Englisch - Assimil - Einsatz alternativer Materialien

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    • Englisch - Assimil - Einsatz alternativer Materialien

      Liebes Forum,

      kurz zu mir:

      Ich bin als Referendarin an einer ländlichen Schule in Sachsen gelandet. Schön hier.

      Meine Kollegin, die mich beim Referendariat an einer Oberschule (Realschule) betreut, möchte ab kommendem Jahr weiter vom Lehrbuch weg kommen (Cornelsen, G21) und Text einsetzen, wo die Schüler die Übersetzung des Textes gleich parallel lesen können. Sie verspricht sich davon ein tieferes Textverständnis (oder überhaupt ein Textverständnis (und nicht nur eine Ahnung vom Text).
      Ich bin mir unsicher, ob ich das
      a) mitmachen _muss_?
      b) ob das zielführender Unterricht ist?
      und möchte auch hier im Forum fragen, ob jemand bereits Erfahrung beim (ggf. flankierenden Einsatz dieser oder anderer Methoden) gesammelt hat.

      Wie ist eigentlich die wissenschaftliche Bezeichnung für die Art und Weise, mit der Assimil-Lehrwerke Sprache vermitteln wollen.

      Vielen Dank für eure Antworten.
    • Hallo,
      als Nicht-Sprachlehrer kann ich dir leider nur meine persönliche Erfahrung weitergeben ...
      Als Schülerin haben wir in Französisch ein "Buch" gelesen das auch die deutsche Übersetzung enthielt.
      Fazit: bis auf ein paar wenige Cracks haben alle den Text auf deutsch gelesen. Wir fanden das Vorgehen unserer Lehrerin eher lächerlich.
    • Tanjas_neue_Welt schrieb:

      und Text einsetzen, wo die Schüler die Übersetzung des Textes gleich parallel lesen können. Sie verspricht sich davon ein tieferes Textverständnis (oder überhaupt ein Textverständnis (und nicht nur eine Ahnung vom Text).
      Oha. Wenn du irgend eine Chance hast, das zu umgehen - ist schwierig als Referendarin - dann solltest du das umgehen. Das geht konträr zu so jedem fremdsprachdidaktischen Prinzip! :O

      Ziel des fremdsprachlichen Unterrichts ist die Kommunikation in der Zielsprache - Sprachrezeption und -produktion. Es geht NICHT darum, Übersetzungen zu haben. Ganz im Gegenteil, der sichere Umgang mit Verständnisschwierigkeiten und fehlenden Begriffen oder unbekannten grammatischen Konstruktionen, z.B. durch Worterschließungsstrategien, ist ganz wesentlich für den sicheren Gebrauch der Zielsprache.
    • Als DaF-Lehrerin halte ich auch nichts von Übersetzungen. Vielleicht kannst du aber die Methode, wenn du mitmachen musst, verändern, indem du nur einzelne Strukturen oder Wörter als Übersetzung anbietest.

      Und das dann mit "Hürde", also Hilfezettel mit Übersetzungen müssen bei der Lehrperson "abgeholt" werden z.B.. So sind die Lernenden erstmal gezwungen, sich mit dem Text in der Zielsprache zu beschäftigen.

      Worterschließung kann man gut durch geeignete Übungen zum Text trainieren.
      Kompromiss wäre z.B. auch hier, mehrere Übersetzungen eines Ausdrucks anzubieten, die Lernenden müssen die passendste auswählen.
    • Tanjas_neue_Welt schrieb:


      Ich bin mir unsicher, ob ich das
      a) mitmachen _muss_?
      Nein, musst Du nicht.
      Aber in Deiner Situation als Reffi wäre es natürlich ganz gut, wenn Du es Dir nicht mit Deiner Mentorin verscherzt. Übernimmst Du die Klasse komplett? Hälst Du ab und zu begleiteten Unterricht? Oder ganz allein? Evt. ist es Deiner Kollegin völlig Wumpe, ob Du das auch so machst oder nicht, oder sie legt allerhöchsten Wert drauf und nimmt es nicht nur als Kritik, sondern sogar als persönliche Beleidigung, wenn Du das nicht so machst. Weiß man alles nicht. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Du kannst auch beim ersten mal einfach drauf verzichten weil Du ja daran gar nicht gedacht hattest und mal schauen... Oder einfach mal diplomatisch fragen. Das hängt wirklich von der Mentorin und Eurem Verhältnis ab.


