Woran der Lehrermangel wirklich liegt

  • Lehrkräfte werden dann so besoldet oder bezahlt, dass der Staat seine Stellen besetzen kann. Angebot und Nachfrage bestimmen die Höhe. Na der Staat bestimmt weiterhin wer eingestellt wird und dementsprechend die nötige Qualifikation. Wie jeder Arbeitgeber.

    Und wenn der Staat plötzlich nicht mehr zahlt, dann kommen keine Lehrer mehr nach und das System implodiert. Der Staat könnte mitnichten tun was er möchte.

    Genau das macht der Staat aber schon längst

    und genau das hatte ich weiter oben schon geschrieben:

    Der Staat bestimmt die Regeln, wer eingestellt wird. Es sind Menschen mit Master und 2. Staatsexamen. Diese müssten eigentlich alle gleich bezahlt werden.
    IHR Ansatz wäre, dass Lehrkräfte, die nicht zu besetzende Stellen annehmen, besonders gut bezahlt würden. Mehr als üblich oder bekommen alle anderen weniger?

    Wer bestimmt, welche Stellen besonders gut bezahlt werden müssen? Ach ja, der Staat, er macht ja selbst die Regeln:


    Sind nicht genug grundständig ausgebildete Lehrkräfte vorhanden, die DER STAAT selbst ausbilden müsste, werden andere Menschen auf die Stellen gesetzt. Das sind im besseren Fall Masterabsolvierende, die pädagogisch geschult werden und auch das 2. Staatsexamen erlangen. Es sind aber sehr oft auch ganz andere Menschen, die die Aufsicht im Unterricht übernehmen und als Vertretungen quer durch alle Klassenstufen und Fächer einen Teil der Aufgaben der Lehrkräfte übernehmen.

    Es gibt ein Angebot an geringfügigen Beschäftigungen in Schulen, mit denen der Lehrkräftemangel aufgefangen wird. Statt also Lehrkräften A13 zu zahlen, statt Entlastungen zu schaffen, statt Arbeitsbedingungen zu verbessern, statt ausgebildete Lehrkräfte zu halten und zu unterstützen, sucht der Staat selbst andere Wege.

    Warum also sollte der Staat beim Umsetzen von Angebot und Nachfrage, wenn man es offiziell so nennen würde, es anders handhaben, als er es jetzt längst umsetzt, weil er dabei eine Menge Geld einsparen kann?

    Dann ist die Schule eben nur mit 50% des üblichen Personalstammes besetzt, alles andere sind Aushilfen unterschiedlicher Art - das, was sich finden lässt. Da werden keine Spitzenverdienste oder Zulagen gezahlt, sondern Menschen gesucht, die für weit weniger Geld die Kinder betreuen. Man nennt es dennoch "Schule", es fällt erst einmal nicht auf.


    Der Staat stellt auch selbst die Weichen dafür, wie viele Lehrkräfte er für welche Aufgaben benötigt, er bestimmt auch die Aufgaben selbst. Und davon ist dann eben das System selbst beeinflusst:

    Gilt ein Bildungsauftrag für alle oder sparen wir uns (höhere) Bildung?

    Reicht die Aufbewahrung in einem Schulgebäude oder benötigen Schüler qualifizierte Begleitung, womöglich qualifizierten Unterricht?

    Kann man dort, wo keine Lehrkräfte vorhanden sind, bestimmte, bisher grundsätzliche Angebote des Bildungssystems streichen?

    Wodurch gewährleistet der Staat in allen Schulen eine angemessene personelle Ausstattung, kann er das und will er das?

  • Und jetzt kommen wir wieder zum Ursprünglichen Punkt zurück :) Woran liegt der Lehrermangel und wie beseitigt man ihn. Meine Theorie habe ich ja genannt

    Ich denke man muss zwischen kurzfristigen und langfristigen Lösungen unterscheiden.

    kurzfristig: Seiteneinsteiger.

