"Wahlkampf" vor ÖPR-Wahl

  • Hallo zusammen,


    ich wollte mal fragen ob es bei euch vor der ÖPR-Wahl eine Art "Wahlkampf" gibt. Ich habe mich dieses Jahr aufstellen lassen und frage mich, warum die Kolleginnen und Kollegen einfach blind jemanden wählen sollen, von dem sie gar nicht wissen, warum er gerne ÖPR wäre bzw. was er als ÖPR "bewegen" möchte. Ich habe irgendwie das Bedürfnis, da was zusammenzuschreiben.


    Wie ist das bei euch so?


    Liebe Grüße und danke,
    Mrs Pace

  • Bei uns gab's nichts dergleichen, es war eine reine Beliebtheitswahl. Vielleicht weil wir dachten, uns gut genug zu kennen... ich finde die Idee mit Info/Plakat o.ä. gar nicht verkehrt.


    Hilfreich wäre vielleicht auch, Listen zu bilden, z.B. eine GEW-Liste. Wenn sich viele einzeln aufstellen lassen, bekommen viele jeweils nur wenige Stimmen.

  • @MrsPace Gibt es überhaupt mehr Kandidaten als Sitze?



    Ich habe mich dieses Jahr aufstellen lassen und frage mich, warum die Kolleginnen und Kollegen einfach blind jemanden wählen sollen, von dem sie gar nicht wissen, warum er gerne ÖPR wäre bzw. was er als ÖPR "bewegen" möchte. Ich habe irgendwie das Bedürfnis, da was zusammenzuschreiben.

    Viele wollen diesen häufig undankbaren Job nicht machen und sind froh, wenn das jemand anderes übernimmt.

  • Bei mehr Kandidaten als Sitze werden die Restlichen Reserve-öPRs in-waiting. Ich finde es auch nicht hilfreich, sich aufstellen zu lassen, um "etwas zu bewegen". Als öPR ist man Vertreter des gesamten Kollegiums und nicht nur des Teils, der mit einem selbst gleicher Meinung darüber ist, ob und was bewegt werden sollte. Der Job ist vielschichtig und hat großes Gefahrenpotential Arbeitsfreundschaften auf die Probe zu stellen.

    Der Clown ist die wichtigste Mahlzeit am Tag.

  • Oh, da gibts verschiedene Gründe: weil sich beide Seiten auf denjenigen einigen können, wegen der Versetzungssperre, weil man an seiner Karriere basteln will (persönlich und/oder gewerkschaftlich), ...


    Etwas bewegen wollen geht nur im breiten Konsens und selbst dann nicht immer. Da sollte man sich einer entsprechenden Basis sehr sicher sein.

    Der Clown ist die wichtigste Mahlzeit am Tag.

  • Personalratswahlkampf??


    Bezirkspersonalrat:

    • plötzlich hängt ein Poster mit den Bildern im Lehrerzimmer
    • im Fach liegt ein Stift und ein Kalender

    Lehrerrat:

    • es hängt eine Liste aus, wer sich aus dem Kollegium zur Wahl stellen möchte

    Letztendlich muss man das auch mal realistisch sehen. Auf Bezirksebene hat man als einfacher Kollege keine Chance zu erkennen, wie gut die Kandidaten ihre Arbeit machen.
    Dazu kommen alle Probleme die Wahlen mit 'Parteiwahllisten' so mit sich bringen.
    Der Handlungsrahmen des Bezirkspersonalrats ist allerdings durch die entsprechenden Gesetze abgesteckt.
    Ich sehe jetzt nicht, wie man sich da wahlkampfmäßig besonders profilieren kann, ausser dass man seine Aufgaben erledigt, was selbstverständlich sein sollte.


    Beim Lehrerrat, der direkt die Interessen an der Schule vertritt, sieht das schon anders aus. Allerdings kennt man seine Kollegen ja meistens ziemlich gut, sodass da ein großer Wahlkampf nicht nötig ist.


    Welchem dieser beiden NRW-spezifischen Konstrukte eurer ÖPR entspricht, weiß ich nicht.

  • Also, bei uns gab es keinen "Wahlkampf". Die Kandidaten hatten sich sozusagen durch ihre Taten und ihre Äußerungen in öffentlichen Kontexten (Gesamtkonferenzen etc.) positioniert, so dass klar war, wofür sie stehen. Zum Teil war es früher auch schon so, dass es wirklich gerade mal mit Müh und Not überhaupt genug Kandidaten gab. Ich finde das immer ein Armutszeugnis für ein Kollegium.
    Aber natürlich kann man auch einen Wahlkampf machen. Ich verlinke mal einen Blogeintrag von @Herr Rau, ich hoffe das ist okay:
    https://www.herr-rau.de/wordpr…01/personalratswahlen.htm

    Ich finde es auch nicht hilfreich, sich aufstellen zu lassen, um "etwas zu bewegen". Als öPR ist man Vertreter des gesamten Kollegiums und nicht nur des Teils, der mit einem selbst gleicher Meinung darüber ist, ob und was bewegt werden sollte.