      Tanjas_neue_Welt schrieb:

      b) ob das zielführender Unterricht ist?
      Ich halte das für eine Verzweiflungstat. Dass man dadurch auch etwas Lernen könnte, glaube ich schon, aber vermutlich kommen die Schüler jedes Jahr schlechter mit den Texten zurecht ("
      oder überhaupt ein Textverständnis") und die Kollegin weiß sich langsam nicht mehr zu helfen.
    • Vielen Dank für eure Antworten.

      Meerschwein Nele schrieb:

      Ziel des fremdsprachlichen Unterrichts ist die Kommunikation in der Zielsprache - Sprachrezeption und -produktion. Es geht NICHT darum, Übersetzungen zu haben. Ganz im Gegenteil, der sichere Umgang mit Verständnisschwierigkeiten und fehlenden Begriffen oder unbekannten grammatischen Konstruktionen, z.B. durch Worterschließungsstrategien, ist ganz wesentlich für den sicheren Gebrauch der Zielsprache.


      Ich habe - andererseits in den zurückliegenden Prüfungen (10 Klassen RS, 9. Klasse HS) eben auch gesehen, dass Gesprächssituationen vorgegeben sind, (auf Deutsch), mit denen die SuS dann zur 10-minütigen Vorbereitung allein gelassen werden, mit Wörterbuch. Zweisprachig. Zur Prüfung sind auch zweisprachige Wörterbücher zugelassen. z. B. Restaurantbesuch. Bestellen und nach der Rechnung fragen. Meist stockten die SuS dann bei Rechnung.

      Auch Vokabeln werden in den Klassen 5-10 zweisprachig abgefragt - nach dem Schema: deutsches Wort > schreibe englisches Wort, deutsche(r) Wortgruppe > schreibe englische Wortgruppe.

      Diese Form der zweisprachigen Abfrage müsste man eigentlich dann auch begraben? Oder?


      Ich selbst habe bei meinem Unterricht in Klasse 7 erlebt, dass _keine_ der SuS bei der Mediation-Aufgabe in der Klassenarbeit umsetzen konnten, was sie im Unterricht (hätten gelernt haben sollen) // gelernt haben, dass es "Guten Appetit" als lexikalisch Entsprechung zum Deutschen nicht gibt, obgleich meine Mentorin es mehrfach _Deutsch_ und _Englisch_ gesagt hat und die SuS auch mindestens 3 Übungen hierzu machen mussten.

      Weiterhin ist ja Mediation ein wichtiger Teil des Unterrichts und Mediation benötigt doch auch lexikalische Entsprechungen, d. h., die SuS müssen schon wissen, was ungefähr läuft, in der Situation und das dann in der Zielsprache erläutern, wobei die Zielsprache oft ja auch Deutsch ist, in der Mediation-Situation.

      Es gibt SuS, die kommen ganz gut klar, mit den Strategien, sich unbekannte Lexik zu erschließen.
      Viele (in RS) stoßen jedoch schnell an ihre Grenzen und in HS-Klassen... ist das extrem schwierig, mit Worterschließungsstrategien..

      Nun bin ich unerfahren und im Lehrerkollegium höre ich immer: Ist schwierig... Können Sie nicht erwarten, das ging noch vor 10 Jahren, heute, fragen Sie nicht... Schüler lernen nicht mehr...

      Nur am Rande:
      Ich komme mit meiner Mentorin menschlich eigentlich sehr gut klar - Sie ist auch wirklich engagiert und eigentlich mit Herzblut bei der Sache (deswegen überlegt sie ja auch, wie Sie wenigstens _etwas_ vermitteln kann), scheitert oder verzweifelt jedoch in Klassen, in denen ihr eine Mauer an Desinteresse (HS, Wozu brauchen wir das) entgegenschlägt bzw. ist sie sichtlich betroffen, wenn SuS am Ende der 8. Klasse das Wort "need" weder Deutsch benennen noch umschreiben / ersetzen können. Realschule, 8. Klasse, wohlgemerkt.

      Ich bin im Ganzen etwas sprachlos und ahnungslos, wie _ich_ meinen Unterricht am besten gestalte. Ich weiß, so ahnungslos sollte ich nicht sein, aber wenn einem eine so dermaßen ignorante Grundhaltung entgegenschlägt wie: Englisch? Brauch ich nicht, ich werde. Klempner, Verpacker, nichts... Wie kann ich solche SuS zu Lernen bewegen.
    • Wer schon bei den Grundlagen einer Fremdsprache ausgestiegen ist, kann nicht Jahre später wieder einsteigen.
      Oder um es mit einem Bonmot des amtierenden Bundestagspräsidenten zu sagen: "Isch over!"

