Spielerisch das Schriftbild verbessern - 1. Klasse

  • Hallo zusammen,

    unser Sohn ist dieses Jahr in die Schule gekommen. Er ist ein pfiffiges Kerlchen, es fliegt ihm eigentlich alles zu.

    Leider sieht seine Schrift u.a.S. aus. Er kann schöner schreiben, wenn er möchte, aber meist ist ihm das egal bzw. er erledigt pragmatisch seine Hausaufgaben und gut.


    Was kann man tun?

    Gibt es irgendwelche spielerischen Übungen zur Verbesserung der Feinmotorik o.ä.?


    Habe in diesem Bereich leider gar keine Ahnung, da meine Schüler schon alle volljährig sind.

    Möchte aber nicht, dass er, so wie manche Schüler, eine Sauklaue entwickelt. 🙈


    Vielen Dank und viele Grüße

    Super-Lion

  • Fädeln, kneten, Schräubchen drehen, Klavier spielen, Nägel lackieren, ...

    Belohungssystem für schöne Hausis?


    Ich muss dich aber vorwarnen, meine Handschrift war schon in der GS schrecklich und daran hat sich bis heute nichts geändert, trotz o.g. Aktivitäten.

    Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.

    Aldous Huxley

  • Hallo!


    Gerade bei überdurchschnittlich intelligenten Jungs kommt das mit der Sauklaue häufig vor, leider. Zu meiner Zeit damals hieß es damals noch "Dann musst du es noch einmal schreiben!". Was verfluchte ich damals meine Mutter dafür :(. Springt er auf Belohnungen an? Wenn ja, könnte es bereits helfen, dass eine ordentlich erledigte Hausaufgabe einen Lieblingssticker ergibt. Da er schön schreiben kann, aber anscheinend nicht will, würde ich viele Spiele anbieten, bei denen es auf Konzentration und Präzision ankommt, z.B. Malen nach Zahlen (Es darf nicht über die schwarzen Linien gemalt werden!), Dr Bibber oder Mikado. Beim Spiel kann man immer wieder thematisieren, wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen, akurat und vorsichtig zu sein, was dann im nächsten Schritt auf das Schreiben übertragen werden kann.


    Mit freundlichen Grüßen

  • Hat dein Sohn denn insgesamt eine förderbedürftige Feinmotorik? Guck mal genauer hin, woran es liegen könnte: Drückt er z.B. zu fest oder im Gegenteil zu wenig? Verschiedene Stifte ausprobieren, vielleicht kann er mit bestimmen Stiften besser schreiben als mit anderen. Bleistifte, Wachsmaler, Filzstift, Inky…einfach mal testen, womit er am besten schreiben kann. Griffhilfen benutzen, falls er z.B. den Stift zu verkrampft hält. Sonst ermüden die Finger zu schnell. Sitzt er vernünftig beim Schreiben? Meine Kinder haben die HA gern am Esstisch gemacht, da saßen sie natürlich nicht so optimal wie am höhenverstellbaren Schreibtisch und Schreibtischstuhl, die in der Zeit ungenutzt im Kinderzimmern standen. Wir haben die TrippTrappstühle dann am Esstisch benutzt.


    Hat er insgesamt Probleme mit der Auge-Hand—Koordination? Da würde ich laleonas Tipps befolgen.


    Schafft er es nicht, in den vorgegebenen Reihen zu schreiben? Ggf. andere Lineatur versuchen. Labyrinthe durchfahren, Zahlen zu Bildern verbinden, ausmalen, Wolle auf vorgegebene Linien kleben u.a.


    Sind nur manche Buchstaben, die vielleicht oft vorkommen, krakelig und sorgen für den unordentlichen Gesamteindruck? In dem Fall genau diese Buchstaben üben. Das kann das Schriftbild schon verbessern.


    Schwungübungen machen, falls er die Fingermuskulatur eher lockern sollte. Mit Fingerfarben malen, mit Rasierschaum rumschmieren, Fingerspiele machen. Falls er eher die Muskulatur kräftigen sollte: kneten, auch Teig, Schwamm ausdrücken, z.B. Spüli draufgeben, Schaum damit machen und dann in dem Schaum was malen, Buntpapier zerreißen und aufkleben, Lego bauen…


    Vielleicht schreibt er sehr langsam? Weil ihm noch die Übung fehlt, da hilft nur mehr schreiben. Meine Schüler/innen hatten alle ein Schönschreibheft. Letztendlich ist es wie beim Lesen, das man nur durchs Lesen lernt. Vielleicht könntest du ihn motivieren z.B. in der Weihnachtszeit schöne Karten zu schreiben, dann sieht man auch den Sinn im Schönschreiben.

    Belohungssystem für schöne Hausis?