    Langfristig: A13, gute Arbeitsbedingungen durch mehr Entlastungsstunden, weniger Unterrichtsverpflichtung.


    Wir haben einen Überhang am Gymnasium und Mangel an allen Schulformen wo A12 bezahlt wird. Dabei denke ich dass der Run aufs Gymnasium eher von dem Gefühl des "Elite" seins kommt und der vermeintlich besseren Klientel. Wer will nicht lieber zur Elite gehören? Image ist wichtig.... *ironie off*

  • Nein die müssten eben nicht alle gleich bezahlt werden. Das ist ein Konstrukt, das man morgen abschaffen kann. Es gilt ja heute schon nicht so eindeutig. Es sollte weniger gezahlt werden, wenn trotzdem die Stellen mit geeigneten Kandidaten gefüllt werden können und mehr wenn das nicht geht. Und ja, der Arbeitgeber bestimmt wie viel er zahlen möchte und Sie entscheiden, ob sie die Arbeit zu diesen Konditionen annehmen.
    Der Rest ist irgendeine Dystopie die nicht wirklich auf etwas von mir geschriebenes eingeht und eigentlich nur auf Vorstellungen beruht. Auf so etwas gehe ich nicht ein.

  • Der Rest ist irgendeine Dystopie

    Weit gefehlt.

    Der Rest ist Realität an vielen Schulen in Deutschland.

    Das kann man natürlich negieren und sich fein ausmalen, wie toll es wäre, mehr zu verdienen, weil man selbst nun gerade das Mangelfach an einer Schule fernab einer Großstadt unterrichten könnte und sich deshalb das Gehalt verbessern würde. Realistisch ist das aber nicht.


    Dann werden eben Physiklaboranten eingestellt und erteilen Physikunterricht nach Anleitung. Was steht dem denn entgegen? Keine ausgebildeten (teuren) Lehrkräfte oder Quereinsteigende, stattdessen eine andere Ausbildung in einem Fach und ein Kurs zum Umgang mit SchülerInnen. Fertig ist die Vertretung. Die restlichen Stunden werden einfach gestrichen oder umgewidmet. Dann gibt es eben mehr Sport, weil gerade noch ein Übungsleiter zur Verfügung steht.


    So läuft es derzeit in Grundschulen: Da kommen Menschen, die zum Teil keine pädagogische Ausbildung haben, die auch kein Studium haben, und übernehmen die Aufsicht über die Klassen während der regulären Unterrichtszeit und leiten die Kinder an, sich im Lesen, Schreiben und Rechnen zu üben.

    Wir haben auch schon Jahre hinter uns, in denen gerade einmal 50% Stammpersonal in unserer Schule war, alles weitere waren Abordnungen von irgendwo und Vertretungen ohne Lehramtsausbildung. Offenbar ist das Vorgehen sehr erfolgreich, wenn es doch als "Dystopie" heruntergespielt wird.


    Es sollte weniger gezahlt werden, wenn trotzdem die Stellen mit geeigneten Kandidaten gefüllt werden können und mehr wenn das nicht geht. Und ja, der Arbeitgeber bestimmt wie viel er zahlen möchte und Sie entscheiden, ob sie die Arbeit zu diesen Konditionen annehmen.

    Genau. Und dann arbeiten eben Lehrkräfte für A12, trotz Master und 2. Examen, weil sie gerne Lehrkräfte sein möchten und sich darauf einlassen, und lassen sich ein "selbst Schuld" nachrufen.

    Und wenn es dem Arbeitgeber gefällt, schreibt er die nächsten Stellen einfach für A9 aus und guckt, was passiert. Prima Plan.

    Dazu noch ein paar PraktikantInnen, die unentgeltlich arbeiten, ein paar outgesourcte Mitarbeitende oder Zeitarbeitende anderer Qualifizierung und einige, die ohne Qualifizierung einen erheblichen Teil der Aufgaben übernehmen. Das klappt ja schließlich in der Privatwirtschaft auch.