      Arbeite Dich nicht am Unmöglichen ab, sondern widme Dich denen, die lernen wollen.
    • Hallo @Tanjas_neue_Welt,

      Tanjas_neue_Welt schrieb:

      ...Schüler lernen nicht mehr...
      ... (HS, Wozu brauchen wir das)
      ...Englisch? Brauch ich nicht, ich werde. Klempner, Verpacker, nichts... Wie kann ich solche SuS zu Lernen bewegen.
      Was eher nicht funktioniert ist dieÜberzeugungsschiene "...wenn du mal jemanden kennenlernst, der/die sonstwoher kommt...Kundengespräche...Songtexte...Urlaub..." das sind nur Worte, denn natürlich überlebt man theoretisch auch ohne Englisch.

      M.M.n. muss man bei leistungsschwächeren Kids überschaubare Lerneinheiten vorbereiten, viel üben und aufs Lernen beharren, ohne Erklärung. Okay, du hast keinen Bock, hab ich gehört und jetzt haben wir Englisch. Los geht's.
      Und dann regelmäßig 10 Vokabeln, üben, Test schreiben. Nächste 10 Vokabeln, wiederholen, Test... dann den Text, in dem alle Vokabeln wieder vorkommen, Sätze vorquatschen und nachquatschen lassen, bis sie auswendig sitzen... also im Grunde das Üben von zu Hause in die Schule verlagern.

      Du siehst, ich hab von Englischdidaktik keine Ahnung aber ich hab viele unmotivierte Schüler. Ein großes Problem sind m.E. ausbleibende Erfolge. Die kaschiert man als Teenie am besten, indem man sagt, wie leicht/doof/uncool alles ist.

      Die Wenigsten (auch Leistungsstarken) lernen in der Schule, weil sie in 10 Jahren mal irgendwas davon brauchen könnten, sondern weil sie entweder einfach Interesse daran haben, oder weil man in der Schule eben lernt. Letzteres würde ich mir zunutze machen und schauen, dass sie das Gefühl bekommen, irgendwas zu kapieren. Z.B. ganz viel loben... wie toll die Aussprache von Xaver ist, du kämst dir vor wie in Los Angeles (also nur falls Xaver wirklich eine passable Aussprache hat) und wow, dass Janine immer noch von letzter Woche weiß, was "need" heißt! *Daumen hoch*. Kleine Erfolge feiern und sich mitfreuen und zur Not im Buch eben nicht schnell weiterkommen. Wenn sie eh nicht wissen, was gemacht wurde, braucht man auch nicht weitergehen in der Lektion.

      Zur Ausgangsfrage kann ich aber nix Seminarkompatibles beitragen. Evtl. erst den Text komplett auf Deutsch lesen und dann komplett auf Englisch? Mache ich bei Filmen auch so, wenn ich sie im Original sehen will.

      Ansonsten kannst du der Mentorin auf jeden Fall sagen, dass dein Seminar dies und das will und dass sie nicht böse sein soll, weil du dich an deren Vorgaben hältst.

      Viel Erfolg :wink2:
    • Tanjas_neue_Welt schrieb:

      Ich habe - andererseits in den zurückliegenden Prüfungen (10 Klassen RS, 9. Klasse HS) eben auch gesehen, dass Gesprächssituationen vorgegeben sind, (auf Deutsch), mit denen die SuS dann zur 10-minütigen Vorbereitung allein gelassen werden, mit Wörterbuch. Zweisprachig. Zur Prüfung sind auch zweisprachige Wörterbücher zugelassen. z. B. Restaurantbesuch. Bestellen und nach der Rechnung fragen. Meist stockten die SuS dann bei Rechnung.
      Die Antwort soll dann aber nunmal in der Fremdsprache erfolgen, ergo muss man die SuS auch durch vielfältige Spracharbeit auf einen entsprechend Einsatz der Fremdsprache vorbereiten. Je mehr die SuS gelernt haben in der Zielsprache zu arbeiten, sich unbekannte Ausdrücke/Formulierungen in der Zielsprache mithilfe entsprechender Strategien zu erschließen, auch wenn sie ein Wort nicht eins zu eins übersetzen könnten, desto leichter fällt es ihnen solch eine Dialogsituation zu meistern. Diese Strategien entwickeln SuS unter anderem bei der Erarbeitung fremdsprachiger Texte- vorausgesetzt, man zwingt sie dazu, indem man eben gerade keine deutsche Übersetzung direkt beilegt, die es den SuS erlaubt den fremdsprachigen Text zu vermeiden und damit Sprachprobleme nicht angehen zu müssen.

