktur her gut können, andere können es weniger oder gar nicht. Que faire? Allerdings liegt bei der Referendarin auch ein Missverständnis vor: Autorität haben ist nicht autoritär sein und Führung ist nicht per se unmenschlich. (Kann es aber sehr schnell sein.)

      Hallo Meerschwein Nele,

      diese Referendarin (Anna) steht doch unter einem immensen Druck von Seiten des Seminars, was besonders in dem Gespräch mit der Lehrerin (ca. 49:30) deutlich wird. Anna sagt selbst, dass sie ohne Beobachtung viel spontaner und mutiger mit den SuS interagiert.

      Interessant ist übrigens die Äußerung der Lehrerin, zu der Anna offenbar besonderes Vertrauen hat. Diese Lehrerin verweist darauf, dass sie selbst massive Probleme mit einer Fachleiterin gehabt habe und daraufhin ihr Referendariat zeitweise unterbrechen musste.

      Der Fall ist für mich ganz klassisch. Schon zu Beginn wird Anna als untauglich abgestempelt und steht im allgemeinen Fokus ("Spotlight") des Seminars. Anna wird nicht bestärkt, an ihren Schwächen - vor allem Nervosität im Rampenlicht - nicht zielgerichtet gearbeitet. Dass Anna offensichtlich bei den SuS beliebt ist und sehr wahrscheinlich auch abseits von Unterrichtsbesuchen keine nennenswerten fachlichen oder pädagogischen Probleme hat, wird überhaupt nicht berücksichtigt.

      Ich kenne diese Situation in Teilen. Auch wenn ich nicht so bin wie Anna und mich auch schon zu Beginn in einer mir fremden Lerngruppe recht gut durchsetzen kann, weiß ich doch, dass der lange Atem in einer Klasse darüber entscheidet, ob man als Lehrperson angenommen wird oder nicht. Das Problem als Referendar ist in dieser Hinsicht immer gleich: Man hat zu wenig "normalen" Unterricht in einer Klasse, man steht als "halber Lehrer" vor den SuS und ist unter äußerlich erzeugtem Dauerstress. Man muss viele Dinge machen, die nicht zu einem selbst passen und untergräbt auf diese Weise z.T. die eigenen Möglichkeiten, mit SuS natürlich zu interagieren.

      Und neben all diesem Beiwerk muss man dann hier und jetzt zeigen, dass man die Klasse jederzeit im Griff hat, inklusive Ritualen und perfekt sitzenden Methoden etc.

      Deshalb gilt das Referendariat als Stress- und Belastungstest. Kann ja auch gar nicht anders sein. Anna macht ihren Weg trotzdem, was mich sehr für sie freut und für die Kinder, die sie - ihr reflektiertes und empathiebegabtes Wesen - als Lehrerin genießen dürfen.

      der Buntflieger
    • 1:01:20 Warum ähnelt sich Schularchitektur und Gefängnisarchitektur so oft?
      1:02:00 Und gleich danach diese vorgelesene Stelle aus "Unter dem Rad". Filmisch sehr gelungen!

      1:07:25 Handschlag verweigern (als Ausrede ein Stift), "Ich bin nicht interessiert, was sie mir anbieten"? Arschloch. Auch einen nicht erwarteten Handschlag nimmt man an, das ist ein Gebot der Höflichkeit. Alles andere ein Affront. Warum sollte der hier verdient sein?

      1:08:40 "Kardinalfehler Schüler abwürgen" - "warum tun sie das?" Tja, in der Gestaltung des Prüfungsgespräches gleich selber begangen. Was soll denn der arme Referendar auf die Frage nach dem "warum" antworten? Dass er in dem Dilemma gesteckt hat, ansonsten die Unterrichtsplanung zu nicht zu vollstrecken, was ihm genau so hart hätte vorgeworfen werden können? Das könnte ein Thema der Reflektion zwischen Ausbilder und Referendar sein, wenn die Antwort nicht schon im Vorfeld durch das harte "du hast Scheiße gebaut" abgewürgt worden wäre.

      "Wir verprellen unsere Schüler immer so schnell." - Zum Beispiel durch Missachtung der grundlegenden Höflichkeitsregeln, meinetwegen unabsichtlich. Ist eine interessante Situation, weil die Bemerkung einerseits richtig und wichtig ist; andererseits beleuchtet das aber auch ein Grundproblem des Referendariats, dass Ausbilder häufig die Prinzipien, die sie bei ihren Referendaren anmahnen, im Umgang mit ihren Azubis schmerzlich vermissen lassen!

      1:10:45 Nagging mommy. :) Der leicht nasale, nörgelnde Tonfall, den restlos jedes Kind einer Mutter in langen Jahren zu ignorieren gelernt hat. :)

      1:11:50 Spannungsfeld "der Stoff" muss "durchgenommen" werden mit der Sozialsituation im Unterricht. Es hilft wahrscheinlich, wenn man erkennt, dass der problematische Zustand individueller Schüler und Lerngruppen, die das geduldige Bohren dicker pädagogischer Bretter notwendig macht, integraler Bestandteil der Berufsaufgabe ist. Es ist nicht die Störung, die den "eigentlichen" Unterricht unmöglich macht, der soziale Lernprozess ist Teil des Unterrichts, der nur langfristig zum Erfolg führt. Dem steht natürlich die Messung durch Lernziele entgegen. Das ist auch ein Fakt.