  • Ja tatsächlich. Das klappt in der Privatwirtschaft. Nur halt mit Eigenverantwortung und persöhnlichem Einsatz. Und ja dann sind diese Leute selbst schuld!
    Also können wir laut Ihnen sagen, dass das derzeitige System zu einem Lehrermangel führt und die gleiche Bezahlung von Lehrkräften die Situation nicht löst. Super freut mich dass ich überzeugen konnte!
    Der Rest hat halt immernoch nichts mit dem zu tun was ich schreibe. Das der Staat seine Aufgaben teilweise nicht ernst nimmt zieht sich durch alle Bereiche.

    So als kleine Vorwarnung. Das der Staat seine Aufgaben nicht immer Ernst nimmt hat nichts mit dem jetzigen System zu tun und würde sich auch im neuen nicht ändern. Wenn das ihr Argument bleibt, dann bin ich raus und werde gar nicht mehr antworten.

  • Also können wir laut Ihnen sagen, dass das derzeitige System zu einem Lehrermangel führt und die gleiche Bezahlung von Lehrkräften die Situation nicht löst. Super freut mich dass ich überzeugen konnte!

    Das ist dann Ihre Fiktion.


    Der Lehrkräftemangel wird durch unterschieldiche Aspekte gefördert:

    • EINER ist, dass zu wenige Lehrkräfte ausgebildet werden. Der Staat hat es in der Hand und kann das Angebot an freien Stellen regeln.
    • Ein zweiter ist, dass die Arbeitsbedingungen schlecht sind, aber auch diese Regeln macht der Staat. Arbeits- und Gesundheitsschutz gelten in Schulen nicht und werden nicht umgesetzt, Entlastungen werden nicht umgesetzt, Arbeitszeiten nicht erhoben.
    • Ein dritter ist, dass man mit gleichem Aufwand (Master, 2. Examen) im gleichen Berufbild "Lehrkraft" eine besser bezahlte Stelle annehmen kann, wenn man sich für einen anderen Schwerpunkt entscheidet. Bei gleichem Unterrichtsfach kann ich das Lehramt für die SekII oder für die Förderschule wählen und werde mit höherer Gehaltsstufe eingestellt. Das machen sie, ganz eigentverantwortlich, seit einigen Jahren. Es gibt also das Angebot, eine bessere Stelle zu erhalten, und diese wird nachgefragt - zum Nachteil der Schulen, die dieses Angebot nicht bieten können: ein Lehrkräftemangel an den Schulformen mit A12-Lehrkräften, sprich GHR-Lehrkräfte bei gleich langer Ausbildungszeit.

    Das schöne Modell von Angebot und Nachfrage schafft also bereits jetzt den Lehrkräftemangel, und das seit Jahren. Aufgefangen wird es nicht durch Zulagen, sondern durch ein Ausweichen auf Arbeitskräfte mit anderer Ausbildung. Oft sind es welche, die geringer dotiert werden können. So schafft man sich einen künstlichen Arbeitsmarkt, bestimmt das Angebot und die Einstellungen und dämpft die Kosten immens.

  • Die Arbeitsbedingungen für Lehrer werden sich so schnell nicht verbessern, wenn sie sich überhaupt je verbessern. Wenn ich an die Blamage der digitalen Ausstattung während Corona denke oder daran, dass es wahrscheinlich nicht einmal für Luftfilter für die jüngeren Kinder reicht, die noch nicht geimpft werden können, dann zeigt das schon irgendwie den Stellenwert der Bildung (und der Lehrer).


    Wenn die Bezahlung schlechter wird, bzw. sich bei den Grundschullehrern nicht angleicht, dann wird der Beruf noch unattraktiver. Mehrere Bekannte, die Quereinsteiger waren, haben nach ein paar Jahren wieder hingeschmissen, weil sie von ihrer Work-Life-Balance schlechter dastanden. Auch höre ich öfter die Äußerung von Freunden oder Verwandten, dass man heutzutage kein Lehrer sein möchte.