      Tanjas_neue_Welt schrieb:


      Auch Vokabeln werden in den Klassen 5-10 zweisprachig abgefragt - nach dem Schema: deutsches Wort > schreibe englisches Wort, deutsche(r) Wortgruppe > schreibe englische Wortgruppe.
      Diese Form der zweisprachigen Abfrage müsste man eigentlich dann auch begraben? Oder?
      Nein, zweisprachige Vokabelabfragen haben ihre Berechtigung. Vokabeln sind ja die sinnvolle und notwendige Vorentlastung und Vorbereitung, um z.B. bei einer Textarbeit, einer Hörverständnisaufgabe oder in einem Dialog ergänzend zur notwendigen Grammatik über das Rüstzeug zu verfügen für eine weitesgehend einsprachige Bearbeitung weiterer Aufgaben. Die zweisprachige Abfrage von Vokabeln ist dann typischerweise dem Leistungsraum vorbehalten, um die Grundlagen abzufragen.

      Tatsächlich versucht man aber ja- von Ausnahmen abgesehen- neues Vokabular ausschließlich in der Fremdsprache zu semantisieren bei der Neueinführung und eben gerade nicht zu übersetzen.

      Tanjas_neue_Welt schrieb:


      Ich selbst habe bei meinem Unterricht in Klasse 7 erlebt, dass _keine_ der SuS bei der Mediation-Aufgabe in der Klassenarbeit umsetzen konnten, was sie im Unterricht (hätten gelernt haben sollen) // gelernt haben, dass es "Guten Appetit" als lexikalisch Entsprechung zum Deutschen nicht gibt, obgleich meine Mentorin es mehrfach _Deutsch_ und _Englisch_ gesagt hat und die SuS auch mindestens 3 Übungen hierzu machen mussten.
      Weiterhin ist ja Mediation ein wichtiger Teil des Unterrichts und Mediation benötigt doch auch lexikalische Entsprechungen, d. h., die SuS müssen schon wissen, was ungefähr läuft, in der Situation und das dann in der Zielsprache erläutern, wobei die Zielsprache oft ja auch Deutsch ist, in der Mediation-Situation.
      Es gibt SuS, die kommen ganz gut klar, mit den Strategien, sich unbekannte Lexik zu erschließen.
      Viele (in RS) stoßen jedoch schnell an ihre Grenzen und in HS-Klassen... ist das extrem schwierig, mit Worterschließungsstrategien..
      Ja, Worterschließungsstrategien fallen vielen SuS schwer, genau deshalb muss man sie zwingen, diese zu entwickeln, was u.a. echte Textarbeit erfordert ohne eben die direkt mitgelieferte Übersetzung als Vermeidungsstrategie. Ich bin auch an der RS mit einzelnen HS-SuS in den Lerngruppen. Auch mit dieser Zielgruppe kann man einen entsprechenden Sprachunterricht gestalten. Ggf.müssen Texte dann eben deutlich kleinschrittiger bearbeitet werden, als der Schulbuchverlag sich das vorgestellt hat, Strategien sehr gezielt wieder und wieder und wieder trainiert werden, bis sie den SuS zu den Ohren rauskommen (dann halt auch vielleicht eher nur 2-3 Strategien konsequent trainieren damit bei allen die Basis steht und für die paar fitteren SuS in der Klasse, die das schnell verstanden haben und umsetzen können noch weitere Strategien und Differenzierungsaufgaben in petto halten).
      Mediationsaufgaben leben einerseits vom Fleiß der SuS beim Vokabeln/Satzkonstruktionen lernen und dem Üben neuer grammatikalischer Aspekte, andererseits aber auch einem hohen Maß an unterrichtlicher Einsprachigkeit, dass es SuS erlaubt sich z.B.bei einer KA schlichtweg daran zu erinnern, wie bestimmte Gesprächssituationen im Unterricht bei den entsprechenden Übungen gelöst wurden, weil so dann auch bestimmte sprachliche Muster eingeschliffen werden die wieder und wieder und wieder und wieder und wieder verwendet werden.
      Ich habe bei meinen 6ern auch schon Mediationsaufgaben in der KA gemacht: Das hat bei allen gut geklappt, weil selbst die Faulbärchen, die kaum Vokabeln gelernt hatten und eher selten HA machen sich erinnert haben, wie die entsprechenden Gesprächssituationen im Unterricht gelöst worden sind (wurde entsprechend oft geübt und wiederholt). Die konnten es dann nicht korrekt schreiben, aber inhaltlich verständlich ausdrücken und damit zumindest einen Teil der Punkte bekommen. Das klappt natürlich nicht bei jeder Lerngruppe und jeder Aufgabe gleich gut, damit es überhaupt funktionieren kann, muss man seine SuS aber auch sprachlich entsprechend vorbereiten, sonst wird es bei noch weniger SuS Erfolge zeitigen können.

