7 Tage taub

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  • ndr.de/fernsehen/sendungen/7_t…-taub,siebentage2838.html

    Ein Team vom NDR hat sich für sieben Tage in eine Gehörlosen-WG eingemietet und erste Eindrücke gesammelt, wie es ist als Gehörloser in einer hörenden Welt zu leben.
    Für mich wieder eindringlich und es bestätigte meine Erfahrung, die ich direkt mit Gehörlosen gemacht habe: man möchte doch gerne unter sich bleiben und bleiben eine eingeschworene Gemeinschaft, weil die Kommunikation zwischen den Welten als ermüdend und schwierig empfunden wird. Auch gebärdenkompetente Hörende werden nicht so einfach akzeptiert - dass sie Zugang zur hörenden Welt haben, die einem Gehörlosen zum Teil für immer verschlossen bleibt, bringt immer wieder eine Distanz in das zwischenmenschliche Gefüge.
  • interessant, mag ich mir gern mal angucken. Ich hab neulich eine Doku über ein Hochbegabteninternat angesehen, dort derselbe Schluss: wir fühlten uns immer als Außenseiter, endlich sind wir unter uns.

    Oder Communities von Nationalitäten in Großstädten... Menschen umgeben sich wohl am liebsten mit Gleichgesinnten.

    Ob das immer nur gut ist? "Gehörlosigkeit", "IQ über 140" oder "Türkischer Abstammung sein" sind ja nun nicht die einzigen Merkmale, die einen Menschen ausmachen. Miteinander und voneinander lernen haben auch viele Vorteile. Sich abzuschotten birgt ja auch immer das Risiko, abgetrennt zu sein...
  • Frapper schrieb:

    [..]
    Für mich wieder eindringlich und es bestätigte meine Erfahrung, die ich direkt mit Gehörlosen gemacht habe: man möchte doch gerne unter sich bleiben [..]
    Ich kann die Erfahrung bestätigen. Ich habe die Gehörlosenwelt als zwar sehr offen und willkommenheißend erlebt, aber man wird nie "dazu gehören".
    So wurde ich (wir alle) auch in einer meiner ersten Kurse von der gehörlosen Dozentin begrüßt. Wir könnten so gut sein / werden, es werde nicht möglich sein, dass wir jemals ein Teil der Deaf Community werden. CODAs (hörende Kinder von gehörlosen Eltern) könnten unter Umständen eine Ausnahme bilden. Dass die Dozentin selbst in der hörenden Welt verkehrt und mit einem Hörenden verheiratet ist, war für mich nur purer Sarkasmus. (strukturell oder absichtlich) diskriminierte Minderheiten brauchen aber diesen Schutz.
  • Krabappel schrieb:

    interessant, mag ich mir gern mal angucken. Ich hab neulich eine Doku über ein Hochbegabteninternat angesehen, dort derselbe Schluss: wir fühlten uns immer als Außenseiter, endlich sind wir unter uns.

    Oder Communities von Nationalitäten in Großstädten... Menschen umgeben sich wohl am liebsten mit Gleichgesinnten.

    Ob das immer nur gut ist? "Gehörlosigkeit", "IQ über 140" oder "Türkischer Abstammung sein" sind ja nun nicht die einzigen Merkmale, die einen Menschen ausmachen. Miteinander und voneinander lernen haben auch viele Vorteile. Sich abzuschotten birgt ja auch immer das Risiko, abgetrennt zu sein...
    Nö, gut ist das sicherlich nicht. Qualitativ sehe ich aber schon einen Unterschied zwischen den Gruppen. Leute mit irrsinnig hoher Intelligenz und gemeinsamer Abstammung haben immerhin die Möglichkeit Deutsch (als Lautsprache) zu lernen. Gehörlose können das nicht, auch wenn sie sich selbst nur als eine von vielen sprachlichen und kulturellen Minderheit sehen. Immer ein ganz schwieriges Thema in Diskussionen mit Gehörlosen - als Behinderung sehen sie die Gehörlosigkeit nicht, obwohl immer wieder dadurch auftretende Barrieren (zurecht) extrem bemängelt werden. Ich sehe immer große Widersprüche in den Argumentationen.
    Das liegt vielleicht auch daran, dass ein extremer Druck auf die Gemeinschaft ausgeübt wird. Das laufende Gerichtsverfahren, wo es um eine Zwangsimplantation eines gehörlosen Kindes mit gehörlosen Eltern geht. ardmediathek.de/tv/Sehen-statt…12912&documentId=48658540

    Es zeigt für mich aber die Grenzen der Inklusion auf. Wie soll man jemanden inkludieren, wenn derjenige das selbst nicht will? Dass sie den Dolmetschereinsatz an der Uni anfangs ungewohnt fand, sagte mir, dass sie vorher an einer Förderschule war.
  • Krabappel schrieb:

    Sich abzuschotten birgt ja auch immer das Risiko, abgetrennt zu sein...
    Naja... da gibt es ja auch noch ein paar Abstufungen.
    Und "sich am liebsten mit Gleichgesinnten umgeben" mit Abschottung gleichsetzen ist m.E. schon ein recht extremer Ansatz.
    Ich umgebe mich auch nicht mit irgendwelchen pöpelnden Assis... (und nein! das ist keine Gleichsetzung von Gehörlosen mit Assis, sondern ein Beispiel für "sich am liebsten mit Gleichgesinnten umgeben").
    Planung ersetzt Zufall durch Irrtum. :_o_P

    8_o_) Politische Korrektheit ist das scheindemokratische Deckmäntelchen um Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam. :whistling: