Meckerforum, hier darf alles rein, was doof ist

  • Früher gab es nicht so viele Themen in der Grundschule. Das Einmaleins war ein wichtiger Schwerpunkt. Oder hattest du in der Grundschule so viel Geometrie wie unsere Schüler, Arbeit mit dem Zirkel, Wahrscheinlichkeitsrechnung, sämtliche Größen, Diagramme, Statistiken, unzählige Sachaufgaben, Fahrpläne, Stadtpläne....? Ich nicht.

    Ich hatte sehr intensiv Mengenlehre, deshalb viel mit Schablonen gearbeitet, ich habe eine noch. Auch die Zeichen vereinigt, geschnitten, ohne, Mengenklammer usw. waren Thema. Wir haben also nicht nur gezeichnet, sondern auch mathematisch korrekt aufgeschrieben.

    Auch an Blöcke, Mauern, Türme kann ich mich noch erinnern, gehört das zu dem Thema Potenzen?

    Und ich hatte das Dreier- und Vierersystem in der Grundschule, nicht nur das Dezimalsystem.

    Allerdings wiederhole ich alles, was du genannt hast, in der 5. Klasse, weil ich weiß, unsere Grundschulen können nicht alles schaffen. Und mit welcher Farbe was geschrieben wird, ist die häufigste gestellte Frage, die mich ärgert und ich benötige Monate bis der letzte begriffen hat, mir ist dies egal. Das einige SuS alles mit Bleistift inkl. Klassenarbeiten schreiben wollen, ist für mich auch ein Problem.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

    Einmal editiert, zuletzt von Kris24 (13. September 2026 13:01) aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Ein Kind geht zum Mülleimer, ein anderes möchte ein Fenster öffnen, ein drittes sich irgendwas von einem Freund ausleihen oder zurückholen, womöglich alles gleichzeitig, von Kommunikation begleitet und auch nicht in einer ausdrücklichen Arbeitsphase sondern während ich etwas erkläre oder wir im Plenum etwas besprechen. Dem eigenen unmittelbaren Bedürfnis wird gegenüber der Gruppe Priorität eingeräumt.

    Meiner Wahrnehmung nach war das vor zehn Jahren bei Fünftklässlern noch eine völlige Ausnahme, heute nicht mehr. Ich werde auch öfter geduzt als früher.

    Genau das meine ich. In meinen ersten Berufsjahren gab es das nicht, irgendwann ist irgendwas anders geworden und mittlerweile finden ein Haufen Schüler sowas anscheinend normal. Und es setzt sich leider auch in die höheren Jahrgänge fort.

    Ich hab langsam auch keine Lust mehr, mich daran aufzureiben, und überlege in einigen Bildungsgängen momentan, meinen Unterricht auch zu 100% auf freies Arbeiten umzustellen. Ohne jegliche Plenums- und Sammelphasen, in denen ich mich damit rumschlagen muss, dass es unter meiner Schülerklientel eine nervensprengende Anzahl Schüler gibt, die nicht in der Lage ist, mal für 2 Minuten einfach die Klappe zu halten und nicht rumzulaufen.


    chilipaprika

    Natürlich fällt Stillsitzen nicht immer leicht, ich halte aber für wichtig, diese Fähigkeit zu erlernen. Je früher, desto besser. Heute wird das ja häufig nichtmals mehr am heimischen Esstisch eingefordert, nicht beim nicht mehr stattfindenden Kirchgang, nicht in der Vorschule, nicht hinreichend in der Grundschule, nicht in der weiterführenden Schule, also kein Wunder, dass es nicht mehr funktioniert. Es fehlt auch einfach an wirksamen Sanktionsmöglichkeiten.

  • Klar kann man Inhalte (z.B. Daten und Wahrscheinlichkeit) nach hinten schieben, aber dann entfernt man sich von dem Spiralgedanken und greift dasselbe Thema nicht immer und immer wieder über die gesamte Schulzeit hinweg auf (was durchaus auch eine Art des Lernens darstellt), sondern behandelt direkt auf einmal in einem größern Umfang.

    Nein, das ist eben nicht so.

    Wenn die Kinder in ihrem Entwicklungsprozess noch nicht weit genug sind, können sie die Inhalte nicht lernen, weil sie es nachahmen, aber nicht begreifen. Damit, immer mehr Inhalte aus höheren Jahrgängen in die Grundschulen zu stecken, hat man sich davon entfernt.

    Du kannst von einem 2-jährigem Kind eine komplizierte Schrittfolge erwarten, das Kind wird sich bemühen, kann aber nicht Schritt halten.

    Du kannst einem Anfänger in der Zweitsprache einen komplexen Hörtext vorspielen, es wird aber wenig hilfreich sein.

    Wenn aber die Entwicklung vorangeschritten ist, wird das Kind die Inhalte sehr viel leichter aufnehmen und umsetzen und nachhaltig lernen.

    Damit dies geschieht, baut man Fähigkeiten von unten auf, es hilft aber nicht, Inhalte immer weiter nach vorn zu schieben und zu hoffen, dass es nach hinten einfacher wird.

    Ein Kind, dass noch nicht läuft, kann eben auch noch keine Schrittfolge setzen, ein Kind, das kein Wort in der Zweitsprache kennt, hört den Beitrag, wird ihn aber nicht verstehen können - so wie bei Musik in einer fremden Sprache, man erhält einen Höreindruck, lernt aber die Sprache nicht.

    Mein Eindruck ist, dass man das Spiralcurriculum in einigen Teilbereichen überdreht hat, weil man Inhalte zu früh setzt und weil man die generelle Entwicklung und die individuellen Möglichkeiten der Kinder nicht bedenkt, von Differenzierung mal abgesehen.

    Genau das fehlt m.E.n. auch in den Curricula: das, was erwartet wird, ist in der Zelt nicht zu leisten. Jede Lehrkraft muss dann selbst überlegen, was sie weglässt oder wo sie eine Abkürzung nimmt. Und das gilt nicht nur für Lehrkräfte an Brennpunktschulen.

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