      Wenn die Zielsprache in der Mediation Deutsch ist, müssen die SuS gelernt haben einen fremdsprachigen Text zu erschließen ohne erst eine Übersetzung zu lesen (die jede Mediationsübung ad absurdum führen würde). Ist die Zielsprache die Fremdsprache bedürfen gerade in der HS immer noch einige SuS umfangreicher Worterschließungstrategien, um sich den deutschen Ausgangstext zu erschließen (da z.B. Deutsch Zweit- oder Fremdprache ist oder Textverständnis ihnen schwer fällt), um den Text dann aber in die Fremdsprache sinnvoll übertragen zu können, müssen sie ihre Vokabeln gelernt haben, ihre Grammtik beherrschen und im Idealfall dank des Unterrichts ausreichend versiert sein beim Erkennen idiomatischer Wendungen, dem Bilden verständlicher Sätze, etc. -Nichts davon lässt sich erreichen mithilfe einer Textarbeit im Fremdsprachenunterricht die direkt mit fremdsprachigem Text und Übersetzung arbeitet (eh sei denn, man setzt die von nanunana vorgeschlagenen Umsetzungswege punktuell- nicht konstant- um).

      Tanjas_neue_Welt schrieb:


      Nun bin ich unerfahren und im Lehrerkollegium höre ich immer: Ist schwierig... Können Sie nicht erwarten, das ging noch vor 10 Jahren, heute, fragen Sie nicht... Schüler lernen nicht mehr...
      Beruf dich deiner Mentorin gegenüber auf die Vorgaben deines Seminars, was du am Ende auch in den Prüfungen zu leisten hast, erinner dich selbst daran, was du an Bildungsplanvorgaben hast und mach dir bewusst, dass - auch wenn die Kollegen unter Umständen recht haben- kein SuS mehr arbeiten wird für den Unterricht, wenn dieser ihm anstrengende Lern- und Arbeitsschritte einfach von vornherein erspart. Finde Wege deine SuS kleinschrittig mitzunehmen, aber ohne dabei notwendige und unerlässliche Lernschritte zu vermeiden. Beziehungsarbeit wurde hier im Thread schon angesprochen als sehr wichtiges Element um gerade leistungsschwache Lerngruppen zu motivieren und "mitzunehmen". Elternarbeit, Klassenführung und Unterrichtsplanung ergänzen das. Wer sich partout weigern möchte die Fremdsprache zu lernen wird immer Wege finden- diese SuS sind nicht der Maßstab für deinen Unterricht. Mach deine eigenen Erfahrungen, was für dich, in deinem Unterricht, mit deinen SuS funktioniert und was nicht. Verschiedene Lehrerpersönlichkeiten können auch Verschiedenes aus Lerngruppen herauskitzeln, wenn der Draht stimmt oder eben auch womöglich gar nicht existent ist. Am Ende hast du womöglich genau die gute Beziehung zu dieser 7.Klasse, die diese dazu motiviert ihre Vokabeln etwas regelmäßiger zu lernen als bislang, vielleicht, weil es dir besser gelingt, sie dazu zu motivieren (Lernapp, Belohnungssystem, wöchentliche Tests,...- nicht bei jeder Klasse oder jedem Schüler einer Klasse funktioniert derselbe Weg) und die kleinen Erfolgserlebnisse motivieren und ermutigen deine SuS zu mehr, weil sie plötzlich sehen, dass sie etwas können und nicht nur ihr Versagen attestiert bekommen.
    • Boah - _vielen_ Dank für eure - teils - superlangen Antworten und die damit investierte Lebenszeit!!!!!!