    Na ja, es kommt halt darauf an, was man darunter versteht. Wenn "etwas bewegen" heißt, Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte durchzusetzen und das Kollegium bei Entscheidungen ins Boot zu holen, dann ist das originäre Personalratsaufgabe. Wenn "etwas bewegen" heißt, inhaltliche Schulentwicklung zu betreiben, dann ist man vielleicht in einer Steuergruppe besser aufgehoben. Wir achten aber zum Beispiel in unserem Personalrat darauf, dass wir in allen wichtigen Steuergruppen vertreten sind, damit in jedem Fall immer auch jemand die Interessen und Belastungen des Kollegiums im Blick hat und im Zweifelsfall anspricht - vor allem wenn vor lauter Planung- und Entwicklungseuphorie gerne mal übersehen wird, dass die neuen Konzepte auch jemand umsetzen muss und dass das Arbeit bedeutet. Hier überschneiden sich die Aufgaben meiner Ansicht nach.
    Langer Rede kurzer Sinn: "etwas bewegen zu wollen" ist nicht die schlechteste Motivation, um sich aufstellen zu lassen.

    Der Job ist vielschichtig und hat großes Gefahrenpotential Arbeitsfreundschaften auf die Probe zu stellen.

    Das würde ich zu 100% unterschreiben. Das sollte man vorher unbedingt durchdacht haben.

    Oh, da gibts verschiedene Gründe: weil sich beide Seiten auf denjenigen einigen können, wegen der Versetzungssperre, weil man an seiner Karriere basteln will (persönlich und/oder gewerkschaftlich), ...

    Alle drei Gründe halte ich für die grundlegend falschen.
    Es müssen sich überhaupt keine "Seiten" auf einen Kandidaten einigen können. Der PR vertritt das Personal, dazu gehören je nach Situation auch Mitglieder der erw. Schulleitung, wenn sie als "normale" Kollegen von Entscheidungen des Dienststellenleiters betroffen sind. Dann sind sie aber auch auf der "Seite" des Kollegiums. Der Dienststellenleiter wird explizit nicht vom Personalrat vertreten und muss deshalb mit dessen Wahl auch weder einverstanden noch zufrieden sein.
    Überhaupt gefällt mir die Formulierung "Seiten" nicht, denn das impliziert, dass es immer nur um Fronten geht. Wir sehen uns als PR vor allem in der Rolle, eine andere Sichtweise einzubringen, und damit Entscheidungen erstmal unabhängig von harten Mitbestimmungsrechten zu beeinflussen. Dazu gehört es auch, eigene Vorschläge einzubringen etc., mit anderen Worten, "etwas zu bewegen". Erst wenn man mit dieser Perspektive auf Granit beißt, ist es Zeit sich damit zu beschäftigen, wo man denn durch das PVG abgesichert die PR-Sichtweise auch gegen SL-Willen durchsetzen kann. Aber Frontenbildung ist in den seltensten Fällen der beste Weg - nur leider ist er
    eben manchmal unvermeidbar.


    Die letzten beiden Gründe (Versetzungssperre/Karriere) halte ich für am wenigsten überzeugend. Das ist in etwas so, wie manche Neu-User hier angefeindet werden, wenn sie den Verdacht erwecken, dass sie nur aufgrund von Beamtenstatus, Gehalt und Ferien Lehrer werden wollen. Überhaupt weiß ich erstens nicht, ob PR-Tätigkeit wirklich so gut für die Karriere ist. Vor allem, wenn man die Aufgabe ernsthaft ausfüllen möchte und sich schon auch mal mit Schulleitung oder übergeordneter Behörde anlegen muss. Damit macht man sich nicht nur Freunde.

  • Wenn du als öPR Mitbestimmungrechte des Kollegiums durchsetzen musst, ist schon davor etwas (lange Zeit?) falsch gelaufen. Es ist auch nicht deine Aufgabe, das Kollegium "mit in irgendwelche Boot" zu holen, denn dann müsste man gleich hinterher fragen, unter welcher Flagge solche Boote denn fahren und wer am Steuerrad steht, damit das Kollegium an Bord geholt werden muss (und nicht von allein kommt).

