Mehrarbeit durch Fortbildungen - Müssen wir das machen?

  • ..., genau zu checken, was man machen möchte und kann. Wenn man länger im Job ist, kann man besser beurteilen, welche Belastung man noch hinzunehmen kann...

    Das stimmt, hier im Forum sind aber die Stimmen oft lauter, die sagen, man dürfe keinen Spaß an der Arbeit haben und müsse Punkt 13.00Uhr das Schulhaus verlassen. Das kann man so machen, man kann aber auch Bock auf Fortbildungen haben. Beides ist okay und sollte man für sich abwägen, das ist keine Mehrheitsentscheidung, die von vielen "Daumen hoch" abhängt.

  • Habt ihr auch Leute bei euch, die sich für die Schule den Ar... für ein nettes Wort und einen Händedruck auf der Lehrerkonferenz oder als Hobby aufreißen?

    Nein, haben wir nicht. Was nicht heißt, dass sie sich nicht den Ar... aufreissen, aber die haben alle mehr oder weniger eigennützige Gründe, warum sie das machen. Ist von der SL mehr oder weniger subtil gefickt eingeschädelt, meist in Zusammenhang mit Verbeamtung und ähnlichen "Zeig dich anstellig!"-Anlässen. D.h. ob das so geschickt ist, entscheidet sich erst, wenn sich der Anlass dann erledigt hat.

    Zunächst sollte man Sonderaufgaben annehmen, die überschaubar und zeitlich fest begrenzt sind. Nichts, woran man sich über Jahre bindet (wie Rechner streicheln), das man im Zweifelsfall nicht mehr von der Backe kriegt.

    Dieses spezielle Aufgabengebiet kriegt man aber gut von der Backe, insbesondere, wenn man der Einzige mit Fachkenntnis im Kollegium ist. Es geht ja nicht in erster Linie darum, die Arbeit (bei uns: first-level-support) zu machen, sondern auch zu entscheiden, was reicht man weiter an den IT-Dienstleister sprich an den Schulträger. Und aufgrund der Fachkenntnis kann einem da auch die SL kaum reinreden. Ich hab jetzt die Tage keine Lust gehabt, zig Laptops auf Win 10 zu updaten, also hab ich sie zusammengestellt und abholen lassen. Für den Fall, dass sich irgendwer halböffentlich wundert, warum mein Aufgabenbereich den Ermässigungsstundensatz rechtfertigt, kann er sich dann die Wartungsdokumentation und meine hochgezogene Augenbraue anschauen. Dann ist schnell Ruhe im Karton.


    Papier ist geduldig und die Rechner gehen durch hunderte Schüler und Kollegen (!) Hände.

    Der Clown ist die wichtigste Mahlzeit am Tag.

  • ür den Fall, dass sich irgendwer halböffentlich wundert, warum mein Aufgabenbereich den Ermässigungsstundensatz rechtfertigt, kann er sich dann die Wartungsdokumentation und meine hochgezogene Augenbraue anschauen.

    Wie schon mehrfach geschrieben bekommen ich fürs "Rechner streicheln" drei Stunden, was okay ist - zeitlich ist es sicherlich mehr als die Arbeitszeit von drei Entlastungsstunden (~5 Arbeitsstunden), aber mit guter Organisation kann man viel per Fernzugriff von zuhause aus machen. Das reduziert die ständigen Wartezeiten auf ein Minimum und man muss auch nicht in der Schule sitzen, bis um 16 Uhr die letzten Schüler den PC-Raum verlassen. Wenn man dann noch ein bißchen Zeit in Automatisierung von Vorgängen wie Installationen u.ä. setzt, kommt man gut aus.


    Was ich eigentlich schreiben will: Es gab bei mir noch die offen geäußerte Frage, wieso ich drei Stunden Entlastung dafür bekomme. Das ist eine der höchsten Stundenzahl, die bei uns vergeben wird. Weder die Schulleitung noch jemand aus dem Kollegium besitzt auch nur ansatzweise die Expertise, um meine Entscheidungen und Vorgänge kritisieren zu können - ich entscheide also viele Dinge quasi allein. Das macht den Job eigentlich sehr angenehm.


    Und im Notfall kann man sich immer auf die Aufgaben zurückziehen, die der Schulträger mir als First-Level-Support eigentlich zugewiesen hat. Das umfasst maximal so Tätigkeiten wie "Anschluss einer Tastatur", den Rest kann ich über ein (absolut beschissenes Ticketsystem) dem Second-Level-Support melden. Der braucht allerdings mehrere Tage bis mehrere Wochen (oder in einem konkreten Fall: 14 Monate), um Dinge zu beheben.

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

  • Danke für die Antwort, aber ich bin weder an eine Beförderung noch an einen feuchten Händedruck interessiert. Möchte guten Unterricht machen und fröhlich zur Arbeit und wieder nach Hause gehen. Gerne mit einen einigermaßen gerechten Stundenplan.

    Es gibt sehr viele, die gerne befördert werden wollen. Ich lasse denen gerne den Vortritt.

  • Nur noch eine kurze Info zum Abschluss.

    Letzte Woche habe ich vom Abteilungsleiter erfahren, dass ich sogar die Fahrtkosten aus eigener Tasche bezahlen müsste (nur Hotelkosten werden aus dem Fortbildungsetat erstattet - Hinweis auf Absetzbarkeit in Steuererklärung).