      1:13:00 Das Rhetoriktraining scheint zu wirken! :O
      1:13:50 Und in der Nachbesprechung schon nicht mehr...

      1:16:30 Das ist die Stelle mit den rauchenden Lehrern, die im Thread so einen Anstoß erregt hat? Ach du gute Güte... Die wichtige Frage ist, wie baut man nach so einem desaströsen Urteil, so einem Treffer im Maschinenraum die Referendarin auf, damit die dringend notwendige Arbeit an der Unterrichtskompetenz - hier wohl die Sachanalyse - weitergehen kann?

      1:17:45 "Die Lehrer machen den Unterricht, damit ihr was lernt." Schon richtig, aber die Schüler sind nicht freiwillig da und ihnen ist es ersteinmal schnurzpiepe, ob die Lehrer ihren Job anstrengend finden oder nicht. Schüler arbeiten nicht für den Lehrer sondern für eine Note und weil sie es müssen. Und wenn alles gut läuft, irgendwann mal aus intrinsischem Interesse und dann eventuell auch für den Lehrer als Menschen. Erstmal ist der Lehrer für den Schüler nur ein Teil des Schulsystems und Projektionsfläche. Deshalb wird ein solcher Appell in der Situation mit der Altersgruppe nicht funktionieren...

      1:18:21 Die Erschöpfung in dem Gesicht... Mein Gott, was wird da mit Menschen gemacht. :( Anschließend sehr gute Reflexion über den Sinngehalt der Arbeit angesichts der Frustration.

      1:21:04 *Schwingschwing* Ein Glück, dass ich so einen Kasperkram nicht mehr machen muss!

      1:23:00 Durchgefallen. :( Hätte ich die Prüfung wiederholt, wenn ich durchgefallen wäre? Ich glaube, nicht.

      1:24:05 "Ich werde dich auch nie vermissen." Was würde Freud dazu sagen. ;)

      1:26:26 "Ich würde gerne mal einen Minister eine Woche lang unterrichten sehen". Das fände ich nicht so wichtig, die haben ihre Fachberater. Was ich wichtig fände, wäre, wenn an es an didaktischen Lehrstühlen ständige Unterrichtsverpflichtungen (eine Klasse oder so) für jeden gäbe, der Lehrerinnen und Lehrer ausbildet. Am besten in wechselnden Schulformen.

      1:27:25 Angst im Gesicht.

      1:29:30 Schönes Wohnzimmer. Man erkennt den Intellektuellen. :) "Hast du noch ein weißes Schlüsselband." Im Ernst!? :D

      1:32:44 "Guuuu-teeen Mooooor-gäään, Heeer Pääääters!" :D

      1:35:20 Boah, sind die fertig... Muss das echt so sein?

      Wie, nicht mal Sekt??

      1:37:35 "Sie werden erst mal Klassenlehrer, sie bekommen die Klasse, die sonst keiner will." Erstens: super, klasse Rezept, um Junglehrer verlässlich schnell kaputt zu reiten. Zweitens: an dieser Schule wird das Amt des Klassenlehrers anscheinend als unbequeme Pflichtaufgabe verstanden, die man möglichst vermeiden will. Habe ich meine Schwierigkeiten mit. Der Klassenlehrer ist eine wichtige Aufgabe, die in die Hände von erfahrenen Lehrern gehört! Mit den Vorhersagen hat der Mann sicher Recht, aber muss man das auf diese Art und Weise vermitteln? Da tropft schon der Zynismus, der sich als Realitätssinn verkleidet, aus den Worten...

      1:39:15 Tiefe Erschöpfung. Was für eine Scheißausbildung... Und zum Glück hat es das "arme Mäuschen" doch noch geschafft.

      Summa summarum? Puh. Ich konnte den Film nicht am Stück durchsehen, der hat doch noch an vielem gerührt, obwohl mein Referendariat schon über 15 Jahre her ist, ich mich in meinem Beruf sehr wohl fühle und ich von der Persönlichkeit her meine psychischen Knackse haben mag, aber das eine, das mir ganz bestimmt nicht fehlt, ist Selbstbewusstsein.

      Ich frage mich immer, warum das Referendariat so leidensbesetzt sein muss. "Abhärtung" wird es von manchen genannt, "Ausmerzen von psychisch Schwachen", leider viel zu oft auch von Ausbildern. Muss das denn so sein? Einerseits ist der Lehrerberuf anspruchsvoll aber er ist ganz bestimmt nicht ultrahart, was intellektuelle, methodische und sonstige Voraussetzungen angeht. Der Lehrerberuf ist ein Handwerk, das man lernen kann und die Ausbildung dazu mündet in einen ganz normalen Job, wie es viele andere gibt. Nicht mehr und nicht weniger. Warum sollte eine Ausbildungsform emotional so belastend sein? Dafür gibt es doch überhaupt keinen Grund!

