Beiträge von Frapper

    Aber à propos Investition: ich kenne keine aktuellen Daten, ich arbeite also mit alten Daten: nur Berlin, Köln (NRW), Hamburg, Heidelberg? (BaWü) und München (BY) bilden im Förderschullehramt aus? Alle mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Schliesslich ist Schwerhörigenpädagogik nicht Gehörlosenpädagogik...

    Japp, das sind die fünf. Bei Sehen sind's sogar nur vier Unis. Die Trennung zwischen Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik gibt es als Förderschwerpunkt im schulischen Tagesgeschäft nicht mehr - das ist alles der Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation (HK). Getrennte Schulen, Abteilungen an den Förderschulen oder Klassen nur für Gehörlose gibt es nur noch sehr selten außer vielleicht in sehr großen Metropolen wie Hamburg oder Berlin. Früher gab es die Gehörlosenschule in Dortmund und die Schwerhörigenschule in Bochum, was wegen der wenigen Gehörlosen nicht mehr haltbar wurde. Die Schule in Dortmund ist jetzt eine Realschule und in Bochum gibt es mittlerweile sogar eine Abteilung für Geistige Entwicklung.

    Jetzt hast du mich aber geschockt. Deutschland ist ja schließlich ein Land, in dem man sich fast bei jedem Pu*s um Standards bemüht, aber dann keine einheitliche Gebärdensprache :staun:

    Das Problem liegt in der Modalität der Sprache, wo vieles zeitgleich abläuft. Für unsere Lautsprache gibt es ein schriftsprachliches Äquivalent. Es gibt auch eine Form von mehrzeiliger Niederschrift von Gebärdensprache, aber das wird eigentlich im Zusammenhang von Wissenschaft und Gebärdensprachkursen verwendet.

    Man muss auch immer daran denken, dass Gebärdensprache in Deutschland noch nicht so lange als offizielle Sprache anerkannt ist.

    Für die deutsche Gebärdensprache gibt es (noch) keine offizielle Standardisierung. Dass sich für Standardsprache an einem Dialekt orientiert, ist ja nichts neues. Mit der Lutherbibel geschah dies ja ebenfalls so.

    In der Gebärdensprache im deutschsprachigen Raum gibt es ebenso ein Dialektkontinuum. Im Norden werden andere Gebärden verwendet als jetzt beispielsweise in Wien. Deutsche Gebärdensprache (DGS) und österreichische Gebärdensprache (ÖGS) gelten sogar als zwei verschiedene Sprachen. Das ist vielleicht so wie Deutsch - Schweizerdeutsch.

    Eine sehr gebärdenkompetente Kollegin, aus Berlin stammend, war mal in Bayern zu einer Tagung und meinte, dass sie nur schwer verstanden hätte. Ich hatte auch mal eine Gebärdendozentin aus Bayern. Bis auf Dezember hatte jeder Monat eine komplett andere Gebärde.


    Ich vermute, dass es im arabischen Raum ebenso ein Dialektkontinuum geben wird.



    Mittlerweile gibt es aber wenigstens eine Basis für Lexika.

    Meinst du das Kestner-Lexikon? Da Karin Kestner aus Nordhessen kommt, orientieren sich die Gebärden am dortigen Dialekt. Wenn ich mit einer Gebärde aus dem Kestner kam, waren die gehörlosen Dozenten meist nicht so angetan.

    Zu den Abschlussprüfungen:

    Ich hätte zuerst nach dem rechtlichen Rahmen gefragt, aber der scheint deiner Aussage nach z.Z. fix zu sein. Wie sieht es mit dem Nachteilsausgleich (NTA) aus? Was ist dort erlaubt bzw. was könnt ihr einfach mal festsetzen? In Hessen muss der NTA bei den Abschlussprüfungen an die Schulämter geschickt werden, die darauf reagieren müssten.

    Wie sieht die Hörverstehensprüfung aus? Hier in Hessen kommt man um den Teil auch nicht herum (auch meine Klasse muss es machen!), aber hier greift der NTA: Textvorlage, ich darf in meiner üblichen Betonung und Geschwindigkeit vorlesen statt die Datei abzuspielen, Zeitverlängerung (zum Orientieren in den Aufgaben und Nachlesen). So wird zwar nicht das Hörverstehen abgeprüft, aber das ist ja nicht mein Problem. Vom Niveau her sind die Hörverstehensaufgaben einfacher als die Leseaufgaben.