    Wahrscheinlich sind die Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeiten bei den anderen Lehrämtern schon noch Beweggründe, die dazu beitragen, Lehrer zu werden.


    Die jüngeren Kinder werden zu wenig gehört, ihre Lehrer auch. Wenn ich auf die technische Ausstattung meiner GS blicke, muss ich mich fremdschämen. Die Anforderungen und Kompetenzerwartungen kann man nachlesen, umsetzbar mit den Methoden von vor 30 Jahren. Sicher nicht überall, aber mir bleibt nichts anderes. Es sei denn, ich kann den WLAN-Strahl in einer Ecke de Ganges mit meinem Laptop einfangen und die Schüler schnell dahin pfeifen.


    Ich weiß, dass es z.B.in vielen bayrischen Grundschulen ganz anders aussieht. Die können ihren Wechselunterricht streamen. So etwas geht bei uns nicht. Hier ist es wie vor 30 Jahren: Tafel, OHP, Kreide.

    So schlecht sind keine weiterführenden Schulen ausgestattet. Hier werden Schüler wohl erst ab der weiterführenden Schule ernst genommen. Und ihre Lehrer auch.

  • Das ist dann Ihre Fiktion.


    Der Lehrkräftemangel wird durch unterschieldiche Aspekte gefördert:

    • EINER ist, dass zu wenige Lehrkräfte ausgebildet werden. Der Staat hat es in der Hand und kann das Angebot an freien Stellen regeln.
    • Ein zweiter ist, dass die Arbeitsbedingungen schlecht sind, aber auch diese Regeln macht der Staat. Arbeits- und Gesundheitsschutz gelten in Schulen nicht und werden nicht umgesetzt, Entlastungen werden nicht umgesetzt, Arbeitszeiten nicht erhoben.
    • Ein dritter ist, dass man mit gleichem Aufwand (Master, 2. Examen) im gleichen Berufbild "Lehrkraft" eine besser bezahlte Stelle annehmen kann, wenn man sich für einen anderen Schwerpunkt entscheidet. Bei gleichem Unterrichtsfach kann ich das Lehramt für die SekII oder für die Förderschule wählen und werde mit höherer Gehaltsstufe eingestellt. Das machen sie, ganz eigentverantwortlich, seit einigen Jahren. Es gibt also das Angebot, eine bessere Stelle zu erhalten, und diese wird nachgefragt - zum Nachteil der Schulen, die dieses Angebot nicht bieten können: ein Lehrkräftemangel an den Schulformen mit A12-Lehrkräften, sprich GHR-Lehrkräfte bei gleich langer Ausbildungszeit.

    Das schöne Modell von Angebot und Nachfrage schafft also bereits jetzt den Lehrkräftemangel, und das seit Jahren. Aufgefangen wird es nicht durch Zulagen, sondern durch ein Ausweichen auf Arbeitskräfte mit anderer Ausbildung. Oft sind es welche, die geringer dotiert werden können. So schafft man sich einen künstlichen Arbeitsmarkt, bestimmt das Angebot und die Einstellungen und dämpft die Kosten immens.

    - Ihrem ersten Punkt stimme ich zu. Der Staat sollte definitiv über Bedarf ausbilden. (Wenn er genug Leute findet)

    - Das ist eine Behauptung die so erst bewiesen werden muss. Ich bin Quereinsteiger und finde die Arbeitsbedingungen beim Staat eher entspannt. So unterschiedlich sind wohl Wahrnehmungen.
    - Kann sein kann aber auch nicht sein. Sie ziehen wieder einen Missstand heran und interpretieren ihn so, dass es ihr Argument stützt. Das tun sie aber ohne jeden Beweis, dass ihre interpretation richtig ist. Als Gegenargument kann man ja immer anführen, dass mehr Auswahl auch zu mehr Bewerbern führt, da einige sich eher sozial betätigen wollen andere eher nicht. Das mit der Ausbildungsdauer ist tatsächlich ein Argument, welches man überprüfen muss.