      Zweitens zweifele ich an der grundsätzlichen Dichotomie zwischen dem Anspruch der Schule zu Menschlichkeit und Vernunft hinzuführen. Wie ist damit ein Ausbildungssystem zu vereinbaren, das offensichtlich und unleugbar regelmäßig Menschen beschädigt und einen geheimen Lehrplan enthält, der das genaue Gegenteil dieses Anspruches darstellt? Schädigt man damit nicht langfristig die Schule, weil man Lehrer auf eine Weise prägt, die man genau vermeiden möchte? Führt man nicht einen Zufallsfaktor ein, wenn es um die Entwicklung tatsächlich guter Lehrer geht?

      Aber das gleiche Problem findet man ja auch bei der Besetzung von Fachleiter- und Schulleiterstellen...
    • Meerschwein Nele schrieb:

      Zweitens zweifele ich an der grundsätzlichen Dichotomie zwischen dem Anspruch der Schule zu Menschlichkeit und Vernunft hinzuführen. Wie ist damit ein Ausbildungssystem zu vereinbaren, das offensichtlich und unleugbar regelmäßig Menschen beschädigt und einen geheimen Lehrplan enthält, der das genaue Gegenteil dieses Anspruches darstellt? Schädigt man damit nicht langfristig die Schule, weil man Lehrer auf eine Weise prägt, die man genau vermeiden möchte? Führt man nicht einen Zufallsfaktor ein, wenn es um die Entwicklung tatsächlich guter Lehrer geht?

      Das ist der wichtigste Aspekt, wie ich finde. Die Lehrerausbildung widerspricht eklatant modernen pädagogischen Grundanforderungen und ist dabei nur sehr begrenzt in der Lage, diesen Widerspruch angemessen zu reflektieren.

      Daher pflichte ich einem bekannten Erziehungswissenschaftler bei, der in diesem Zusammenhang von einem Initiationsritus spricht. Sieht man gut bei 01.36.50:

      "Das ist hier der Härtetest!" "Ne Kinder. Da jibts noch andere Sachen. Ick denke det is ne jute Vorbereitung aufs Leben, aber es könnte auch noch dicker kommen."

      Das Referendariat also in erster Linie als "gute Vorbereitung aufs Leben (als Lehrer/in)?"

      Das stelle ich (und nicht nur ich!) massiv in Frage!

      der Buntflieger
    • Frapper schrieb:

      Da (wie immer) keine konkreten Verbesserungsvorschläge von dir kommen, ist das doch eh wieder nur heiße Luft.

      Hallo Frapper,

      Verbesserungsvorschläge habe ich zahlreiche hier im Forum verewigt.

      Um nur einige zu nennen:

      - Referendare sollen mindestens einmal ohne Begründung die Schule/das Seminar wechseln dürfen (Freischuss).
      - Regelmäßige anonymisierte Evaluationen (von dritter Stelle beaufsichtigt) sollen an Seminaren durchgeführt werden.
      - Verbindliche Ausbildungsstandards sollten eingeführt werden.

      P.S.: Ich möchte um einen freundlicheren Ton mir gegenüber bitten. In letzter Zeit häufen sich Verbalattacken in meine Richtung; ich stehe dem zwar gelassen gegenüber, finde es aber im Sinne einer gereiften Diskussionskultur wenig förderlich. Wir spiegeln hier als Lehrerforum schließlich auch diesen Berufsstand in gewissem Sinne nach außen.

      der Buntflieger
    • Verbindliche Ausbildungsstandards gibt es.
      Das sind alles marginale Veränderungen, die du vorschlägst. Niemand mit Mitte zwanzig nach einem erfolgreichen Studium geht gerne in diese Position zurück, wo man so einer Bewertungssituation ausgesetzt ist wie im Ref. Daran haben viele zu knapsen, es wird sich aber nicht ändern lassen.

      Dass der Ton dir gegenüber schärfer wird, liegt auch daran, dass du manches einfach nicht einsiehst.
    • lieber Buntflieger, ich glaube dir, dass du derzeit eine blöde Zeit durchmachst. Ich stimme dir sogar in einigen Punkten zu. Z.B. bei den anonymen Evaluationen.

      Bei uns gab es sogar anonyme Evaluationen und wir haben alle unsere Kritikpunkte vorgebraucht, natürlich möglichst konstruktiv formuliert. Unsere Gruppensprecher haben eine online-Umfrage gestartet und die Ergebnisse dann zusammengefasst an die Seminarleiter weitergegeben. Ich würde sogar sagen, dass einige unserer Kritikpunkte umgesetzt wurden, allerdings hatten wir nichts davon, aber hoffentlich die Gruppen nach uns. Manche unserer durchaus konstruktiven Vorschläge sind aber auch völlig abgeprallt.