    Zum Unterricht:

    Ich selbst unterrichte Englisch auch nur fachfremd und habe da im Moment das große Glück, dass meine Klasse (R9) recht leistungshomogen ist. Auch mein hochgradig schwerhöriger Schüler kommt vom Hörverstehen her ziemlich gut mit, so dass ich viel Englisch rede. Sehe ich, dass es nicht angekommen ist (ich seh's ihnen halt an den Nasenspitzen an :_o_D), wiederhole ich es auf Deutsch bzw. würde hier dann an deiner Stelle gebärden. Da es mein erster Durchgang bis zur Prüfung ist, wurschtel ich mich auch so durch und tausche mich viel mit meiner Fachleitung in Englisch aus.

    Gehörlose und rein gebärdensprachliche Jugendliche im HS- oder RS-Zweig haben wir seit Jahren nicht mehr. Die rein gebärdensprachlichen sind diejenigen, die extrem schwach sind. In einer Klasse FS Lernen habe ich dieses Jahr zwei Stunden Englisch, wo die beiden Gehörlosen ihre Kärtchen für den Deutschunterricht ausschneiden und zusammenkleben: Gebärdenbild auf der einen Seite - Wort mit Beispielsatz auf der anderen. Mit den vier anderen Nasen mache ich meinen Englischunterricht. Eine der beiden Gehörlosen ist ein syrischer Flüchtling und hat auch schon einen recht kleinen Gebärdenwortschatz. Etwas anderes würde es einfach nicht bringen. Letztes Jahr hatte ich ihren kleineren Bruder: ein goldiges Kerlchen, aber man merkt einfach, dass von der (Gebärden-)Sprachentwicklung her der Zug abgefahren ist. Alles muss man sich mühsam erarbeiten. Das ist echt schon traurig.



    Zum Fremdsprachenuntrricht in der Inklusion:

    Von einer Kollegin aus einer Schwesterschule habe ich gehört, wie es dort am Gymnasium funktionierte (ist schon zwei Jahre her). Das Englische wurde in deutsche Gebärdensprache übersetzt, aber mit englischem Mundbild. In Französisch ging man genau so vor, wobei da die Dolmetscher schon zu verstehen gaben, dass sie das nicht bis zur 11. Klasse durchziehen können, da sie selbst nicht fit genug in Französisch sind. Wie es weiterging, weiß ich nicht.

    Das Argument mit American/British Sign Language habe ich nie verstanden. Warum soll ein gehörloser Schüler, der schon genug Probleme hat, diese Fremdsprache in schriftlicher Form zu lernen, in der gleichen Unterrichtszeit wie alle anderen parallel noch ASL/BSL lernen? Das sind dann ja gleich zwei Fremdsprachen, die er beide nicht kann.



    Zur Lautspracherziehung:

    Genau oben erwähnte Kollegin hat damals an dieser Schule das Ref angefangen und kam zu einer Kollegin der "alten Schule". Die Gehörlosen mussten im Gesprächskreis auf ihren Händen sitzen, damit sie nicht miteinander gebärden konnten und sich auf das Mundbild der anderen konzentrieren. Das war natürlich grausam und hat natürlich eine riesige Ablehnung der Gehörlosen gegenüber der Hörgeschädigtenpädagogik hervorgerufen. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch eben genau diese älteren Gehörlosen, die im echten Leben in Kommuniktaionssituationen ziemlich gut zurechtkommen. Bei der heutigen Generation verlässt man sich schon sehr auf die technischen Hilfsmittel und das geht mitunter gehörig schief, denn auch für die benötigt man eine gewisse Kompetenz.

    Wir hatten auch schon Schüler, die so eine Lautsprachförderung/Artikulationstraining wollten, weil sie einfach nützlich fürs Leben ist. Auch wenn man in einem Gespräch nichts oder nur wenig hört, es sich also aufschreiben lassen muss, kann man wenigstens selbst etwas antworten. Das vereinfacht die Kommunikation schon. Leider haben wir keine extra Stunden dafür, weil die Förderung der Aussprache "unterrichtsimmanent" sein soll (haha!), und müssen das dann an Logopäden abgeben. Eine Kollegin macht so eine Art Training in der Vorklasse, aber es ist nicht viel: 15 Minuten pro Kind in der Woche.



    PS: Als ich das letzte mal nachgeschaut habe, war ich noch ein Mann.:_o_P Merkhilfe: Frapper.

    Mal was zu diesem Visieren: Wenn man das mit den Aerosolen auch nur halbwegs ernst nimmt (es gibt übrigens ne Menge Indizien, die dagegen sprechen, dass die wirklich so eine grosse Rolle spielen), dann sollte einem nur schon der gesunde Menschenverstand sagen, dass man sich die komplett sparen kann. Die NZZ lässt ja immer mal wieder unsere Kantonsärzte zu Wort kommen und die zuständige Dame im Graubünden meinte, sie hätte mehrere Fälle gehabt, in denen sich Personen nachweislich im Restaurant angesteckt haben und dabei Visiere als vermeintliche "Schutzmassnahme" zum Einsatz kamen. Die Dinger sind bei uns seither nirgendwo mehr als Schutz zugelassen. Entweder Maske oder gar nüscht.