    Und ihre letzte Schlussfolgerung ist halt absolut nicht zu halten, da aktuell nicht nach Bedarf bezahlt wird, sondern nach künstlichen Kriterien. Und ja jetzt kommt wieder der Unsinn, dass der Staat seine Aufgaben nicht wahr nimmt.

  • Wie kommt man eigentlich auf die Idee, Unterricht am Gymnasium sei anspruchsvoller? Klar, ist das inhaltlich komplexer als an der Hauptschule, aber die fachlichen Inhalte sind doch wohl eher nicht die Herausforderung in unserem Beruf, oder etwa doch?

    Ich hoffe es.


    Ich schrieb es bereits irgendwo, der Psychiater (mwd) verdient nicht weniger, wenn er auf einer Demenzstation arbeitet und seine Patient*innen nicht mehr sprechen und ihren Alltag bewältigen können. Wer meint, der Anspruch seines Faches, das er an 17-Jährige vermittelt sei so hoch, dass er mehr verdienen müsse als ein Kollege in der Grund- oder Förderschule, weil die Klientel jünger ist oder keine Abitur macht, ist offenbar selbst intellktuell überfordert.

  • Interview FDP


    Übrigens wurde gestern ein Interview mit der schulpolitischen Sprecherin der FDP geführt. A13 wurde dort auch gefragt. Habe das mal bei Youtube hochgeladen. Schon sehr interessant...


    Bevor jemand fragt, nein die Frage kam nicht von mir. Aber ja, ich hätte sie genauso gefragt :D

  • Ich hoffe es.


    Ich schrieb es bereits irgendwo, der Psychiater (mwd) verdient nicht weniger, wenn er auf einer Demenzstation arbeitet und seine Patient*innen nicht mehr sprechen und ihren Alltag bewältigen können. Wer meint, der Anspruch seines Faches, das er an 17-Jährige vermittelt sei so hoch, dass er mehr verdienen müsse als ein Kollege in der Grund- oder Förderschule, weil die Klientel jünger ist oder keine Abitur macht, ist offenbar selbst intellktuell überfordert.

    Ja aber! Die wissenschaftspropädeutische Ausbildung in der Oberstufe! Die großartige Arbeit, die laut Philologenverband ein Sek2-Lehrer leistet! Die ist doch so schwer und wichtig!


    ... Ich kann da nur noch mit Hohn und Spott reagieren. Tut mir leid, aber im normalen Lehramtsstudium wird man nicht auf "wissenschaftliches Arbeiten" vorbereitet, im Gegenteil. Echte wissenschaftliche Arbeit können sich die meisten Menschen, die nicht als solche gearbeitet haben, kaum vorstellen und bekommen im Lehramtsstudium eher ein falsches Bild vermittelt.

    So zumindestens meine Erfahrung im MINT-Bereich. Kann ja sein, dass das in Geisteswissenschaften anders ist.

  • Dann scheint der Mangel wohl nicht an der geringen Bezahlung in dem Bereich zu liegen. Und sie haben durchaus Druck von außen. In der Schweiz verdienen Sek 1 Lehrer im ersten Jahr bis zu 100.000 Euro.

    Wenn Du mir noch verrätst, wo das so sein soll? Mir hat auch schon mal jemand unterstellt ich würde am Gymnasium sicher 180000 CHF Jahresbrutto verdienen (die hat nicht mal meine Chefin). 1. sind CHF keine € und 2. gibt's sicher in KEINEM Kanton, nicht mal in Zürich, 100000 CHF für einen Berufseinsteiger Sek I. Hier die Lohntabelle Baselland 2020, die ist einigermassen repräsentativ für den gesamtschweizerischen Durchschnitt.


    https://www.baselland.ch/polit…-und-zulagen/lohntabellen


    Bitte die Tabelle 2020 anschauen, seit 2021 sind es Lohnbänder, da weiss ich nicht mal in welchem ich selber gerade bin (ich glaube wieder 9).