      Mein Referendariat war durchwachsen. Ich hatte ein halbes Jahr, in dem ich durchaus einiges gelernt hatte, mit einer Betreuungslehrerin, die ein gutes Vorbild war und fachlich auch echt viel drauf hatte. Manche der "Methoden" fand ich auch etwas komisch, aber es machte schon Sinn es wenigstens mal auszuprobieren. Ein Beispiel gefällig? Wir sollten immer möglichst wenig reden und viel mit stummen Impulsen arbeiten. Kommentar meiner Schüler: "Frau Mars, wir sehen schon, dass Sie immer so komisch gucken, aber wir wissen dann nicht was sie wollen. Können Sie nicht einfach eine Frage stellen, wenn Sie was von uns wollen?" => stumme Impulse sind einfach nichts für mich 8)

      Im zweiten Halbjahr hatte ich die Referendarshölle. Miese Planung, eine inkompetente Betreuungslehrerin, kein Plan, kein sinnvolles Feedback, dafür aber 2 Lehrproben, die ich ohne irgendeine Hilfestellung und mit nicht korrekten Angaben von der Betreuungslehrerin nur so lala hinter mich gebracht habe. Ja, ich fühle mich durch diese Lehrerin um meine guten Noten betrogen, denn andere im Jahrgang mussten nicht mit diesen miesen Voraussetzungen in die Lehrproben. In diesem Halbjahr habe ich nichts gelernt, außer Verbitterung und dem Gefühl einem System ausgeliefert zu sein. (Hier hat unsere Kritik dann auch gewirkt, an diese Schule kommen derzeit keine Referendare mehr)

      Im gesamten zweiten Jahr war es dann wieder OK. Es war stressig, manchmal hat man sich auch allein gelassen gefühlt, aber ich hatte das Gefühl, dass alle daran interessiert sind mit zu helfen und mich zu unterstützen. Dafür hatten wir jede Wochen Seminare, bei denen ich mich oft gefragt hatte, was das soll. Viele Inhalte wurden aufgebläht, die wären auch in der Hälfte der Zeit zu vermitteln gewesen, aber die Dozenten haben sich scheinbar einen Spaß daraus gemacht, immer ihre Lieblingsmethode bei uns vorzustellen. Allerdings haben die sich nicht abgesprochen, also haben wir jeden Methodenschnickschnack mindestens 3x am eigenen Leib erfahren. Und natürlich macht man als Referendar jeden Sch... brav mit, egal wie doof die Methode mal wieder ist. Und eigentlich lernt man doch, dass die Methode passend zum Thema ausgewählt werden sollte, aber die Dozenten haben die Methoden doch immer nur um der Methode willen gemacht.

      Dann kam die dritte Lehrprobe und "das System" hat voll zugeschlagen. Jemand mit schlechten Vornoten kann ja gar keine super Leistung abliefern, also wurden alberne Kritikpunkte an meiner Stunde angeführt, die ich echt nicht nachvollziehen konnte. Auch meine Betreuungslehrerind meinte zu mir, die Stunde wäre mindestens eine Note besser gewesen... Und sowas finde ich einfach :uebel:
      Warum müssen die Prüfer die Noten der anderen Lehrproben überhaupt erfahren? Es würde doch reichen, wenn sie die aktuelle Leistung völlig unvoreingenommen bewerten würden... Das wäre mal ein einfach umzusetzender Punkt, um die Benotung fairer zu gestalten!

      Dann kamen die Prüfungen und auch hier wieder einige komischer Seiten des Systems: Warum gibt es keine standardisierten Fragen, die die Leistungen im Jahrgang vergleichbar machen? Zumindest irgendwie teilweise. Vielleicht könnte man 2/3 der Prüfung mit standardisierten Fragen abprüfen, gerne auch schriftlich für die Vergleichbarkeit, und dann eben 1/3 der Prüfung als Gespräch, bei dem individuellere Dinge abgefragt werden.
      Ich hatte sogar Glück bei den meisten der mündlichen Prüfungen, aber trotzdem fand ich sie extrem subjektiv in der Bewertung.

      Also ja, ich bin für durchgängige Standards der Bewertung, mehr anonymität bei der Bewertung, damit keiner der Prüfer sich von irrelevanten Kriterien ablenken lässt.

      Trotzdem finde ich Kritik nach dem Motto "DAS Referendariat ist mist" falsch, jeder kann immer nur sein von ihm erlebtes Referendariat kritisieren. Und wir hören hier ja auch von einigen Usern, dass sie ihr Referendariat druchaus als fair empfunden haben.
      [img]http://tickers.TickerFactory.com/ezt/d/4;10500;414/st/20160731/e/Geschafft+%F0%9F%98%8A/dt/6/k/6c2c/event.png[/img]
    • Buntflieger schrieb:

      wobei das auch nicht ganz logisch ist. Ob man tatsächlich Beamter wird, ist im Referendariat und mit erfolgreich abgelegtem 2. Staatsexamen keinesfalls sicher. Die Prüfung, ob man zum Beamten auf Lebenszeit taugt (nennen wir es die notwendige "Linientreue"), folgt ja erst später bzw. durch die Probezeit.

      Außerdem wäre es doch ein Unding, den Zugang zu einem Beruf (Lehrer) vom Beamtenstatus abhängig zu machen bzw. diesem unterzuordnen. Schließlich gibt es genügend Lehrer, die nicht im Beamtenstatus sind und die einen guten Job machen.

      Wollsocken80 schrieb:

      Es spielt gar keine Rolle, ob Du Beamter oder angestellter Lehrer bist [...] Der entscheidende Punkt ist die Sache mit dem *Staatsdienst*.



      Wollsocken80 schrieb:

      Anarchisten haben im Staatsdienst wirklich nichts verloren. Also ja, ein gewisses Mass an Diplomatie und das Wissen, wann man besser mal die Klappe hält, sollte man als Lehrer durchaus mitbringen.
      Und vor allem als Referendar (oder sonstiger Krümel)!