    Ja, ich sehe das auch so. Ich trage in meinem Unterricht in meiner Klasse kein Visier mehr. Ich achte dafür recht genau auf den Abstand und auf ständiges Lüften. Vorgestern war ich in einer anderen Klasse unterwegs und wir haben im PC-Raum gearbeitet. Beim Rumschwirren zwischen den Schülern habe ich die Maske getragen. Da war mein Mundbild auch nicht so wichtig, wenn man gemeinsam auf den Bildschirm schaut.

    In den nächsten Tagen kommen meine Mundvisiere (so kleine, die nur Mund- und Nasenpartie bedecken), damit ich immerhin die schulinterne Regel einhalten kann. Bei meiner Kollegin habe ich aber auch schon gesehen, dass die dauernd beschlagen. Durch die Spiegelung sieht man bei den Ganzgesichtsvisieren auch wenig. Für mich sind sie keine wirkliche Lösung, damit meine schwerhörigen Schüler wirklich gut verstehen/absehen können.

    Wir hatten ja von Anfang an Visiere, die ich auch außerhalb der Klassenräume getragen hatte. In unserer Konferenz wurde beschlossen, dass in den ersten beiden Wochen alle (Schüler- und Lehrerschaft) nicht nur auf dem Gelände, sondern auch im Unterricht tragen müssen. Laut dem, was das Ministerium erlassen hat, kann man die Schüler nicht dazu zwingen. Meine Klasse wollte die Visiere nicht im Unterricht tragen. Mein Stufenleiter hat auf sie eingeredet, aber haben sich nicht überzeugen lassen, egal wie sehr er sie moralisch unter Druck gesetzt hat. Kaum hat er die Tür hinter sich zu gemacht, kam von einem Schüler "Moralprediger".

    Da bei uns auch welche auf das Mundbild angewiesen sind, geht eine Maske also nicht, sondern nur das Visier. Ich hatte es eine Stunde ohne Unterbrechung auf und bekam wegen dieser Spiegelung in dem Plastik einen Migräneanfall. Ich musste es absetzen und eben so weitermachen. Abstand und gutes Lüften sind jetzt meine Taktik. Letztendlich muss man das auch mit Visier tun.

    Die Mutter schreibt einen Blog, https://kirstenmalzwei.blogspot.com/?m=1 über Inklusion. Es ist eigentlich alles ganz einfach: Zwischen einem geistig behinderten Kind und seinem Nobelpreis stehen unfähige Sonderpädagogen, unwillige Ämter, unnütze Sonderschulen und schlechte Lehrer, aufgrund dessen das Potenzial des Kindes nicht ausgeschöpft werden kann:autsch:. Diesem Narrativ folgen die wöchentlichen Geschichten.


    Ich glaube, zu Henry gab es in die irgendeinem Format einen Beitrag, gibt es auch auf YouTube. Er wollte bei einem Friseur arbeiten, der wollte aber wenig bezahlen und der Rest zum Mindestlohn (?) sollte vom Amt aufgestockt werden, was das Amt aber nicht so einsah. Alles ging die Mutter mal wieder ins Fernsehen :tot:.

    Ja, als Förderschullehrer hat man gerne mal mit solchen Eltern zu tun, die die Grenzen des eigenen Kindes nicht sehen wollen. Als ob der landläufige Hauptschulabsolvent ein Meer an Möglichkeiten zur Auswahl hätte ... Das haben ja nicht einmal einige Akademiker mit ihren Abschlüssen in recht ungefragten Bereichen. Da wird aber wie immer die gleiche Art von Diskussion geführt: Emotionen, Moral und Narrative stechen Fakten und Argumente aus. Zweifelt man die Fakten an, wird es für einen noch einfacher ...

    So verschieden sind Menschen. Ich meide aktuell meine Stammbäckerei, weil die Verkäuferin ihre Maske unter dem Kinn trägt. Außerdem fiel mir auf (früher seltsamerweise nicht), dass sie zuerst in ihr Gesicht und dann direkt in die Backware mit der Hand griff.


    Dadurch habe ich eine andere Bäckerei entdeckt, bei der hoffentlich mehr auf Hygiene geachtet wird.

