Bewertungsfrage

  • Folgender Sachverhalt: ein Schüler (Lernförderschule) verweigert praktisch jegliche schriftliche Mitarbeit. Mündlich ist er gut, wenn er Bock hat... Das Kind ist sozial-emotional etwa auf dem Stand eines 3-Jährigen, physisch auf dem eines 13-Jährigen. Die Klassenlehrerin findet, das Kind sei halt wie es ist und fehlende Mitarbeit rechtfertigten keine ausreichende Note im Fach. Ich finde, wenn der Schüler in meiner Klasse wäre, würde er selbstverständlich mitmachen. Für mich ist es ein No-Go, wenn Kinder machen was sie wollen und nicht mal dazu angehalten werden, sich zu beteiligen, Störungen hin oder her. (Unterrichte ein Einstundenfach)


    Im Grunde ist es also fast schon ein Problem zwischen den Pädagogen... wie würdet ihr entscheiden: eher eine 2, weil das Kind die Inhalte gut beherrscht? Oder eher eine 4, weil 4/5 des Unterrichts einfach gar nichts passiert außer Gemecker? Bin mir gerade nicht schlüssig, ob ich etwas persönlich nehme, oder ob die Mitarbeit eben doch auch zur Fachnote gehört.

  • Eine „ausreichend“ für nicht ausreichende Leistungen?
    Habt ihr eine spezielle Notenverordnung?
    Das hört sich nach „mangelhaft“ an.

  • Wie ist die Gewichtung schriftlich- mündlich in dem Fach? Wie sind die schriftlichen, wie die mündlichen Fachleistungen zu bewerten?Was sagt euer Schulgesetz zur Einbeziehung von Verhaltensaspekten in die Mitarbeitsnote (wäre in BW beispielsweise nicht zulässig, da es für Verhalten-Mitarbeit eigene Kopfnoten gibt und die mündliche Fachnote insofern etwas anderes abbildet)?

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Eine „ausreichend“ für nicht ausreichende Leistungen?
    Habt ihr eine spezielle Notenverordnung?
    Das hört sich nach „mangelhaft“ an.

    Naja, die Notenverordnung lässt so gut wie alles zu "individuellen Lernzuwachs berücksichtigen" bla.



    ...Was sagt euer Schulgesetz zur Einbeziehung von Verhaltensaspekten in die Mitarbeitsnote (wäre in BW beispielsweise nicht zulässig, da es für Verhalten-Mitarbeit eigene Kopfnoten gibt und die mündliche Fachnote insofern etwas anderes abbildet)?


    Wir haben Kopfnoten und die mündliche Fachnote bildet natürlich schon etwas anderes ab. Mündlich ist es ja auch okay, was er wissen soll weiß er. Mir erscheint bloß eine 2 nicht angemessen für den Gesamtaspekt der dargebrachten Leistung... Ein Rechenproblem ist das Ganze nicht, es geht bei uns nicht um Versetzungen oder so. Eher ein "Moralisches", oder "Erzieherisches"? kann jemand "gut" im Fach XY sein, obwohl er praktisch alles torpediert, was angeboten wird?

  • Wie bringt der SuS sich denn beispielsweise in Partner-und Gruppenarbeiten ein? Das spielt bei uns auch für die mündliche Fach Note mit eine Rolle, soweit man eben die Arbeitsergebnisse betrachtet, nicht das Arbeitsverhalten.



    Wir haben Kopfnoten und die mündliche Fachnote bildet natürlich schon etwas anderes ab. Mündlich ist es ja auch okay, was er wissen soll weiß er. Mir erscheint bloß eine 2 nicht angemessen für den Gesamtaspekt der dargebrachten Leistung... Ein Rechenproblem ist das Ganze nicht, es geht bei uns nicht um Versetzungen oder so. Eher ein "Moralisches", oder "Erzieherisches"? kann jemand "gut" im Fach XY sein, obwohl er praktisch alles torpediert, was angeboten wird?

    Vereinfacht formuliert würde ich deine Frage bejahen, denn die Fachnote ist nunmal kein Mittel um Verhalten abzustrafen, nachdem es eigene Verhaltensnoten gibt bei euch. Ich verstehe deine Bauchschmerzen durchaus, hatte letztes Schuljahr selbst so einen "Verhaltenskasper". Fachlich war das in der mündlichen Mitarbeit verdient die 2, die Kopfnoten sahen deutlich anders aus, was ich dem Schüler auch entsprechend mitgeteilt habe mit Verweis auf die Relevanz der Kopfnoten für Bewerbungen. Da habe ich mich lange beraten mit einem Schulrechtler, welchen Spielraum ich habe und musste das letztlich so handhaben, weil unser Schulgesetz dafür eindeutig genug ist.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Da hätte ich spontan einige Fragen.
    Verweigert er nur in diesem Fach die schriftliche Arbeit oder in allen? Warum macht er das nach deiner / eurer Einschätzung? Spricht er eher auf Bestätigung an? Oder auf deutliche Ansprache/Konsequenzen? Arbeiten die Eltern mit? Wie sieht die Förderplanung für diesen Schüler aus? Springt er evtl. auf digitale Unterstützung/ Hilfsmittel an?

    Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

  • Da hätte ich spontan einige Fragen.
    Verweigert er nur in diesem Fach die schriftliche Arbeit oder in allen? Warum macht er das nach deiner / eurer Einschätzung? Spricht er eher auf Bestätigung an? Oder auf deutliche Ansprache/Konsequenzen? Arbeiten die Eltern mit? Wie sieht die Förderplanung für diesen Schüler aus? Springt er evtl. auf digitale Unterstützung/ Hilfsmittel an?

    Eltern nein, sondern Heim/digitale Hilfsmittel weiß ich nicht, haben wir nicht/Förderplanung eher Alltagskompetenzen/er verweigert überall, weil schreiben ist anstrengend/auf Konsequenzen reagiert er nicht, wie gesagt, von der KL wird er ja auch unterstützt in dem Verhalten/Bestätigung weiß ich nicht, habe keine besondere Geduld für das Kind. Ich sag's unumwunden, mich nervt das permanente Jammern und einfach irgendwasmachenwasgeradespaßmacht. Ich erwarte ganz einfach, dass jeder zumindest einen Versuch startet und sein Bestes gibt. Verhalten ändert sich m.E. gar nicht, zumindest seit ich das Kind kenne- seit 3 Jahren?... aber ich bin wie gesagt nicht oft drin in der Klasse.

  • Gilt das auch für Klassenarbeiten oder Tests? Oder "nur" im alltäglichen Unterricht?

    da braucht er wen, der neben ihm sitzt oder aufschreibt, was er sagt- das geht halbwegs. Es ist eher die Verweigerungshaltung, dieses demonstrative Trödeln bis alle anderen fertig sind, was mich triggert.

  • Bedeutet das, dass wir über ein traumatisierten Kind schreiben, zu dem die KL möglicherweise einen besseren Zugang hat, weil sie eine bessere nähere Beziehung zu ihm hat? Wenn ja, würde ich die KL entscheiden lassen und mich raushalten.

    Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

  • Danke euch, ich weiß zwar immer noch nicht, wie ich damit umgehen soll, das liegt aber eher an unserem generellen Notenproblem, an der Lernförderschule ist die Benoterei wirklich für die Katz'... jedenfalls hat mich das Gespräch hier bestätigt, dass das Dilemma eher zwischen den Kollegen und unseren Absprachen besteht. Nun denn, ich muss es halt trotzdem beschulen und bewerten wie alle anderen auch.


    Schönen Sonntag!

  • es macht null sinn, einen dreijährigen für irgendwas zu benoten. wenn das kind sozial-emotional auf diesem entwicklungsstand ist, dann ist das eben so. ihm diese "verweigerungshaltung" vorzuwerfen, finde ich ziemlich albern. man wird ja auch ein kind im rollstuhl nicht dafür eine 6 oder 5 geben, dass es den dauerlauf im sport "verweigert"... ob es dich "triggert", ist egal, du bist lehrer, es geht ja hier nicht um deine persönliche meinung zu dem verhalten des kindes.


    ob mitarbeit zur note gehört, ist eine andere frage, und sollte doch wohl einheitlich festgelegt sein.


    meines wissens gibt es an schulen mit förderschwerpunkt l in nrw z.b. keine noten. das hat schon gründe. wenn ihr noten geben müsst, wird es wohl möglich sein, den individuellen lernzuuwachs innerhalb des festgelegten individuellen förderplans zu bewerten anstatt das erreichen allgemeiner lern- oder verhaltensziele, was irgendwie der idee eines förderzentrums entgegenläuft.


    edit: ich hab grad für l bayern nachgesehen. wortgutachen zum individuellen lernzuwachs (was wurde gelernt) und zum individuellen lernprozess (wie wurde es gelernt). noten nur in den übergangsklassen zwischen gs und sekundarstufe I oder kurz vor dem abschluss, und das nur auf antrag der eltern.

  • @keckks ich wohne weder in NRW noch in Bayern. Also ist es zwar egal, was du findest, ob mich ein Verhalten triggert ist jedoch nicht egal, sondern ein Erkenntnisprozess. Bewerten muss ich die Leistung trotzdem, nicht nur das vorhandene Wissen, was in einzelnen Momenten preisgegeben wird. Dass das beim Lernzuwachs, den meine Schüler haben Käse ist schrieb ich bereits, ist aber eben trotzdem mein Job.


    Im Grunde müsste man die Noten für das Kind individuell aussetzen, was aber wiederum Sache von SL und KL wäre. Vielleicht leiere ich das an.


    Übrigens: das Arbeitsamt hat sich über uns beschwert, dass es schwierig wäre, Rehamaßnahmen zu begründen, wenn wir geistig behinderte Jugendliche mit 2en aus der Schule entlassen. Und um auf die Förderschule zu kommen müssen sie überhaupt erst sitzen bleiben und 5en reingewürgt kriegen. So viel zum von dir oft gelobten Sieben von Schülern :/

  • ? ich verstehe nicht, wie du von der imo sinnvollen selektion nach leistung zu den offenbar eher wirren, eventuell nicht schülergerechten (?) benotungsmethoden deiner schule kommst.