      Wen's tröstet: die Gedanken sind frei - mehr oder weniger.
    • Meerschwein Nele schrieb:


      Zweitens zweifele ich an der grundsätzlichen Dichotomie zwischen dem Anspruch der Schule zu Menschlichkeit und Vernunft hinzuführen. Wie ist damit ein Ausbildungssystem zu vereinbaren, das offensichtlich und unleugbar regelmäßig Menschen beschädigt und einen geheimen Lehrplan enthält, der das genaue Gegenteil dieses Anspruches darstellt?
      Eine Dichotomie gibt es nur, wenn man glaubt, was einem Politker und Leitbilder wohlklingend unverbindlich weismachen wollen.

      Anstatt alles, was vom (persönlichen oder postulierten) Ideal abweicht als Betriebsunfall zu sehen, sollte man meiner Meinung nach darüber nachdenken, welchen Zweck diese tatsächlichen Gegebenheiten haben.
      Vielleicht ist womöglich der Anspruch der Schule gar ein anderer als "zu Menschlichkeit und Vernunft hinzuführen". Einer, der genau den Tatsachen entspricht, die auch vorliegen, in der Realität.
    • Meerschwein Nele schrieb:

      1:01:20 Warum ähnelt sich Schularchitektur und Gefängnisarchitektur so oft?
      1:21:04 *Schwingschwing* Ein Glück, dass ich so einen Kasperkram nicht mehr machen muss!


      1:26:26 Was ich wichtig fände, wäre, wenn an es an didaktischen Lehrstühlen ständige Unterrichtsverpflichtungen (eine Klasse oder so) für jeden gäbe, der Lehrerinnen und Lehrer ausbildet. Am besten in wechselnden Schulformen.

      1:32:44 "Guuuu-teeen Mooooor-gäään, Heeer Pääääters!" :D
      1:01:20: Die Schule ist noch relativ "hübsch", hier in der Nähe ist eine noch viel gruseligere, sogar mit Kreuz auf dem Dach. Jeder, der mich besucht, fragt, ob das ein Knast ist.
      1:21:04: Du hast offenbar andere Fortbildungen als die Grundschullehrer...
      1:26:26: Ohhhh ja, unbedingt. Diese lange Pause vom Unterrichten einiger Dozenten und Professoren und dazu dieses zwanghafte Betonen, dass sie ja auch mal Lehrer waren, meine Güte. "In den 60er Jahren habe ich mit der 5a..."

      1:32:44: Das geht noch besser: "Guuuuu-teeeeen Mooooor-gäääään, lieeeee-beeeee Frauuuuuu Maaaaaiiii-ääääääär und lieeee-beeeee Frauuuuuu Cooooon-niiiii!" (Frau Maier hat inzwischen aufgegeben, darauf hinzuweisen, dass "Guten Morgen!" ausreicht.
      Immer wieder gut, Bodo Wartke: youtube.com/watch?v=WiCV4KKW6Nw
    • Veronica Mars schrieb:

      lieber Buntflieger, ich glaube dir, dass du derzeit eine blöde Zeit durchmachst. Ich stimme dir sogar in einigen Punkten zu. Z.B. bei den anonymen Evaluationen.

      Trotzdem finde ich Kritik nach dem Motto "DAS Referendariat ist mist" falsch, jeder kann immer nur sein von ihm erlebtes Referendariat kritisieren. Und wir hören hier ja auch von einigen Usern, dass sie ihr Referendariat druchaus als fair empfunden haben.

      Hallo Veronica Mars,

      von einem plumpen "das Referendariat ist Mist" bin ich meilenweit entfernt. Auch wenn meine Argumentation/Position ständig darauf reduziert wird.

      der Buntflieger
    • Frapper schrieb:

      Verbindliche Ausbildungsstandards gibt es.
      Das sind alles marginale Veränderungen, die du vorschlägst. Niemand mit Mitte zwanzig nach einem erfolgreichen Studium geht gerne in diese Position zurück, wo man so einer Bewertungssituation ausgesetzt ist wie im Ref. Daran haben viele zu knapsen, es wird sich aber nicht ändern lassen.

      Dass der Ton dir gegenüber schärfer wird, liegt auch daran, dass du manches einfach nicht einsiehst.

      Hallo Frapper,

      bei uns gibt es zwar Leitlinien, die sind aber schwammig und letztlich hängt es vom guten Willen der Ausbildungsseite ab, ob und inwieweit und in welcher Interpretationsvariante diese Geltung haben.

      Als "marginal" würde ich meine Vorschläge nicht gerade bezeichnen wollen, denn es wäre für manch Seminar sicherlich ein böses Erwachen, wenn deren mäßige Ergebnisse öffentlich (zumindest für künftige Referendare) einsehbar wären. Das, was hier an Evaluationen läuft, ist ein Witz und dient vornehmlich der Selbstdarstellung.