    Am Gymnasium bin ich Lohnklasse 9, Sek I ist irgendeine höhere Lohnklasse und verdient entsprechend weniger. Aber LK 9 hat in Anlaufstufe C ja schon keine 100000 CHF Jahresbrutto. Also woher kommen immer die Gerüchte über die schweizer Lehrergehälter?

  • - Ihrem ersten Punkt stimme ich zu. Der Staat sollte definitiv über Bedarf ausbilden. (Wenn er genug Leute findet)

    - Das ist eine Behauptung die so erst bewiesen werden muss. Ich bin Quereinsteiger und finde die Arbeitsbedingungen beim Staat eher entspannt. So unterschiedlich sind wohl Wahrnehmungen.
    - Kann sein kann aber auch nicht sein. Sie ziehen wieder einen Missstand heran und interpretieren ihn so, dass es ihr Argument stützt. Das tun sie aber ohne jeden Beweis, dass ihre interpretation richtig ist. Als Gegenargument kann man ja immer anführen, dass mehr Auswahl auch zu mehr Bewerbern führt, da einige sich eher sozial betätigen wollen andere eher nicht. Das mit der Ausbildungsdauer ist tatsächlich ein Argument, welches man überprüfen muss.

    Und ihre letzte Schlussfolgerung ist halt absolut nicht zu halten, da aktuell nicht nach Bedarf bezahlt wird, sondern nach künstlichen Kriterien. Und ja jetzt kommt wieder der Unsinn, dass der Staat seine Aufgaben nicht wahr nimmt.

    Es ist ja intereesant, wofür SIE Beweise haben möchten.

    - Den ersten Punkt sehen Sie auch so, da muss man keinen Beweis beibringen. Warum?

    - Den zweiten Punkt möchten Sie bewiesen haben. Dann beschäftigen Sie sich doch einfach mal mit Arbeitszeitstudien aus Göttingen, den Ergebnissen der Arbeitszeitkommission aus Nds, mit den Ehebungen des ifs Bremen. Da ist die anekdotische Wahrnehmung Ihrerseits weder relevant, noch bewiesen, sonderen auch nur eine Behauptung.

    - Auch den dritten Punkt möchten Sie bewiesen haben? Was daran ist nicht zu verstehen? Es geht genau um diesen Punkt, den Sie offenbar nicht zur Kenntnis nehmen möchten, der aber in etlichen Bundesländern seit mehreren Jahren genau so umgesetzt ist. Da reichen die Aussagen mehrerer MitforistInnen aus, ansonsten kann man sich mit Einstellungsvoraussetzungen beschäftigen und sich aktuelle Stellenangebote in den Bundesländern anschauen. Da wird dann auch deutlich, dass es eben nicht um irgendwelche Mangelfächer geht, sondern dass inzwischen sogar in den Stellenausschreibungen ersichtlich wird, dass Lehrkräfte für Deutsch-beliebig fehlen, da Stellen unbesetzt bleiben. Glauben Sie nicht? Nds. ist in der 2. Einstellungsrunde für kommendes Schuljahr. Darin befinden sich alle noch offenen Stellen, einsehbar unter eis-online. Diesse Stellen sind nicht auf Mangelfächer begrenzt, auch nicht auf bestimmte Schulformen.


    Wenn Ihnen an Beweisen so viel liegt, dann bringen Sie doch in nachfolgenden Beiträgen selbst bitte noch die Beweise dafür, dass das Prinzip von Angebot und Nachfrage in der Privatwirtschaft funktioniert.


    Dass es im deutschen Schulsystem zu besser besetzten Stellen führt oder besserer Entlohnung, ist auch Ihrerseits eine Behauptung. Man kann darüber unterschiedlicher Meinung sein und diese äußern. Aber daran ist Ihnen ja nicht gelegen. Deshalb bringen Sie doch selbst die Beweise dafür bei, damit wir Ihrer fixen Idee weiter folgen möchten.