    Meine Grundschullehrerin hat Stempel verteilt, wenn es besonders schön war, gab es zwei. Die wollte ich immer haben und habe mich dafür angestrengt. :PAls ich noch die kleinen Mäuse unterrichtet habe, waren Stempel auch sehr beliebt oder Aufkleber. Ob das als Mutter den gleichen Effekt hat, wenn man damit um die Ecke kommt? Ich fürchte, da muss man sich mehr einfallen lassen:zungeraus:


    Ich habe keine schöne bzw. ordentliche eigene Handschrift. Aber ich schreibe richtig schön in LA, VA oder in Druckbuchstaben -für die Tafel und die Schüler. Privat nicht, nur auf Glückwunschkarten und für meine Kinder, als sie klein waren in Druckschrift. Ich glaube, das ist z. T. auch Typsache, ob die Schrift ordentlich ist.

  • Ich würde vorschlagen, als erstes seine Lehrerin zu fragen, die kennt deinen Sohn besser als wir. Ob es wirklich Sinn ergibt, extra Knetrunden einzuläuten, wenn es letztlich daran liegt, dass ihm der Inhalt wichtiger ist als die Form, würde ich zumindest anzweifeln ;)


    Dann dürften die Hausaufgaben ja nach 2 Monaten Schule noch im Bereich "Buchstabenüben" liegen, also genau das, was er tun soll, um eine Schrift zu entwickeln. Im Schreiblehrgang müsste genau stehen, nach welcher Abfolge der Buchstabe geschrieben werden muss ("rauf runter rauf und ein Pünktchen drauf") und zwischen welchen Linien er steht ("Dach, Häuschen, Keller") und genauso soll er das machen. Nur nicht auf Zeit, i.S.v. schnell viel schaffen, sondern lieber wenig, aber genau. Und das kann man ihm ja sagen, dass es in dieser Hausaufgabe genau darum geht.


    Er könnte sich vielleicht anschließend einen farbigen Punkt unter den Buchstaben malen, den er selbst am schönsten findet.

  • ...

    Ich muss dich aber vorwarnen, meine Handschrift war schon in der GS schrecklich und daran hat sich bis heute nichts geändert, trotz o.g. Aktivitäten.

    Ich auch, ich kann nur mit einem ganz bestimmten Stift überhaupt leserlich schreiben.


    Im Ref habe ich mit Erstklässlerlineatur für die Tafel geübt, weil wir noch lateinische Ausgangsschrift gelernt haben und und unsere Schüler*innen heute SAS lernen...


    Edit: habt ihr auch alle einen Kollegen (mwd), der schreiben kann, wie ein Kalligraph? 8|

  • Vielen Dank schon mal für Eure Antworten.

    Ein Gespräch mit der Lehrerin hatte ich gestern. Die Schrift war der einzige „Kritikpunkt“.

    Die Feinmotorik ist nicht das Problem, er baut Lego etc.

    Klavier steht da, wird auch immer wieder „bespielt“, er hat sich aber für Schlagzeugunterricht entschieden. 🙈


    Ich werde Eure Tipps mal durchgehen. Vielleicht ist es auch nur eine Frage der Zeit.

    (Seine beiden Nebensitzer haben jeweils 2 ältere Geschwister und werden bald sieben, sind also fast ein 3/4 Jahr älter. Und schreiben schnell und schön.)


    Vielen Dank und allen ein schönes Wochenende!

    Bei uns sind jetzt Herbstferien! 😀

  • Allen Werbungen von Stifte-Konzernen zum Trotz:

    Bei einigen Kindern ist es wirklich die Motorik, die geübt werden muss,

    gerade bei kognitiv sehr gut aufgestellten SuS hapert es auch mal daran, dass sie wenig Einsicht haben, wozu sie die stumpfen Wiederholungen machen sollen.

    Solche Schüler verweigern bei diesen Aufgaben, indem sie kaum von der Stelle kommen, sind aber bei anspruchsvollen Aufgaben vorne mit dabei.

    Ich habe leider noch keinen Kniff gefunden, wie man ihnen die Schreibaufgaben zur Motorik besser verkaufen kann.

  • gerade bei kognitiv sehr gut aufgestellten SuS hapert es auch mal daran, dass sie wenig Einsicht haben, wozu sie die stumpfen Wiederholungen machen sollen.

    Ich denke nicht, dass man das am IQ festmachen kann, meine Förderschüler haben durchwegs einen unterdurchschnittlichen IQ (sonst wären sie nicht auf unsrer Schule) und verweigern auch die Arbeit.

    Somit könnte man deinen Satz auch umdrehen

    ;)

    Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.

    Aldous Huxley

  • Das eine schließt das andere doch nicht aus,

    aber mir sind einige Kinder bekannt, die alles locker leisten konnten, bei Wiederholungen oder Übungen zum Automatisieren aber nahezu oder völlig verweigerten: sie wissen, dass sie es können, das reicht ihnen aus. Schönheit der Schrift ist quasi die B-Note, die nicht wichtig erscheint.