      Man kann nur in das Einsicht nehmen, was - z.B. in Form von erhellenden Argumenten - vor einem liegt. Da dies nicht der Fall ist, kann ich auch nichts einsehen.

      der Buntflieger
    • Buntflieger schrieb:

      Anna sagt selbst, dass sie ohne Beobachtung viel spontaner und mutiger mit den SuS interagiert.
      Nun, das ist ein Problem, an dem sie arbeiten muss. Du tust ja gerade so, auch wenn Du über Deine eigenen Erfahrungen schreibst, als sei das so eine Art Schicksal oder unveränderbares Persönlichkeitsmerkmal. Das ist Quatsch. Es gibt viele Leute, die Mühe haben, sich vor anderen zu präsentieren, das ist überhaupt keine Seltenheit. Möchte man aber in einem Beruf wie dem unseren arbeiten, muss man diese Ängste überwinden. Wir haben das letztens erst in einem anderen Thread diskutiert:

      Bin ich zu schüchtern für den Lehrerberuf?

      Weisst Du ... es gab während des Studiums Zeiten, da hatte ich extreme Prüfungsangst. Es gab Gründe dafür, ich habe in einem Praktikum sehr schlechte Erfahrungen mit einem Assistenten gemacht. Der Scheiss hat mich ein ganzes Semester gekostet, in dem ich keinen Fuss mehr an die Uni gesetzt habe. Weil man mir als BaföG-Studentin den Geldhahn zugedreht hat, musste ich die Arschbacken kneifen und's zu Ende bringen. Mein Diplomzeugnis sieht entsprechend aus. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, wie man mit sowas umgeht: Entweder man betrachtet das als unüberwindbare, schicksalhafte Erfahrung auf die man für den Rest seines Lebens sämtliche sozial defizitären Verhaltensmuster schiebt oder man richtet das Krönchen halt irgendwann wieder gerade und marschiert erhobenen Hauptes weiter durchs Leben. Ich hatte selbst während der Lehrerausbildung noch Mühe mit der Tatsache ständig beobachtet zu werden. Bei uns hält man während der berufspraktischen Phase keine einzige Stunde unbeobachtet, da sitzt immer irgendjemand dabei und zerlegt einem hinterher die komplette Stunde. Ich wollte aber unbedingt in diesem Beruf arbeiten, also habe ich einen Weg für mich gefunden, damit umzugehen. Heute kann mir von mir aus die halbe Welt bei der Arbeit zuschauen, das interessiert mich nicht mehr. Wir sind aber auch eine sehr offene Fachschaft, bei uns stehen die Türen zum Schulzimmer häufig während des Unterrichts offen und jeder bekommt direkt mit, was gerade läuft. Ich finde das gut so. Es gibt nichts, was man vor den Kollegen verbergen müsste und es gibt auch für unsere Schüler nichts, was irgendwie unangenehm sein müsste.


      Buntflieger schrieb:

      Aber z.B. nicht vorhandenes Streikrecht und der persönliche Einsatz für den Beruf bis ins Private hinein etc.
      Das ist auch Quatsch. Es gibt hier im Forum einen Haufen Threads in denen Dir von erfahrenen Kollegen ausführlich erklärt wird, was Du tun kannst, wenn Du zu irgendwas genötigt wirst, was über Deine Dienstpflicht als Beamter hinausgeht. Meine Kritikpunkte am Beamtentum sind ganz andere. Ich würde z. B. kotzen, hätte ich mir die Schule, an der ich arbeite, nicht selbst aussuchen können. Wenn's mir dort morgen nicht mehr passt reiche ich die Kündigung ein und suche mir was neues. Wie in der Privatwirtschaft halt auch.


      Morse schrieb:

      Und vor allem als Referendar (oder sonstiger Krümel)!
      Nun ... man kann Krümel einer Schwarzwälder Kirschtorte oder eines vollkommen vertrockneten Sandkuchens sein. Wenn Du verstehst, was ich meine. ;)


      Meerschwein Nele schrieb:

      Die Referndarin hat so Recht. Der Zwang zur Benotung ist grauenvoll. "Sklaven von Zahlen" - Sie hat einach Recht. Ich hasse das, obwohl ich schon über 15 Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel habe. Immer noch glaube ich, dass ich ohne Benotungspflicht genau so gut arbeiten könnte.
      Ja, dem stimme ich absolut zu. Die Frage ist halt, wie geht man damit um. Dass ein Ausspruch wie "ich hätte Dir eine andere Note gegeben" nicht besonders klug ist, darin sind wir uns ja einig. Ich versuche im Rahmen der Notenverordnung die Leistungserhebung einfach so schülerfreundlich wie möglich zu gestalten. Ich bleibe z. B. bei schriftlichen Prüfung so nah wie möglich an dem, was wir zuvor im Unterricht geübt haben und lasse meine SuS einmal pro Jahr in Ruhe zu Hause etwas erarbeiten das ich dann einziehe und benote. So gibt es bei mir zumindest im Grundlagenfach kaum ungenügende Zeugnisnoten. Allerdings sind natürlich auch 80 - 90 % meiner SuS am Gymnasium auch wirklich an der richtigen Schulform.