  • Mal ganz sachlich: für eine 2 muss man kontinuierlich gute Beiträge liefern.


    oder gilt das für die Lernförderschule nicht? Kann ja sein. Wenn man ab und zu mal Wissen in den Raum wirft, ist das doch keine 2?


    Am Gymi wäre das - wenn man überprüft, ob die Beiträge inhaltlich tatsächlich stimmig sind - maximal eine 4.


    da gibt es Zweier für kontinuierliche Beiträge, kritische Rückfragen, ausführliche Beiträge, gute sprachliche Qualität usw.


    Man könnte evtl beim Fachberater nachfragen, ob man nochmals Kriterien zur Benotung besprechen kann.


    Die Noteninflation ist ja überall ein Problem.

  • "sinnvolle Selektion nach Leistung" ist d.M.n., Kinder mit 10 in verschiedene Schularten einzusortieren und bei schlechter werdenden Noten (Leistung ist sehr komplex, wir reden bei Selektion nur von Noten), dann abzuschulen. Wenn Kinder fast ganz unten angekommen sind (Lernbehindertenschule kommt als vorletzte Schule in unserem Schulsystem), dann findest du, sollte man nicht mehr selektieren, sondern "Wertgutachten" schreiben oder gar nicht benoten, weil das Kind verhaltensauffällig ist ("einen Dreijährigen für irgendwas zu benoten...") Du misst also mit vielerlei Maß.


    Die Frage lautete: ein Schüler verweigert die Beteiligung an unterrichtsbezogenen Aktivitäten, wenn er etwas beiträgt (ca. 5 von 45 min.) ist es gut, was er sagt. Wie könnte das realistisch bewertet werden. Schriftliche Kontrollen bewältigt er, in dem sich einer dazu setzt und beim Schreiben hilft.


    Fakt ist, das Kind ist nicht 3 sondern 13 und in 2 Jahren muss es in irgendeine Maßnahme, da eine Ausbildung unrealistisch ist. Sollte es also mit 2en bei uns rausgehen, obwohl es nicht den Ranzen packen kann hat es Probleme, also hab ich ein Problem damit, ihm für drei Sätze am Tag Noten zu erteilen.


    Es ist ein Dilemma und mir hilft es gerade nicht, wenn du dich über meine Schule oder mich beschwerst.

  • nein, es ist kein dilemma meines erachtens.dilemma meint zwei optionen, die gleichermaßen doof sind.


    hier geht es um die benotung eines schülers deiner schule. dazu kann dir doch keiner was sinnvolles sagen, solange du die gültigen rechtsgrundlagen, bundesland, den individuellen förderplan usw. nicht offenlegst. ich würde an deiner stelle, wenn du nur eine wochenstunde in der klasse bist, rücksprache mit der klassleitung nehmen und mich ansonsten an die gepflogenheiten und rechtsvorgaben deines bundeslandes und deiner schulform und deiner einzelschule halten.


    ganz allgemein machen ziffernnoten für sus am unteren ende des leistungsspektrums wneig sinn. hier kann es nur um individuelle förderung im inidivuell möglichen rahmen und einer bewertung im sinne einer dokumentation (wie und was, siehe oben) der individuellen fortschritte gehen. habt ihr denn keinen förderplan? rahmenlehrplan? keine ahnung, aber du wirst doch nicht völlig frei in deinem tun sein. falls doch ziffernnote, wird es dafür vorgegebene kriterien geben.



    zu vielerlei maß: ja, natürlich vielerei maß. es sind ja auch vielerlei kinder. dass ich auf ein maß runterbrechen muss, macht mich regelmäßig krank (allein schon wegen des arbeitsaufwands der korrektur) und mir wenig freude. sinn macht es ein bisschen, wortgutachten wären mir persönlich lieber, da aussagekräftiger, wenn ich sie schreiben dürfte, als "1-" oder "4+". auch damit kann man sehr gut selektieren. noten haben feedbackfunktion. "reinwürgen" ist nie ihre funktion. wenn sie doich diese wirkung haben, ist was falsch, ganz grundlegend falsch.


    und das hilft dir auch nicht weiter, oder? ich fürchte, du musst mehr sagen, damit man dir raten kann, oder eben vor ort gespräche führen. über dich persönlich habe ich mich nicht beschwert, ich kenne dich nicht, deine schule klingt in ihren benotungsvorgaben bzw. deren fehlen eben sehr wirr. vielleicht gibt es welche, die du nicht verrätst, keine ahnung.

  • ...vielleicht gibt es welche, die du nicht verrätst, keine ahnung.

    So ist es, weil die nichts zur Sache tun. Die Lehrplanziele werden sowieso nicht erreicht.


    Unterrichtet denn noch wer in der Förderschule L Oberstufe psychisch kranke Jugendliche ohne offizielle Diagnose und hat noch eine Idee? Sonst ist ein weiteres Gespräch wohl unnötig.

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