    Und gerade weil ihnen sonst alles zufliegt, haben sie keine Erfahrung darin, sich anstrengen oder mal durchringen zu müssen, also mit Anstrengung zu üben, bis etwas wirklich gut wird.

    Da helfen Übungen zu Motorik dann gar nicht, weil das Problem ein anderes ist.

  • Wenn ich eine Binsenweisheit loswerden darf: Es wird tendenziell wenig geschrieben in der Grundschule. Die regelmäßigen Hefteinträge und stupiden Übungen geraten bei jüngeren Kolleg*innen in Vergessenheit. Dafür erwerben die Kleenen wiederum andere Kompetenzen. Wenn man aber Schönschrift will, muss man es regelmäßig machen.


    Das Problem ist, dass sicher 99% aller Mütter Kämpfe um Hausaufgaben haben, die es in der Schule nie gäbe, weil halt alle das machen, was die Lehrerin gesagt hat. Für Siebenjährige ist das ja noch heilig.

  • Doch, wirklich, zu Hause gibt's Tränen, wenn man irgendwas sagt, was Frau XY aber ganz anders gesagt hat!!!

  • In der Schule gibt es auch Tränen von manchen Kindern, das ist nicht immer Wut/ Trauer/ Enttäuschung, es ist auch mal ein erlerntes Verhaltensmuster, das Erfolg bringt und man darüber lernt, es auf diese Weise erneut zu versuchen (nennt man auch Krokodilstränen),

    es gibt auch Kinder, die sich verweigern, die ganz langsam machen, die gar nicht arbeiten möchten, denen ein Schulvormittag zu lang ist, sodass sie lieber gehen möchten, die darauf warten, dass jemand kommt und ihnen die Aufgabe abnimmt ...


    Und wie oft hört man den Satz "Meine Mama hat gesagt ...", obwohl die Mutter genau das dann gar nicht gesagt hat?

  • es ist auch mal ein erlerntes Verhaltensmuster, das Erfolg bringt und man darüber lernt, es auf diese Weise erneut zu versuchen (nennt man auch Krokodilstränen),

    Möglich, davon habe ich aber nicht gesprochen.


    Mama hat gesagt ...", obwohl die Mutter genau das dann gar nicht gesagt hat?

    Weiß ich nicht, wie oft hört man den Satz?


    Vielleicht möchtest du mir mitteilen, dass Erstklässler gerne uns alle manipulieren und Eltern zu doof sind, das zu verstehen, vielleicht verstehe ich dich auch falsch. Ich habe dieses Bild definitiv nicht.

  • Man hört den Satz öfter, in der 1. Klasse zumindest, dann lernen die Kinder allmählich, dass der Satz ins Leere läuft und unterlassen es, Behauptungen aufzustellen, warum dieses oder jenes ganz anders zu sein hätte.

    Vermutlich hört man den Satz ähnlich oft, wie Eltern den Satz "Frau XY hat aber gesagt..." hören.

    Das ist in der Regel auch ein Thema auf einem Elternabend in Klasse 1 oder an Elternsprechtagen.


    Für Super-Lion wäre interessant,

    - ob die Lehrkraft informieren wollte,

    - ob die Lehrkraft selbst den Wunsch hatte, dass die Eltern mit dem Kind an der Schrift arbeiten,

    - ob die Lehrkraft selbst Empfehlungen gehabt hätte,

    - ob die Lehrkraft den Eindruck hat, dass es sich mit der Zeit geben wird, oder ob sie dringenden Handlungsbedarf sieht.


    Da gibt es ja durchaus Abstufungen in der Bewertung von Handschiften und ihrer Leserlichkeit und den Erwartungen, die man nach wenigen Wochen in der 1. Klasse hegt.

    Und es gibt unterschiedliche Ursachen, auf die man die Förderung abstimmen sollte, das ist auch bei der Handschrift nicht anders als sonst.

  • Palim:

    Es war ein Kennenlern-Gespräch. Also „ohne Anlass“.

    Sie hat gefragt, ob mit den Augen alles okay sei, was ich bejahte.

    Sie hat auch den Eindruck, dass er es kann, wenn er will/muss.

    Ich wollte einfach ein bisschen „den Anfängen wehren“.

    Sie empfahl, die Feinmotorik spielerisch zu trainieren. Bei Mädchen ist das ja einfach: Bügelperlen, Perlen auffädeln etc.

    Bei Jungs fiel ihr selbst nur Lego, ggf. Fischertechnik ein.


    Wir haben jetzt beschlossen, jeden Tag etwas zu „üben“.

    Hausaufgaben sind bei uns (noch) kein Problem. Er will sie unbedingt gleich nach dem Nachhausekommen machen.

    Das geht auch immer zügig.


    Vielen Dank nochmals. Den Link schaue ich mir gleich an!

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