      Ich lese viel Positives und Motivierendes heraus und freu mich schon, aufs Ausprobieren. _Ich_ freue mich. Irgendwie muss es mir gelingen, die Mauer aus Desinteresse zu durchbrechen bzw. anzuerkennen, dass ich nciht alle retten kann. In diesem Fall muss ich dann dafür sorgen, dass dennoch Ruhe herrscht.. schwierig, wenn sich die, die nicht mitkommen, langweilen...



      CDL schrieb:

      Finde Wege deine SuS kleinschrittig mitzunehmen, aber ohne dabei notwendige und unerlässliche Lernschritte zu vermeiden. Beziehungsarbeit wurde hier im Thread schon angesprochen als sehr wichtiges Element um gerade leistungsschwache Lerngruppen zu motivieren und "mitzunehmen". Elternarbeit, Klassenführung und Unterrichtsplanung ergänzen das.

      Auch bei den Eltern sehe ich nicht, dass das Bewusstsein - wirklich - dafür da ist, wie wichtig eine Fremdsprache (Englisch) ist.
      Wie könnte ich Eltern da knacken, gerade beim Beginn des neues Schuljahres - ok, ist noch etwas hin... ;) Elternbrief? Liest kaum jemand (richtig), Elternabend? Nur für Englisch? Da kommen negativ geschätzt 2 von 26 und diese beiden Elternpaare müssten dann sehr wahrscheinlich nicht kommen, weil denen die Wichtigkeit eh bewusst ist...

      Weiterhin: Ich fühle mich als Anfängerin noch nicht soweit sicher, meinen Unterricht Lehrbuchunabhängig zu gestalten. Und die sture Lehrbucharbeit - gerade bei einem so alten Lehrwerk wie G21 von Cornelsen - langweilt die SuS sicher (teilweise). Andererseits enthält das zum Lehrbuch gehörende Workbook eben auch passende Übungen.

      Ganz wichtige Frage - vielleicht für einen extra Thread?
      Wie könnte ich die, die bisher durch Schlafen in meinem Unterricht geglänzt haben, systhematisch wieder an den Stoff heranführen, ohne die übrige Klasse zu langweilen. Dass die "Schläfer" Hausaufgaben machen, kann ich glaube ich - eher vergessen... :(
    • Realistischerweise würde ich sagen, dass du dich erstmal nicht darauf konzentrieren solltest Eltern "knacken" zu wollen, das sind erwachsene Menschen mit denen du von deiner Seite aus konstruktiv zusammenarbeitest, deren Erziehug dir aber nicht obliegt. Versuch dir diesbezüglich realistische Ziele zu setzen: Gesprächsangebote machen, Informieren bei Bedarf, bei Problemfällen um ein persönliches Gespräch bitten und dann entsprechende Hinweise geben,... Lern vor allem im neuen Schuljahr erstmal deine neuen Klassen offen kennen. Wenn es dann Probleme gibt hilft meiner Erfahrung nach gerade im Ref ein offenes Gespräch mit Kollegen die in derselben Klasse eingesetzt sind, um sich für die Elternarbeit realistische Ziele zu setzen und nicht daran aufzureiben mangels ausreichender Erfahrung.

      Wenn ich von Französisch ausgehe sind die Lehrwerke in den Fremdsprachen zwar unterschiedlich gut bzw.haben verschiedene Stärken und Schwächen, bieten aber alles in allem ein ganz gutes Programm an um bestimmte Lernziele mit einer Klasse zu erreichen. Wenn euer Lehrwerk sehr alt ist und ihr an der Schule ein halbwegs passables Kopierkontingent habt, könntest du dir ergänzend ein bis zwei neuere Lehrwerke besorgen (als Ref zahlt man bei den meisten Schulbuchverlagen nur 50% der Anschaffungskosten und erhält - auch später noch- immer wieder Prüfauflagen neuer Lehrwerke kostenfreu angeboten; auch die Fachschaft ist teilweise bereit ihre Referendare im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten zu unterstützen, indem ein Material für die Fachschaft angeschafft wird. Eine meiner Fachschaften hat so eine Fachzeitschrift die ich empfohlen habe abonniert, die gute Unterrichtsumsetzungen im neuen Unterrichtsfach WBS anbietet. War zunächst nur als Unterstützung für mich im Ref angedacht, inzwischen sind viele Kollegen, die das Fach fachfremd unterrichten, dankbar, dass wir das Abo haben. Im anderen Fach konnte ich gezielt aktuelle Ergänzungsmaterialien zum Lehrwerk anfragen, die von der Fachschaft angeschafft worden sind, damit ich diese nicht privat erwerben muss.). Daraus könntest du dann gezielt Übungen ergänzend einsetzen, eigene Arbeitsblätter damit "füttern" und Aufgabenteile verwenden, die SuS besser ansprechen. Neuere Lehrwerke haben ja z.B. in den Sprachen inzwischen auch viele schöne (und vor allem entsprechend didaktisierte) Videos. Für meine 6er sind das immer die Highlightstunden, wenn ich mit denen ein Video schaue; damit arbeiten sie ganz besonders gerne und motiviert. Auch die 7er und 8er sind noch enorm begeistert, wenn sie mal in einer Stunde mit Videos arbeiten dürfen statt z.B. den Text nur zu hören bei der Texteinführung.