    Der Dienststellenleiter wird explizit nicht vom Personalrat vertreten und muss deshalb mit dessen Wahl auch weder einverstanden noch zufrieden sein.

    Aber du arbeitest mit ihm zusammen und potentiell auch öfters gegen ihn. Du bist nicht zuletzt Ansprechpartner in Konfliktfällen deiner Kollegen gegen die SL. Wenn du mit ihr persönlich nicht klar kommst erschwert das deine (und seine) Arbeit. In meiner Schule wurden auf diese Art in den letzten 5 Jahren 4 öPRs verschlissen, in den Versetzungsantrag getrieben und die SL gesundheitlich schwer belastet. Der Leidtragende war jedoch das gesamte Restkollegium und allgemein die Arbeitsatmosphäre im Haus. Dafür werden öPRs nicht gewählt.

  • Wenn du als öPR Mitbestimmungrechte des Kollegiums durchsetzen musst, ist schon davor etwas (lange Zeit?) falsch gelaufen. Es ist auch nicht deine Aufgabe, das Kollegium "mit in irgendwelche Boot" zu holen, denn dann müsste man gleich hinterher fragen, unter welcher Flagge solche Boote denn fahren und wer am Steuerrad steht, damit das Kollegium an Bord geholt werden muss (und nicht von allein kommt).

    Das ist vermutlich richtig. Mein - sehr subjektiver - Eindruck ist aber der, dass das eher dem Alltag an deutschen Schulen entspricht als das Gegenteil. Das sieht man exemplarisch auch immer wieder an Anfragen hier im Forum. Ein Großteil der Kollegen hat keine Ahnung von den eigenen Mitbestimmungsrechten und vermeidet die eigene Beschäftigung mit dem Dienstrecht. Viele Kollegen sind dann noch konfliktscheu und haben Angst, den Schulleiter zu verärgern. Dazu kommt eine Anzahl von Kuschel-PRs, die ihre Aufgabe darin sehen, die Weihnachtsfeier zu organisieren und die Freud&Leid-Kasse zu führen. Ich meine das nicht als ironische Übertreibung, ich glaube wirklich, dass so eine Konstellation eher der Standard ist. Dann muss halt irgendwann mal ein PR kommen und das Ruder in die Hand nehmen (um bei der Schiffsmetapher zu bleiben). Wenn das Boot erstmal abgelegt hat, kann man sich immer noch darüber unterhalten, welche Flagge gehisst werden soll. So ein PR wird ja auch nicht für immer gewählt und wenn die Richtung dem Kollegium nicht gefällt, kann es sich nach vier Jahren einen neuen PR suchen.

    Aber du arbeitest mit ihm zusammen und potentiell auch öfters gegen ihn. Du bist nicht zuletzt Ansprechpartner in Konfliktfällen deiner Kollegen gegen die SL. Wenn du mit ihr persönlich nicht klar kommst erschwert das deine (und seine) Arbeit. In meiner Schule wurden auf diese Art in den letzten 5 Jahren 4 öPRs verschlissen, in den Versetzungsantrag getrieben und die SL gesundheitlich schwer belastet. Der Leidtragende war jedoch das gesamte Restkollegium und allgemein die Arbeitsatmosphäre im Haus. Dafür werden öPRs nicht gewählt.

    Ich verstehe sehr gut, was du meinst und will hier auch gar nicht widersprechen. Zielorientierte, gemeinsame Diskussionen sind immer besser als ein Aufeinanderprallen von Fronten. Und völlig kontraproduktiv ist es, wenn persönliche Animositäten mit in diese Auseinandersetzung eingebracht werden. Gleichzeitig ist es aber auch nicht hilfreich, wenn SL und PR zu sehr auf einer Wellenlänge liegen, da aus einer konstruktiven Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sichtweisen die produktivsten Ergebnisse entstehen.
    Als Beispiel: Einer unser PRs arbeitet am Stundenplan mit. Wenn wir zu Schuljahresbeginn die Stundenpläne mit dem SL durchgehen, ist er ganz bewusst nicht dabei. Die Idee ist, dass wir mit unvoreingenommenen Augen die Probleme besser sehen und vielleicht auch stärker auf Besserung beharren als er, der die Genese kennt. Wenn Kollege XY beispielsweise 12 Hohlstunden hat, dann ist das nicht okay und muss irgendwie geändert werden, ganz egal welche Probleme es da im Hintergrund gab. Das können wir dann besser einfordern als der Kollege, der den Stundenplan mit verbockt hat.

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