    Vielleicht schneiden einzelne dabei besser ab, Quereinsteigende, wie Sie, die in der Regel die Qualifizierung zunächst noch erlangen müssen, aber die bisher unbesetzten Stellen ergreifen. Ob sich das bei Angebot und Nachfrage positiv auf das Gehalt auswirken wird, können wir jedoch nicht wissen, weil es ja nach Ihrer Argumentationsführung unbewiesen ist.

    Ob es sinnvoll ist, persönliche Einzelinterressen vorzuschieben, den gesellschaftlichen Anspruch des Schulsystems dabei aber außer Acht zu lassen, das können Sie dann auch gleich noch beweisen - ist ja Ihr Vorschlag.

  • Ich weiß, dass es z.B.in vielen bayrischen Grundschulen ganz anders aussieht. Die können ihren Wechselunterricht streamen. So etwas geht bei uns nicht. Hier ist es wie vor 30 Jahren: Tafel, OHP, Kreide.

    Dazu eine Anmerkung zur Grundschule meines Kindes: Sie nennt sich "Tablet-Schule". Mit Tablets hat mein Kind allerdings dort noch nie gearbeitet und die Kinder, die in der Notbetreuung waren, konnten nicht an den Teams-Konferenzen teilnehmen....

  • Da wir anscheinend behaupten können was wir wollen würde ich sagen, dass Gorillas in Zukunft als Lehrkräfte ausgebildet werden sollen.
    Ich bin an der Stelle raus. Ihr ständiges springen zu Punkten, welche überhaupt nicht zur Debatte stehen führt das hier ins Absurde.

  • Ich habe jetzt diese Quelle hier heran gezogen: https://www.watson.ch/schweiz/…nen-lehrer-in-der-schweiz
    Und dann halt die Löhne aus den nördlichen Bereichen genommen. Die zahlen besser und ermöglichen ein Leben in Deutschland. Sind die Zahlen falsch?

  • Ähnlich ist es ja nun mit den Erziehern, die inzwischen studieren müssen, wodurch viele den Beruf nicht mehr ergreifen können, die ihn ansonsten ergriffen hätten, denn man braucht ja nun Abitur, um Erzieher/in zu werden. Man muss ja studieren.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass man nicht in allen BL studieren muss um Erzieher*in werden zu können (https://www.zukunftsberuf-erzi…den/ablauf-der-ausbildung).

    In einer aktuellen Broschüre - Stand März 2021 (https://fachkraefteoffensive.f…dersachsen_Maerz_2021.pdf) - liest man für NDS, dass man über die vollzeitschulische Ausbildung in der "Zweijährigen BFS Sozialpädagogische/r Assistent*in" (für die man kein Abitur benötigt!) und die "Fachschule für Sozialpädagogik" Erzieher*in werden kann. Das dem tatsächlich so ist, sehe ich an meiner eigenen Schule, denn diese beiden Schulformen gibt es auch bei uns.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

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  • Ich habe jetzt diese Quelle hier heran gezogen: https://www.watson.ch/schweiz/…nen-lehrer-in-der-schweiz
    Und dann halt die Löhne aus den nördlichen Bereichen genommen. Die zahlen besser und ermöglichen ein Leben in Deutschland. Sind die Zahlen falsch?

    Und wie kommst Du dann auf 100000 € Jahresbrutto als Einstiegsgehalt? Zürich zahlt gemäss dieser Quelle 97713 CHF Jahresbrutto als Einstiegsgehalt und Zürich ist auf allen Stufen der Kanton, der am besten zahlt.



    Noch mal: CHF sind keine €. Abgesehen davon werden die Zahlen in der Quelle wohl stimmen, zumindest ist der Betrag im Baselland identisch mit der Anlaufstufe C der alten Lohnklasse 10. Da hätte ich die Sek-Ier jetzt auch reingesteckt. Nota bene unterrichtet an der Sek I kaum irgendjemand ein volles Pensum, ergo handelt es sich dabei für einen grossen Teil der Kolleginnen und Kollegen nur um ein theoretisches Einstiegsgehalt.

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