      Meerschwein Nele schrieb:

      Benontungen ohne selber die Lerngruppe unterrichtet zu haben. Immer so eine Sache. Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Kann man das so als Ausbildungsmaterial verwenden? Mhhm. Kommt drauf an.
      Haben wir in der Fachdidaktik auch gemacht, fand ich nützlich. Wenn man mal so völlig planlos drauf los benotet und feststellt, dass von 10 anwesenden Leuten am Ende jeder was anderes raus hat, ist das schon erhellend. Ich hab draus gelernt, dass man a) vernünftige Fragen stellen muss, auf die es eine möglichst eindeutige Antwort gibt und b) für jede Prüfung einen vollständig ausgearbeiteten Erwartungshorizont mit allen Teilpunkten, die man vergeben will, braucht. Wenn ich heute mit meinen Fachschaftskollegen Maturprüfungen zusammen korrigiere, sind die Abweichungen in der Benotung nur noch marginal. Das finde ich doch beruhigend.


      Meerschwein Nele schrieb:

      "Sie werden erst mal Klassenlehrer, sie bekommen die Klasse, die sonst keiner will." Erstens: super, klasse Rezept, um Junglehrer verlässlich schnell kaputt zu reiten. Zweitens: an dieser Schule wird das Amt des Klassenlehrers anscheinend als unbequeme Pflichtaufgabe verstanden, die man möglichst vermeiden will. Habe ich meine Schwierigkeiten mit. Der Klassenlehrer ist eine wichtige Aufgabe, die in die Hände von erfahrenen Lehrern gehört!
      Jupp ... dieses ewig zynische Gefasel hat mich den ganzen Film hindurch auch ziemlich genervt. Ich habe dieses Jahr zum erste mal das Amt des Klassenlehrers übernommen, nachdem ich bereits 4 Jahre an der Schule gedient hatte. Bei uns werden keine Berufsanfänger Klassenlehrer und man wird auch gefragt, ob man es überhaupt machen will. Nach Möglichkeit nimmt meine Chefin bevorzugt die, von denen sie denkt, dass sie es auch können.


      Meerschwein Nele schrieb:

      Zweitens zweifele ich an der grundsätzlichen Dichotomie zwischen dem Anspruch der Schule zu Menschlichkeit und Vernunft hinzuführen. Wie ist damit ein Ausbildungssystem zu vereinbaren, das offensichtlich und unleugbar regelmäßig Menschen beschädigt und einen geheimen Lehrplan enthält, der das genaue Gegenteil dieses Anspruches darstellt?
      Das muss dran liegen, dass zu viele Leute zu viel zu sagen haben, die selbst zu wenig Ahnung von der Sache haben. Wir hatten im Vergleich zu dem, was ich hier regelmässig lese, eine sehr gute berufspraktische Ausbildung. Unsere Fachdidaktiker machen den Job in der Regel aber auch nur zu 50 % und unterrichten die anderen 50 % noch selbst an der Schule. Das macht die Sache doch extrem lebensnah. Über die erziehungswissenschaftlichen Seminare lasse ich mich jetzt besser mal nicht aus. An der PH Basel wursten leider ne Menge abgehalfterte Deutsche vor sich hin, die vom schweizerischen Bildungssystem überhaupt keine Ahnung haben. Ich hab mich einfach jede Woche auf die Fachdidaktik gefreut und in den EW-Veranstaltung die meiste Zeit auf Durchzug gestellt. Eine Anwärterin für Deutsch/Geschichte fiel während so einer Veranstaltung sogar mal schlafend vom Stuhl ... Wir als Ausbildungsschule sind auch ziemlich renitent, wir machen ungeachtet dessen, was den Hanswursten an der PH so ins Hirn spuckt einfach das, was wir für richtig halten. Einer der abgehalfterten Deutschen musste dabei auch schon lernen, dass wir notfalls drohen keine Ausbildungsschule mehr zu sein, wenn er uns mit seinem Mist weiter auf die Nerven geht. :teufel:
    • Buntflieger schrieb:


      - Referendare sollen mindestens einmal ohne Begründung die Schule/das Seminar wechseln dürfen (Freischuss).
      - Regelmäßige anonymisierte Evaluationen (von dritter Stelle beaufsichtigt) sollen an Seminaren durchgeführt werden.
      - Verbindliche Ausbildungsstandards sollten eingeführt werden.
      1. Unnötig. Wenn es große Probleme gibt, hat man die Möglichkeit, das reicht.
      2. Niemand hindert dich, dein Seminar zu bewerten, zur Not hinterher. Ob das was bringt, außer dass du deinen Frust noch mal an anderer Stelle als hier loswirst?
      3. Die gibt es. Sie unterscheiden sich halt länderweise, so ist das im föderalen Bildungsgedöns. Müsstest halt bei ernsthaftem Interesse in die Verordnungen reingucken.

