Erfahrungen zum Ablauf Seiteneinstieg Sachsen

  • Hallo liebe Forumsmitglieder,


    ich stehe derzeit vor der Entscheidung einige Leistungen für die Grundschule „nachzustudieren“, um den klassischen Weg über das Staatsexamen zu gehen, oder einen Seiteneinstieg in Sachsen zu wagen. Beides hat seine Vor-und Nachteile. Für mich ist die grundsätzliche Organisation (glaube ich zumindest) des Seiteneinstiegs klar, ich suche aber nach Erfahrungsberichten. Besonders die erste dreimonatige Phase interessiert mich in Hinblick auf die Vereinbarkeit mit der Familie. Ich habe kleine Kinder und mein Mann arbeitet im Schichtdienst. Ich würde gerne abschätzen können, wie man die Vollzeit-Fortbildung, die nach Auskunft des LaSuB ja auch in einer anderen sächsischen Großstadt stattfinden kann, mit den Pflichten in der Familie unter einen Hut bekommt.


    Also: wie läuft die erste Zeit tatsächlich ab. Wie kann man sich so einen Tag vorstellen? Danach würde ich einen Teilzeitantrag stellen, aber die erste Zeit ist ja definitiv Vollzeit.


    Beinhalten die Kurse und berufsbegleitenden Qualifizierungen auch Leistungen wie im Studium, also benotete Referate, Hausarbeiten etc.? Wie viel muss zuhause zusätzlich gearbeitet werden?


    Wenn man mit dem ganzen Prozedere vor Ende 2023 nicht fertig sein sollte, besteht dann die Gefahr, dass man nicht verbeamtet werden kann? Wann startet beim Seiteneinstieg überhaupt die Verbeamtung auf Probe?


    Könnte man in der Zeit auch ein Jahr Elternzeit nehmen und danach weiter machen?


    Im Moment tendiere ich fast zum eigenständigen Nachstudieren, um mich mit meinem Abschluss für das berufsbegleitende Referendariat zu bewerben. Mir fehlen für die Grundschule nur ca. 90 Creditpoints. Ich habe aber Respekt vor der Aufgabe diese Leistungen an der Uni neben meinem Job und neben der Familie zu meistern. Deshalb möchte ich gerne alle Möglichkeiten beleuchten.


    Vielen Dank und einen guten Start ins neue Jahr!

  • Hallo und willkommen hier,
    zu den meisten Fragen kann ich dir nichts sagen, nur so viel zur Verbeamtung: die wird, bei gesundheitlicher "Eignung", bis zum 42. Geburtstag gewährt. Soweit ich weiß, sind sie da auch sehr strikt. Es wurde diskutiert, ob man Erziehungszeiten anrechnen kann, ich weiß aber nicht, ob das bei jemandem so geklappt hat. Da du nicht schon im Angestelltenverhältnis als Lehrer*in gearbeitet hast, hielte ich es auch für eher unwahrscheinlich, probieren würde ich es allemal.


    Wie lange bräuchtest du für 90 Creditpoints? Gefühlt würde ich lieber Seiteneinstieg machen und sofort verdienen wollen. Verstandesmäßig würde ich lieber fertig studieren, da der Seiteneinstieg sehr, sehr unsicher ist. Vielle bekommen keinen Platz oder nur einen in Hinterposemuckl.

  • Hi :)


    Ich kann nur für die Einsteigerfortbildungen für Dresden und Bautzen sprechen - diese wurden in der letzten Einstellungsrunde zusammengelegt, weil es wohl verhältnismäßig wenige Einstellungen gegeben hatte und sich - insbesondere für den Bezirk Dresden - eine "eigene" Fortbildung nicht gelohnt hätte. Für diese beiden Bezirke findet die Fortbildung in Löbau statt. Die Fahrtkosten dorthin werden erstattet, da es sich um eine Fortbildung handelt - allerdings erst im Nachhinein, und das kann wohl auch, abhängig von der jeweiligen Auslastung der zuständigen Stellen, mal eine Weile dauern.

    Also: wie läuft die erste Zeit tatsächlich ab. Wie kann man sich so einen Tag vorstellen? Danach würde ich einen Teilzeitantrag stellen, aber die erste Zeit ist ja definitiv Vollzeit.

    Die Wochen sind von Anfang an durchgeplant: Jede Woche gibts zwei bis drei Fortbildungstage, ein bis zwei Hospitationstage die Du an Deiner Schule verbringst und mindestens einen Selbststudientag. Die Ferien sind frei. Die Fortbildungstage beginnen kurz nach 9 Uhr und sind in der Regel kurz vor 15 Uhr vorbei. Überzogen wird nicht, da unter den Teilnehmern in der Regel viele sind, die Familie und Arbeit unter einen Hut bringen müssen wird sehr auf Familienfreundlichkeit geachtet. In den Seminaren selbst werden viele relevante Themen bearbeitet - Schulrecht, Unterrichtsplanung, Bewerten von Leistungen und so weiter. Alles in allem ist das für den Start ins Lehrerleben enorm hilfreich!