    Also viel Aufwand reinstecken und moch selber Geld mitbringen.


    Der Fortbildungsetat gibt nicht mehr her, was mich sehr überraschte.


    Von mir ein endgültiges Nein.


    Ich weiß nicht, wie das anderswo gehandhabt wird.

    Beim alten Arbeitgeber wurde uns für so etwas ein Leihwagen von der Sekretärin organisiert.

  • Möchte guten Unterricht machen und fröhlich zur Arbeit und wieder nach Hause gehen.

    Ich habe die gleiche Einstellung - ich möchte einfach nur einen guten Job haben, mich mit meinen Kompetenzen und Vorlieben optimal in die Schule "einnieschen" und mein Gehalt dafür bekommen. Ich will keine Beförderung mehr. Das ist eine extrem entspannende Lebenssituation - obwohl ich mehr als reichlich Arbeit habe und auch mein Gewicht gut ziehe. Aber ich bin einfach stressfrei.


    Ich bin allerdings auch in der Situation, dass ich an einer schon seit zwei Schulleitern außerordentlich gut und pragmatisch geführten Schule zu arbeiten, wo so eine Einstellung weder im Kollegium noch in der SL anstößig ist.

  • Klar. Ich liebe meinen Job und kann mich bis auf Kleinigkeiten wie Stundenplan nicht beschweren. Ich arbeite viel und gerne.


    Aber eine "Fortbildung" für die Schule, die unglaublich viel nicht angerechnete Zeit kostet und ich dann noch Geld mitbringen muss, geht gar nicht.


    Dasselbe gilt für diese netten für die Schule notwendigen Zusatzaufgaben, die nicht angemessen honoriert werden.


    Die Schulleitung muss schon wissen, wieviel eine Aufgabe Wert ist.

  • Aber eine "Fortbildung" für die Schule, die unglaublich viel nicht angerechnete Zeit kostet und ich dann noch Geld mitbringen muss, geht gar nicht.


    Dasselbe gilt für diese netten für die Schule notwendigen Zusatzaufgaben, die nicht angemessen honoriert werden.


    Die Schulleitung muss schon wissen, wieviel eine Aufgabe Wert ist.

    Das Problem ist, dass ein Großteil der Lehrerschaft nicht so vernünftig denkt. Die machen das trotzdem. Und nur aus diesem Grund wird es nicht bezahlt und nicht angemessen honoriert.

    Generell im Lehrerberuf ist es so, da arbeiten ganz Viele unentgeldliche Zusatzarbeit, das wird Standard, und auf einmal ist es etabliert. Der Dienstherr lacht sich ins Fäustchen, weil die KuK dann gegenseitig Druck aufeinander ausüben, wenn doch mal jemand nach angemessener Bezahlung oder Zeitausgleich fragt.

  • Das Problem ist, dass ein Großteil der Lehrerschaft nicht so vernünftig denkt. Die machen das trotzdem. Und nur aus diesem Grund wird es nicht bezahlt und nicht angemessen honoriert.

    Es ist deren Problem. Der Threadstarter zeigt uns, wie einfach es ist, "Nein" zu sagen.



    weil die KuK dann gegenseitig Druck aufeinander ausüben

    Nase zuhalten beim Druckausgleich, würd' ich sagen.


    Ich werde öfter mal gefragt, ob ich diese oder jenes oder hierbei oder dabei. Da antworte ich dann "jo" oder "nee", manchmal auch "vielleicht" oder "ich muss mal kucken". Wenn wir jemand damit kommt, ich müsste dieses oder jenes, ist das Gespräch g'rad vorbei. Gelegentlich gibt es noch die Aufforderung, die vermeintliche Verpflichtung doch einzuklagen.


    Und ja, das klingt einfacher als es ist. Ich musste auch lernen, mit meinen individuellen Ressourcen zu haushalten. Wichtig ist, dass man damit anfängt und sich nciht aus Gewohnheit ins Hamsterrad drängen lässt.

  • dass ich sogar die Fahrtkosten aus eigener Tasche bezahlen müsste

    Das ist praktisch, das macht's dir nämlich leichter, "Nein" zu sagen. Niemand kann von dir verlangen, diese Kosten selbst zutragen, somit gibt es keine Möglichkeit, dich zur Fortbildug zu verpflichten.

    Hinweis auf Absetzbarkeit in Steuererklärung

    Solche Hinweise halte ich rechtlich für fragwürdig. Der Arbeitnehmer kann Werbungskosten von der Steuer absetzen. Hier geht es um Kosten des Arbeitgebers/Dienstherren. Die haben auf der Steuererklärung des Arbeitnehmers nichts zu suchen. Ich halte das für rechtsmissbräuchlich. Allerdings: IANAL.

    Der Fortbildungsetat gibt nicht mehr her, was mich sehr überraschte.

    Nunja, wenn einer weniger fährt, kann man die gesparten Kosten verwenden, um den übrigen die Fahrtkosten gem. geltender Reisekostenverordnung zu erstatten. "Win-Win" tät ich sagen tun.


    Allerdings ist es so, dass die Fortbildungsetats in NRW tatsächlich erschreckend gering sind. Da kann man gerade gar nichts mit finanzieren. Wenn man dann noch einen ordentlichen Batzen in Vorzeigeprojekte pumpt, bleibt nichts mhr für die anderen über.

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