      Ich überlege gerade, ob ich je eine fruchtlosere Debatte las, aber ich glaube nicht. Dingen nachzuweinen, die man partout nicht ändern kann- mich wundert's ehrlich gesagt, wo du diese Energie hernimmst. Ich wette, dass du spätestens 4 Wochen nach deinem 2. Staatsexamen mit so vielen ernsthaften Sorgen zu tun hast, dass du keinen Gedanken mehr an das Ref. verschwendest. Wenn doch und du zudem in der Position bist, daran etwas nach deinem Gusto zu ändern, sag bitte Bescheid, das wäre dann echt mal interessant.
    • Neu

      Es ist hier ja schon sehr viel über diesen Film, die gezeigten Lehrerpersönlichkeiten, Schul- und Unterrichtssituationen gesprochen worden. Eine Sache ist mir nun aufgefallen: Von Minute 1 02:30 bis 1 03:00 wird der eine Satz aus Hesses Unterm Rad besprochen, wonach Schüler "wie ein Urwald gelichtet (etc.)" werden müßten - zur Interpretation dieser Textstelle wird der Knabe Onur aufgerufen. Dieser vertritt - zwar mit unzulänglichen Worten, aber jedenfalls seinen eigenen - den Standpunkt, den der (ursprüngliche) Urheber dieser Zeilen hat und verknüpft sie auch mit eigenen Ideen (sinngemäß: schulische Bildung - die nicht immer angenehm ist - bringt einem Reputation und Erfolg in der Gesellschaft). - Natürlich kann man über den Inhalt dieser Aussage trefflich streiten, aber der Knabe hat seine eigene Meinung mit eigenen Worten geäußert und hat noch dazu eine Begründung geliefert - meiner Ansicht nach eine tolle Leistung, die man (zumindest durch Lob) auch honorieren sollte. Der Lehrer allerdings scheint dies nicht gelten zu lassen und "würgt" diese Wortmeldung ab ("Leute, ich versteh' gar nicht, warum ihr da... Ist das nicht offensichtlich?"), weil sie ihm nicht in seinen "Kram" (sprich Weltanschauung, Wertehaltung, etc.) paßt - nun, Onur wird sich in Zukunft vermutlich hüten, im Unterricht seine Meinung kundzutun, was schade ist (wiewohl natürlich an der Äußerung an sich, wie auch wohl an der Meinung selbst noch zu arbeiten ist). Ich hoffe, daß dieses "Drüberfahren" über Schülermeldungen nur der Unerfahrenheit des Lehrers geschuldet ist und nicht zum "Dauerrepertoire" wird!
    • Neu

      lera1 schrieb:

      Es ist hier ja schon sehr viel über diesen Film, die gezeigten Lehrerpersönlichkeiten, Schul- und Unterrichtssituationen gesprochen worden. Eine Sache ist mir nun aufgefallen: Von Minute 1 02:30 bis 1 03:00 wird der eine Satz aus Hesses Unterm Rad besprochen, wonach Schüler "wie ein Urwald gelichtet (etc.)" werden müßten - zur Interpretation dieser Textstelle wird der Knabe Onur aufgerufen. Dieser vertritt - zwar mit unzulänglichen Worten, aber jedenfalls seinen eigenen - den Standpunkt, den der (ursprüngliche) Urheber dieser Zeilen hat und verknüpft sie auch mit eigenen Ideen (sinngemäß: schulische Bildung - die nicht immer angenehm ist - bringt einem Reputation und Erfolg in der Gesellschaft). - Natürlich kann man über den Inhalt dieser Aussage trefflich streiten, aber der Knabe hat seine eigene Meinung mit eigenen Worten geäußert und hat noch dazu eine Begründung geliefert - meiner Ansicht nach eine tolle Leistung, die man (zumindest durch Lob) auch honorieren sollte. Der Lehrer allerdings scheint dies nicht gelten zu lassen und "würgt" diese Wortmeldung ab ("Leute, ich versteh' gar nicht, warum ihr da... Ist das nicht offensichtlich?"), weil sie ihm nicht in seinen "Kram" (sprich Weltanschauung, Wertehaltung, etc.) paßt - nun, Onur wird sich in Zukunft vermutlich hüten, im Unterricht seine Meinung kundzutun, was schade ist (wiewohl natürlich an der Äußerung an sich, wie auch wohl an der Meinung selbst noch zu arbeiten ist). Ich hoffe, daß dieses "Drüberfahren" über Schülermeldungen nur der Unerfahrenheit des Lehrers geschuldet ist und nicht zum "Dauerrepertoire" wird!

      Hallo lera1,

      kurz vorab: Was mir immer wieder auffällt, ist das Geschmiere an der Tafel, das die Referendare im Film regelmäßig produzieren. Ich bin schon für ungleich sorgfältigere Tafelanschriebe gevierteilt worden. :zahnluecke:

      Aber weg von mir und hin zur von dir angesprochenen Szene.
      Soweit ich das richtig verstanden habe, soll hier eine Metapher interpretiert/analysiert werden und das gelingt dem Schüler Onur leider nicht, denn er greift diese nicht auf und spricht über die Schule, welche Respekt vermittele und das ist nun wohl gerade das Gegenteil von dem, was der Referendar hier hören wollte. Hesse kritisiert ja das Schulsystem seiner Zeit, indem er es metaphorisch als brachialen Eingriff in die Urwüchsigkeit des menschlichen Geistes (meine Worte) erscheinen lässt. Natürlich kann man die Schüleräußerung trotzdem gezielt aufgreifen und damit als solche würdigen bzw. einbinden; ich denke auch, dass hier fehlende Erfahrung ursächlich ist oder/und die Geduld ganz einfach erschöpft war. Die Szene sieht allerdings insgesamt nach wenig inspiriert wirkendem Deutschunterricht aus, da stimme ich dir zu.

      Wo hier aber Onur oder der Klasse eine bestimmte "Weltanschauung" überstülpt werden soll, ist mir schleierhaft.

      der Buntflieger
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