    Beinhalten die Kurse und berufsbegleitenden Qualifizierungen auch Leistungen wie im Studium, also benotete Referate, Hausarbeiten etc.? Wie viel muss zuhause zusätzlich gearbeitet werden?

    Noten gibts in den Kursen nicht. Für die Arbeit an den Selbststudientagen gibts meistens Aufgaben, die aber sehr gut schaffbar sind. Die Aufgaben aus dem Kurs machen in der Regel den geringsten Teil der Arbeit an Selbststudientagen aus - allerdings kommt dazu, dass man an Hositationstagen in der Schule häufig bereits beginnt, eigene Unterrichtssequenzen zu planen und zu halten sowie die Hospitationstage selbst vor- und nachbereitet. Das macht oft den größeren Teil der Arbeit an Selbststudientagen (oder am Wochenende) aus. Insgesamt ist aber alles sehr gut schaffbar, auch mit Familie! Ich bin mir sehr sicher, dass der sich anschließende Schulalltag um einiges zeitaufwändiger wird als die Fortbildung, auch in Teilzeit. Nach der Fortbildung muss man ein Minimum an 13 Stunden wöchentlich geben, weiter darf bei Seiteneinsteigern nicht reduziert werden. Vom Amt werden in der Regel 16 bis 20 Stunden empfohlen.


    Ich weise mal vorsorglich darauf hin, dass ich natürlich nicht für zukünftige Fortbildungen sprechen kann - das Seiteneinsteigerprogramm wird wohl gelegentlich geändert, optimiert und an den jeweiligen Bedarf angepasst. Alles in allem gibt man sich dabei aber die allergrößte Mühe, uns so optimal wie möglich auf den Schuldienst vorzubereiten.


    Zu Deinen anderen Fragen kann ich leider nix sagen - wenn Du weitere Fragen hast, immer her damit, gern auch per PN.


    Guten Rutsch! :)

    Einmal editiert, zuletzt von Scp () aus folgendem Grund: Grammatik

  • Das ist schön zu hören, ich gebe es weiter

    Sehr gern! Ich bin allgemein von den Bemühungen der offiziellen Stellen sehr angetan und bin diese Kritik auch schon persönlich losgeworden. Man fühlt sich sehr gut aufgehoben und hat so garnicht das Gefühl, eine Notlösung zu sein. Auch wenn es unterm Strich natürlich so ist :)

  • Wie lange bräuchtest du für 90 Creditpoints? Gefühlt würde ich lieber Seiteneinstieg machen und sofort verdienen wollen. Verstandesmäßig würde ich lieber fertig studieren, da der Seiteneinstieg sehr, sehr unsicher ist. Vielle bekommen keinen Platz oder nur einen in Hinterposemuckl.

    Die Fachberater schätzen, dass ein Vollzeitstudent 30 Creditpoints pro Semester schafft. Da ich 20h/Woche arbeite, denke ich dass es bei mir nicht realistisch ist, auch weil ich nicht gar so „dünnbrettbohren“ will und nirgendwo teilnehmen und nur die Prüfungen schreiben will. Ich denke, dass ich es in 2 Jahren schaffen kann.


    Die Altersgrenze ist bei mir noch recht weit in der Zukunft, da ist die vorerst gesetzte Frist von 2023 gefährlicher. :)

  • Was die dreimonatige Einstiegsveranstaltung angeht, kann ich auch für Leipzig bestätigen, was weiter oben schon geschrieben wurde: Ich empfand das Ganze als sehr hilfreich und fühlte mich bestmöglich vorbereitet, soweit das in drei Monaten halt geht. Außerdem war die Einstiegsveranstaltung DEUTLICH entspannter als dann richtig an der Schule zu sein. Der Einstieg ist ja schon für grundständig Ausgebildete echt stressig, für die Seiteninsteiger*innen aber logischerweise noch viel mehr, weil wichtige Voraussetzungen fehlen.


    Ich würde dir trotz sehr guter Erfahrungen an meiner Schule raten, das Lehramtsstudium regulär nachzuholen und dann direkt mit dem Ref zu beginnen. Geht vermutlich deutlich schneller. Wenn du dich jetzt für den Seiteneinstieg bewirbst, kannst du ja erst im November 2020 beginnen, das berufsbegleitende Studium wirst du dann frühestens im Oktober 2021 anfangen können, weil Uni-Bewerbungen in der Probezeit sowieso abgelehnt werden. Und das Ganze ist wirklich, wirklich anstrengend. Drei Tage an der Schule und dann zwei Tage von 9 bis 17 Uhr an der Uni, und überall Prüfungen. Da muss man schon hart im Nehmen sein.