      Weiterhin kann man auch die scheinbarn"sture" Lehrbucharbeit äußerst abwechslungsreich gestalten durch verschiedene Methoden: Nur weil das Lehrwerk gerne hätte, dass die SuS eine Aufgabe schriftlich oder im Plenum lösen musst du das ja nicht so mit deinen SuS machen. Da wird dann je nach Lernzielen und angestrebten Kompetenzen die eine Aufgabe vielleicht ein Laufdiktat, die andere eine Dialogübung nach dem System der Sprechmühle, die dritte Übung wird zum Rollenspiel umfunktioniert und bei der vierten Übung müssen die SuS sich die Begriffe pantomimisch vorspielen und als kleinen Wettbewerb mit ihrer Gruppe die korrekten Begriffe erraten/in ein AB einfügen etc. wobei die Sieger einen kleinen Preis erhalten (da ist es dann halt wichtig, die Gruppenzusammensetzungen immer wieder zu ändern, damit im Laufe des Schuljahres alle mal zu den Siegern gehören oder es geht nur um die Ehre und in der Pause zwischen den beiden Stunden dürfen meine SuS sich dann auch mal alle eine Kleinigkeit aus meinem "Belohnungsglas" nehmen,...). Erlaub dir kreativ zu sein bei der methodischen Umsetzung dessen, was das Lehrwerk an Übungen und Texten parat hält und hab dein Ohr an dem, was deine jeweilige Lerngruppe besonders begeistert und motiviert (bei meinen Klassen sind das aktuell fast durchgehend Rollenspiele, die immer gewünscht werden und super funktionieren, ich kenne aber auch Kollegen die in denselben Klassen niemals Rollenspiele machen, weil sie den Eindruck haben das geht dort gar nicht. Erlaub dir also auch rauszufinden, welche Methoden dir Spaß machen, mit denen du guten Unterricht gestalten kannst, auch da passt nicht alles zu jedem gleich gut.)
    • Tanjas_neue_Welt schrieb:

      Weiterhin: Ich fühle mich als Anfängerin noch nicht soweit sicher, meinen Unterricht Lehrbuchunabhängig zu gestalten.
      Nimm, was da ist. Es gibt keinen Grund, dich selbst im ersten Jahr zu überfordern. Und die Idee, dass man supercoole Hip-Hop-Texte rappend den Raum betritt würde eher motivieren als Cornelsen ist leider nicht zutreffend :D ;)


      Tanjas_neue_Welt schrieb:

      ...
      Wie könnte ich die, die bisher durch Schlafen in meinem Unterricht geglänzt haben, systhematisch wieder an den Stoff heranführen, ohne die übrige Klasse zu langweilen...
      Je nachdem, wie viel sie verpasst haben, scheint mir das tatsächlich kaum lösbar zu sein. Ich würde wohl buchstäblich in die Hände klatschen, bis jeder wach ist und ihnen etwas zu tun geben. Vielleicht eine Vokabelkartei (auch mit ganzen Phrasen) anlegen lassen und jede Stunde wird damit erstmal 10 min. geübt? Sie brauchen auf jeden Fall irgendein überschaubares Ziel.
      (Und auf Englisch zu unterrichten mag moderne Didaktik sein, ich fürchte aber, das turnt ab, weil eben 2/3 der Schüler denken: "hä? ach, shut up".)