    Ich meinte damit nicht die täglichen nahezu unvermeidlichen Wege, sondern so etwas wie Essen gehen, einen Escape Room besuchen, in die Stadt gehen etc. Da macht man lieber etwas im Privatkreis, weil man das besser findet. Hätte ich die Wahl zwischen Kino mit Maske oder auf der Couch zu Hause ohne, fände ich es zu Hause deutlich angenehmer.

    Überall, wo es geboten ist, wird natürlich Maske getragen.

    Da auf unserer Erde mittlerweile auch fast doppelt so viele Menschen wohnen wie damals, müsstest du dies auch mit deinen recherchierten Zahlen tun!

    Du nennst medizinischen Fortschritt, aber der hilft einem nur sehr begrenzt bei Influenza. Man kann einfach nicht extrem viel dagegen tun, wenn es einen erwischt hat.

    Spätfolgen einer Maskenpflicht? Jetzt wird es einfach nur lächerlich.

    Für die Träger direkt ist womöglich kein großer Schaden zu verzeichnen, aber die Maskenpflicht in vielen Bereichen bleibt dennoch nicht ganz ohne Folgen.

    In meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist niemand wirklich scharf auf das Tragen der Maske und vermeidet Anlässe, wo man die tragen muss. Das bedeutet ganz konkret, dass wir weniger essen gehen usw. Das wirkt sich auf die Einnahmen aus. In Ostasien ist man das gewohnt, hier jedoch nicht.

    Es wird aber vieles an Studien - Streeck ist nur einer von vielen - und Äusserungen aus dem Bereich der Pädiatrie politisch uminterpretiert um Öffnungen in allen gesellschaftlichern Bereichen zu fordern und durchzusetzen.


    Das lässt sich leider schon länger beobachten und hat mit epidemiologisch und auf Prävention als oberste Anforderung im Krisenmanagement, basierten Handlungsforderungen nichts mehr zu tun.

    Ich glaube gar nicht, dass sich die Menschen so uneins über die Interpretation der Ergebnisse sind, sondern über die zu ziehenden Konsequenzen.

    Unsere Republik hat mit der asiatischen, Hongkong- und russischen Grippe schon ein paar Epidemien erlebt, die jetzt durchaus vergleichbar mit der jetzigen sind. Es wurde nie so wie jetzt reagiert. Das muss man sich auch mal vor Augen führen. Es gab gewisse Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen, aber das normale Leben ging größtenteils weiter.


    Woran liegt es, dass die Maßnahmen so unterschiedlich ausfallen? An Unterschieden von Gefährlichkeit und Verbreitungswegen der Erreger sicherlich nicht.

    Obwohl wir in der sichersten Zeit der Menschheitsgeschichte leben (kein Krieg vor der Haustür, wenig Naturkatastrophen hier in Europa, keine Nahrungsmittelknappheit, beste medizinische Versorgung, immer weniger Arbeitsunfälle als früher etc.) sehen wir überall Gefahren und Risiken.

    Unsere Kinder sind kaum einen Moment unbeaufsichtigt, überall immer mehr detaillierte Schutzvorschriften, Helikoptereltern, Safe Spaces an Unis (bloß keine Gegenrede hören), Triggerwarnungen vor "schwierigen" Inhalten, Deplatforming von Menschen mit Meinungen gegen den Mainstream wegen der "Bedrohlichkeit" ihrer Worte usw. usf.

    Wir leben schon in bizarren Zeiten ...

    Eine L-Klasse, manche tendieren Richtung Hauptschule, manche Richtung GB. Lehrplan derselbe.

    Welche Jahrgangsstufe und welches Fach?

    Da würde ich überhaupt erst einmal schauen, ob es realistisch möglich ist, dass man an einem Thema arbeitet - bei Mathe und Englisch ist das oft kniffelig. Man differenziert sich im Zweifel einen Wolf und verzettelt sich mit Differenzierungsstufen, die dann zum Teil auch wenig bringen, nur weil sie am gleichen Thema arbeiten sollen.

    Sind die Niveaus nicht zu weit auseinander, würde ich ein Grundniveau in der Mitte einziehen. Von dort aus kann man schön nach oben mit Extraaufgaben differenzieren. Mit den Grundaufgaben sind die fitteren Schüler häufig schnell fertig und es kann weitergehen. Bei den ganz schwachen würde ich schauen, was für Hilfen ich ihnen geben kann, damit sie das allernotwendigste mitnehmen. Ist auch das fraglich oder sind sie so langsam darin, wäre ich in den Hauptfächern eher bei einem ganz anderen Thema.

    Wie meinst du das genau? Eine Gruppe, die insgesamt lernzielgleich unterrichtet wird, oder eine Gruppe, wo ein paar Schüler lernzielgleich sind, der Rest aber nicht?

Werbung