    Ich weiß auch nicht, an welchem Standort du dich bewerben möchtest, aber zumindest im Raum Leipzig wurden in den letzten beiden Runden keine Seiteneinsteiger mehr genommen, weil die Bewerberlage sehr gut war, was die grundständig Ausgebildeten angeht. Außerdem landen die meisten Seiteneinsteiger*innen an den Schulen, wo die Grundständigen nicht hinwollen. Also am Brennpunkt oder weit weg von den großen Städten...

  • Also, ich war in Sachsen. Nach drei Monaten hatte ich genug von meiner Schule. Zum Glück bin ich wieder tief im Westen. Ich konnte mich direkt an einer Schule bewerben. Die SL wollte mich und steht hinter mir. Funktioniert alles super. Natürlich ist auch hier nicht alles klasse, aber mir bleibt das Studium erspart. Bin sofort ins Ref. gekommen. Hatte die ersten Unterrichtsbesuche. In Sachsen wollten die mir nur ein Fach anerkennen. Danach hätte ich noch studieren müssen. Und mit den Studienplätzen und dem Ref ist das so eine Sache. Da werden die Grundständigen immer bevorzugt. Und man landet an solchen Schule, wo niemand eigentlich hin möchte. Überlege es dir gut. Gruß Tremonia

  • Ich kann dir @Tremonia gar nicht zustimmen.
    Meine Schule ist super, nette Kollegen und eine SL, die auf alles eingeht, was machbar ist.


    Um die Ursprungsfragen zu beantworten... Die 3 Monate sind wirklich gut gegliedert, nicht überfüllt, kann man gut händeln. Wir hatten auch hin und wieder Teilnehmer,die mal eher gehen mussten,weil sie die Kinder abholen mussten etc. Das war nie das Problem. Selbststudientage gab es bei uns dann nur in den Sommerferien,aber das war okay.
    Die Zeit danach war anfangs wirklich anstrengend, aber ich bekomme es mittlerweile ganz gut hin. Aber wie gesagt, ich habe auch sehr nette Kollegen, die mir helfen und mir Materialien geben, sonst hätte ich das wohl alles nicht so geschafft. Zumindest nicht in Vollzeit :-)


    Dennoch würde ich ein direktes Studium immer vorziehen. Vorausgesetzt, dir wird 1 Fach anerkannt (das würde ich vorher unbedingt von der zuständigen Lasub-Stelle prüfen lassen!), musst du dennoch noch 2 Jahre studieren und 1 Jahr Ref einplanen. Plus die Wartezeit, bis du zum Studium zugelassen wirst, vergeht schon einige Zeit...

  • Schön, dass du gute Erfahrungen gemacht hast. Ich leider nicht. Ich bin froh dort weg zu sein.

    was meinst du mit "dort"? Den Quereinstieg, das Bundesland, die Region, die Schule, die Schulart...?
    Die TE möchte ja wissen, ob sie den Seiteneinstieg versuchen oder besser fertigstudieren soll.

  • Ich war in Sachsen an einer Oberschule. Meine Erfahrungen waren mies. Ich bin jetzt in NRW. Wesentlich besser... Besonders von der Anrechnung der Studienleistungen. Und man bekommt ein richtiges 2. Staatsexamen.

  • Auch wenn ich den Gedankengang nicht ganz nachvollziehen kann, von einer einzigen Schule in Sachsen auf den gesamten "Osten" zu schließen, und das dem goldenen "Westen" gegenüberzustellen (so klingt das ein bisschen in deinem ersten Post, Tremonia), ist der letzte von dir angesprochene Punkt aber natürlich etwas, was die TE auch bedenken sollte:


    Die Seiteneinsteiger in Sachsen können nach berufsbegleitenden Studium und Ref zwar verbeamtet werden, haben aber tatsächlich KEIN 2. Staatsexamen, sondern nur einen Abschluss, der dem Staatsexamen "gleichgestellt" ist. Ich vermute, damit möchte das Land Sachsen verhindern, dass man anschließend in einem anderen BL sein Glück versuchen kann ;)
    Für mich selbst ist es aber irrelevant. Ich wohne gerne in Leipzig :)

  • Vielen Dank für die vielen Beiträge, es war für mich sehr interessant, wie ich „positive“ Berichte einfach zur Kenntnis und mir „negative“ sehr mitgenommen habe. Meine Entscheidung ist unter anderem dadurch so ausgefallen, dass ich den Weg übers eigenständige Studium gehen möchte. Die Einblicke aus dem Alltag haben mir sehr geholfen einen Eindruck zu bekommen, vielen Dank besonders auch an @Scp für die Insides :-).

  • Das ist ganz bestimmt eine gute Entscheidung @MrsJoDa2019 , da du dich damit unabhängig von aktuellen oder auch künftigen Seiteneinsteigsprogrammen mit all ihren potentiellen Mängeln machst. Ich wünsche dir die Teit und Kraft, dein Studium neben den familiären Verpgflichtungen schnell und erfolgreich abschleißen zu können. :-)